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Wieso wird mehr Dünger ausgebracht als Pflanzen aufnehmen können?

Quelle: Countrypixel - stock.adobe.com

Frage von Dr. Joachim Poesch:

Dünger im Grundwasser deutet ja darauf hin, dass die Pflanzen einen Teil des Düngers nicht aufnehmen und umwandeln können. Können Sie mir beispielhaft sagen, wie groß dieser Anteil prozentual ist?

Und wieso düngen Sie überhaupt mehr als die Pflanzen aufnehmen können, obwohl Dünger doch Geld kostet? Können Sie mir das anhand einer konkreten Kalkulation erläutern? Oder liegt es nur daran, dass Gülle im Überfluss vorhanden ist?

Antwort von Matthias Müller:

Die Nährstoffe, die heute nach und nach im Grundwasser ankommen, wurden zu großen Teilen zu Zeiten der "Milchseen" und "Butterberge" ausgebracht. Heute wird gezielter gedüngt, denn - wie Sie korrekt schreiben - lohnt es sich einfach ab einem gewissen Punkt nicht mehr zusätzlichen Dünger auszubringen, da die Pflanzen ihn ohnehin nicht mehr aufnehmen können. Hier spielen neben der Menge allerdings auch der Zeitpunkt und der Zustand des Bodens bzw. das Vegetationsstadium der Pflanzenbestände eine große Rolle – im Frühjahr etwa, wenn Sonneneinstrahlung und Temperaturen steigen, nehmen die Pflanzen vermehrt Nährstoffe auf.

Wer antwortet?

Matthias Müller betreibt im Nebenerwerb eine GbR für Land- und Forstwirtschaftliche Dienstleistungen. Er baut Kartoffeln an und hält Heidschnucken und Hühner.

Die von Ihnen gewünschte Beispielrechnung lässt sich recht einfach erklären, aber nur schwer mit konkreten Zahlen unterlegen: Ist eine Pflanze z.B. im Rahmen des Minimumgesetztes optimal mit Stickstoff versorgt, kostet jeder weitere Einsatz von Stickstoff Geld, bringt aber keinen zusätzlichen Ertrag mehr. Denn Faktoren wie Licht, Temperatur und Wasser spielen für die Pflanzen eine ebenso große Rolle wie die Nährstoffe. Insbesondere die Bedeutung der Faktoren Temperatur und Wasser konnten wir in den beiden letzten Jahren an den Erträgen feststellen. An solchen Jahren zeigt sich sehr gut, dass auch ein (theoretisch!) noch so hoher Einsatz von Düngemitteln die fehlende Ressource Wasser nicht ausgleichen kann. Es macht betriebswirtschaftlich für uns Landwirte also gar keinen Sinn, mehr Dünger auszubringen als die Pflanzen im Rahmen der übrigen Faktoren verwerten können.

Genauso sieht es bei der von Ihnen angesprochenen Gülle aus. Hier spielt jedoch auch die weit fortgeschrittene Spezialisierung in der Landwirtschaft eine große Rolle: Auf der einen Seite Ackerbaubetriebe, die Nährstoffe benötigen, um auszugleichen, was die Pflanzen, die sie als Futter verkaufen, dem Boden entzogen haben. Auf der anderen Seite tierhaltende Betriebe, in denen im Verhältnis zu den eigenen Flächen ein Gülleüberschuss anfällt, da die Tiere die Nährstoffe, die sie über das zugekaufte Futter aufnehmen, zum Teil wieder ausscheiden. Erst wenn die Gülle in die Ackerbauregionen zurückgeführt wird, kann sich der Kreislauf schließen, was jedoch leider in der Vergangenheit nicht ausreichend berücksichtigt wurde, sodass es zu einem Ungleichgewicht in der Verteilung der Nährstoffe kam. Inzwischen arbeiten aber immer mehr Betriebe überregional zusammen, um die Gülleproblematik in den viehstarken Regionen zu entschärfen. Da die Handelswege sowohl der Futtermittel als auch der Produkte für die menschliche Ernährung immer komplexer werden, ist es auch für die Landwirte auf Grund der hohen Spezialisierung immer schwieriger einen ausgeglichenen Nährstoffkreislauf zu erreichen.


Die Antworten werden vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) inhaltlich nicht verändert. Sie spiegeln die Meinung der befragten Landwirtinnen und Landwirte wider und nicht zwangsläufig die des BZL.