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Ferkelkastration ohne Betäubung – Was sind die Alternativen?

In der Schweinezucht werden in der Regel alle männlichen Ferkel kastriert. Dies ist bislang bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung erlaubt.

Muttersau mit Ferkeln
Muttersau mit Ferkeln
Quelle: BLE

Durch die Kastration wachsen die männlichen Ferkel nicht zu Jungebern heran, sondern bleiben sogenannte "Börge". Der Grund: Bei einem geringen Anteil des Jungeberfleisches kann es beim Erhitzen zu einem sehr unangenehmen Geruch kommen - dem "Ebergeruch". Er sorgt dafür, dass das Fleisch nicht vermarktbar ist.

Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren die Praxis der betäubungslosen Kastration seit langem. Der Bundestag hat 2013 eine Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen, der zu Folge ab 2019 die Ferkelkastration in Deutschland nur noch unter Betäubung zulässig ist.

Aktuell ist jedoch von einer Verlängerung der Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre auszugehen. Darauf haben sich die Koalitionsfraktionen von Union und SPD im Oktober 2018 geeinigt. Sie wollen nun zeitnah eine Initiative zur Verlängerung der Übergangsfrist auf den Weg bringen.

Aber welche Alternativen stehen Schweinezuchtbetrieben für die Zeit ab 2019 bzw. 2021 zur Verfügung?

Die Alternativen

Folgende Alternativen zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln werden derzeit diskutiert:

  • Eine Möglichkeit ist die Durchführung der chirurgischen Kastration unter Narkose, also unter vollständiger Schmerzausschaltung. Derzeit kommen grundsätzlich drei Betäubungsverfahren in Betracht: die Injektionsnarkose, die Inhalationsnarkose und die Lokalanästhesie. Alle Verfahren dürfen nach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes nur von einem Tierarzt oder einer Tierärztin durchgeführt werden. Bei allen Verfahren müssen die Tiere anschließend mit Schmerzmitteln für die Behandlung des Wundschmerzes versorgt werden.
  • Ein zweiter Weg ist die sogenannte Immunokastration. Dabei handelt es sich um eine Impfung gegen Ebergeruch. Das Fleisch der Tiere wird durch die Impfung nicht nachteilig beeinflusst. Die Impfung unterdrückt bei den Tieren zuverlässig die Produktion von Geschlechtshormonen. Nach außen sichtbar wird dies durch deutlich kleinere Hoden. Das verwendete Tierarzneimittel ist ein EU-weit zugelassener Impfstoff, der weltweit bereits seit längerem mit Erfolg eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um zwei Injektionen, die im Abstand von mindestens vier Wochen durchgeführt werden. Die zweite Impfung muss zwischen vier und sechs Wochen vor der Schlachtung verabreicht werden. Bis die Wirkung der zweiten Impfung einsetzt, werden die Tiere als intakte Eber mit allen Vor- und Nachteilen gehalten.
  • Eine weitere Alternative ist die Ebermast. Die Mast von intakten Ebern ist aus Tierschutz-Sicht die am wenigsten umstrittene Methode, weil die Kastration bzw. Eingriffe gänzlich entfallen. Sie funktioniert gut, wenn man einige Dinge beachtet. Zum Beispiel müssen Jungeber mehr Futterplätze als die Börge haben und ihre Buchten sollten möglichst sauber sein. In schmutzigen Buchten besteht eine größere Gefahr, dass sich der gefürchtete Ebergeruch entwickelt. Auch muss das Futter für die Jungeber anders zusammengesetzt sein als für Börge. Beim Transport und im Wartebereich der Tiere im Schlachthof müssen Eber aufmerksamer behandelt werden.

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Doch die Mühe lohnt sich: Jungeber haben eine günstigere Futterverwertung als Börge. Sie benötigen bis zu einem halben Kilogramm weniger Futter, um ein Kilogramm Körpersubstanz zu bilden. Außerdem bilden sie höhere Fleischanteile bei weniger Speckauflage. Im Schlachthof angekommen riechen nur drei bis fünf Prozent der Eber so stark, dass man ihr Fleisch nicht ohne Weiteres vermarkten kann. Dieser Wert soll durch Forschungsprojekte zur züchterischen Selektion von Schweinen mit geringem Ebergeruch sowie zur Reduzierung des Ebergeruchs durch gezielte Fütterung weiter reduziert werden.

Der "vierte Weg"

Viele Ferkelerzeugerinnen und –erzeuger halten alle drei Alternativen zur betäubungslosen Kastration für nicht flächendeckend umsetzbar und für alle Betriebe anwendbar. Sie favorisieren den sogenannten "vierten Weg", der zum Beispiel in Schweden und Dänemark gängige Praxis ist: die Kastration der Ferkel mit Lokalanästhesie, die von den Tierhalterinnen und –haltern selbst durchgeführt wird.

In Deutschland ist die Kastration der männlichen Ferkel unter örtlicher Betäubung zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Oktober 2018) aber nicht erlaubt. Auch dürfen Narkosemittel grundsätzlich nur von Tierärztinnen und -ärzten angewendet werden. Zudem sind die in Frage kommenden Betäubungsmittel bislang nicht für das Schwein beziehungsweise für diese Anwendung zugelassen.

Es müssten also noch eine ganze Reihe von Hürden aus dem Weg geräumt werden, um den vierten Weg wirklich gangbar zu machen. Ob das überhaupt wünschenswert ist, wird kontrovers diskutiert.

Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, das Vorgehen sei für die Ferkel sehr schmerzhaft. Auch die richtige Dosierung sowie das korrekte Treffen der Injektionsstelle sei problematisch. Befürworterinnen und Befürworter führen die positiven Erfahrungen mit diesem Verfahren in Skandinavien an.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftministerium (BMEL): Presseinformation zur Fraktionsinitiative Ferkelkastration
Deutscher Tierschutzbund: Ferkelkastration
Praxis-agrar.de – BZL-Fachportal für Landwirte: Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration
Praxis-agrar.de: Ferkelkastration - Ist der vierte Weg eine Alternative?


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