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Wie nachhaltig ist Fisch aus deutscher Aquakultur?

Fisch aus heimischer Erzeugung ist zwar nur ein Nischenprodukt. Vor allem Karpfen und oft auch Forellen können aber mit einer guten Umweltbilanz überzeugen.

Viele Karpfen bei einer Fütterung in einem Teich
Wer in einer Region mit traditioneller Teichwirtschaft wohnt, kann nachhaltig erzeugten Karpfen genießen.
Quelle: Opla via Getty Images

Von der wirtschaftlichen Dynamik der Aquakultur in anderen Regionen der Welt ist in Deutschland wenig zu spüren, obwohl viele Aquakulturbetriebe hierzulande ein hohes technologisches Niveau aufweisen. Die Vielfalt der Fischarten ist jedoch gering und die Produktionsmenge deckt nur einen Bruchteil der Nachfrage ab.

Die erzeugten Mengen schwanken relativ stark und sind tendenziell fallend. Während zur Jahrtausendwende noch regelmäßig über 50.000 Tonnen Fisch und Miesmuscheln produziert wurden, ist die Erzeugung in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen und belief sich 2021 auf lediglich 32.671 Tonnen. Davon entfielen 56 Prozent auf die Fischproduktion und 44 Prozent auf Muschelkulturen.

Aquakultur wird in Deutschland hauptsächlich im Süßwasser betrieben. Die Methoden sind vielfältig und reichen von traditionellen Teichwirtschaften über Durchfluss- und Kreislaufanlagen bis hin zu Aquaponik-Konzepten. Die Nachhaltigkeit der jeweiligen Technik wird vor allem von deren Wasserbedarf, der Art, Menge und Zusammensetzung des Futters sowie dem Energieverbrauch beeinflusst.

Das EU Biosiegel bezieht für die Bewertung der Nachhaltigkeit zusätzlich unter anderem die Begrenzung der Besatzdichte und Tierschutzaspekte wie beispielsweise stressfreies Schlachten der Fische mit ein.

Teiche sind ökologisch wertvolle Kulturlandschaften

Traditionelle Teichwirtschaften stellen das "Rückgrat" der deutschen Fischzucht dar. Manche Teichgebiete wurden schon vor Jahrhunderten angelegt und haben sich zu wertvollen Kulturlandschaften entwickelt, deren Bedeutung oft weit über die Erzeugung von Fischen hinausgeht. Als Refugium für viele bedrohte und geschützte Tier- und Pflanzenarten haben sie einen hohen ökologischen Wert. Ihre Wasserrückhaltung verbessert regional das Mikroklima und sie werden als Naherholungsgebiete von sehr vielen Menschen geschätzt.

Traditionelle Teichwirtschaften sind ein Teil der Kulturlandschaft.
Quelle: Manfred Klinkhardt

Hauptfisch der deutschen Teichwirtschaft ist der Karpfen. Da er zumeist extensiv oder semintensiv, das heißt in geringen Besatzdichten und mit natürlicher Nahrung, aufgezogen wird, ist zusätzliche Fütterung selten nötig. Extensiv aufgezogene Karpfen ernähren sich hauptsächlich von Kleinstlebewesen und Pflanzenteilen in den Teichen, was zu einer gesunden Wasserqualität beiträgt.

Reicht die Naturnahrung im Teich nicht aus, wird gewöhnlich Getreide, vereinzelt auch pelletiertes Trockenfutter verabreicht, oft sogar von Hand. Teichwirtschaften ziehen ihre Fische somit nachhaltig unter naturnahen und weitgehend artgerechten Bedingungen auf.

Selbst aquakulturkritische Umweltverbände empfehlen deshalb  Teichfische wie den Karpfen in ihren "Einkaufsführern" uneingeschränkt zum Verzehr. Wer sich beim Fischeinkauf für diesen nachhaltig erzeugten Fisch entscheidet, unterstützt die Teichwirtschaften und trägt zum Erhalt der schützenswerten Teichlandschaften bei.

Die große Naturnähe teichwirtschaftlicher Betriebe kann aber auch Nachteile haben. Viele Teichwirtschaften werden durch Fischräuber wie Kormorane, Fischreiher oder Fischotter wirtschaftlich geschädigt.

Durchflussanlagen sind ein Beispiel für intensive Aquakultur

Die überwiegende Menge an Fischen wird in Deutschland nicht in extensiver Teichwirtschaft, sondern in Durchfluss- und Kreislaufanlagen produziert.

Für diese intensiven Formen der Aquakultur sind unter anderem folgende Kriterien kennzeichnend:

  • ausschließliche Verwendung von Trockenfuttermitteln als Alleinfutter
  • Einsatz von Technologien zur Wasseraufbereitung und Ablaufwasserbehandlung
  • deutlich höhere Fischbestandsdichten als in der Teichwirtschaft
  • häufig Effektivitätssteigerung durch Belüftung mit Reinsauerstoff
Eine Aquakultur mit mehreren Becken bei bewölktem Himmel
Ein erheblicher Teil der Forellen wird in Rinnenanlagen produziert, die ständig von Wasser durchströmt und mit Reinsauerstoff belüftet werden.
Quelle: Manfred Klinkhardt

Die Forellenproduktion ist der bedeutendste und ertragreichste Wirtschaftszweig der deutschen Aquakultur. Typisch für ihre Aufzucht sind Anlagen, die permanent von Wasser durchströmt werden ("Durchflussanlagen"). Die Auswahl reicht dabei von einfachen Erd- und Betonteichen über Becken bis zu Rinnen und Fließkanälen. Speiseforellen und -saiblinge werden häufig in relativ hohen Fischdichten mit Reinsauerstoff zur Wasserbelüftung gehalten und mit proteinreichem Futter ernährt. Diese Intensivhaltung beeinträchtigt die Ökobilanz und Nachhaltigkeit, ist aber oft unverzichtbar, um das wirtschaftliche Überleben der zumeist kleinen Familienbetriebe mit geringer Produktion zu sichern. Positiv wirkt sich hier jedoch aus, dass im Futter zunehmend pflanzliche Rohstoffe statt Fischmehl als Proteinquellen verwendet werden.

Trotz der intensiven Produktion ist der Nährstoffeintrag der Forellenzuchten in die natürlichen Gewässer aber vergleichsweise gering, weil die Mehrzahl der Betriebe ihr Ablaufwasser mit hohem Aufwand reinigt und klärt.

Kreislaufanlagen: kapitalintensiv und energiebedürftig

Eine Aquakultur in einer Halle mit runden Becken
Kreislaufanlagen ermöglichen eine Fischproduktion an fast jedem Standort, erfordern aber sehr hohe Investitions- und Betriebskosten.
Quelle: Manfred Klinkhardt

Die größte Wachstumsdynamik in der deutschen Aquakultur weist derzeit das Segment der geschlossenen Kreislaufanlagen auf (kurz KLA). Das sind hochintensive Systeme, in denen das Wasser permanent zirkuliert und immer wieder mechanisch und biologisch gefiltert, desinfiziert sowie mit Sauerstoff angereichert wird, damit es mehrfach genutzt werden kann. Alle Wasserparameter sind voll auf die Bedürfnisse der gehaltenen Fische abgestimmt.

Trotz der immensen Investitions- und Betriebskosten dieser Technologie sind Kreislaufanlagen der einzige Aquakulturbereich in Deutschland, der in den letzten Jahren ausgeweitet wurde. Gegenwärtig gibt es bundesweit annähernd 50 derartige Anlagen, die vor allem Aale, Afrikanische und Europäische Welse, Zander, Störe und Tilapia sowie neuerdings auch Garnelen produzieren

Ob diese Art der Aquakultur an Land eine Lösung für die Umwelt- und Klimaprobleme sein kann, ist allerdings umstritten. Sie sind zwar wassersparend und ermöglichen ganzjähriges Wachstum der Fische, doch aufgrund ihres hohen Energiebedarfes gehören Kreislaufanlagen zu den größten CO2-Verursachern in der Aquakultur. Eine Möglichkeit, den CO2-Fussabdruck zu verringern, die Umweltbilanz zu verbessern und die Nachhaltigkeitsdefizite auszugleichen, ist die Kombination des Anlagenbetriebs mit erneuerbaren Energiequellen, etwa Biogas- oder Windkraftanlagen.


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Aquaponik-Systeme koppeln Fisch- und Pflanzenaufzucht

Deutlich günstiger fällt die Ökobilanz der sogenannten Aquaponik-Systeme aus, eine Art Weiterentwicklung der Kreislaufanlagen, in denen die Fischproduktion (meist robuste Arten wie Afrikanische Welse oder Tilapia) über den nährstoffreichen Wasserstrom mit der Aufzucht von Nutzpflanzen, hauptsächlich Gemüse (beispielsweise Tomaten, Gurken, Salat) oder Kräutern wie Basilikum kombiniert wird.

Aquaponik gilt als besonders nachhaltig, weil die im Wasser enthaltenen Nährstoffe aus Futterresten und Ausscheidungen der Fische sinnvoll für die Produktion von Pflanzen genutzt werden.

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Die Technologie ist anspruchsvoll, teuer und schwer zu steuern, was die praktische Anwendung schwierig macht und die Wirtschaftlichkeit der Anlagen gefährdet. Noch fehlen überzeugende Beweise, dass die Kopplung von Fisch- und Pflanzenproduktion tatsächlich lohnender ist als separate Verfahren, die gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der beiden Bereiche ausgerichtet sind.

Da Aquaponik-Systeme ebenso wie die KLA durch ihren enormen Energiebedarf große CO2-Emmittenten sind, sollten sie nach Möglichkeit in Verbindung mit Biogas- und Windkraftanlagen oder anderen erneuerbaren Energiequellen betrieben werden. Dennoch bleiben sowohl die hochtechnisierten Aquaponik-Systeme als auch die Kreislaufanlagen extrem naturferne Produktionsverfahren

Obwohl der Beitrag der deutschen Kreislauf- und Aquaponik-Anlagen zur Nahrungsmittelproduktion noch relativ gering ausfällt, bieten diese Technologien aber auch Vorteile. Sie ermöglichen eine regionale Produktion von Lebensmitteln in direkter Marktnähe, was aufwändige, kostspielige und energiebedürftige Transporte reduziert.

Infografik Speisefische aus deutscher Aquakultur

letzte Aktualisierung: 16. Dezember 2022


Weitere Informationen

BzfE: Fisch - Vom Wasser bis auf den Tisch

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Karpfenteichwirtschaft


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