Springe zur Hauptnavigation Springe zum Inhalt

Pflanzenschutz – Verschiedene Wege führen zum Ziel

Pflanzenschutz ist mehr als der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Gelbschale zur Schädlingskontrolle in einem Rapsfeld
Gelbschalen werden in Rapsfeldern zur Schädlingskontrolle aufgestellt.
Quelle: hapo - landpixel.eu

Seitdem Menschen Land bewirtschaften, müssen sie sich mit dem Auftreten von Schaderregern auseinandersetzen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um pflanzenschädigende Viren, Bakterien und Pilze sowie Nematoden, Schnecken, Milben, viele Schadinsekten und Mäuse. Diese können bei landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen teils erhebliche Ertragsverluste und Qualitätseinbußen verursachen. Hinzu kommen Wildpflanzen, die in Konkurrenz zu den Kulturpflanzen wachsen und als Unkräuter den Ertrag dezimieren.

Um solche Ertragseinbußen auf ein Minimum zu reduzieren, betreiben Landwirtinnen und Landwirte Pflanzenschutz. Dabei handelt es sich aber keineswegs nur um chemische Maßnahmen. Vielmehr führt eine Kombination aus verschiedenen Verfahren zum Ziel. Vorrang dabei sollten immer die vorbeugenden Maßnahmen haben. Dazu zählt zum Beispiel der Einsatz widerstandsfähiger und an den Standort angepasster Sorten, eine fachgerechte Bodenbearbeitung sowie eine optimal terminierte Aussaat. Besonderen Einfluss auf die Pflanzengesundheit hat auch die Fruchtfolge, das heißt die Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einem Feld.

Neben diesen züchterischen und ackerbaulichen Maßnahmen gibt es noch den

  • biologischen Pflanzenschutz, also zum Beispiel den gezielten Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge,
  •  die mechanisch-physikalische Bekämpfung mit Hand- oder Maschinenhacke, Egge oder Pflug oder das Absammeln oder Fangen der Schädlinge in Fallen
  • die biotechnischen Maßnahmen, bei denen mittels Ködern und Pheromon-Duftlockstoffen Schädlinge angelockt werden.
  • die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf naturstofflicher Basis, wie sie im Ökolandbau zur Anwendung kommt und
  • schließlich den chemischen Pflanzenschutz, bei dem chemisch-sythetische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.

Zu den weiteren Videos des BZL-YouTube-Kanals

Integrierter Pflanzenschutz als hohe Messlatte

In Deutschland ist der integrierte Pflanzenschutz seit 1986 durch die Einbindung in das Pflanzenschutzgesetz als Hauptstrategie anerkannt. Integrierter Pflanzenschutz bezeichnet die aufeinander abgestimmte Nutzung aller biologischen, biotechnischen, züchterischen, anbau- und kulturtechnischen sowie chemischen Maßnahmen im Pflanzenbau. Er zielt darauf ab, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel - nach dem Motto "So viel wie nötig, so wenig wie möglich" - auf das notwendige Maß zu beschränken.

Seit 2009 schreibt die "Europäische Rahmenrichtlinie zum Nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln" die allgemeinen Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes verbindlich vor: Dazu gehören unter anderem

Wie diese Rahmenrichtlinie in Deutschland umgesetzt wird, beschreibt der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP).

Wirtschaftliche Schadschwelle ist Entscheidungsgrundlage

Landwirtinnen und Landwirte, die nach den Prinzipien des integrierten Pflanzenschutzes wirtschaften, setzen chemischen Pflanzenschutz in einer genau ausgeklügelten Strategie ein: So ermitteln sie zum Beispiel die Anzahl der Rapsglanzkäfer in sogenannten Gelbschalen. Die Käfer fliegen die gelben Schalen im Bestand wie eine Blüte an, werden dort gefangen und können ausgezählt werden. Erst wenn die "wirtschaftliche Schadschwelle" erreicht ist, werden chemische Bekämpfungsmittel eingesetzt. Die Schadschwelle gibt Aufschluss darüber, ab welcher Befallsdichte eine Bekämpfung wirtschaftlich sinnvoll ist, d.h. ab wann die Ertragsausfälle mehr Kosten verursachen als die Bekämpfung.

Bei der Entscheidungsfindung helfen Prognosemodelle und Apps aus der Industrie und der Wirtschaft, die die Zusammenhänge zwischen Befallsstärke, Befallszeitpunkt, Witterungsverlauf und Populationsentwicklung der Schädlinge sowie ihrer Gegenspieler oder den Befallsdruck pilzlicher Erreger ermitteln.

Problembereiche erkennen und anpacken

Sachgerechter Pflanzenschutz geht mit einer guten Ausbildung der Landwirtinnen und Landwirte einher, die ihre Qualifikation regelmäßig auffrischen und nachweisen müssen und auch die Pflanzenschutzspritze muss regelmäßig zum "TÜV", bei dem ihre einwandfreie technische Funktion überprüft wird.

Gerade der chemische Pflanzenschutz wird wegen seiner ökologischen Nebenwirkungen aber häufig kritisch betrachtet. Etwa in Bezug auf Beeinträchtigungen des Grundwassers, die Verarmung bzw. Beeinträchtigung der Artenvielfalt sowie das Bienensterben. Letztendlich geht es in der Landwirtschaft aber genauso wie in anderen Wirtschaftszweigen, wie beispielsweise der Automobil- oder chemischen Industrie, immer um eine Abwägung zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen bei der Produktion.

Und hier stehen nicht allein finanzielle Interessen der Landwirtinnen und Landwirten ökologischen Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber. Würde auf den chemischen Pflanzenschutz verzichtet, würden die landwirtschaftlichen Erträge geringer ausfallen, was in Form deutlich höherer Lebensmittelpreise auch die ökonomischen Interessen von Verbraucherinnen und Verbrauchern träfe.

Im integrierten Pflanzenschutz steht der chemische Pflanzenschutz am Ende einer langen und sorgfältigen Entscheidungsabwägung, wenn die anderen vorbeugenden Maßnahmen zu wenig Erfolg zeigen. So werden auskömmliche Erträge abgesichert, die Qualität der Lebensmittel erhalten und versucht, die ökologischen Nebenwirkungen so weit wie möglich zu minimieren.

Gewässer schützen, Artenvielfalt sichern

Landwirtinnen und Landwirte sind bemüht, der Artenverarmung in unserer Landschaft entgegen-zu- wirken. Immer mehr von ihnen legen dafür beispielsweise Blüh- und Ackerrandstreifen an, in denen sich Insekten und Kleintiere wohlfühlen. Oder sie legen "Lerchenfenster" an, also bewusst angelegte Fehlstellen in den Äckern, von denen nicht nur Lerchen, sondern auch Feldhasen oder Rebhühner profitieren. In Ackerbau-Arbeitskreisen und in der Gewässerschutzberatung werden die Landwirte beraten, wie sie durch eine angepasste Wirkstoffwahl Resistenzen vermeiden oder wie sie den Pflanzenschutzmitteleinsatz beispielsweise durch eine mechanische Maishacke verringern können. Speziell entwickelte "Dropleg"-Düsen verhindern ein Benetzen der Rapsblüte, die die Honigbiene anfliegt. Zudem achten die Landwirte darauf, dass sie blühende Flächen nur nach dem Ende des täglichen Bienenflugs mit Insektiziden behandeln.


Weitere Informationen


Pflanzenschutz im heimischen Garten

Nicht nur der Erwerbsgärtner hat mit Krankheiten und Schädlingen zu tun, auch den heimischen Garten gilt es davor zu schützen.

Mann auf Feld

Wie funktioniert der Pflanzenschutz im Biolandbau?

Ohne Pflanzenschutz geht es auch im Biolandbau nicht. Es darf jedoch nur eine eng begrenzte Auswahl von Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden.