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Wie Trockenheit der Landwirtschaft schadet

Seit Anfang Mai hat es vielerorts kaum noch geregnet. Was bedeutet Trockenheit für die Landwirtschaft und wie lassen sich Schäden begrenzen?

Die anhaltende Trockenheit macht vielen Kulturpflanzen, wie diesen Zuckerrüben, schwer zu schaffen.
Quelle: landpixel.de

Die Trockenheit in diesem Jahr macht vielen Landwirtinnen und Landwirten Sorge. Seit Anfang Mai hat es in weiten Teilen Deutschlands kaum noch geregnet. Und auch die Prognosen für die kommenden Wochen lassen unter Landwirten keinen Optimismus aufkommen. Der Sommer 2018 liegt damit in Sachen Trockenheit jetzt schon deutlich vor dem "Jahrhundertsommer" 2003.

Besonders betroffen sind der Norden und Osten Deutschlands. Dort rechnen die Ackerbaubetriebe gebietsweise mit Ernteausfällen zwischen 20 und 50 Prozent. Teils kommt es sogar zu Noternten. Das heißt, das Getreide wird erst gar nicht mehr gedroschen, weil sich der Aufwand nicht lohnt. Es wird stattdessen gleich zu Stroh gepresst oder gehäckselt und an die Biogasanlage geliefert.

Auch viele Milchviehbetriebe sind von der anhaltenden Trockenheit betroffen. Die meisten Wiesen und Weiden geben aufgrund der Witterung nicht mehr genügend Futter für die Tiere her. Die Folge: Die Betriebe müssen das Futter teuer zukaufen und die Tiere vorzeitig von der Weide holen und in den Stall schicken.

Doch die Landwirtschaft ist nicht nur durch die Ernteeinbußen gebeutelt. In vielen Gebieten kam es auch schon zu verheerenden Flächenbränden, die Mensch und Tier gefährden.

Wie schadet Trockenheit den Kulturpflanzen?

Lange Trockenperioden bei gleichzeitig hohen Temperaturen führen dazu, dass der Boden stark austrocknet. Den Kulturpflanzen steht dann nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung, um genügend Ertrag zu liefern. 

Wenn die Wurzel einer Pflanze mitbekommt, dass es zu trocken ist, schickt sie ein Alarmsignal – in Form eines Stresshormons – an die Blätter. Das sorgt dafür, dass die Spaltöffnungen, das sind kleine Poren in den Blättern, geschlossen werden. Über diese Spaltöffnungen gelangt normalerweise Wasser (und Sauerstoff) nach außen, während Kohlendioxid (CO2) ins Blatt aufgenommen wird. Durch das Schließen der Stomata versucht die Pflanze, sich vor dem Austrocknen zu schützen.

Das ist einerseits gut, denn auf diese Weise kann die Pflanze Wasserverluste (bis zu 90 Prozent) vermeiden. Andererseits kann die Pflanze während dieser Zeit auch keine Fotosynthese mehr betreiben. Denn dafür müsste sie die Spaltöffnungen wieder öffnen und CO2 hereinlassen.

Es kommt also zu einer Stagnation des Pflanzenwachstums, was für die Landwirtin bzw. den Landwirt bereits Ernteeinbußen bedeuten kann. Der Pflanze macht das erstmal nicht viel aus. Denn sie kann auf diese Weise für einen gewissen Zeitraum gut (über)leben. Bleibt es jedoch über lange Zeit trocken und heiß, schafft die Pflanze es meist nicht mehr, die Stomata zu schließen. Dann verlieren die Zellen Wasser und die Pflanze welkt.

Nicht jeder Boden speichert Wasser gleich gut

Wie schnell ein Boden austrocknet, oder besser gesagt, wie gut ein Boden das Wasser speichern kann, hängt davon ab, woraus er besteht. So können lehmige Böden das Wasser zum Beispiel besser speichern als sandige Böden. Entscheidend ist auch, wie viel Humus – das ist tote organische Substanz – ein Boden enthält. Denn Humus kann viel Wasser speichern.

Sehr anfällig für Trockenheit sind auch besonders flachgründige Böden. Das sind Böden, bei denen unter einer relativ dünnen Schicht fruchtbaren Bodens sehr schnell anstehendes Gestein kommt. Solche Böden sind meist auf Grünlandstandorten in Hügel- und Mittelgebirgslagen zu finden.

Sorghum ist eine sehr trockentolerante Kulturpflanze, die auch unter hiesigen Bedingungen wächst.
Quelle: landpixel.de

Kulturpflanzenarten sind unterschiedlich trockentolerant

Nicht jede Kultur ist gleichermaßen betroffen. Unsere Kulturpflanzen haben eine unterschiedliche Toleranz gegenüber Trockenheit und Hitze. So sind Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln relativ hitzeempfindlich und nur wenig trockentolerant. Die Getreidearten, vor allem Gerste, sind da schon etwas toleranter.

Pflanzen subtropischer Herkunft wie Mais oder Soja sind sogar ziemlich hitzetolerant (35 bis 40 Grad Celsius), können ihr Ertragspotential jedoch nur dann entfalten, wenn sie genügend Wasser haben. Echte Trockenkünstler sind dagegen Hirse und Sorghum.

Trockenheit führt zu Nährstoffmangel

Trocknet der Boden aus, fehlt es den Pflanzen aber nicht nur an Wasser, sondern auch an Nährstoffen. Das hat folgenden Grund: Die Wurzel kann Nährstoffe nur als im Wasser gelöste Ionen aufnehmen. Ist in den Wurzelzwischenräumen aber nur wenig oder gar kein Wasser verfügbar, kommt es zu einer Nährstoffunterversorgung der Pflanzen.

Hinzu kommt, dass die durch Wasser- und Hitzestress geschwächten Pflanzen kaum noch in der Lage sind, zusätzliche Wurzeln zu bilden, die zum Wasser hinwachsen können.

Der Einfluss des Klimawandels

Die Landwirtschaft war zwar immer schon vom Wohlwollen Petrus’ abhängig. Extremwetterereignisse wie Hitze, Dürre, Dauer- oder Starkregen, Sturm und Kahlfrost treten in den letzten Jahrzehnten jedoch gehäufter auf, sodass Expertinnen und Experten relativ sicher davon ausgehen, dass der Klimawandel einen nicht unerheblichen Einfluss darauf hat.

Hitzetage in der Vegetationsperiode werden künftig zunehmen. Mit der Hitze nimmt dann auch die Trockenheit zu. Diese Tendenz war laut Deutschem Wetterdienst bereits in den letzten 50 Jahren zu beobachten. Hinzu kommt, dass der Niederschlag zukünftig regional immer ungleicher verteilt sein wird. So drohen besonders dem Nordosten Deutschlands mehr Trockenheitsperioden in den Sommermonaten. In den letzten Jahren konnte zudem auch eine verstärkte Frühjahrstrockenheit beobachtet werden.

Was können Landwirte tun, um den Schaden zu mindern?

Dürre ist eine der häufigsten und finanziell am stärksten wirkenden Schadensursachen in der Landwirtschaft. Da wäre es naheliegend, wenn sich Landwirtinnen und Landwirte gegen solch unregelmäßig auftretende Dürreschäden versichern würden – so wie das bei Hagel auch üblich ist. Solche eine Versicherung ist in der deutschen Ladwirtschaft aber eher die Ausnahme.

Das hat folgenden Grund: Wenn Dürreschäden auftreten, sind meist gleich sehr viele Betriebe auf einmal betroffen. Damit werden die Kosten, die der Versicherung entstehen, sehr hoch. Entsprechend teuer sind daher auch die Versicherungsbeiträge. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern, erhalten deutsche Landwirtinnen und Landwirte keine finanzielle Unterstützung bei den Versicherungskosten. 

Die Bewässerung von Ackerbaukulturen rentiert sich meist nicht. Eine Ausnahme bilden Zuckerrüben und - wie hier im Bild - Kartoffeln.
Quelle: landpixel.de

Warum nicht einfach alles bewässern?

Im Gemüse- und Obstbau ist es meist üblich, gleich bei einsetzender Trockenheit zu bewässern. Im Ackerbau und auf Wiesen und Weiden rentiert sich eine Bewässerung jedoch nur sehr selten. Zu groß wären der Aufwand und die damit verbundenen Kosten.

Außerdem steht nicht überall Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung. Ausnahmen sind Kartoffeln und Zuckerrüben, die in gewissen Gebieten – meist mit sandigen Böden – bei Trockenheit bewässert werden.

Mögliche Anpassungsstrategien

Doch Landwirtinnen und Landwirte können sich auch anders an die zunehmende Trockenheit anpassen. Zum Beispiel durch die Auswahl von Sorten, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen. Auch der Anbau hierzulande unbekannter Kulturarten, die eine hohe Trockenverträglichkeit haben, stellt eine Möglichkeit der Anpassung dar. So kommt Sorghum zum Beispiel mit sehr viel weniger Wasser aus als Mais und könnte diesen als Rohstoffpflanze für Biogasanlagen ersetzen. 

Auch können sie durch den Einsatz von mehr organischem Dünger (z. B. Kompost) oder Gründüngung dafür sorgen, dass sich mehr Humus im Boden anreichert. Humus speichert das Fünffache seines eigenen Gewichts an Wasser. Es hat sich zudem gezeigt, dass die Humusbildung und die Wasserhaltefähigkeit des Bodens auch dann gefördert werden, wenn bei der Bodenbearbeitung auf den Pflug verzichtet wird.

Weitere Informationen

BZL-Broschüre: Bauer sucht Wetter

BZL-Broschüre: Ein gutes Tröpfchen - Wasser in der Landwirtschaft

BZL-Broschüre: Agrarmeteorologie

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ: Dürremonitor Deutschland

Deutscher Wetterdienst (DWD): Phänologische Uhr


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