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Ein Blick in den Sauenstall

Rund 1,9 Millionen der 28 Millionen Schweine in Deutschland sind Zuchtsauen. Wie sieht der Alltag auf einem Sauenbetrieb aus?  

Sauen fressen im Deckzentrum im Fressstand
Sauen fressen im Deckzentrum am Fressstand
Quelle: landpixel.de

Wir werfen einen Blick in einen Betrieb im Münsterland.

Der Arbeitstag einer Landwirtin oder eines Landwirts mit Sauenhaltung und Ferkelproduktion beginnt morgens mit dem Kontrollgang durch die Schweineställe. Ist mit den Tieren alles in Ordnung? Herrscht Unruhe im Stall? Stimmt die Stalltemperatur? Viele Punkte müssen regelmäßig überprüft werden, damit die Tiere optimale Bedingungen haben.

Vier- bis fünfmal am Tag gehen Sauenhalterinnen und -halter zur Kontrolle und zum Füttern in den Stall. In der Geburtsphase sind sie noch öfter im Abferkelstall zur Kontrolle unterwegs. "Die beste Voraussetzung für den Erfolg im Stall sind gesunde Tiere," so Betriebsleiter Martin Dröpmann, der einen Betrieb im Münsterland führt.

Gute Stallbedingungen schaffen

Die Stalltemperatur ist gleichbleibend bei 20 Grad. Im Ferkelnest wird über eine Warmwasser-Fußbodenheizung eine Temperatur von 38 Grad geschaffen. Als zusätzliche Wärmequelle für die Ferkel in den ersten drei Tagen gibt es Rotlicht. Die Sauen erhalten eine zusätzliche Frischluftzufuhr im Kopfbereich.

Während der Tragezeit von 113 Tagen werden die Sauen in Gruppen mit jeweils neun Tieren in Selbstfangbuchten gehalten. Im Schnitt kommt eine Sau hier im Betrieb auf 2,4 Würfe und 28 abgesetzte Ferkel pro Jahr. Selbstfangbuchten sind ein beliebtes Gruppenhaltungssystem in der Sauenhaltung.

Für den Betrieb Dröpmann haben Selbstfangbuchten viele Vorteile: Jeder Sau steht ein separater Fressplatz zur Verfügung.  Die Tiere können während des Fressens im Stand einzeln fixiert und individuell gefüttert werden. Zudem bietet das Haltungssystem eine gute Übersicht im Stall. Die Beobachtung, Kontrolle und Behandlung der einzelnen Sau ist sehr gut möglich, kranke Tiere lassen sich leicht isolieren. Außerdem sind die Tiere weniger aggressiv und es herrscht während der Fresszeiten Ruhe im Stall. Die Sauen können jederzeit in der 2,8 Quadratmeter großen Bucht Schutz suchen.

In den ersten vier Wochen nach der Besamung werden die Sauen im Kastenstand gehalten, der Teil der Abferkelbucht ist und verhindern soll, dass die Muttersau ihre Ferkel erdrückt.  Die vorgeschriebene Größe eines solchen Kastenstandes beträgt 2 x 0,7 Meter bzw. 2 x 0,65 Meter für Jungsauen (bis nach dem ersten Abferkeln).

Die Abferkelbucht für eine Sau ist 2,5 Quadratmeter groß und unterteilt sich in den Liegebereich der Sau, Ferkelnest, Futterstelle und Tränke sowie Bewegungsflächen. Im Abferkelstall wird von Hand gefüttert, da dies die individuelle Anpassung der Futtermenge und die Kontrolle der Futteraufnahme der Tiere wesentlich erleichtert.

Die Jungsauen werden ebenfalls in Gruppen gehalten und in einem Quarantänestall an den Gesundheitsstatus im Betrieb gewöhnt. Die Tiere versorgen sich an einem Futterautomaten.

Die Ferkel werden nach der vierwöchigen Säugezeit in Gruppen mit 50 bis 60 Tieren gehalten. Die Futterversorgung erfolgt über einen Breiautomaten, an dem die Tiere jederzeit Futter aufnehmen können. Die Breiautomaten werden einmal am Tag automatisch befüllt. Zu Beginn der Fütterungszeit herrscht eine große Unruhe im Stall. Die individuelle Steuerung der Futteraufnahme ist bei dieser Fütterungsform schwieriger.

Was fressen die Sauen?

Für tragende und säugende Sauen stellen Sauenhalterinnen und -halter unterschiedliche Futterrationen zusammen. Die Futterration einer tragenden Sau besteht zur Hälfte aus Gerste und zu rund einem Viertel aus Eiweiß-Ergänzungsfuttermittel. Sie braucht viel Rohfaser und weniger Energie als eine säugende Sau. Die Ration säugender Säue ist energiereicher und hat einen rund doppelt so hohen Weizenanteil (25 Prozent gegenüber 12 Prozent). Für eine ausreichende Wasserversorgung stehen Tränken zur Verfügung.

Die Ferkel werden nach vier Wochen Säugezeit abgesetzt. Sie erhalten zunächst zur Muttermilch ein Pre-Starter-Futter, ab der zweiten Woche eine Ferkelfuttermischung aus Haferflocken, Gerste, Weizen, Körnermais, Mineralsalz, und 5 Prozent Milchpulver. Die Fütterung erfolgt über Breiautomaten mit zehn Fressplätzen. In der ersten Woche nimmt ein Ferkel ca. 150 Gramm zusätzliches Futter auf, in der vierten Woche sind es bereits 500 Gramm.

Erfolgreich mit gesunden Tieren

Der Erfolg im Schweinestall hängt maßgeblich von der Gesundheit des Tierbestandes ab, sodass Schweinhalterinnen und -halter ihre Tiere schon frühzeitig impfen. Für die Auswahl der Impfungen prüfen sie zunächst den Gesundheitsstatus der Herde im Betrieb. Im Betrieb Dröpmann werden die Ferkel einmal mit einer Kombi-Impfung gegen Parvovirose und Rotlauf geimpft. Dies geschieht, wenn die Tiere abgesetzt und umgestallt werden.

Parvo- und Rotlaufviren findet man in allen Ferkel erzeugenden Betrieben. Sie können große gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden verursachen, sodass eine lückenlose Grundimmunisierung der Jungsauen und Jungeber notwendig ist. Parvoviren verursachen Fruchtbarkeitsstörungen. Ferkel erhalten über die Biestmilch des Muttertieres einen Antikörper, der sie für die ersten vier bis sechs Monate vor einer Infektion schützt, Jungsauen sind aber besonders gefährdet. Weitere Schutzimpfungen, zum Beispiel gegen Schweinegrippe, gegen Durchfall und Atemwegserkrankungen, werden im Betrieb nicht standardmäßig durchgeführt. Sie sind teuer und werden nur im Bedarfsfall umgesetzt.

Zur Gesundheit der Tiere trägt auch ein sauberer und keimfreier Stall bei. Wenn Tiere ausgestallt werden, wird der Stall komplett mit dem Hochdruckreiniger gereinigt. Zur Desinfektion wird dem Reinigungswasser ein Prozent Ameisensäure zugefügt.

Rauschekontrolle und Besamung

Weitere wichtige Aufgaben von Schweinehalterinnen und -haltern sind die Rauschekontrolle und die Besamung der Sauen. Alle 21 bis 23 Tage ist die Brunst (Rausche), in der die Sauen paarungsbereit sind. Die Tiere sind dann unruhig, reagieren stark auf Geräusche und Gerüche. Die Brunstkontrolle erfolgt durch Rückendruck und Flankendruck. In der Vollrausche, die etwa 1,5 Tage andauert, werden die Sauen zweimal am Tag kontrolliert, um sicherzustellen, dass die künstliche Besamung der Sauen zum optimalen Zeitpunkt durchgeführt wird. 

Wochenarbeit mit Plan

Damit alle diese Aufgaben termingerecht erledigt werden, gibt ein computergestützter Sauenplaner in einem Wochenplan Auskunft, welche Arbeiten anstehen. Dies erleichtert auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern und gibt terminliche Sicherheit.

So sieht der beispielhafte Wochenarbeitsplan einer Sauenhalterin oder eines Sauenhalters aus:

 

Montag
  • Einstellen der tragenden Sauen in Abferkelstall
Dienstag
  • Rauschekontrolle und 1. Besamung
Mittwoch
  • 2. Besamung
Donnerstag
  • Beginn der intensiven Geburtsüberwachung (bis Samstag)
Freitag
  • Absetzen der Ferkel nach vierwöchiger Säugezeit
  • Umstallen der Sau in den Wartestall
  • Umstallen der Ferkel in den Ferkelaufzuchtstall
  • Impfen der Ferkel
  • Abferkelstall (Gruppenabteil) reinigen
Samstag
  • Abferkelstall (Gruppenabteil) desinfizieren
Sonntag
  • Aufheizen des Gruppenabteils

Weitere Informationen

Praxis-agrar.de – Schweinehaltung in Deustchland


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