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Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft aus?

Zitronen aus Norddeutschland gibt es weiterhin nicht, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft werden aber spürbar sein.

Bild eines Maisfeldes
Trockenschaden an Mais: Bei Sommerdürre reift der Mais vorzeitig ab.
Quelle: hapo/Landpixel

Klimaveränderungen hat es im Lauf der Erdgeschichte schon immer gegeben. Doch anders als früher, laufen die Prozesse durch die vom Menschen beeinflussten Faktoren in einigen Fällen schneller ab als früher. Das kann unter Umständen Tier- und Pflanzenarten an die Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit bringen.

Der Klimawandel ist keine lineare Gleichung, sondern ein langjähriger Trend. Zu den heute anerkannten Folgen des Klimawandels in Deutschland gehören unter anderem der Anstieg der Temperatur, das vermehrte Auftreten von Trockenphasen, vor allem im Sommer, sowie die Zunahme von Niederschlägen im Winter. Im Mittelmeerraum werden voraussichtlich die Niederschläge im Sommerhalbjahr noch mehr abnehmen, als bei uns.

Doch Frühsommertrockenheit ist vor allem in den Regenschattengebieten der Mittelgebirge auch jetzt schon ein Thema, das Landwirtinnen und Landwirte bewegt. Viele Kulturen können und müssen bewässert werden, um wirtschaftliche Erträge zu bringen, doch auch das ist nicht ohne Folgen für den Wasserhaushalt in der Umwelt.

Obstbäume blühen früher und sind anfälliger für Frost

Eine Erwärmung der durchschnittlichen Jahrestemperatur um ein bis zwei Grad verschiebt das Anbauspektrum im Pflanzenbau. Obstbäume blühen vierzehn Tage früher als vor 30 Jahren. Sie sind dadurch auch anfälliger für spät auftretende Fröste. Der Maisanbau ist in den letzten 25 Jahren immer weiter nach Norden vorgerückt. Ein Grund dafür ist, dass die Pflanzenzüchter Sorten gezüchtet haben, die weniger Wärme brauchen, vor allem in ihrer Jugendentwicklung im Mai.

Die Erwärmung der Erde wird auch eine Verschiebung der Insektenpopulationen zur Folge haben. Schon jetzt findet man bei uns Mücken, die es bisher nur in wärmeren Gefilden gab, bzw. die den Winter bei uns nicht überlebten. Für die Landwirtinnen und Landwirte haben insbesondere die Blattläuse eine Bedeutung, die etwa auf den Getreidefeldern großen Schaden anrichten und auch Viren übertragen können. Wissenschaft und die Industrie passen ihre Schädlingsprognosemodelle daher laufend an die Gegebenheiten an. Die Landwirtinnen und Landwirte, Obstbauern, Gärtnerinnen und Winzer werden ihre Fruchtarten und Fruchtfolgen anpassen und zukünftig vermehrt spätreife Sorten anbauen, die höhere Temperaturansprüche haben.

Ernte gegen Extremwetterlagen absichern

Zunehmende Extremwetterlagen wie Hagel, Spät- und Starkfrost, Starkregen oder Dürre gefährden die Ernten der Landwirtinnen und Landwirte. Um dem entgegenzuwirken ergreifen Sie zum einen vorbeugende Maßnahmen wie etwa die Frostschutzberegnung, bei der Pflanzen gezielt mit feinen Wassertröpfchen besprüht werden. Gefriert das Wasser wird dabei Kristallisationswärme freigesetzt, die Blätter und Blüten vor Frostschäden schützt. Die Blüte wird also zum Schutz vor Frost mit Eis umhüllt. Klingt paradox, ist aber wirkungsvoll.

Zum anderen sichern sich Landwirtinnen und Landwirte auch durch Risikoversicherungen gegen Witterungsextreme ab und betrieben betriebswirtschaftliches Risikomanagement durch Kontrakte mit ihren Abnehmern.

Landwirtschaft und Klimaschutz

Starkregenereignisse und Trockenphasen machen die Verfügbarkeit von Nährstoffen für Pflanzen schlechter kalkulierbar. Ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen ist Stickstoff. Stickstoff, der von der Pflanze nicht als Nährstoff aus dem Dünger aufgenommen wird, beschleunigt den Klimawandel. Im Hinblick auf den Klimawandel ist die Landwirtschaft also sowohl Betroffene, als auch Mitverursacherin.

Sie verursacht beispielsweise mit der für die Pflanzen lebensnotwendigen Stickstoffdüngung klimarelevante Stickstoff-Emissionen in Form von Lachgas (N2O) oder Ammoniak (NH3), die während des Stickstoffkreislaufs entstehen – also bei der Umwandelung und bakteriellen Zersetzung verschiedener Stickstoffformen. In der Atmosphäre trägt Lachgas zu einem großen Teil zum Ozonabbau bei. Ammoniak ist an der Feinstaubentstehung beteiligt und fördert zusammen mit Stickstoffoxiden die Bildung von gesundheitsschädlichem, bodennahem Ozon.

Dünger bestmöglich ausnutzen, Emissionen vermindern

Der größte Teil der Lachgas- und Ammoniakemissionen Deutschlands stammt aus der Landwirtschaft. Nach der Novellierung der europäischen NEC-Richtlinie, die für bestimmte Luftschadstoffe nationale Emissionshöchstmengen festlegt, muss Deutschland den Ausstoß an Ammoniak vermindern. Die Düngeverordnung gibt die Maßnahmen für Landwirtinnen und Landwirte vor.

Zentraler Ansatzpunkt für die Emissionsminderung ist das bestmögliche Ausnutzen des Stickstoffs im Dünger mit möglichst wenig gasförmigen Verlusten. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen.

Unterschiedliche Dünger, unterschiedliche Maßnahmen

Die wichtigsten Ammoniak-Quellen in der Landwirtschaft sind

  • die Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger (Gülle oder Festmist landwirtschaftlicher Nutztiere),
  • Emissionen aus Stallanlagen sowie
  • die Mineraldüngerausbringung (chemisch-synthetisch hergestellter mineralischer Dünger in Granulat-, Pulver- oder in flüssiger Form).

Maßnahmen zur Emissionsminderung sind beispielsweise das möglichst schnelle Einarbeiten von flüssigen Wirtschaftsdüngern wie Gülle oder Jauche in den Boden, das Ansäuern der Gülle oder die Zugabe von sogenannten Nitrifikationshemmern zum Dünger – also Wirkstoffen, die den Stickstoffkreislauf verlangsamen. Auch das Wiedervernässen von Mooren ist eine nachhaltige Klimaschutzmaßnahme. Nicht zuletzt trägt die Präzisionslandwirtschaft (Precision Farming) zur Minderung der Lachgas- und Ammoniakemissionen bei, da hierbei die Dünger sozusagen zentimetergenau und exakt am tagesaktuellen Bedarf der Pflanzen bemessen ausgebracht werden.


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