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Ist Glyphosat schuld am Bienensterben?

Biene im blühenden Raps
Quelle: andreaslehr - stock.adobe.com

Frage von Thomas Münk:

Ist Glyphosat wirklich schuld am Bienensterben oder welche anderen Faktoren spielen da eine Rolle?

Antwort von Dr. Willi Kremer-Schillings:

Erst einmal: es gibt weder in Deutschland noch weltweit ein Bienensterben. Dank vieler fleißiger Imker nimmt die Zahl der Honigbienen konstant zu, sogar in China. Wenn in der Diskussion auf Wildbienen verwiesen wird, sind in der Tat 39 Wildbienen-Arten ausgestorben, aber 35 davon bereits vor 1980. 

Wenn mit der Frage die Insekten gemeint sein sollten: hier gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Eine Studie des englischen Rothamsted Institut, die über 30 Jahre vier Standorte in Agrarlandschaften untersucht hat, kam zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Insekten insgesamt etwa gleichgeblieben ist. Die in Deutschland viel zitierte Studie des Entomologischen Vereins Krefeld hat hingegen in räumlich eng begrenzten Naturschutzgebieten einen Rückgang der Masse der Fluginsekten festgestellt.

Dr. Willi Kremer-Schillings ist Ackerbauer aus dem Rhein-Kreis Neuss und bloggt als "Bauer Willi" über Landwirtschaft.
Quelle: Willi Kremer-Schillings

Das hat aber vielfältige Gründe. Ich habe mir das Naturschutzgebiet in Krefeld angesehen. Dort wird kein Vieh mehr gehalten und auch die Bauern in der Umgebung haben von Tierhaltung auf Gemüsebau umgestellt.  Zudem wird das Gras jetzt abgefahren, in der Nähe des Naturschutzgebietes ist eine Wohnsiedlung entstanden und auch sonst gab es viele Veränderungen durch den Menschen. Wenn aber Insekten kein Futter mehr finden, wandern sie aus.

Zum Glyphosat: Das ist ein Mittel, das grüne Pflanzen abtötet. Ich setze es punktuell nach dem Anbau von bestimmten Kulturen nach deren Anbau ein, also vorwiegend im Herbst auf der Getreide- oder Rapsstoppel. Zu diesem Zeitpunkt finden sich dort in der Regel keine blühenden Pflanzen mehr.  Ich könnte alternativ diesen Aufwuchs auch durch mehrfache Bodenbearbeitung (statt Glyphosat) entfernen. Das Ergebnis wäre das gleiche: die unerwünschten Pflanzen sind weg.

Allerdings bedeutet dies, dass ich mehr Treibstoff für die Überfahrten aufwenden muss (Klima), dass durch Wind- oder Wassererosion der Boden abgetragen wird, Humus abgebaut und Nährstoffe mobilisiert werden, die dann auswaschen können. Auch das Bodenleben würde durch die mehrfache Bearbeitung gestört.

Aus meiner Sicht als Bauer wünsche ich mir ein unabhängiges Monitoring (ähnlich wie in England), das untersucht, ob und in welchem Maße sich die Population der Insekten tatsächlich verändert hat. Wenn sich der Rückgang bestätigen sollte, erwarte ich von der Wissenschaft Vorschläge, mit welchen Maßnahmen ich meine Bewirtschaftung wie verändern muss, um diesem entgegen zu wirken.


Die Antworten werden vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) inhaltlich nicht verändert. Sie spiegeln die Meinung der befragten Landwirtinnen und Landwirte wider und nicht zwangsläufig die des BZL.