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Muttergebundene Kälberaufzucht im Ökolandbau

Kühe geben nur dann eine konstant hohe Milchmenge, wenn sie jährlich ein Kalb gebären. 

Landwirt ist mit Mutterrind und neugeborens Kalb im Stall
Quelle: Dominic Menzler, BLE

Bei konventionellen und den meisten ökologisch wirtschaftenden Betrieben werden die Kälber in der Regel am ersten oder zweiten Lebenstag von ihren Müttern getrennt.

In den darauf folgenden Wochen werden die Kälber mit frischer Kuhmilch aus Tränkeeimern aufgezogen, zunächst noch in Einzelhaltung. Ab der zweiten Woche ist dies laut EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau nicht mehr erlaubt, sie werden dann mit anderen Kälbern in Gruppen gehalten. Die natürliche soziale Bindung zwischen Mutterkuh und Kalb wird bei dieser Haltungsform nicht berücksichtigt. Die Trennung von der Mutterkuh kann beim Kalb Auslöser für chronischen Stress sein.

Artgerechte Haltung

Eine alternative, artgerechte Haltung ist die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht. Dabei haben die Kälber über einen Zeitraum von mehreren Monaten Kontakt zu ihren Mutterkühen oder zu Ammenkühen, die mehrere Kälber säugen. Dies trägt deutlich zu ihrem Wohlbefinden bei. Ersten Untersuchungen zufolge sind die so aufgezogenen Kälber gesünder und zeigen keine Verhaltensstörungen. Über die Muttermilch nehmen sie Immunstoffe auf, die sie weniger anfällig für Krankheiten machen. Außerdem wachsen die Kälber schneller. Nach etwa drei Monaten werden die Kälber abgesetzt, das heißt von der Milch entwöhnt.

Die mutter- und ammengebundene Kälberaufzucht fördert die Bildung eines natürlichen Herdenverbandes, die Kälber haben einen positiven Effekt auf das Sozialverhalten der Herde. Ältere Tiere dienen den Kälbern als Vorbild, wodurch diese bei Weidehaltung früh anfangen Gras zu fressen, ebenso Rau- und Kraftfutter. Das ist förderlich für die Entwicklung ihres Magen-Darm-Traktes, außerdem nehmen sie schneller zu.

Weniger Arbeit, gleiche Milchleistung

Auch Landwirtinnen und Landwirte profitieren von dieser Haltungsform, da der Arbeitsaufwand geringer ist. Bestimmte Arbeiten im Kälberstall, wie das Erwärmen der Milch, das Füttern der Kälber oder das Säubern der Tränkeimer fallen weg. Allerdings muss mehr Zeit für die intensive Beobachtung der Tiere eingeplant werden. Ebenso wichtig ist der Aufbau einer guten Mensch-Tier-Beziehung, für die ein kontinuierlicher Kontakt zu den Kälbern während ihrer gesamten Entwicklung empfehlenswert ist. Die Milchleistung der säugenden Kühe im Vergleich zu normal gemolkenen Kühen nimmt Untersuchungen zufolge nicht ab. Allerdings können die Fettgehalte der gemolkenen Milch schwanken, je nachdem, ob das Kalb vor oder nach dem Melken gesäugt wird.

Ein paar Cent fürs Kuhwohl

Bisher sind es nur vereinzelte Betriebe, die mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht praktizieren. Darunter sind auch Höfe aus dem Netzwerk Demonstrationsbetriebe ökologischer Landbau. Eine besondere Förderung, Kennzeichnung oder Vermarktungsmöglichkeit für Milch aus mutter- oder ammengebundener Kälberaufzucht gibt es bislang nicht. Deshalb ist für Kundinnen und Kunden meist nicht erkennbar, ob die gekaufte Milch aus dieser alternativen Haltungsform stammt. Die Landwirtinnen und Landwirte vermarkten ihre Milch vorwiegend über eigene Hofläden oder liefern sie an Molkereien. Damit sich ein entsprechender Markt für Milch aus mutter- oder ammengebundener Kälberaufzucht entwickeln kann, muss die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher langfristig steigen. Dazu zählt auch die Bereitschaft, zum Wohl der Tiere etwas mehr Geld für die Milch aus nachhaltig wirtschaftenden Betrieben auszugeben.


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