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Wie viel verdient ein Landwirt an einem Schwein?

In Deutschland wurden 2022 rund 21 Millionen Schweine gemästet. Lohnt sich das für die Betriebe?

Schweinemäster mit Schweinen im Stall
Stark schwankende Preise erschweren Schweinemästern die Kalkulation.
Quelle: landpixel.de

Mit der Mast von Schweinen Geld zu verdienen, ist gar nicht so einfach. Genauso schwierig ist es, einen konkreten Verdienst pro Schwein zu nennen. Denn Schweinemastbetriebe müssen mit großen Preisschwankungen leben, vor allem beim Kauf für Ferkel und beim Verkauf ihrer gemästeten Schweine.

In der Regel kaufen konventionelle Mastbetriebe ihre Ferkel mit einem Gewicht von knapp 30 Kilogramm. Die Ferkel werden gemästet, bis sie etwa 120 Kilogramm Gewicht erreicht haben, und dann verkauft. Die Mast dauert im Schnitt vier Monate, sodass ein Betrieb im Jahr etwa drei Schweine pro Mastplatz im Stall mästen kann.

Weniger als 120 Euro Erlös pro Schwein

Die Rechnung pro Tier sieht folgendermaßen aus: Zurzeit (Stand: November 2023) liegt der Preis pro Kilogramm Schweinefleisch bei knapp 2,15 Euro. Für jedes angelieferte Schwein mit 120 Kilogramm Lebendgewicht werden gut 95 Kilogramm Schlachtgewicht bezahlt. Der Betrieb erhält bei diesem Preisniveau also rund 204 Euro netto vom Viehhändler.

Von diesem Betrag müssen die Kosten für die Mast abgezogen werden. Ein großer Block ist das benötigte Futter (circa 66 Euro pro Tier), gefolgt vom Ferkeleinkauf. Er schlägt mit 100 Euro zu Buche. Zum aktuellen Ferkelpreis von 80 Euro kommen hier noch Nebenkosten von rund 20 Euro für die Impfung und verschiedene Zu- und Abschläge. Für den Tierarzt, für Energie, Wasser, Versicherungen etc. lassen sich weitere neun Euro veranschlagen. Unter dem Strich verdienen Betriebe bis hierher aktuell also 29 Euro am Schwein.

Doch das ist noch nicht das Ende der Rechnung: Denn in dieser Kalkulation noch nicht enthalten sind die Kreditrückzahlungen für den Stallbau und die Entlohnung der Arbeitskräfte, die Kosten für Reparaturen und Steuern sowie die Eigenkapitalbildung für Neu- und Ersatzinvestitionen. Auch verläuft nicht jeder Mastdurchgang optimal, also mit durchgehender, kompletter Stallauslastung, hohen täglichen Zunahmen bei allen Tieren und ohne Krankheiten oder größere Tierverluste.

Schweine im Stall
Die Preise für Schlachtschweine und Ferkel unterliegen großen Schwankungen.
Quelle: landpixel.de

Marktentwicklung ist unberechenbar

Wie lukrativ die Schweinemast letztlich für die Halterinnen und Halter ist, hängt stark vom aktuellen Preisniveau bei Ferkeln und schlachtreifen Schweinen ab. Dieser Markt unterliegt großen Schwankungen. Allein im Jahr 2022 bewegte sich der Auszahlungspreis für schlachtreife Schweine zwischen 1,20 und über 2,10 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht. Die Preise für Ferkel schwankten 2022 ebenso stark: von 23 Euro bis über 61 Euro pro Tier.

Die enormen Schwankungen der Preise für Ferkel, Futtermittel und Verkaufspreis sind eine große Herausforderung für die Betriebe. Kauft der Mastbetrieb seine Ferkel zum günstigen Preis und fällt der Verkauf in eine Hochpreisphase, kann er hohen Überschuss erzielen. Im ungünstigsten Fall muss ein Betrieb dagegen seine Ferkel zu hohen Preisen beziehen und seine schlachtreifen Schweine in einer Phase mit niedrigen Auszahlungspreisen abgeben. Das kann so weit führen, dass dadurch sogar Verluste für jedes verkaufte Tier entstehen.

Das Risiko für diese Entwicklungen tragen allein die Betriebe. Denn die Schlachtung liegt überwiegend in der Hand von Großschlachtereien, die je nach Marktlage und Absatzpotenzial feste Preise vorgeben.

Mastbetriebe sind wenig flexibel

Die Betriebe können ihre Erzeugung nur sehr eingeschränkt an die aktuellen Preisentwicklungen anpassen. Warten sie ab, bis die Ferkelpreise sinken, steht der Stall leer und der Betrieb verdient kein Geld. Schlachtreife Schweine müssen dagegen auch bei niedrigen Preisen zeitnah abgeliefert werden, da die ausgewachsenen Tiere einen enormen Futterbedarf haben, der ebenfalls den Gewinn schmälert. Zudem gibt es bei der Anlieferung zu schwerer Schweine Abzüge bei den Auszahlungspreisen.

Cover der Broschüre "So leben Schweine"

BZL-Broschüre

So leben Schweine

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Strukturwandel: Immer weniger, immer größere Betriebe

Um trotz der im Durchschnitt relativ niedrigen Gewinne pro Tier genügend Geld zu erwirtschaften, sind die Mastbetriebe kontinuierlich gewachsen. Gleichzeitig gibt es einen ständigen Strukturwandel, bei dem jedes Jahr viele Betriebe aufgeben. Gab es 2013 noch 28.100 Mastbetriebe in Deutschland, waren es 2023 nur noch 15.900.

Im Durchschnitt halten deutsche Schweinemastbetriebe rund 679 Tiere. Allerdings mit großen Unterschieden zwischen West- und Ostdeutschland: 2022 hielt jeder Betrieb im Westen im Schnitt 642 Mastschweine, auf ostdeutschen Betrieben waren es durchschnittlich fast zweieinhalbmal so viele Tiere, nämlich 1.584 Schweine.


Zu den weiteren Videos des BZL-YouTube-Kanals

Letzte Aktualisierung: 17. November 2023


Weitere Informationen

Thünen-Institut: Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland – Ferkelerzeugung und Schweinemast (PDF)

bmel-statistik.de: Darstellung der Schlachtpreise für Schweine nach Handelsklassen


Wann ist ein Schwein schlachtreif?

Mastschweine sind schlachtreif, wenn sie ein Gewicht von 110 bis 120 Kilogramm erreicht haben. Das dauert etwa fünf bis sechs Monate.

Schweinefleisch

Deutschland ist nach Spanien der zweitgrößte Schweinefleischproduzent in Europa. 2022 hielten rund 16.900 Betriebe etwa 21,4 Millionen Schweine.