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Kartoffeln

Trotz abnehmendem Verzehr und rückläufiger Anbaufläche ist die wirtschaftliche Bedeutung des Kartoffelanbaus in Deutschland groß.

Kartoffeln
Quelle: pholidito - stock.adobe.com

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland auf rund 243.000 Hektar Kartoffeln angebaut. Der Anbauschwerpunkt liegt in Niedersachsen, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Erntemenge schwankt von Jahr zu Jahr; zum einen wegen der abnehmenden Anbaufläche, zum anderen, weil das Wetter während der Vegetationsperiode einen wesentlichen Einfluss auf das Ernteergebnis hat. Im mehrjährigen Durchschnitt (2010 bis 2015) wurden 435,7 Dezitonnen Kartoffeln je Hektar geerntet. Der allergrößte Teil entfällt auf Speisekartoffeln und ein geringer Teil auf Industriekartoffeln.

In Deutschland isst heute jeder Bundesbürger im Durchschnitt rund 57 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch rund 70 Kilogramm, 1950 sogar 202 Kilogramm.

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland stark gewandelt, die Anbaufläche ist drastisch zurückgegangen, was nur zum Teil durch steigende Erträge aufgefangen wird. Der Rückgang der Anbaufläche hat viele Ursachen. Seit den 1970er Jahren füttert man Schweine aus Kostengründen mit Getreide und nicht mehr mit Kartoffeln. Auch in der Ernährung nimmt die Bedeutung der Kartoffel ab und Importe tragen ebenfalls zum Sinken der Anbaufläche bei.

Kartoffeln: Pflanzen- und Sortenkunde

Botanisch gehören Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen. Das oberirdische Kraut trägt weiße oder lilafarbene Blüten, die Kartoffelknollen wachsen unter der Erde. Aus einer Mutterknolle wachsen Ausläufer, die botanisch gesehen Sprosse sind. Die unterirdischen Sprosse schwellen an und es entstehen neue Kartoffeln. Zum Schutz bildet die Pflanze eine Art Korkgewebe, das wir als Schale kennen. Die Knolle ist das Speicherorgan der Pflanze. Aus den sogenannten Augen der Knollen wachsen nach einer Ruhephase wieder Keime, die sich von der Stärke in den Knollen ernähren.

Nach dem Verwendungszweck können Kartoffeln in zwei Kategorien eingeteilt werden: Speisekartoffeln und Kartoffeln für die Industrie. Für die industrielle Verarbeitung sind die Inhaltsstoffe, aber auch die Form der Kartoffel wichtig: Industriekartoffeln haben meist einen höheren Stärkegehalt als Speisekartoffeln. Für lange Pommes frites, braucht man große Knollen, beim industriellen Schälen ist eine glatte Oberfläche wichtig.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist eher die Unterscheidung in festkochende, vorwiegend festkochende und mehligkochende Sorten wichtig – je nach Verwendungszweck von Kartoffelsalat bis Kartoffelpüree.

Zudem unterscheidet man die Kartoffelsorten nach der Reifezeit:

  • Sehr frühe Sorten haben eine Vegetationszeit von etwa 90-110 Tagen. Sie werden in der Regel vorgekeimt und kommen im Juni/Juli als Frühkartoffeln auf den Markt. Beispiele sind 'Solist', 'Annabelle' und 'Anuschka'.
  • Frühe Sorten haben eine Vegetationszeit von 110-120 Tagen. Sie haben im Gegensatz zu den Frühkartoffeln eine etwas festere Schale und sind bedingt lagerfähig. Sie sind ab Juli/August auf dem Markt zu finden. 'Belana', 'Gala, 'Marabel' und 'Natascha' sind typische frühe Sorten.
  • Mittelfrühe Sorten haben eine Vegetationszeit von 120-140 Tagen und werden Ende August geerntet. Sie sind die größte Sortengruppe und gelten als die eigentlichen Einkellerungskartoffeln. Zu dieser Gruppe gehören 'Agria', 'Allians' und 'Laura'.
  • Mittelspäte bis späte Sorten: Mit 140-160 Tagen haben sie die längste Vegetationszeit und können ebenfalls gut eingekellert werden. Typische Sorten sind 'Jelly', 'Fasan' und 'Cascada', Erntezeitpunkt ist September/Oktober.

Kartoffelanbau und Ernte

Kartoffeln kommen mit einer Kartoffel-Legemaschine im April oder Mai in die Erde, wenn der Boden nicht mehr zu nass ist. Bei Bodentemperaturen von acht bis zehn Grad keimen sie am besten. Um eine lange Vegetationsperiode bis zur Ernte zu erreichen, müssen die Kartoffeln möglichst früh im Jahr in die Erde. Dann ist aber auch die Gefahr für Frostschäden am größten.

Auf einem Hektar wachsen rund 40.000 Pflanzen für Speisekartoffeln, bei Industriekartoffeln sind es 37.000. Hier pflanzt man weniger, damit die Kartoffeln mehr Platz haben und dicker werden können.
Für Kartoffeln hat sich der Anbau in Dämmen durchgesetzt. So erwärmt sich die Erde leicht, was den wärmeliebenden Kartoffeln guttut, und die meiste Arbeit können Maschinen erledigen. Geerntet wird, wenn die Knollen ausgereift und schalenfest sind. Geprüft wird das mit der Daumenprobe: durch Daumendruck wird versucht die Schale am Kronenende – dem oberen Teil der Knolle – abzuschieben. Reißt die Schale dabei oder löst sie sich, ist die Knolle noch nicht schalenfest und sollte im Boden bleiben.

Eine Ausnahme bilden Frühkartoffeln: Sie können grundsätzlich auch mit grünem Laub geerntet werden. Da die Schale dann noch nicht fest ist, sind sie nur kurz lagerfähig.

Geerntet werden Kartoffeln heute mit Rodern, die bis zu vier Kartoffeldämme auf einmal ernten. Dazu wird der gesamte Damm mit Erde, Knollen und Kraut von der Maschine aufgenommen. Die Knollen werden herausgesiebt, Erdkluten, Steine und Kraut aussortiert. Das geschieht meist maschinell, zum Teil aber auch per Hand. Die Vorgänge im Kartoffelroder laufen möglichst vorsichtig ab, um die Kartoffeln nicht zu beschädigen.

Um mit einer frühen Ernte höhere Preise am Markt zu erzielen, schützen manche Landwirtinnen und Landwirte ihre Kartoffeläcker mit Folie. Das bedeutet viel Handarbeit. Auch das Vorkeimen ist eine Methode, mit der der Erntetermin vorverlegt werden kann. Hierbei versucht man, die Knollen schon im Januar oder Februar durch gezielte Veränderungen von Temperatur und Lichtverhältnissen zum Keimen zu bringen. In der Regel bilden sich pro Knolle vier bis sechs kräftige Keime. Diese Keime geben den Kartoffeln einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen bis zur Ernte.

Lagerung und Nacherntebehandlung

Nach der Ernte gelangen Kartoffeln direkt in den Handel, werden gelagert oder weiterverarbeitet. Dafür werden sie zunächst in einer Sortieranlage der Größe nach sortiert. Meist erfolgt dies mittels einer Rüttelmaschine. Sie besteht aus Gittern auf mehreren Etagen, die nach unten hin immer engmaschiger werden. In der oberen Etage bleiben nur die größten Kartoffeln, nach unten hin sammeln sich immer kleinere. Beschädigte, fleckige oder gekeimte Kartoffeln werden maschinell oder von Hand aussortiert.

Die Lagerung der Kartoffeln beginnt mit der Abtrocknungsbelüftung, da die Knollen feucht aus der Erde kommen. Die eigentliche Lagerung erfolgt bei einer Temperatur von vier Grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent. Vor dem Verkauf werden die Knollen langsam wieder auf zehn Grad Celsius erwärmt und beschädigte, angefaulte oder grüne Knollen entfernt. Solche Lagerverluste treten immer auf. Größere Verluste entstehen durch Krankheiten, die erst im Lager sichtbar werden und nicht zu bekämpfen sind.

Kartoffeln aus konventionellem Anbau dürfen nach der Ernte mit keimhemmende Mitteln behandelt werden, um das Auskeimen der Kartoffeln während der Lagerung zu verhindern. Erkennbar sind derart behandelte Kartoffeln am Hinweis „Nach der Ernte behandelt“. Das am häufigsten verwendete Keimhemmungsmittel ist Chlorpropham. Dieses baut sich im Laufe der Lagerung ab, sodass die Erzeuger einige Wochen warten müssen, bis sie die Ware in den Handel bringen können ohne die zulässigen Höchstmengen an Rückständen zu überschreiten. Wer Kartoffeln ohne diese Behandlung kaufen möchte, kann auf Bio-Ware zurückgreifen, bei der zur Keimhemmung lediglich Kümmel- oder Pfefferminzöl eingesetzt werden dürfen. Auch Frühkartoffeln sind meist unbehandelt, da sie sich nicht für eine längere Lagerung eignen.


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