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Wie kann ich klimabewusst einkaufen?

Klimafreundlich essen und einkaufen? Das geht! Mit regionalen und saisonalen Produkten können wir ganz einfach zum Klimaschutz beitragen.

Entscheidend ist nicht nur was wir kaufen, sondern auch wie. Daher: möglichst oft das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad oder zu Fuß einkaufen.
Quelle: PeopleImages / Getty Images

Auf Fernreisen verzichten, ein Nullenergiehaus bauen, das Auto abschaffen – es gibt viele Wege seinen Klimafußabdruck zu verringern. Übrigens auch beim Lebensmittelkauf. Zwar wird man den Australienflug nicht durch den gelegentlichen Einkauf beim Hofladen nebenan kompensieren können. Aber Klimaschutz funktioniert auch in kleinen Schritten und ist bei Nahrungsmitteln häufig sogar besonders schmackhaft.

Der Klimafußabdruck von Nahrungsmitteln

Hierzulande verzehrt ein Mensch etwa 500 Kilogramm Nahrungsmittel pro Jahr. Ob Obst, Gemüse oder Fleisch - die Erzeugung dieser Nahrungsmittel verursacht schädliche Klimagase. Die Menge produzierter Klimagase hängt davon ab, wie viel Energie für die Herstellung dieser Nahrungsmittel benötigt wird und welche Energieträger dabei zum Einsatz kommen.

Auch der Energieaufwand für Lagerung und Transport spielen eine wichtige Rolle. Je länger die Lagerdauer und der Transportweg, umso mehr wird das Klima belastet.  Über den klimatischen Fußabdruck eines Nahrungsmittels geben sogenannte CO2 –Äquivalente Auskunft. Sie dienen zur Vereinheitlichung der Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase.

Das wichtigste von Menschen verursachte Treibhausgas ist Kohlendioxid. Daneben spielen auch Methan oder Lachgas eine Rolle.

Tierische Erzeugnisse belasten das Klima stärker

Die Herstellung von Fleisch, Wurst, Eiern oder Milch verursacht mehr Klimagase als die von Obst und Gemüse. Mehr als zwei Drittel aller ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen entstehen durch tierische Erzeugnisse, inklusive Fisch. Besonders klimawirksam ist Rindfleisch.

Das beginnt bereits mit der Herstellung und dem Transport der Futtermittel. Hinzu kommen der Energieverbrauch im Stall und die Verdauung der Tiere, bei der Methan in beträchtlicher Menge entsteht. Auch Transport und Kühlung des Fleisches benötigen Energie.

Butter ist eines der Lebensmittel, die einen sehr hohen CO2-Fußabdruck aufweisen.
Quelle: belamy - stock.adobe.com

Nach Berechnungen des Öko-Instituts schlägt die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch mit circa 13.000 CO2-Äquivalenten zu Buche. Unter den übrigen tierischen Produkten ist Butter der Spitzenreiter mit knapp 24.000 CO2-Äquivalenten pro Kilogramm.

Zum Vergleich: Geflügel- bzw. Schweinefleisch kommen demnach auf etwa 3.500 CO2-Äquivalente pro Kilogramm, Gemüse und Kartoffeln auf unter 200.

Der Unterschied zwischen konventionell und biologisch erzeugter Ware fällt hier übrigens relativ gering aus, auch wenn die Werte für Bioprodukte diesen Berechnungen zufolge etwas niedriger liegen. Wer nicht auf tierische Produkte verzichten will, kann zum Beispiel durch die Reduzierung seines Fleischkonsums den eigenen Klimafußabdruck sehr viel effizienter senken und noch dazu etwas für seine Gesundheit tun. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu sich zu nehmen.

Klimabilanz Gemüse: Beispiel Tomaten

Aber auch Gemüse ist nicht gleich Gemüse. Für Gärtnerinnen und Gärtner ist selbstverständlich: Sommerzeit ist Tomatenzeit. Doch auch im Winter lässt sich Tomatensauce aus frischen Zutaten zubereiten. In Supermärkten bekommt man die beliebten Gemüsefrüchte heutzutage rund ums Jahr. Die Klimabilanz der Sommer- und der Wintertomate fällt jedoch sehr unterschiedlich aus.

Im Sommer ist die Wahl einfach: Hier ist die Freilandtomate aus heimischen Anbau unschlagbar. Im tiefsten Winter wiederum ist die spanische Importtomate tendenziell klimafreundlicher. Denn noch entscheidender als die Transportwege ist für die Klimabilanz der enorm hohe Energieverbrauch beheizter Gewächshäuser – wobei unterschieden werden muss, ob fossile oder erneuerbare Energieträger genutzt werden.

Und dann spielt für die ökologische Gesamtbetrachtung - neben den Klimaauswirkungen - natürlich auch die Frage nach dem Verbrauch und der Verfügbarkeit von Wasser eine wichtige Rolle. Davon gibt es in Südspanien sehr viel weniger und es wird sehr viel mehr gebraucht, um Tomaten zu erzeugen.

Gar nicht so leicht, klimafreundlich einzukaufen, denn es gilt immer diverse Faktoren gegeneinander abzuwägen. Also warum nicht im Winter eine Tomatenpause einlegen und stattdessen die heimische Vielfalt im Wechsel der Jahreszeiten wiederentdecken und genießen? Frischer Grünkohl ist von November bis Februar, viele andere Kohlarten, rote Bete und Topinambur von Oktober bis März zu haben. Wer regional angebautes und saisonal verfügbares Obst und Gemüse verzehrt, schont das Klima und sorgt für mehr Abwechslung auf dem Teller.  

Klimabilanz Obst: Beispiel Äpfel

Regional und saisonal lautet auch bei Äpfeln die oberste Devise. Bestenfalls im Frühsommer kann Ware aus Übersee aus Klimagesichtspunkten eine Alternative sein.
Quelle: Thomas Stephan - BLE

Beim Thema Äpfel ist es etwas einfacher, aber auch nicht immer so eindeutig wie man zunächst vermuten könnte. Klar: auch hier sind heimische Saisonäpfel klimatechnisch nicht zu toppen. Und angesichts der Sortenvielfalt gibt es hierzulande von August bis in den tiefen Winter knackig frische Sorten zu genießen – von frühen Sorten wie Piros oder Gravensteiner über Herbstäpfel wie Elstar oder Cox bis hin zu Wintersorten wie Topaz, die vor dem Verzehr erst lagern müssen.

Hier sind Äpfel der Tomate gegenüber klar im Vorteil: sie lassen sich problemlos monatelang lagern. Doch auch das kostet Energie. Und so lässt sich beim Apfel zwar weitgehend verallgemeinern, dass der Griff zu heimischen Sorten klimatechnisch stets die beste Wahl ist, gerade im Frühsommer fallen die Unterschiede aber nur noch gering aus. Wer erklärter Fan neuseeländischer oder chilenischer Äpfel ist, sollte dieses Faible also am besten im Mai oder Juni ausleben.

Unser Einkaufsverhalten entscheidet mit

Tierisch oder pflanzlich, regional oder global, saisonal oder ganzjährig  – all das beeinflusst den klimatischen Fußabdruck eines Nahrungsmittels. Und die Abwägungsprozesse sind oft äußerst komplex. Darüber auf der Autofahrt zum Supermarkt intensiv nachzudenken, macht jedoch nur begrenzt Sinn. Denn der Weg zum Supermarkt kann unter Umständen mehr zur Klimabilanz von Nahrungsmitteln beitragen als der gesamte Produktionsprozess.

Sind wir zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, entstehen keine  zusätzlichen Treibhausgase. Setzt man sich nur für den Einkauf von einem Kilogramm Äpfel ins Auto, macht das auch die beste Klimabilanz regional angebauter Früchte zunichte. Will oder kann man auf den Einkauf mit dem Auto nicht verzichten, sollte man möglichst selten und nur für größere Einkäufe zum Supermarkt fahren. Dann verteilen sich die transportbedingten Emissionen auf alle eingekauften Waren.  

Und es muss auch nicht immer der Supermarkt sein. Regional und saisonal lässt sich auch sehr gut auf Wochenmärkten oder in Hofläden einkaufen. Eine weitere Alternative für den autofreien Einkauf sind "Gemüsekisten", die von Höfen aus der Umgebung geliefert werden. Die lassen sich meist nach den eigenen Vorlieben individuell zusammenstellen oder aber auch ganz bewusst nur mit regionaler Saisonware bestücken. Lassen Sie sich überraschen und erweitern Sie Ihren Speiseplan um neue Gemüsesorten.

Orientierungshilfen für klimafreundliches Einkaufen

Fragen wo's herkommt: beim Einkauf direkt beim Erzeuger kein Problem.
Quelle: Dominic Menzler - BLE

Wer direkt beim Hersteller kauft, kann sich dort aus erster Hand informieren, wo die Ware herkommt und wie sie erzeugt wurde. Aber auch für den Einkauf im Supermarkt gibt es einige Hilfsmittel, die die Orientierung erleichtern. Saisonkalender geben Auskunft, in welchen Monaten Obst und Gemüse aus heimischem Anbau reichlich verfügbar sind. Die gesetzlich vorgeschriebene Herkunftsangabe bei Rindfleisch, Obst und Gemüse, Eiern, Honig, unverarbeitetem Fisch sowie bei unverarbeitetem und vorverpacktem Fleisch lässt erkennen, ob es sich um Produkte aus der Region bzw. aus Deutschland handelt.

Regionalsiegel können hier ebenfalls die Orientierung erleichtern, auch wenn längst nicht alle von ihnen wirklich aussagekräftig sind. Bei Nahrungsmitteln ohne schriftliche Herkunftsangabe können Bar-Code–Scanner oder QR-Code-Scanner Abhilfe leisten. Man findet sie entweder direkt im Geschäft oder kann sie als App aufs Handy laden. Mit ihnen lassen sich auf den Verpackungen neben der Herkunft der Nahrungsmittel auch viele weitere Produktinformationen einfach auslesen.

Und auch, wenn wir Verpackungen vermeiden, schonen wir das Klima. Seit einiger Zeit gibt es zumindest in größeren Städten Unverpackt-Läden, die Nahrungsmittel lose anbieten. Nicht zuletzt gilt es vor dem Einkauf zu überlegen, was man tatsächlich braucht. Denn ein viel zu großer Teil der Nahrungsmittel landet heutzutage ungenutzt in der Mülltonne.


Weitere Informationen

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Saisonkalender Obst und Gemüse

BZfE: Ernährung und Klimaschutz - Klima schützen im Alltag

Der Nachhaltige Warenkorb: Essen und Trinken

Bundesumweltministerium (BMU): Konsum und Ernährung


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