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Wie groß ist der Einfluss der Landwirtschaft auf den Klimawandel?

Die Landwirtschaft leidet unter dem Klimawandel, ist aber auch Teil des Problems. Doch in welchem Umfang? Und was lässt sich besser machen?

Vogelperspektive eines Mähdreschers auf dem Feld
7,4 Prozent der CO2-Emissionen stammen in Deutschland aus der Landwirtschaft.
Quelle: ollo via Getty Images

Mit knapp 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent lag der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2018 bei 7,4 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick überschaubar. Schließlich ist die Erzeugung von Lebensmitteln eine elementare Grundlage für unser Leben.

Beim Blick auf weitere Zahlen ergibt sich aber ein etwas anderes Bild. So hat der Ausstoß klimarelevanter Gase in der Landwirtschaft seit 2006 sogar leicht zugenommen, während die Emissionen in den anderen Wirtschaftsbereichen insgesamt reduziert werden konnten. Dadurch ist der relative Anteil der Landwirtschaft an den erzeugten Klimagasen gestiegen.

Im internationalen Vergleich arbeitet die deutsche Landwirtschaft allerdings relativ klimafreundlich. So schätzt der Klimarat der Europäischen Union den direkt durch die Landwirtschaft verursachten Anteil an klimaschädlichen Gasen in Europa auf knapp neun Prozent.

Gewinnung neuer Ackerflächen hat größte Klimawirkung

Nicht berücksichtigt ist in diesen Zahlen die folgenschwere Wirkung sogenannter Landnutzungsänderungen auf das Klima. Dazu gehört zum Beispiel die Abholzung von Regenwäldern zur Gewinnung neuer Ackerflächen, die vor allem in Südamerika und Südostasien stattfindet. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht davon aus, dass 24 Prozent der globalen Treibhausgase durch solche Änderungen der Landnutzung entstehen.

 

Trockengelegte Moorflächen
Trockengelegte Moore geben große Mengen CO2 an die Atmosphäre ab.
Quelle: format35 via Getty Images

In Deutschland werden keine Naturflächen mehr in Ackerland umgewandelt, doch auch bei uns gibt es einen Naturraum, der bereits weitgehend landwirtschaftlich genutzt wird und dadurch eine große klimaschädigende Wirkung entfaltet: Moore. Über 90 Prozent aller ursprünglichen Moore  in Deutschland sind bereits trockengelegt. Sie werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Das ist ein Problem. Denn Moore speichern riesige Mengen an Kohlenstoff. Werden die Flächen trockengelegt, reagiert der Kohlenstoff im Torf mit der Luft, sodass sehr viel CO2 entsteht. Allein in Deutschland macht dies etwa sechs Prozent der gesamten freigesetzten CO2-Menge aus.

Lachgas und Methan sind Problemgase der Landwirtschaft

Die eigentlichen Problemgase in der Landwirtschaft sind jedoch Lachgas und Methan. Beide sind um ein Vielfaches klimawirksamer als CO2. Methan entsteht vor allem beim Verdauungsvorgang von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen und bei der Lagerung von Gülle und Mist. Über 60 Prozent der gesamten Methan-Emissionen in Deutschland  stammen aus der Landwirtschaft.

80 Prozent der Lachgas-Emissionen kommen aus der Landwirtschaft

Bei Lachgas, das etwa 300-mal so klimaschädlich ist wie CO2, gehen sogar über 80 Prozent des Gesamtausstoßes  auf das Konto der Landwirtschaft. Es entsteht vor allem durch die Ausbringung von stickstoffhaltigen Mineraldüngern und Gülle auf Äckern und Grünland.

Doch inzwischen arbeiten Praxis und Politik in Deutschland und der Europäischen Union (EU) daran, die Erzeugung von Lebensmitteln zukünftig klimafreundlicher zu gestalten. Ganz konkret hat sich die Bundesregierung das Ziel gesteckt, die Emissionen aus der Landwirtschaft von 2014 bis 2030 um 14 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zu senken. Auch die neue EU-Agrarreform sieht vor, verstärkt klimafreundliche Anbau- und Tierhaltungsmethoden zu fördern.

Moorschutz ist Klimaschutz

Einen großen und relativ kostengünstigen Beitrag könnte dabei vor allem die Wiedervernässung von Mooren leisten. Immerhin 70 Prozent der Moorflächen  in Deutschland werden landwirtschaftlich genutzt. Würde man diese Flächen und alle weiteren trockengelegten deutschen Moore renaturieren, könnten etwa 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der Landwirtschaft eingespart werden.

Dadurch ginge aber natürlich auch landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Um diese Zahlen besser einordnen zu können: Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt, Moorböden machen etwa vier Prozent der Bundesfläche aus.

Auch weltweit hätten der Schutz bestehender Moore und die Wiederherstellung trockengelegter Flächen einen großen Effekt für das Klima. Denn Fachleute gehen davon aus, dass die bisher trockengelegten Moore jährlich etwa drei Milliarden Tonnen CO2 an die Atmosphäre abgegeben. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können aktiv zum Moorschutz beitragen, indem sie zum Beispiel auf den Kauf von Torf als Blumenerde verzichten.

Stickstoff effizienter nutzen

Mineraldüngerstreuer auf dem Feld
Durch den Einsatz von synthetischen Mineraldüngern auf dem Acker entstehen große Mengen an klimaschädigendem Lachgas.
Quelle: landpixel.de

Durch eine noch effizientere Nutzung der eingesetzten Stickstoffdünger, wie sie etwa die neue Düngeverordnung vorsieht, sollen zudem die Lachgasemissionen verringert werden. Das wäre zum Beispiel möglich durch eine noch stärkere Orientierung an den verfügbaren Stickstoffmengen im Boden und den in Abhängigkeit von der Witterung zu erwartenden Erträgen.  

Weitere Klimaschutzpotenziale bietet eine Bodenbewirtschaftung, die den Humusaufbau im Blick hat. Gelingt es zum Beispiel, den durchschnittlichen Humusgehalt im Boden nur um 0,1 Prozent zu steigern, können je nach Bodenart bis zu sechs Tonnen CO2 pro Hektar gespeichert werden.

Humusfördernd wirkt sich unter anderem der Anbau sogenannter Zwischenfrüchte im Winter und mehrjähriger Kulturen wie Kleegras aus. Auch das Einbringen von organischer Substanz wie Mist oder Kompost trägt zum Humusaufbau bei. Besonders vorteilhaft für den Humusaufbau ist der Erhalt von Dauergrünland. Messungen zeigen, dass die Humusgehalte unter Grünland im Schnitt etwa zwei- bis dreimal höher sind als auf reinen Ackerflächen.

Ökolandbau bietet Vorteile

Eine humusfördernde Bewirtschaftung gilt vor allem im Ökolandbau als ein wichtiges Ziel. Für den Ökolandbau spricht in Bezug auf den Klimaschutz zudem der vollständige Verzicht auf synthetisch hergestellte Düngemittel, ein geringerer Stickstoffeinsatz und eine dadurch bedingte bessere Verwertung des Stickstoffs im Pflanzenbau . Deshalb entstehen hier auch deutlich weniger Lachgas-Emissionen. Aus diesem Grund soll die ökologische Bewirtschaftung weiter gefördert werden.

Ein Nachteil des Ökolandbaus sind dagegen die im Vergleich zum konventionellen Anbau deutlich geringeren Erträge (etwa -40 Prozent), die einen höheren Flächenbedarf erfordern.

Methanbildung verringern

Luftbild einer Biogasanlage
Gülle soll zukünftig noch stärker zur Energiegewinnung in Biogasanlagen genutzt werden.
Quelle: landpixel.de

Ein weiterer Baustein für den Klimaschutz sind Verbesserungen in der Tierhaltung. Hier zielen die Maßnahmen vor allem darauf ab, die Methanbildung durch die anfallende Gülle zu verringern. Deshalb sollen zum Beispiel verstärkt gasdichte Anlagen für die Lagerung und die energetische Nutzung von Gülle in Biogasanlagen gefördert werden.

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können einen Beitrag leisten

Doch auch Verbraucherinnen und Verbraucher können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Klimabilanz im Bereich der Lebensmittelerzeugung zu verbessern. Ganz einfach, indem sie weniger Lebensmittel wegschmeißen. Denn zurzeit landen jedes Jahr noch etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Die Bundesregierung hat sich mit der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ zum Ziel gesetzt, diese Menge bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Damit würden immerhin sechs Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Letzte Aktualisierung: 5. Dezember 2020


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Landwirtschaft und Klimaschutz

BMEL: Dem Wandel begegnen (PDF)

Umweltbundesamt (UBA): Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen

Bundesentwicklungsministerium (BMZ): Landwirtschaft und Klima

Bundesamt für Naturschutz (BfN): Ökosystemleistungen der Moore


Bild eines Maisfeldes

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