Kirschessigfliege, Reiswanze, Japankäfer: Sechs neue Schädlinge im Garten
Letzte Aktualisierung: 13. November 2025
Neue Schädlinge breiten sich in unseren Gärten aus. Was bedeutet das für den Pflanzenschutz? Und wieso ist es wichtig, neue Schädlinge zu melden?
Quelle: Katja Schulz, CC BY 4.0 via Wikimedia Commons
In Kürze
- Neue Schädlinge breiten sich zunehmend in heimischen Gärten aus.
- Wir stellen die Schädlinge Schilf-Glasflügelzikade, Bläulingszikade, Kirschessigfliege, Maulbeerschildlaus, Grüne
- Reiswanze und Japankäfer vor.
- Vorbeugende Maßnahmen wie Einnetzen helfen, gegen starken Befall sind einige nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel zugelassen.
- Werden neue Schädlinge gefunden, können sie dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden.
Zahlreiche in anderen Ländern oder sogar auf anderen Kontinenten beheimatete Schaderreger profitieren sowohl von der Globalisierung als auch vom Klimawandel. Die weltweiten Handelsströme ermöglichen es einer Vielzahl von Schädlingen, als blinde Passagiere in Pflanzen und Verpackungsmaterialien einzureisen. Wenn sie sich dann an ihrem neuen Standort stark vermehren und das heimische Ökosystem schädigen, zählt man sie zu den invasiven Arten.
Der Klimawandel wiederum begünstigt den Zuzug in doppelter Hinsicht: Viele Schaderreger benötigen höhere Durchschnittstemperaturen oder zumindest mildere Winter, um sich dauerhaft etablieren zu können. Für manche wie die Kirschessigfliege stellte früher auch der Alpenkamm ein unüberwindbares Hindernis dar. Doch die ausschlaggebende, einst bis zu 50 Kilometer breite Eisbarriere schmilzt in manchen Jahren auf unter 15 Kilometer zusammen. Und wo es früher nur vereinzelt einmal ein Insekt über die Berge wehte, lassen sich heute bei günstigem Wind Tausende in neue Gefilde tragen.
Quelle: PlazacCameraman via Getty Images
Wie kann man sich vor den Schädlingen schützen?
Die vielleicht beste Vorbeugung gegen die meisten Schädlinge ist der Einsatz von feinen Schutznetzen. Das finden zwar viele nicht schön, dafür schützt es nicht nur vor Insekten und Vögeln, sondern wärmt die Luft darunter auf – fast wie in einem Gewächshaus. Die Maschenweite sollte kleiner als 0,8 mal 0,8 Millimeter sein, damit bloß keine kleine Fliege hindurchkommt. An den Außenseiten müssen die Netze sorgfältig im Boden verankert beziehungsweise unter der Baumkrone zusammengebunden werden.
Für eine lange Haltbarkeit sollten Sie ein Kulturschutznetz aus UV-lichtbeständigem Material wählen. Deutlich teurer, aber eine komfortable Variante für einzelne kleinkronige Gehölze sind vorgefertigte Netze mit seitlichem Reißverschluss. Nach dem Überstülpen lassen sie sich per Kordelzug schnell und dicht unterhalb der Krone schließen. Ein Nachteil der Netze ist, dass sich Kunststoffeinträge in die Umwelt kaum vermeiden lassen. Das Risiko lässt sich durch besonders hochwertige und UV-lichtbeständige Netze minimieren.
Im Folgenden stellen wir sechs neue Schädlinge vor, die in vielen Hobbygärten auftauchen können. Bei der Diagnose und der Bekämpfung unter den Netzen helfen Gelbtafeln, an denen die Schädlinge kleben bleiben.
Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus)
Quelle: A. Dewert/Julius Kühn-Institut (JKI)
Die Schilf-Glasfügelzikade kommt aus dem Mittelmeerraum und ernährte sich ursprünglich nur von Schilf. Um das Jahr 2000 erweiterte sie ihr Wirtsspektrum auf Zuckerrüben und wanderte vom Mittelmeer nach Deutschland. Mittlerweile kommt sie in ganz Deutschland vor und saugt nicht nur an Rüben, sondern auch an Kartoffeln und Gemüse wie Möhren und Zwiebeln. Das Saugen schadet den Pflanzen kaum, die eigentliche Gefahr liegt in der Übertragung von für den Menschen ungefährlichen bakteriellen Pflanzenkrankheiten.
Die Zikade wird etwa fünf bis zehn Millimeter groß und hat einen hellgrauen, Körper mit großen Augen. Die durchsichtigen Flügel sind dachartig gefaltetet. Nymphen (Jungtiere) haben keine Flügel, aber einen weißen Federbusch am Hinterleib. Sie verstecken sich meist im Boden und saugen an den Wurzeln. Befallene Pflanzen erkennen Sie an Welke trotz guter Wasserversorgung und häufig an Gelb- und Rotverfärbungen an Blättern und Stäengeln. Knollen und Rüben sind verschrumpelt und gummiartig. Das Gemüse ist zwar noch essbar, aber schmeckt schlecht und ist kaum lagerfähig.
Im Garten hilft vor allem die vorbeugende Einnetzung. Das ist vor allem in Regionen sinnvoll, in denen auf den Feldern viele Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut werden. Pflanzenschutzmittel wirken im Kleingarten kaum, weil die erwachsenen Zikaden sehr beweglich sind und die Jungtiere sich im Boden verstecken.
Bläulingszikade (Metcalfa pruinosa)
Quelle: Olaf Zimmermann - LTZ Augustenberg
Die fünf bis acht Millimeter große Bläulingszikade unterscheidet sich von der Schilf-Glasflügelzikade durch ihre blau-weißlichen und nicht durchsichtigen Flügel. Diese unauffällige Art aus Nordamerika breitet sich sehr langsam aus. Da das pflanzensaftsaugende Insekt jedoch viele ganz unterschiedliche Pflanzen befällt, steht sie ebenfalls unter Beobachtung. Auch wegen eines interessanten Nebenaspekts: Ähnlich wie Blattläuse sondern Bläulingszikaden reichlich Honigtau ab, der gerne von Bienen aufgenommen wird. Der Zikaden-Honig ähnelt dem Wald-Honig.
Bei der Empfehlung von Pflanzenschutzmitteln muss daher Rücksicht auf Bienen und andere Nützlinge genommen werden, die sich vom Honigtau ernähren. Eine spezialisierte Zikaden-Schlupfwespe wurde in Deutschland bereits festgestellt. Schnittgut von befallenen Pflanzen sollte über die Biotonne entsorgt werden. Den Transport über weitere Strecken, etwa zur städtischen Kompostieranlage, sollte man vermeiden, um die Zikaden nicht zu verschleppen.
Nähere Informationen zur Bläulingszikade finden Sie in diesem Merkblatt.
Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)
Quelle: Tomasz/stock.adobe.com
Auf den ersten Blick sieht die Kirschessigfliege wie eine gewöhnliche Fruchtfliege aus. Doch anders als diese ernährt sie sich nicht nur von fauligem Obst. Die aus Südostasien stammende Minifliege legt ihre Eier in die heranreifenden und vollreifen Früchte aller weichschaligen Obstarten und hat das Potenzial, ganze Ernten zunichtezumachen. Besonders betroffen sind Kirschen, weiches Beerenobst wie Himbeeren und Brombeeren sowie rote Weintrauben. Die schlüpfenden Maden genießen ihren Aufenthalt im Schlaraffenland, während Gärtnerinnen und Gärtner hilflos zusehen müssen, wie ihre Früchte braun und faulig werden.
Schon im Hobbygarten ist der Ernteausfall sehr ärgerlich. Deutlich schlimmer sind die Folgen aber im Erwerbsobstbau, wo es um Wirtschaftlichkeit und Existenzen geht. Besonders im Weinbau ist die Kirschessigfliege inzwischen gefürchtet.
Von der verwandten Fruchtfliege, auch Essigfliege genannt, unterscheidet sich die Kirschessigfliege durch zwei schwarze Punkte auf den Flügeln der Männchen. Sie fand zwar erst 2011 ihren Weg nach Deutschland, breitet sich seitdem jedoch rapide aus – was bei 300 Eiern je Fliegenweibchen und zehn bis dreizehn Generationen pro Saison nicht weiter verwunderlich ist.
Neben dem Einnetzen hilft die sorgfältige Hygiene im Obstgarten. Reife Früchte nicht lange hängen lassen; bereits faulende oder abgefallene Früchte ebenfalls konsequent einsammeln und in einem Plastikbeutel verpackt für einige Tage in die pralle Sonne legen oder im Gefrierschrank einfrieren. Dadurch sterben Eier und Maden ab. Auf den Kompost oder in den Haus- oder Biomüll sollten die Früchte erst danach wandern, andernfalls verstärken weitere Kirschessigfliegen das bereits vorhandene Heer.
Vorbeugend können auch ein vollsonniger luftiger Standort und ein regelmäßiger Schnitt gegen die sirrenden Invasoren helfen. Denn im prallen Sonnenschein und dort, wo der Wind durch die Äste und Triebe streicht, fühlt sich die Kirschessigfliege weniger wohl.
Nähere Informationen zur Kirschessigfliege finden Sie in diesem Merkblatt.
Maulbeerschildlaus (Pseudaulacaspis pentagona)
Quelle: Olaf Zimmermann - LTZ Augustenberg
Anders, als es ihr Name vermuten lässt, befällt die Maulbeerschildlaus auch zahlreiche andere Pflanzenarten wie Stein- und Kernobst, Johannisbeeren und Kirschlorbeer. In wärmeren Regionen Deutschlands hat sich dieser ebenfalls als gefährlich eingestufte Schaderreger bereits etabliert, weshalb es umso wichtiger ist, die Ausbreitungsgebiete möglichst genau zu erfassen. Wie andere Blattläuse bildet die Maulbeerschildlaus dichte Bestände an den Pflanzen. Die Tiere scheiden ein auffällig weißes Wachs aus. Stark befallene Pflanzen wirken wie weiß angestrichen.
Im Hausgarten genügt es, Befallsnester mit einem scharfen Wasserstrahl abzuspritzen, mit einer harten Bürste zu entfernen, oder die natürlichen Gegenspieler wie Schlupfwespen und räuberische Gallmücken zu fördern, die den Befall langfristig reduzieren helfen.
Zu diesem Zweck lohnt es sich auch von der Schildlaus besiedeltes Schnittgut im Garten zu belassen: Die Schildläuse sitzen darauf fest, die Nützlinge können jedoch wieder auf andere Pflanzen übersiedeln. Dort bekämpfen sie nicht nur die Maulbeerschildlaus, sondern auch viele weitere Schaderreger.
Nähere Informationen zur Maulbeerschildlaus finden Sie in diesem Merkblatt.
Grüne Reiswanze (Nezara viridula)
Quelle: fcerez - stock.adobe.com
Dieser in warmen Regionen weltweit verbreitete Pflanzensaftsauger ist bereits seit Jahrzehnten gelegentlich als Klimaanzeiger in Deutschland anzutreffen, konnte sich aufgrund der einst strengeren Winter jedoch lange nicht dauerhaft ansiedeln. Für den Oberrheingraben ist das jedoch nicht mehr zutreffend. Etwa seit 2010 hat sich die Art dort vor allem im Gemüsebau als Dauerschädling etabliert und zählt nun im Sommer zu den optisch auffälligsten Insekten – vor allem die vielen bunt gefärbten Larven, die dem Pflanzenschutzdienst mitunter als „schwarze Marienkäfer“ gemeldet werden.
Die erwachsenen Reiswanzen können auf den ersten Blick mit der ebenfalls überwiegend grün gefärbten, jedoch nicht als Schädling einzustufenden Gemeinen Stinkwanze (Palomena prasina) verwechselt werden. Gegen die Grüne Reiswanze können für den Haus- und Kleingarten zugelassene nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel gegen saugende Insekten angewendet werden. Diese schonen Schlupfwespen, die sowohl die erwachsenen Wanzen als auch deren Eier parasitieren.
Nähere Informationen zur Grünen Reiswanze finden Sie in diesem Merkblatt.
Japankäfer (Popillia japonica)
Quelle: hildeanna - stock.adobe.com
Der Japankäfer ähnelt äußerlich dem Maikäfer und dem Gartenlaubkäfer. Er ist etwa einen Zentimeter lang und hat einen metallisch schillernden grünen Körper mit braunen Flügeldecken – genau wie der heimische Gartenlaubkäfer. Von diesem unterscheidet er sich durch leuchtend weiße Haarbüschel an den Seiten und am Hinterleib. Der Maikäfer ist mit einer Länge von zwei bis drei Zentimetern deutlich größer.
In Japan selbst halten den Japankäfer natürliche Gegenspieler in Schach. Anderswo richtet er durch sein massenhaftes Auftreten Millionenschäden an: Seine Engerlinge fressen an den Pflanzenwurzeln, insbesondere von Rasenflächen; die ausgewachsenen Käfer an den oberirdischen Pflanzenteilen von über 200 Wirtspflanzen, darunter auch Obst und Wein.
Die ersten europäischen Japankäfer wurden 2014 in Italien entdeckt. In Deutschland wurden im Sommer 2025 erste Befallsgebiete in Freiburg und Südhessen gefunden. Die Pflanzenschutzdienste setzen nun Maßnahmen zur Ausrottung um, dennoch ist eine weitere Verbreitung wahrscheinlich. Als Quarantäneschädling muss er bei Verdacht dem zuständigen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Gegen den Japankäfer helfen sowohl Insektizide als auch biologische Mittel und biotechnische Maßnahmen.
Nähere Informationen zum Japankäfer finden Sie in diesem Merkblatt. Was Sie gegen die Ausbreitung des Japankäfers tun können, erfahren Sie beim Landwirtschaftsministerium (BMLEH).
Neue Schädlinge: Vorbereitung auf den Ernstfall
Hiesige Pflanzenschutzexpertinnen und Pflanzenschutzexperten haben längst eine ganze Reihe von Schaderregern im Visier, mit denen über kurz oder lang gerechnet werden muss. Um das Ausmaß der Bedrohung abschätzen und eine Prioritätenliste erstellen zu können, stehen sie im intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen weltweit.
Das tatsächliche Risiko lässt sich allerdings oft erst ermessen, wenn eine größere Invasion kurz bevorsteht oder bereits erfolgt ist, zu unterschiedlich sind die regionalen Bedingungen. Das frühzeitige "Monitoring", also die intensiven Beobachtungen und Recherchen, ist dennoch immens wichtig, denn es hilft, im Bedarfsfall kurzfristig Lösungsstrategien zu entwickeln.
Passende Pflanzenschutzmittel finden
Für den Hobbygarten sind Pflanzenschutzmittel nur in sehr begrenztem Umfang zugelassen – aus gutem Grund. Freizeitgärtnerinnen und Freizeitgärtner können sich über eine Onlinedatenbank des Julius- Kühn-Instituts darüber informieren, welche Maßnahmen sie gegen häufig vorkommende Schaderreger ergreifen können. Zudem können sie über eine Onlinesuche im Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel herausfinden, welche Wirkstoffe beziehungsweise Pflanzenschutzmittel sie aktuell einsetzen dürfen.
Neue Bekämpfungsstrategien werden aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel nämlich erst dann entwickelt, wenn bereits die ersten Schäden entstanden sind. Und es braucht mitunter Jahre, bis passende, in ihren Umweltauswirkungen vertretbare Wirkstoffe gegen die neuen Schädlinge untersucht beziehungsweise geeignete neue entwickelt sind.
Manchmal, wie im Fall der Kirschessigfliege, ist eine Bekämpfung mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln auch von vornherein wenig sinnvoll oder nur im Erwerbsobstbau eine Option. Eine umso größere Bedeutung kommt den natürlichen Gegenspielern der Schädlinge zu.
So wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwespen, Raubwanzen, Raubmilben und viele andere Nützlinge "alteingesessene" Schädlinge wie Blattlausarten, Apfelwickler oder Spinnmilben in Schach halten, haben auch "die Neuen" Fressfeinde – die zum Teil sogar gleich mit einreisen.
Diese Fressfeinde auszumachen und zu bewerten – nach ihrer Schlagkraft, aber auch im Hinblick auf potenzielle Gefahren für andere heimische Pflanzen oder Tiere – ist ein wichtiger Teil der Verteidigungsstrategie.
Kontakt bei Beobachtungen im heimischen Garten
Verbraucherinnen und Verbraucher melden ihre Beobachtungen aus dem heimischen Garten gerne an das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe:
Pflanzenschutz-Schaedlinge@ltz.bwl.de
Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnernde können wichtige Hinweise liefern
Vor allem Freizeitgärtnerinnen und Freizeitgärtner werden zwangsläufig eine neue Gelassenheit entwickeln müssen, wenn es um das Thema Pflanzenschutz geht: Der Trend führt eindeutig weg von Spritzmitteln und Co. Aus Kostengründen kommt im Hausgarten auch nicht jede biologische Gegenmaßnahme in Frage, und vollständig eingenetzte Kulturen dürften vielen Menschen aus optischen Gründen ein Dorn im Auge sein.
Dennoch kommt gerade den Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern bezüglich der invasiven Schaderreger eine besondere Rolle zu. Denn sie sind es in der Regel, denen unbekannte Tierchen an Gemüse, Obst oder Zierpflanzen als Erstes auffallen – und das im Idealfall noch bevor sich die Schädlinge in den großflächigen Anbaugebieten ausbreiten.
