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Warum können Rinder von Gras leben?

Warum ist eine Wiese für uns Menschen nur eine Wiese, aber für Rinder ein gedeckter Tisch? Der Grund: Kühe haben mehrere Mägen und kleine Helfer.

Kühe können im Gegensatz zum Menschen die Energie in Gras nutzen.
Quelle: sara_winter via Getty Images

Auch wenn man es ihm nicht ansieht, Gras ist sehr energiereich. Doch die Energie ist zu großen Teilen in schwer verdaulichen Stoffen wie Cellulose, Pektin und Hemicellulose gebunden. Das sind Gerüstsubstanzen in den Zellwänden, die Grashalmen und -blättern Stabilität verleihen.

Obwohl es sich dabei letztlich um Kohlenhydrate handelt, kann der menschliche Magen diese Verbindungen nicht verdauen und die enthaltene Energie nicht nutzen. Rinder und andere Wiederkäuer dagegen schon. Denn sie haben einen entscheidenden Vorteil. Statt nur einem Magen wie wir Menschen, besitzen Rinder gleich vier Mägen. Den Labmagen, der ähnlich wie der menschliche Magen funktioniert, sowie drei Vormägen: der Pansen, der Netzmagen und der Blättermagen.

Wie funktioniert der Pansen?

Der größte und wichtigste dieser Vormägen ist der Pansen. Bei einer ausgewachsenen Kuh hat er ein Volumen von bis zu 180 Litern. Diese Größe ist wichtig. Denn bei der Verdauung der schwer aufzulösenden Cellulosen arbeiten Kühe mit einem Trick. Sie überlassen die Arbeit Bakterien und anderen Mikroorganismen, die sich auf das Zerlegen der harten Kost spezialisiert haben.

Die Mikroorganismen leben im Pansen und den anderen Vormägen, wo sie beste Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. Denn hier ist es feucht, warm und vor allem gibt es genügend Nahrung. Der Pansen funktioniert also wie ein riesiger Fermenter, der laufend mit zerkleinertem Gras und viel Flüssigkeit in Form von Speichel gefüllt wird.

Muskeln in der Pansenwand sorgen dafür, dass Gras, Speichel und Mikroorganismen ständig gut durchmischt werden. Dabei schließen die Mikroorganismen das Gras nach und nach in kurzkettige Fettsäuren auf, die über die Pansenwand aufgenommen und vom Rind verwertet werden können.

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So leben Milchkühe

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Das Wiederkäuen erleichtert Bakterien die Arbeit

Um den Mikroorganismen das Gras möglichst mundgerecht servieren zu können, stoßen Rinder das Gras-Speichel-Gemisch im Pansen regelmäßig wieder auf, um es nochmals gründlich durchzukauen und zu zerkleinern. Diesem sogenannten Wiederkauen verdankt die Tiergruppe ihren Namen. Neben Rindern gehören zum Beispiel auch Schafe, Ziegen, Hirsche und Elche zu den Wiederkäuern.

Kälber können in den ersten Lebenswochen noch kein Gras verdauen.

Nach der Verdauung in den Vormägen gelangt der Nahrungsbrei in den Labmagen. Hier verläuft die weitere Verdauung ähnlich wie im menschlichen Magen, das heißt ohne Mikroorganismen, dafür aber mit Enzymen, die die Nahrung weiter in die einzelnen Nährstoffe aufspalten.

Rinder kommen aber nicht als Wiederkäuer zur Welt. Bei Kälbern funktioniert die Verdauung anfangs ähnlich wie beim Menschen und ist vor allem auf die Aufnahme von Milch ausgerichtet. Erst nach und nach siedeln sich Mikroorganismen in den Vormägen an und nehmen mit der Aufnahme fester Nahrung ihre Arbeit auf.

BZL-YouTube-Kanal: Videoreihe "Milchkühe verstehen"

Zu den weiteren Videos des BZL-YouTube-Kanals


Weitere Informationen

Bauernhof.net: So funktioniert der Magen einer Kuh

My KuhTube: Komplizierte Verdauung – einfach erklärt (Video)


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