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Werden in Deutschland auch Süßkartoffeln angebaut?

Die Süßkartoffel erobert zunehmend den deutschen Markt. Mit der Kartoffel ist sie übrigens trotz des Namens nicht direkt verwandt.

Verschiedenfarbige aufgeschnittene Süßkartoffeln
Außen beige, orange, rot oder violett gefärbt mit weißem, gelbem, orangefarbenen oder violettem Fleisch – Süßkartoffeln gibt es in großer Vielfalt.
Quelle: BLE

Die Süßkartoffel punktet mit ihrer enormen Vielseitigkeit in der Küche und der ganzjährigen Verfügbarkeit durch Importe. Gleichzeitig steigt mit dem zunehmenden Verbraucherinteresse auch die Nachfrage nach regional erzeugter Ware, die Chancen für den heimischen Anbau eröffnet.

Anbau in Deutschland

Die Anbaufläche in Deutschland wird statistisch noch nicht erfasst, beträgt aber nach ersten Schätzungen etwa 200 Hektar – das entspricht zwischen 3.000 und 5.000 Tonnen marktfähigem Ertrag und spiegelt zwischen 7 und 11 Prozent der gesamten, am deutschen Markt verfügbaren Menge wider. Schwerpunkte liegen in Bayern (60 bis 80 Hektar), Niedersachsen (30 bis 40 Hektar) und Rheinland-Pfalz (15 bis 20 Hektar).

Vor allem Betriebe mit Direktvermarktung, darunter viele Bio-Betriebe, haben mit einem kleinflächigen Anbau begonnen. Neben der bekanntesten Sorte „Beauregard“ mit orangefarbenem Fleisch werden derzeit viele neue Sorten gezüchtet, die für einen Anbau in unseren Breiten geeignet sind.

Anbau und Export von Süßkartoffeln weltweit

92 Millionen Tonnen Süßkartoffeln wurden nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO 2019 geerntet, 56 Prozent davon in China, dem mit weitem Abstand wichtigsten Anbauland. Größter Exporteur sind jedoch die USA, auf die weltweit zwar nur rund 1,6 Prozent der Produktion, aber mehr als ein Viertel der Exporte entfallen. Die USA sind auch das wichtigste Lieferland für deutsche Importe, gefolgt von den Niederlanden (größtenteils Reexporte) und Spanien.   

Deutschland ist inzwischen der siebtgrößte Importeur weltweit. Betrug die Importmenge 2009 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch 1.817 Tonnen, so wurden 2019 schon knapp 45.000 Tonnen Süßkartoffeln importiert.

Kälteempfindlichkeit erschwert den Anbau in Deutschland

Zwei Hände ernten Süßkartoffeln
Süßkartoffeln vertragen keine Kälte und brauchen viel Wasser und leichte Böden.
Quelle: okugawa via Getty Images

Mehrjährige erfolgreiche Anbauversuche in verschiedenen Forschungsanstalten haben dem deutschen Anbau den Weg geebnet, wenngleich er nicht ohne Risiken ist: Süßkartoffeln benötigen viel Licht und Wasser und wachsen am besten bei Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad Celsius. Ab einer anhaltenden Bodentemperatur von 12 Grad Celsius sollten die Knollen geerntet sein, da dann ihre Qualität leidet. Mäuse, Drahtwürmer und Schnecken können den Ertrag deutlich schmälern.

Die sehr kälteempfindliche Süßkartoffel kann erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden, da sie keinerlei Frost verträgt. Die Kulturzeit beträgt je nach Sorte 90 bis 130 Tage. Gepflanzt werden vorzugsweise bewurzelte Stecklinge, um einen möglichst großen Anteil wohlgeformter, marktfähiger Knollen zu erhalten. Bis zu sechs Knollen wachsen an einer Pflanze, bei einem Pflanzabstand von etwa 20 bis 30 Zentimetern. Als Standort eignen sich vor allem leichtere Böden, optimal ist sandiger Lehm.

Kartoffel oder Süßkartoffel?

Obwohl sie sich den Namen teilen, sind Kartoffeln und Süßkartoffeln nur ganz entfernt miteinander verwandt. Während die Kartoffel zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) zählt, gehört die Süßkartoffel zur Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Immerhin: Beide Familien gehören zur Ordnung der Nachschattenartigen (Solanales). Die Namensgleichheit verdanken sie aber wohl eher der Tatsache, dass beide Pflanzen Knollen bilden, die in der Erde wachsen.

Nach dem Abmähen des Laubes werden die Knollen mit umgebauten Kartoffelrodern schonend aus der Erde gehoben, um danach von Hand eingesammelt zu werden. Dabei muss eine Beschädigung der empfindlichen Schale unbedingt verhindert werden. Gewünscht ist ein Knollengewicht zwischen 250 Gramm und 600 Gramm.

Nach der Ernte werden Süßkartoffeln vier bis zehn Tage einer Nachbehandlung („Curing“) bei 27 bis 33 Grad Celsius und 80 bis 95 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit unterzogen. Dies härtet die Schale, erhöht den Schutz vor Krankheitsbefall, schließt kleine Wunden und verringert Feuchtigkeitsverluste.

Danach können sie sechs bis zwölf Monate bei 12 bis 16 Grad Celsius gelagert werden. Unbehandelt wären die Knollen nur drei bis vier Wochen haltbar.

Letzte Aktualisierung: 9. Februar 2021


Weitere Informationen

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Süßkartoffel – Süßer Sattmacher und gesunder Genuss

Oekolandbau.de: Anbau von Süßkartoffeln – Für wen lohnt sich der Einstieg?

Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Bataten – Süßkartoffeln


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