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Fragen und Antworten zur Afrikanischen Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. Die Seuche ist nur noch 60 Kilometer entfernt, hierzulande gab es aber noch keine Erkrankung.

ein Wildschwein im Wald
Quelle: kyslynskyy - stock.adobe.com

Was ist die Afrikanische Schweinepest für eine Erkrankung?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende, nicht heilbare Tierseuche, die von Viren verursacht wird. Es können nur Haus- und Wildschweine daran erkranken. Für den Menschen und andere Tiere sind die Viren ungefährlich.

Es gibt zwei Arten von Schweinepest: die Klassische Schweinepest (KSP) und die Afrikanische Schweinepest (ASP). Beide haben ähnliche Krankheitserscheinungen. Die Klassische Schweinepest kommt weltweit vor, während die Afrikanische Schweinepest zunächst nur im südlichen Afrika auftrat. Seit zehn Jahren breitet sich die Erkrankung aber ausgehend von Georgien auch in der Kaukasusregion und Osteuropa aus. Nach neuen Seuchenausbrüchen in Südbelgien ist die Erkrankung inzwischen nur noch etwa 60 Kilometer von Deutschland entfernt.

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gab es 2017 in den betroffenen Staaten insgesamt 4.140 Fälle. Davon entfielen 248 auf Hausschweine und 3.892 auf Wildschweine. Im Jahr 2018 ist die Afrikanische Schweinepest demnach bei Hausschweinen bislang vor allem in Rumänien, aber auch in der Ukraine, Polen, Litauen, Lettland und Bulgarien aufgetreten. Sehr viel höher sind die Fallzahlen bei Wildschweinen, vor allem in Polen, Litauen und Rumänien. Aktuelle Zahlen finden Sie auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Anders als die Klassische Schweinepest ist die Afrikanische Schweinepest noch nie in Deutschland aufgetreten. Beide Krankheiten sind unheilbar und werden staatlich bekämpft. Im Seuchenfall wird der gesamte Tierbestand getötet und unschädlich beseitigt. Dies gilt für die Tiere des betroffenen Betriebs ebenso wie für die Tiere der Kontaktbetriebe (bei denen z.B. die Ferkel zugekauft werden). In einem Radius von mindestens drei Kilometern um den betroffenen Betrieb wird ein Sperrbezirk ausgerufen. Die Entscheidung, ob die Tiere im gesamten Sperrbezirk gekeult werden müssen oder nur in einem engeren Zirkel von etwa 500 Metern obliegt dem Veterinäramt. Um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern, werden um den landwirtschaftlichen Betrieb herum großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet.

Die Klassische Schweinepest trat beim Hausschwein zuletzt 2006 auf, verheerende Seuchenzüge gab es vor allem in der 1990er Jahren. Allein zwischen 1993 und 2002 mussten in Europa über 15 Millionen Schweine getötet werden.

Wie sind die Krankheitserscheinungen?

Zwei bis 15 Tage nach der Ansteckung zeigen sich Krankheitserscheinungen. Infizierte Schweine haben zunächst hohes Fieber (bis zu 42 Grad Celsius), später zeigen sich Bewegungsstörungen wie ein schwankender Gang, Fressunlust, Durchfall und die Tiere neigen zu Blutungen (Hautblutungen, Nasenbluten, blutiger Durchfall). Sie zeigen Schwäche, Desorientierung und Atemprobleme. Schwer erkrankte Wildschweine haben manchmal eine verringerte Fluchtbereitschaft, sie bleiben beispielsweise in der Suhle liegen. 90 Prozent der erkrankten Tiere sterben an der Afrikanischen Schweinepest, in der Regel innerhalb einer Woche. Es gibt aber auch kaum sichtbare Krankheitsverläufe, die mildere unspezifische Krankheitserscheinungen zeigen. 

Sind Schweinefleisch und Wildschweinfleisch ungefährlich?

Aus gesundheitlicher Sicht ist es für den Menschen völlig unbedenklich, direkten Kontakt mit einem infizierten Schwein zu haben oder Schweinefleisch zu verzehren, das von einem erkrankten Tier stammt. Die Viren der Afrikanischen Schweinepest sind im Fleisch, den Organen und im Blut jedoch lange überlebensfähig. Bei 70 Grad Celsius werden sie sicher abgetötet, rohes Fleisch, Rohwurst und Schinken kann aber sehr lange infektiös bleiben. In Parmaschinken beispielsweise können die Viren bis zu 400 Tage überleben.

Schlachtabfälle von Haus- und Wildschweinen werden auch zu Hunde- und Katzenfutter verarbeitet. Dieses wird bei der Herstellung aber ausreichend erhitzt, so dass die Viren abgetötet werden. Außerdem können sich weder Katzen noch Hunde mit der Erkrankung anstecken, da sie nur Schweine befällt.

Wie stecken sich Schweine an?

Schweine können sich mit der Afrikanischen Schweinepest im direkten Kontakt mit Wild- oder Hausschweinen anstecken oder über virushaltige Gegenstände, Speisereste und Fleischprodukte. Eine Tröpfcheninfektion über die Luft, wie bei einer Erkältung beim Menschen, ist nicht möglich. 

Welche Rolle spielt der Mensch?

Der Mensch ist ein wichtiger Risikofaktor bei der Übertragung der Krankheit. Die Übertragung erfolgt in den betroffenen Gebieten durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, Speiseabfälle oder Schweinefleischerzeugnisse sowie andere indirekte Übertragungswege wie zum Beispiel Fahrzeuge, kontaminierte (Jagd)ausrüstungsgegenstände, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen oder Kleidung.

Die größte Bedrohung für eine Einschleppung nach Deutschland geht von achtlos weggeworfenen Speiseresten aus. Schon ein weggeworfenes Wurstbrötchen kann von Wildschweinen gefressen werden und so auch über größere Distanzen übertragen werden. Besonders Fernfahrerinnen und -fahrer aus den betroffenen Ländern, aber auch Reisende können damit zur Infektionsquelle werden. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat Anfang August 2017 eine Aufklärungskampagne an Autobahnraststätten und Parkplätzen gestartet. In elf Bundesländern wurden Warnplakate in mehreren Sprachen aufgehängt, die dazu aufrufen, Speisreste nur in verschlossene Mülleimer zu entsorgen. Das Bundesamt für Güterverkehr verteilt bei seinen Kontrollen Handzettel an LKW-Fahrer.

Wie werden Schweine in landwirtschaftlichen Betrieben geschützt?

Anders als bei anderen Nutztierarten gibt es in der Schweinehaltung gesetzliche Bestimmungen zur Hygiene, die verhindern sollen, dass ansteckende Infektionskrankheiten in Schweineställe eingeschleppt werden. Die Schweinehaltungshygieneverordnung war 1999 als Reaktion auf die Erfahrungen mit der Klassischen Schweinepest verabschiedet worden. 

Sie besagt beispielsweise, dass das gesamte landwirtschaftliche Betriebsgelände eingezäunt sein muss, damit Wildschweine und andere Tiere, aber auch unbefugte Menschen es nicht betreten können. Damit sind auch die Ausläufe der Schweineställe geschützt. Bei einer Weidehaltung von Schweinen müssen die Flächen doppelt eingezäunt sein – mit einem Innenzaun und einem wildsicheren Außenzaun, um den Kontakt von Wild- und Hausschweinen zu vermeiden.

Die Schweinehaltungshygieneverordnung enthält auch Vorschriften für die Reinigung und Desinfektion und legt fest, dass Ställe nur mit entsprechender Schutzkleidung betreten werden dürfen. Verendete Tiere müssen bis zum Abholen in einem verschlossenen Behälter oder Raum gelagert werden. Diese und weitere Vorschriften werden vom zuständigen Veterinäramt überprüft.

Warum sollen mehr Wildschweine erlegt werden?

Die Zahl der Wildschweine in Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und heute höher denn je. Milde Winter sorgen dafür, dass mehr Frischlinge überleben, mildes Klima sorgt auch für mehr Nahrung in Form von Bucheckern und Eicheln. Auch der weit verbreitete Maisanbau trägt dazu bei. Maisäcker bieten nicht nur Nahrung, sondern auch eine gute Deckung. Zudem haben Wildschweine keine natürlichen Feinde.

Da Wildschweine Überträger der Afrikanischen Schweinepest sind, birgt die hohe Wildschweindichte in Deutschland die Gefahr, dass dem Virus im Falle seiner Einschleppung ein großes Reservoir zur Ausbreitung und Etablierung zur Verfügung stünde. Zudem sind bei Wildschweinen die Möglichkeiten einer Seuchenbekämpfung begrenzt. Daher gibt es Forderungen die Wildschweinpopulation durch konsequente Bejagung drastisch zu reduzieren. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hält eine Reduzierung der Population für wünschenswert, weist aber auch darauf hin, dass dies im Ausbruchsfall als alleinige Bekämpfungsmaßnahme nicht ausreichend wäre.

Ohnehin hat sich, aufgrund der stark gewachsenen Bestände, die Zahl der geschossenen Wildschweine in den vergangenen Jahren verzehnfacht. Immer mehr Bundesländer zahlen Abschussprämien für Wildschweine oder bezahlen notwendige Untersuchungen – wie zum Beispiel die amtliche Untersuchung auf Trichinen (Fadenwürmer), die Voraussetzung dafür ist, dass Jäger das Wildschweinfleisch als Nahrungsmittel verkaufen dürfen.

Viele Jägerinnen und Jäger sind jedoch schon allein zeitlich nicht in der Lage, die Wildschweinjagd in einem Maße zu intensivieren, die für eine drastische Reduzierung der Bestände erforderlich wäre. Zudem ist die Wildschweinjagd für sie nicht länger lukrativ. Aufgrund stärkerer Bejagung wächst das Angebot an Wildschweinfleisch, während auf der Gegenseite die Nachfrage einbricht. Zwar gibt es bislang keine Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland und selbst das Fleisch infizierter Tiere wäre für den Menschen nicht gefährlich, dennoch hat die Krankheit verständlicherweise abschreckende Wirkung auf Verbraucherinnen und Verbraucher.

 


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