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Ferkelkastration ohne Betäubung – Was sind die Alternativen?

In der Schweinezucht werden in der Regel alle männlichen Ferkel kastriert. Dies ist bislang bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung erlaubt.

Muttersau mit Ferkeln
Muttersau mit Ferkeln
Quelle: BLE

Durch die Kastration wachsen die männlichen Ferkel nicht zu Jungebern heran, sondern bleiben sogenannte „Börge“. Der Grund: Bei einem geringen Anteil des Jungeberfleisches kann es beim Erhitzen zu einem sehr unangenehmen Geruch kommen - dem „Ebergeruch“. Er sorgt dafür, dass das Fleisch nicht vermarktbar ist.
Tierschützer kritisieren die Praxis der betäubungslosen Kastration seit langem. Der Bundestag hat 2013 eine Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen, der zu Folge ab 2019 die Ferkelkastration in Deutschland nur noch unter Betäubung zulässig ist.
Aber welche Alternativen stehen Schweinezuchtbetrieben für die Zeit ab 2019 zur Verfügung?

Die Alternativen

Zurzeit werden vor allem drei Alternativen zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln diskutiert:

  • Eine Möglichkeit ist die Durchführung der chirurgischen Kastration unter Narkose, also unter vollständiger Schmerzausschaltung. Derzeit kommen grundsätzlich drei Betäubungsverfahren in Betracht: die Injektionsnarkose, die Inhalationsnarkose und die Lokalanästhesie. Alle Verfahren dürfen nach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes nur von einem Tierarzt oder einer Tierärztin durchgeführt werden. Bei allen Verfahren müssen die Tiere anschließend mit Schmerzmitteln für die Behandlung des Wundschmerzes versorgt werden.
  • Ein zweiter Weg ist die sogenannte Immunokastration. Dabei handelt es sich um eine Impfung gegen Ebergeruch. Das Fleisch der Tiere wird durch die Impfung nicht nachteilig beeinflusst. Die Impfung unterdrückt bei den Tieren zuverlässig die Produktion von Geschlechtshormonen. Nach außen sichtbar wird dies durch deutlich kleinere Hoden. Das verwendete Tierarzneimittel ist ein EU-weit zugelassener Impfstoff, der weltweit bereits seit längerem mit Erfolg eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um zwei Injektionen, die im Abstand von mindestens vier Wochen durchgeführt werden. Die zweite Impfung muss zwischen vier und sechs Wochen vor der Schlachtung verabreicht werden. Bis die Wirkung der zweiten Impfung einsetzt, werden die Tiere als intakte Eber mit allen Vor- und Nachteilen gehalten.
  • Eine weitere Alternative ist die Ebermast. Die Mast von intakten Ebern ist aus Tierschutz-Sicht die am wenigsten umstrittene Methode, weil die Kastration bzw. Eingriffe gänzlich entfallen. Sie funktioniert gut, wenn man einige Dinge beachtet. Zum Beispiel müssen Jungeber mehr Futterplätze als die Börge haben und ihre Buchten sollten möglichst sauber sein. In schmutzigen Buchten besteht eine größere Gefahr, dass sich der gefürchtete Ebergeruch entwickelt. Auch muss das Futter für die Jungeber anders zusammengesetzt sein als für Börge. Beim Transport und im Wartebereich der Tiere im Schlachthof müssen Eber aufmerksamer behandelt werden.

Doch die Mühe lohnt sich: Jungeber haben eine günstigere Futterverwertung als Börge. Sie benötigen bis zu einem halben Kilogramm weniger Futter, um ein Kilogramm Körpersubstanz zu bilden. Außerdem bilden sie höhere Fleischanteile bei weniger Speckauflage. Im Schlachthof angekommen riechen nur drei bis fünf Prozent der Eber so stark, dass man ihr Fleisch nicht ohne Weiteres vermarkten kann. Und dieser Wert soll weiter reduziert werden. Deshalb fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Forschungsprojekte zur züchterischen Selektion von Schweinen mit geringem Ebergeruch und zur Reduzierung des Ebergeruchs durch gezielte Fütterung.


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