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Pflanzenjauche – natürlicher Flüssigdünger für den Garten

Einfach Brennnesseln mit Wasser mischen und verjauchen lassen – fertig. Dieser natürliche Dünger bringt schnell verfügbare Nährstoffe an die Pflanzen.

Blick auf eine Brennnesseljauche, an der Oberfläche schwimmen frische Pflanzenteile, daneben ist ein Stock zum Rühren zu sehen.
Pflanzenjauche aus Brennnesseln ist weit verbreitet.
Quelle: fotoliaanjak via Adobe Stock

Pflanzenjauchen sind natürliche, kostenlose Flüssigdünger, die man sehr gut im eigenen Garten verwenden kann. Neben den Hauptnährstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium verfügen sie über einen hohen Mineralstoffgehalt – sie haben also alles, was die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Zu den Klassikern unter den Pflanzenjauchen zählen Jauchen aus Brennnesseln und Beinwell. Diese sind häufig als "Unkraut" im eigenen Garten zu finden. Als Zutaten eignen sich aber auch andere Wildkräuter wie Löwenzahn oder Giersch.

Die Nährstoffgehalte in Pflanzenjauchen können sehr unterschiedlich ausfallen. Das hängt zum einen von der verwendeten Pflanzenart ab, zum anderen aber auch davon, in welchem Zustand sich die Pflanze befindet und zu welcher Jahreszeit man sie erntet. Im Allgemeinen liegt der Gehalt an Gesamtstickstoff – dem wichtigsten Nährstoff für die Pflanzen – in Pflanzenjauchen etwas unterhalb von dem von Kompost.

Während der Kompost-Stickstoff im Gemüsebeet aber erst noch durch Bodenorganismen pflanzenverfügbar gemacht werden muss, können die Wurzeln die Nährstoffe aus der Pflanzenjauche unmittelbar nach dem Ausbringen aufnehmen. Der Vorteil der Pflanzenjauchen liegt also nicht in der Höhe des in ihnen enthaltenen Stickstoffs, sondern in ihrer schnellen Wirkung. Damit sind Pflanzenjauchen eine sehr gute Ergänzung zum Kompost.

Vor allem starkzehrende Kulturen wie Kohl oder Tomaten können solche schnellwirkenden Sonderrationen während der Vegetationszeit gut gebrauchen. Bei akutem Nährstoffmangel können Pflanzenjauchen sogar als Blattdünger verabreicht werden und sind damit noch schneller für die Pflanze verfügbar. Für diesen Zweck müssen sie aber stark verdünnt werden, da es sonst zu Verätzungen an den Blättern oder Blüten kommen kann.

Zwei behandschuhte Hände schneiden über einem Kunststoffeimer mit einer Schere Brennnesselpflanzen klein.
Die Pflanzenteile werden grob zerkleinert, bevor sie in dem Gefäß mit Wasser vermengt werden.
Quelle: Martina via Adobe Stock

Die Pflanzenjauche ansetzen

Herstellung und Anwendung von Pflanzenjauchen sind sehr einfach. Man benötigt dazu lediglich ein Fass oder großen Eimer aus Kunststoff, Holz oder Steingut. Metallgefäße werden nicht empfohlen, weil es zu ungünstigen chemischen Reaktionen zwischen der Jauche und dem Metall kommen kann.

Da für das "Verjauchen" Sauerstoff benötigt wird, sollte kein Deckel auf den Behälter gelegt werden. Um aber zu verhindern, dass Jungvögel oder andere Tiere hineinfallen und ertrinken, sollte das Behältnis überspannt werden (beispielsweise mit einem Netz oder Draht).

Für die Jaucheherstellung kann man getrocknete sowie frische Pflanzen verwenden. Wichtig ist nur, dass diese im richtigen Verhältnis mit Wasser gemischt werden. Grundsätzlich gilt: Ein Kilogramm frisches oder 100 bis 200 Gramm getrocknetes Kraut kommt auf zehn Liter Wasser. Verwendet wird nur das Kraut – das heißt Blätter und Stängel der Pflanze –, das grob zerkleinert in das Fass gegeben wird. Um den unangenehmen Geruch abzumildern, der bei der Gärung entsteht, kann man etwas Gesteinsmehl hinzugeben.

Eine roter Kinderschippe mit Gesteinsmehl wird über einen Eimer mit Pflanzenjauche gehalten.
Um den unangenehmen Geruch abzumildern, kann etwas Gesteinsmehl hinzugegeben werden.
Quelle: Martina via Adobe Stock

Täglich sollte einmal kräftig gerührt werden. Das bringt Sauerstoff in die Mischung und fördert den Gärungsprozess. Bei warmer Witterung ist der Verjauchungsprozess nach etwa 14 Tagen abgeschlossen. Dies erkennt man daran, dass die Jauche eine dunkle Farbe angenommen hat und nicht mehr schäumt.

Einfach mit der Gießkanne ausbringen

Die Pflanzenjauche wird in der Regel im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt und mit der Gießkanne oder ähnlichem um die Pflanzen herum an die Wurzeln gegossen. Bei sehr akutem Nährstoffmangel kann die Jauche in einem Verhältnis von 1:50 auch direkt über die Blätter der Pflanzen versprüht werden – in diesem Fall spricht man von Blattdüngung. Die Pflanzen nehmen die Nährstoffe dann über die Spaltöffnungen der Blätter auf. Um ein Verstopfen der feinen Düsen der Spritzflaschen zu verhindern, sollte die verdünnte Jauche vorher durch ein Tuch abgeseiht werden.

Pflanzenjauche sollte möglichst bei bedecktem Himmel früh morgens oder abends ausgebracht werden, vor allem dann, wenn sie als Blattdünger verabreicht wird. Hinsichtlich der Ausbringmenge und -intervalle gibt es keine allgemeingültigen Angaben. Die Menge hängt stark vom Nährstoffbedarf der Pflanzen sowie dem Bodenvorrat an Nährstoffen ab.

Pflanzenjauche kann man in einem lichtundurchlässigen abgedeckten Gefäß an einem dunklen und kühlen Ort für einige Wochen aufbewahren. Die Jauche sollte aber innerhalb der laufenden Vegetationsperiode verbraucht werden, denn mit der Zeit gehen durch mikrobielle Prozesse Nährstoffe verloren. Wenn sich Schimmel auf der Jauche bildet, ist das nicht weiter schlimm, vor der weiteren Verwendung sollte dieser aber abgeschöpft werden.

Mehr als nur Dünger?

Es gibt Gärtnerinnen und Gärtner, die auf die Wirkung von Jauchen und anderen Kräuterzubereitungen wie Brühen und Tees gegen Schadinsekten oder Pflanzenkrankheiten schwören. Auch in der Gartenliteratur findet man zahlreiche Empfehlungen und Rezepturen dazu.
Einige bedeutende Zubereitungen finden Sie auch hier bei landwirtschaft.de

Boden regelmäßig untersuchen lassen

Tendenziell wird im Hobbygarten eher zu viel gedüngt als zu wenig – vor allem im Gemüsegarten. Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten unserer Gartenböden extrem überversorgt sind, vor allem mit Phosphor und Kalium, aber auch mit Stickstoff. Daher sei grundsätzlich empfohlen, den Gartenboden etwa alle vier bis fünf Jahre untersuchen zu lassen – auch bei Einsatz von organischen Düngern wie Brennnesseljauche und Kompost. Diesen Service bieten einige Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA) sowie der Raiffeisen-Laborservice auch für Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner an.

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2024


Weitere Informationen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz, Einsatz von Pflanzenextrakten (PDF)

Hortipendium.de: Pflanzenjauche


Hornspäne

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