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Landwirte - mehr als nur Lebensmittelproduzenten

Landwirtinnen und Landwirte erhalten die landschaftliche Vielfalt und bringen Leben in unsere Dörfer. Sie bieten dort Arbeit, Kultur und Bildung.

Grafik zur Entwicklung der Betriebsstruktur landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland
Entwicklung der Betriebsstruktur landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland
Quelle: BLE

Landflucht gibt es nicht nur in Ländern der Dritten Welt. Auch bei uns leben die meisten Menschen in der Stadt. Nur noch 15 Prozent der hiesigen Bevölkerung wohnt auf dem Dorf. Vielerorts drohen die Dörfer zu veröden. Der Trend verschärft sich durch das Sterben vieler alteingesessener Bauernhöfe: Zwischen 1950 und 2000 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um zwei Drittel zurückgegangen. Seit der Jahrtausendwende geht es langsam, aber sicher abwärts.

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) verringerte sich die Zahl der Höfe zwischen 2013 und März 2016 um etwa 9.000 oder 3 Prozent auf 276.000. Im Gegenzug wachsen die übrigbleibenden Höfe. Durchschnittlich bewirtschaftet ein Betrieb heute gut 60 Hektar. Dank der steigenden Produktivität ernährt jede Bäuerin und jeder Bauer immer mehr Menschen. Er gibt also keinen Mangel an Lebensmitteln.

Grafik zur Versorgungsleistung der Landwirtschaft
Versorgungsleistung der Landwirtschaft: So viele Menschen ernährt ein Landwirt.
Quelle: BLE

Bauernhof als Arbeitsstätte und Wirtschaftsfaktor

Heute arbeiten noch 936.000 Menschen in der Landwirtschaft. Die meisten davon nach wie vor in landwirtschaftlichen Familienbetrieben. Diese ernähren nicht nur die Menschen auf dem eigenen Hof, sondern stärken die gesamte Wirtschaft im ländlichen Raum. Zum einen tragen sie zum Gewerbesteueraufkommen von Kommunen bei. Zum anderen bieten sie oft selbst Arbeits- und Ausbildungsplätz an. Darüber hinaus profitieren auch regionale Handwerksbetriebe und Dienstleister von Maßnahmen zum Bau oder zur Renovierung von Produktionseinrichtungen wie Ställen und Scheune. Und wo landwirtschaftliche Betriebe aktiv sind, haben auch Verarbeiter wie Molkereien, Mühlen und Futtermittelbetriebe zu tun. Immer wichtiger werden Höfe als Werkstätte für Menschen, die es sonst schwer haben auf dem Arbeitsmarkt. Unter dem Stichwort Soziale Landwirtschaft bieten zahlreiche Höfe sinnvolle Beschäftigung und Integration für Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen sowie Straffällige, Drogenkranke und Langzeitarbeitslose.

Bauernhof als Location und Lernort

Auch als Orte der Bildung spielen Bauernhöfe eine große Rolle. Ob Jung oder Alt - kaum einer hat schon einmal ein Schwein gestreichelt, eine Kuh gemolken oder kennt die Getreidesorten für unser tägliches Brot. Begegnungen zwischen Bäuerinnen und Bauern und Stadtmenschen sind im Alltag selten geworden, aber wichtig: Als Informationsquelle über die Landwirtschaft nutzen 60 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger das Gespräch mit Bauernfamilien. Entweder beim Einkauf in Hofläden oder auf dem Wochenmarkt, beim "Tag des offenen Hofes" (56 Prozent) oder während eines Urlaubs auf dem Bauernhof (21 Prozent). So lautet ein Ergebnis aus einer 2017 durchgeführten EMNID-Studie.

Überall in Deutschland gibt es Hoffeste, Führungen und andere informative Veranstaltungen. Zahlreiche Aktivitäten finden sich auf verschiedenen Homepages der Bundesländer zum Tag des offenen Hofes (konventionelle und Biobetriebe). Wer gezielt einen Biohof besuchen will, sucht am besten unter dem Stichwort Aktionstage Öko-Landbau.

Bild mit Schafen und Schäfer am Hang
Landwirte erhalten Kulturlandschaften: Auf der Schwäbischen Alb sind Schafe als Landschaftspfleger gefragt.
Quelle: Jutta Schneider-Rapp

Bauernhof als Erfahrungsfeld

Besonders umfangreich ist das Angebot für Kinder und Jugendliche. Das kann eine kleine Feldführung mit einem Blick in den Stall oder ein richtiges Programm für Schulklassen und Kindergruppen sein. Hier lässt sich Landwirtschaft live und sinnlich erleben. Kids und Teens erfahren hier, woher unsere Lebensmittel stammen und wie sie erzeugt werden. Für viele Bauernhöfe haben sich die Erlebnisangebote für Gruppen bereits zu einem eigenen kleinen Standbein entwickelt. Interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher oder Pädagoginnen und Pädagogen finden pädagogisch versierte Betriebe, Schulbauernhöfe und neuerdings sogar Bauernhofkindergärten auf der Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e. V.

Landschaftspflege für Pflanze, Tier und Mensch

Unentbehrlich sind die Landwirtinnen und Landwirte auch bei der Landschaftspflege. Ohne Landwirtschaft würde in ganz Mitteleuropa fast nur Wald wachsen, von wenigen Mooren oder Bergflächen abgesehen. Mit Beginn von Ackerbau und Viehzucht in Mitteleuropa vor etwa 7.000 Jahren haben unsere Vorfahren die Landschaft nachhaltig verändert. Lichte Landschaftstypen wie Wiesen und Weiden, Heiden und Äcker entstanden. In dieser von Bauernhand geschaffenen Kulturlandschaft blühten unzählige neue Pflanzenarten auf. Wo Kräuter, Gräser und Sträucher Wurzeln schlugen, fassten auch neue Tierarten Fuß. Beispielsweise konnten sich im Acker Feldlerche und Hamster, Rebhuhn und Fasan ansiedeln.

Daher brauchen wir die landwirtschaftliche Nutzung, um unsere Landschaft offen und vielfältig zu halten. Schafe sorgen dafür, dass die Heiden in Lüneburg oder auf der Schwäbischen Alb nicht verbuschen. Weidende Kühe oder Viehfutter mähende Landwirtinnen und Landwirte erhalten Streuobstwiesen, buntblühende Magerrasen und Wacholderheiden. Alles wertvolle Lebensräume für Flora und Fauna. Nur so bewahren wir Menschen unser vertrautes Identität stiftendendes Landschaftsbild.


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