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Wie wird man Landwirt oder Winzer? – Zwei Azubis berichten

Rund 32.500 Auszubildende gab es 2018 in Deutschland in den landwirtschaftlichen Berufen. Ein Landwirt- und ein Winzer-Azubi geben Einblick.

Viele Auszubildende wollen später ganz klassisch den elterlichen Betrieb übernehmen, doch auch immer mehr Quereinsteiger entscheiden sich für einen Grünen Beruf.
Quelle: Countrypixel - stock.adobe.com

"Du arbeitest gern draußen an der frischen Luft mit Pflanzen oder Tieren? Du hast keine Scheu vor Technik und bist bereit, auch mal am Wochenende zu arbeiten?" So oder ähnlich steht es in der Beschreibung vieler Ausbildungsportale zum Beruf des Landwirts bzw. der Landwirtin.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im dualen System statt, also sowohl im Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule. Johannes Lühr aus Rolfsen in der Lüneburger Heide hat seine landwirtschaftliche Ausbildung gerade beendet.

"Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen", sagt er. Vor allem der Umgang mit den landwirtschaftlichen Maschinen begeistere ihn, erzählt der junge Mann. Lühr ist auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern aufgewachsen und war von klein auf bei vielen Arbeiten dabei.

Im Anschluss an die Ausbildung besucht er derzeit die Einjährige Landwirtschaftliche Fachschule in Lüneburg, um einen Abschluss als "Staatlich geprüfter Wirtschafter" zu erwerben. Der Unterricht wird dort in zwei Winterhalbjahren statt in einem Schuljahr abgehalten. Das kommt dem Arbeitsjahr der Landwirtinnen und Landwirte entgegen, die ihre Hauptsaison während der Vegetationszeit von Frühjahr bis Herbst haben.

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Vielseitiger Beruf, vielfältige Ausbildung

Während seiner Ausbildung musste Johannes Lühr auch sogenannte Überbetriebliche Lehrgänge besuchen. Diese einwöchigen Kurse sind in Niedersachsen im zweiten und dritten Lehrjahr verpflichtend und befassen sich zum Beispiel mit Schweinehaltung, Rinderhaltung oder Geflügelhaltung.

"Bei den Lehrgängen haben wir nicht nur den Umgang mit den Tieren und die artgerechte Haltung gelernt, sondern auch viel über das Tierschutzgesetz", berichtet Lühr. Besonders interessant sei es gewesen, einen Einblick in die verschiedenen Stall- und Fütterungssysteme zu bekommen.

Schwierig fand Lühr dagegen den Umgang mit Kühen, mit denen er weder auf dem elterlichen Hof noch auf dem Ausbildungsbetrieb vorher zu tun hatte.  "Das war schon eine Herausforderung, weil ich mit Rindern und den Themen rund um ihre Haltung keine Erfahrung hatte", erzählt der junge Landwirt.

Gerade weil heute auch immer mehr junge Menschen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund in der Familie diesen Beruf erlernen, sind diese Lehrgänge aber enorm wichtig. Zur überbetrieblichen Ausbildung gehörten darüber hinaus auch zwei ebenfalls einwöchige technische Lehrgänge.

Hier lag Johannes Lührs Schwerpunkt im ersten Lehrjahr bei der Maschinenpflege und bei der Technik für die Düngung. Saat und Rübenernte sowie praktische Übungen zum Pflügen standen im zweiten Lehrjahr auf dem Programm. Im dritten Ausbildungsjahr lag der Fokus auf dem richtigen Umgang mit der Pflanzenschutzspritze sowie der Erntetechnik für Kartoffeln und Getreide, erzählt Lühr.

Breites Praxiswissen ist gefragt

Die Grünen Berufe sind längst keine reine Männer-Domäne mehr. In der Ausbildung macht der Anteil der Junglandwirtinnen etwa 15 Prozent, jener der Nachwuchswinzerinnen rund 25 Prozent aus.
Quelle: Countrypixel - stock.adobe.com

In der Abschlussprüfung musste er sein Wissen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch unter Beweis stellen - unter anderem bei der Beurteilung eines Getreide- und Kartoffelbestands und der Erläuterung der notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen. Im Schweinestall ging es um die Beurteilung der Tiere, Arbeiten im Stall und die Berechnung der Futterration.

Der Berufsabschluss befähigt Lühr, einen landwirtschaftlichen Betrieb produktionstechnisch zu führen. Weitere kaufmännische und Marketing-Kenntnisse erwirbt er jetzt in der einjährigen landwirtschaftlichen Fachschule.

Ausbildung oder Studium – der Weg zum Traumberuf

Ganz anders sehen die Lehrinhalte von Christan Eppelmann aus Stadecken-Elsheim in der Nähe von Mainz aus. Er lernt den Beruf des Winzers auf dem Weingut Rings in Freinsheim und ist im dritten Ausbildungsjahr.

"Für mich stand schon früh fest, dass ich Winzer werden will. Ein anderer Berufswunsch kam gar nicht in Frage", sagt Eppelmann, der die Abläufe in einem Weinbaubetrieb von klein auf im elterlichen Weingut kennengelernt hat.

Er entschied sich bewusst für eine klassische Ausbildung und gegen ein duales Studium. "Bei einer Ausbildung mache ich alle Abläufe und Arbeiten innerhalb eines Jahres im Betrieb mit", begründet der angehende Winzer seine Wahl.

Studiert wird später! Wenn er mit seiner Ausbildung fertig ist, will Christian Eppelmann Oenologie studieren und auf jeden Fall noch Erfahrungen im Ausland sammeln, bevor er in das elterliche Weingut einsteigt. 

Neue Eindrücke sammeln

Und auch schon während der Ausbildung ist Eppelmann auf der Suche nach neuen Eindrücken. Denn im Weinbau speilt der Standort eine wichtige Rolle. "Bei uns im Weinanbaugebiet Rheinhessen liegt der Schwerpunkt bei den Rieslingen und Burgundersorten. In der Pfalz werden aufgrund der anderen Böden mit höheren Kiesanteilen und des Klimas auch internationale Sorten wie Cabernet oder Syrah angebaut. Deshalb wollte ich das dritte Lehrjahr auf jeden Fall in einem anderen Weinanbaugebiet absolvieren", erklärt er.

Die Arbeit im Weinkeller ist ein wichtiger Bestandteil des Winzerberufs.
Quelle: Dominic Menzler - BLE

Die Ausbildungsinhalte im Beruf Winzer umfassen die Planung der Traubenproduktion im Weinberg, die Pflege der Rebstöcke, die Ernte (Weinlese), das Keltern der Trauben zu Traubensaft und die Wein- und Sektherstellung.

Während der Weinlese im August und September ist Lühr vor allem im Weinkeller beschäftigt: die Tanks vorbereiten, die von Hand gelesenen Trauben nach Qualität sortieren, von den Traubengerüsten befreien und der Presse zuführen.

Danach gilt es, den Wein in den Fässern zu begleiten – von der Gärung über das sogenannte Abstechen, bei dem der Wein von der Hefe getrennt wird, und das Filtrieren bis hin zur Abfüllung. Zudem müssen die abgefüllten Weinflaschen etikettiert werden und auch draußen im Weinberg sind zahlreiche Arbeiten zu erledigen.

Wenn er mit seiner Ausbildung fertig ist, muss Christian Eppelmann die kellerwirtschaftlichen Abläufe selbständig planen und durchführen sowie die Weinqualität prüfen können. Und er muss wissen, wie er den Wein bestmöglich vermarkten kann.

Dies lernt er unter anderem im Berufsschulunterricht, der wochenweise, vor allem im Winter abgehalten wird. Ebenso wie für Landwirt Johannes Lührs gehören auch für den angehenden Winzer Christian Eppelmann technische Lehrgänge zum Pflichtprogramm. Hier lernt er den Umgang mit den speziell für den Weinbau erforderlichen Maschinen.

BZL-Broschüre

Berufsbildung in der Landwirtschaft

Ob Ausbildung, Fortbildung oder Studium - es gibt viele Wege in den Beruf des Landwirts oder der Landwirtin.

Diese und weitere Broschüren rund um die Grünen Berufe finden Sie in unserem Medienservice.

Zum Medienservice

Viele Weiterbildungen und Spezialisierungen möglich

Die "Grünen Berufe" sind sehr vielseitig - 14 Fachrichtungen stehen zur Auswahl. So wie Christian Eppelmann beginnen jährlich rund 1.000 junge Menschen eine Ausbildung zur Winzerin oder zum Winzer. Bei den Landwirtinnen und Landwirten sind es jährlich knapp 10.000 neue Auszubildende.

Ebenso vielfältig sind die Möglichkeiten, sich nach der Ausbildung weiter zu qualifizieren. Johannes Lühr und Christian Eppelmann haben sich für die Landwirtschaftliche Fachschule bzw. das Önologie-Studium entschieden, doch das sind nur zwei von zahlreichen Wegen in einen "Grünen Beruf".


Weitere Informationen

bildungsserveragrar.de: Grüne Berufe

die-deutschen-bauern.de: Landwirt werden

oekolandbau.de: Ausbildung im Ökolandbau


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Es gibt kaum einen Beruf, der so abwechslungsreich und vielseitig ist wie der des Landwirts beziehungsweise der Landwirtin.

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