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Tiertransporte

Tiertransporte, oft über lange Strecken, sind heute gang und gäbe. Und das nicht nur zum Schlachthof. Warum ist das so und was ist erlaubt und was nicht?

Quelle: elmar gubisch - stock.adobe.com

Jedes landwirtschaftliche Nutztier erlebt mindestens einmal in seinem Leben einen Transport – den zur Schlachtung. Laut statistischem Bundesamt wurden 2020 in Deutschland etwa 727 Millionen Tiere zu einem Schlachthof gefahren. Dabei müssen die Tiere immer größere Distanzen zurücklegen.

Das liegt daran, dass in der Schlachtindustrie, wie in anderen Wirtschaftsbereichen auch, eine deutliche Konzentration der Betriebe stattgefunden hat. Das heißt immer weniger Betriebe schlachten zunehmend mehr Tiere. So wurden zum Beispiel 2020 mehr als 82 Prozent aller in Deutschland geschlachteten Schweine in die zehn größten Schlachtbetriebe befördert. Ähnlich sieht es bei Rindern und Geflügel aus.

Viele Tiere werden mehr als einmal transportiert

Für viele Tiere ist die Fahrt zum Schlachthof nicht der erste Transport ihres Lebens. Die meisten werden schon vorher – teils mehrere Male – transportiert. Das liegt daran, dass die Tierhaltung heute hochspezialisiert ist. Das heißt, viele Betriebe sind nur noch für einen bestimmten Teil der Erzeugung eines Nutztiers zuständig.

Dazu ein Beispiel: Ein Mastschwein wird in seinem etwa sechs Monate langen Leben in der Regel dreimal transportiert. Als Ferkel kommt es auf einem sauenhaltenden Betrieb zur Welt, wird dann nach drei bis vier Wochen zu einem Ferkelaufzuchtbetrieb und von dort im Alter von neun bis zehn Wochen zum Mastbetrieb transportiert. Auf dem Mastbetrieb wird es in rund 90 Tagen gemästet, bis es dann seinen dritten und letzten Transport zum Schlachthof antritt.

Transporte ins (außereuropäische) Ausland nehmen zu

Bei Mastschweinen sind mehrfache Transporte die Regel.
Quelle: landpixel.de

Landwirtschaftliche Nutztiere werden aber nicht nur innerhalb Deutschlands transportiert, sondern auch über Ländergrenzen hinweg, in andere Länder der Europäischen Union (EU), oder sogar über die EU-Grenzen hinaus. Viele der Hauptimportländer liegen im Mittelmehrraum und im Nahen Osten. Die Tiere werden dort entweder geschlachtet oder als Zuchttier für den Aufbau neuer Herden genutzt. Transporte ins Ausland bedeuten für die Tiere nicht zwangsläufig längere Transportwege. So kann ein Transport ins Ausland in grenznahen Gebieten beispielsweise kürzer sein, als einmal durch ganz Deutschland. Wenn der Transport allerdings in weiter entfernte Länder geht, erhöht sich die Transportzeit erheblich und führt zu einer enormen Belastung für die Tiere.

Warum müssen lebende Tiere so weit transportiert werden?

Es gibt vor allem zwei Gründe, warum lebende Tiere über so weite Strecken in entfernte Länder transportiert werden. Zum einen gibt es in vielen europäischen Ländern eine große Zahl ausgezeichneter Zuchttiere, die anderswo auf der Welt zum Aufbau neuer Herden sehr gefragt sind. Ein Großteil der Tiere, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen, wird aber allein aus einem Grund transportiert: um im Bestimmungsland geschlachtet zu werden. 

Aber warum müssen die Tiere so weit transportiert werden, wenn man sie dort dann sowieso schlachtet? Man könnte ihnen doch die Strapazen ersparen, wenn man sie gleich hier schlachten und nur das Fleisch exportieren würde.

Das Problem dabei ist, dass der Transport von lebenden Tieren in der Regel billiger ist als der Transport von Fleisch, das in speziellen Kühltransportern befördert werden muss.

Außerdem werden viele Tiere in islamisch geprägte Länder exportiert. Im Islam, wie auch im Judentum, ist das Schächten, also das Schlachten ohne vorherige Betäubung, religiöser Brauch. Da diese Form des Tötens von Schlachttieren in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas verboten bzw. nur in Ausnahmefällen aus religiösen Gründen erlaubt ist, importieren diese Länder die Tiere lebendig, um sie dann religionskonform schlachten zu können.

Wie werden die Tiere transportiert?

Masthühner werden in Boxen transportiert.
Quelle: landpixel.de

Nutztiere werden heute meist in LKWs transportiert, nur selten per Bahn, Schiff und Flugzeug. Der Transport erfolgt standardmäßig in ein- oder mehrstöckigen LKWs. Größere Tiere wie Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine, bewegen sich dabei frei auf den jeweiligen Decks.

Kleinere Tiere wie Hühner oder Puten werden dagegen meist in gestapelten Boxen oder Käfigen untergebracht. Für die Ausstattung der Transportfahrzeuge gibt es in der EU einheitliche Vorgaben.

Was ist erlaubt?

Kann ich beim Fleischkauf erkennen, wie weit das Tier transportiert wurde?

In der Regel nicht. Auf tierischen Lebensmitteln müssen keine Angaben über den Transport des Tieres gemacht werden. Einige Tierschutzinitiativen machen jedoch eigene Vorgaben hinsichtlich des Transports. So dürfen zum Beispiel Produkte nur dann mit dem Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" des Deutschen Tierschutzbundes gekennzeichnet werden, wenn die darin verarbeiteten Tiere maximal vier Stunden transportiert wurden. Ähnliche Regelungen habe die ökologischen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter: hier sind maximal vier Stunden und 200 Kilometer zulässig.

Weitere Informationen dazu: Für mehr Tierwohl: Haltungskriterien im Überblick

Damit die Transporte so tierschonend wie möglich ablaufen, hat die EU Gesetze erlassen. Seit 2007 gilt für jeden, der lebende Tiere gewerblich transportiert, die EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport (EG Nr. 1/2005). Sie regelt das Raumangebot, die Deckenhöhe, die Versorgung mit Futter und Wasser, die maximale Beförderungsdauer, die Transport- und Ruhezeiten und anderes mehr. Um den Tieren auch bei Transporten in außereuropäischen Ländern größtmöglichen Schutz zu gewähren, gelten die EU-Vorschriften seit 2015 auch über die EU-Grenzen hinweg – also solange, bis der Bestimmungsort erreicht ist.

Generell ist in der EU-Tiertransportverordnung geregelt, dass Tiertransporte nicht länger als acht Stunden dauern dürfen. Diese maximale Beförderungsdauer kann jedoch verlängert werden. Für solche Langstreckentransporte von mehr als acht Stunden gelten dann aber strengere Vorschriften. So müssen Transportfahrzeuge dafür spezielle bauliche und technische Voraussetzungen aufweisen. Hierzu zählen unter anderem ein Temperaturregelungssystem, ein ständiger Zugang der Tiere zu Tränkevorrichtungen sowie ein spezielles Navigationssystem. Außerdem müssen alle Langstreckentransporte vor Fahrtbeginn präzise geplant und registriert, sowie von einem Amtstierarzt genehmigt werden.

Weiterhin sieht die EU-Verordnung spezielle Fahrtzeitregelungen vor. Das heißt, die Fahrer müssen regelmäßig Pausen einlegen und Versorgungstationen ansteuern, in denen die Tiere zum Ruhen und Füttern entladen werden. Diese Regelungen sind je nach Tierart unterschiedlich. Für Schweine gilt beispielsweise: 24 Stunden Fahrt – 24 Stunden Pause in einer Versorgungsstation – 24 Stunden Fahrt usw. Rinder dürfen bis zu 29 Stunden transportiert werden, bis eine 24-stündigen Pause eingelegt werden muss.

In Deutschland gibt es eine zusätzliche nationale Tierschutztransportverordnung. Sie ist in einigen Punkten strenger als die EU-Verordnung und enthält zusätzliche Regeln.

Kritik an der Tiertransportpraxis

Auch in modernen Transportern sind Strecken in weit entfernte Länder für die Tiere eine enorme Belastung.
Quelle: Ronald Rampsch - stock.adobe.com

Tierschutzverbände sowie Tierärztinnen und Tierärzte kritisieren die Bedingungen, unter denen Tiere transportiert werden. Im Fokus der Kritik stehen insbesondere die Langstreckentransporte. Sie haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Vor allem Rinder, Schafe und Ziegen werden über weite Strecken bis in die Türkei, nach Russland, in den Libanon oder sogar nach Usbekistan transportiert. Ein durchschnittlicher Rindertransport in die Türkei dauerte 2017 im Schnitt über 100 Stunden, einer nach Usbekistan sogar mehr als 130 Stunden. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Grünen an den Deutschen Bundestag vom 3. Juli 2018 hervor.

Nach Meinung von Tierschützerinnen und Tierschützern sind die Transportbedingungen auf den Langstrecken untragbar: Die erlaubten Transportzeiten seien zu lang, die Ruhepause unzureichend und das Raumangebot zu gering. Regelmäßig dokumentieren Tierschutzorganisationen Verstöße gegen geltende Tierschutzbestimmungen bei solchen Transporten.

Sie bemängeln zum Beispiel lange Staus und enorme Verzögerungen an den EU-Außengrenzen, die besonders in den Sommermonaten einen enormen Stress bei den ohnehin schon stark geschwächten Tieren verursachen, da ein Ausladen und eine ausreichende Versorgung mit Wasser und Futter dort nicht möglich sind. Jenseits der EU-Außengrenzen seien die Tierschutzverstöße noch gravierender, da die europäische Tierschutzverordnung zwar auch außerhalb der EU-Grenzen bis zum Bestimmungsort der Tiere gelte, ihre Einhaltung häufig aber nicht ausreichend kontrolliert würde. Sowohl beim Transport als auch bei den Schlachtungen vor Ort seien Verstöße an der Tagesordnung.

Abgeordnete des Bundestages sowie des Europäischen Parlamentes  konnten sich im Sommer 2018 an einer EU-Außengrenze selbst ein Bild der Zustände machen und haben dabei Verstöße gegen die EU-Richtlinie zum Tiertransport dokumentiert .

Initiativen auf politischer Ebene zur Verbesserung des Tierwohls

Weil immer wieder Verstöße gegen die Tiertransportverordnung EG 1/2005 aufgedeckt wurden, hat das EU-Parlament im Juni 2020 mit großer Mehrheit der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zugestimmt. Dieser Ausschuss soll ein Jahr lang die Situation der Lebendtiertransporte in Europa beobachten. Dabei soll geprüft werden, woran es im Wesentlichen liegt, dass die europäischen Tiertransportbestimmungen nicht ausreichend eingehalten werden. Außerdem sollen die Verantwortlichkeiten geprüft werden: Sowohl innerhalb der EU-Kommission als auch in den Mitgliedsstaaten.

In einer im Februar 2021 gefassten Entschließung forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für strengere Regeln bei Transporten in Drittländer einzusetzen. Laut Bundesrat müssen die Tiere besser „vor Kälte- bzw. Hitzestress, überlangen Transfers, Verletzungen und unnötigen Leiden - auch am Zielort“ geschützt werden. Lebendtransporte dürften maximal acht Stunden dauern - wie dies innerdeutsch bereits gilt. Außentemperaturen unter fünf Grad oder über 25 Grad Celsius müssten überdies verhindert werden, weil sie zu Tierleid führten.

In Deutschland werden Genehmigungen für Tiertransporte durch die Veterinärämter erteilt. Die Bundesländer entscheiden eigenständig, wie kontrolliert wird und in welche Länder Transporte verboten werden. Aufgrund der immer wieder auftretenden Missstände haben inzwischen mehrere Bundesländer beschlossen, Tiertransporte auf bestimmten Routen vorerst einzuschränken, einige Bundesländer haben sie sogar verboten.

Letzte Aktualisierung: 12. Juli 2021


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport 

BMEL: Tiertransporte in Drittländer

Deutscher Bundestag: Anhörung - Experten sind über Tier­trans­porte aus der EU raus mehrheitlich besorgt

i.m.a - information.medien.agrar e.V.: Unterrichtsbaustein - Mit Nutztieren unterwegs: Tiertransporte und Tierschutz (PDF)

Deutscher Tierschutzbund e.V.: Tiertransporte


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