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Was ist ein Nebenerwerbslandwirt?

Knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Deutschland wird im Nebenerwerb geführt. Doch was bedeutet das eigentlich?

Landwirt auf einem offenen Traktor
Quelle: JackF - Fotolia.com

Als Nebenerwerbsbetrieb bezeichnet man in der Landwirtschaft einen Familienbetrieb, in dem weniger als die Hälfte des Einkommens mit der Landwirtschaft erwirtschaftet wird. Maßgeblich ist dabei das Einkommen des Betriebsinhaber(paares). Der überwiegende Teil des Einkommens wird also außerhalb der Landwirtschaft verdient.

Knapp 50 Prozent aller Bauernhöfe im Nebenerwerb

Knapp jeder zweite landwirtschaftliche Familienbetrieb in Deutschland wird im Nebenerwerb bewirtschaftet (Stand 2020). Zwischen den Bundesländern gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede: So liegt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt unter 37 Prozent, während in Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland über 55 Prozent der Familienbetriebe im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Alle Nebenerwerbsbetriebe zusammen bewirtschaften rund 19 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland.

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Warum Nebenerwerb?

Die Entwicklung der Nebenerwerbslandwirtschaft ist eng mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte verwoben. Viele Bauernfamilien, deren betriebliche Einkommensgrundlage zu gering ist, stehen vor der Entscheidung, mit erheblichen Kosten in neue Ställe oder eine bessere Vermarktung zu investieren, Mitarbeiter einzustellen oder Flächen zu pachten. Ohne diese Wachstumsschritte ist für viele Familien kein ausreichendes Einkommen mehr zu erwirtschaften. Um nicht komplett aus der Landwirtschaft aussteigen zu müssen, bewirtschaften sie ihre Betriebe oft im Nebenerwerb.

Viele machen dies aus Traditionsbewusstsein, Liebe zum Beruf oder um für ein inner- oder außerbetriebliches Zusatzeinkommen weiterhin landwirtschaftlich tätig sein zu können. Das reicht von der Gästebeherbergung und -bewirtung, Direktvermarktung oder der Führung von Schulklassen bis hin zur Mitarbeit im Maschinenring oder einfach nur der außerbetrieblichen Tätigkeit in einem anderen Unternehmen.

Nebenerwerb ist oft mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung verbunden. Die nächste Generation steigt dann unter Umständen aus, weil sich ihre Erwartungen an Freizeit, Urlaub oder Fortbildung an Freunden und Bekannten aus der eigenen Altersgruppe orientieren oder weil über Jahre hinweg keine wirtschaftliche Verbesserung eingetreten ist und Vermögensverluste stattgefunden haben.

Nebenerwerb kann daher ein Zwischenstadium zu einer rechtzeitigen Betriebsaufgabe sein. Ein Automatismus ist das aber keineswegs. Es gibt auch Regionen, in denen die Fläche, die von Nebenerwerbsbetrieben bewirtschaftet wird, sogar wächst.

Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2022


Weitere Informationen

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