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Tipps für den Obstbaumschnitt

Wenn Obstbäume zu wenig oder nur sehr kleine Früchte tragen, liegt das häufig daran, dass sie falsch oder gar nicht geschnitten wurden.

Mann schneidet mit der Schere einen Zweig
Quelle: schulzie - fotolia.com

Denn trotz zahlreicher, gut bebilderter Ratgeber, die es heute gibt, tun sich viele Hobbygärtnerinnen und -gärtner immer noch schwer mit dem Obstbaumschnitt. Allerdings setzt das Schneiden von Obstbäumen auch eine Menge Fachkenntnisse über diverse Gesetzmäßigkeiten beim Wachstum von Obstgehölzen voraus - da kann man leicht schon mal den Überblick verlieren.

Wichtig: die richtige Anleitung

Wer sich mit dem Schneiden von Obstgehölzen schwer tut, dem sei unbedingt der Besuch eines Schnittkurses empfohlen. Denn nichts ist so wertvoll wie das aktive Lernen am Baum – gerade beim Obstbaumschnitt. Viele Volkshochschulen und Kleingartenvereine bieten Kurse zu erschwinglichen Preisen an, die Ihnen die Grundlagen des Winter- und Sommerschnitts von Obstgehölzen praxisnah vermitteln.

Bei solchen Kursen können Sie Fragen stellen und selber, unter fachkundiger Anleitung, Hand an den Baum anlegen. Erfahrungsgemäß beginnen viele Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner erst nach einem solchen Kurs, ihre Bücher über Schnittmaßnahmen zu verstehen.

Warum Obstgehölze überhaupt schneiden?

Es gibt Bäume, die auch ohne Schnittmaßnahmen Früchte tragen. Doch solche Bäume tragen nur wenige Jahre. Irgendwann sind diese Bäume wegen des fehlenden Neuaustriebs ausgezehrt und es kommt frühzeitig zur Vergreisung. Es entsteht eine zu dichte Krone, in der die Früchte stark beschattet werden und klein und geschmacklos bleiben. Wer also möchte, dass sein Obstbaum vital bleibt und viele geschmackvolle Früchte trägt, dem sei empfohlen, seinen Baum regelmäßig zu schneiden.

Wie werden Obstgehölze geschnitten?

Schnittgesetze

Die Stärke des Schnittes beeinflusst direkt das Wachstum im nächsten Jahr. Ein starker Schnitt führt zu einem stärkeren Wachstum und geht zulasten von Blütenknospen, Ertrag und Fruchtgröße – kann aber sinnvoll sein, um schwachwachsende Bäume in Schwung zu bringen. Umgekehrt bremst ein schwacher Schnitt das Wachstum und fördert Blütenbildung, Fruchtgröße und Gesamtertrag.

Über obstart- und baumformbedingte Unterschiede hinaus lässt sich verallgemeinernd Folgendes festhalten: Entfernt werden

  • Triebe, die ins Kroneninnere wachsen.
  • Triebe, die über Kreuz wachsen und aneinander reiben, oder zu reiben drohen, denn die dadurch entstehenden Wunden sind potenzielle Eintrittspforten für Krankheitserreger.
  • beschädigte, dürre, oder kranke Triebe.
  • senkrecht aufragende Triebe, sogenannte „Wasserschosser“ – sie tragen kaum Früchte und verdichten die Krone. Tipp: Besser als sie abzuschneiden, ist es, die jungen Wasserschosser im Sommer mit einem kräftigen Ruck abzureißen. Auf diese Weise werden die am Triebansatz befindlichen „schlafenden Augen“ mit entfernt, aus denen der Baum andernfalls im nächsten Jahr gleich wieder austreibt. Die entstehenden Wunden verheilen sehr gut.
  • alte Triebe beziehungsweise vergreistes Fruchtholz. Apfelbäume beispielsweise tragen vor allem an zweijährigen Trieben – „am zweijährigen Holz“. Alle zwei bis drei Jahre sollte man darum die dann meist schon bogig wachsenden Fruchttriebe auf einen möglichst in die Waagerechte weisenden Seitentrieb einkürzen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Schnitt?

Sauber arbeiten

Ob Sommer- oder Winterschnitt, wichtig sind in jedem Fall saubere, scharfe Schnittwerkzeuge. Schneiden Sie außerdem nur an trockenen Tagen und achten Sie auf glatte Wundränder (ausgefranste Wundränder mit einem scharfen Messer nachschneiden), um das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu beschränken. Wundverschlussmittel sind bei Wunden mit einem Durchmesser bis zu drei Zentimeter überflüssig und setzen einen sehr sauberen Schnitt voraus.

Kernobstarten wie Apfel, Birne oder Quitte werden meist im Winter geschnitten (Winterschnitt), da in dieser Saison im Garten die meiste Zeit für solche Arbeiten bleibt und ohne Laub die Gestalt des Baumes besonders gut zu erkennen ist. Heutzutage geht man jedoch auch wieder dazu über Kernobst während der Sommermonate zu schneiden (Sommerschnitt), wenn es die Zeit zulässt.

Insbesondere bei stark wachsenden Bäumen oder wenn größere Eingriffe geplant sind, ist ein Sommerschnitt meist die bessere Wahl, da er triebberuhigend wirkt, während ein Winterschnitt tendenziell zu einem stärkeren Austrieb führt. 

Schnittarbeiten am Steinobst werden vorzugsweise im Sommer vorgenommen, da dann die Schnittwunden besser verheilen – im Winter „bluten“ sie länger und stehen somit Krankheitserregern länger offen. Bei Sauerkirschsorten, die am einjährigen Holz fruchten (z.B. ’Morellenfeuer', 'Gerema'), kann man sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und ältere Triebe samt Fruchtbehang entnehmen. Die Ernte findet dann sozusagen direkt am Küchentisch statt.

BZL-YouTube-Kanal: Videoreihe zum Obstbaumschnitt

Zu den weiteren Videos des BZL-YouTube-Kanals


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