Sind Nutztiere gentechnisch verändert?
Letzte Aktualisierung: 10. Oktober 2025
Bis heute gibt es – mit wenigen Ausnahmen – keine gentechnisch veränderten Nutztiere. Neue Verfahren könnten dies aber bald ändern.
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In Kürze
- Gentechnisch veränderte Nutztiere sind bislang äußerst selten, weil die herkömmlichen Verfahren kompliziert, teuer und wenig effizient sind.
- Neue Genome-Editing-Verfahren machen Eingriffe ins Erbgut präziser, günstiger und schneller als klassische Gentechnik.
- Forschende arbeiten an Tieren, die widerstandsfähiger, produktiver oder tierfreundlicher gezüchtet werden können.
- In der EU wird über eine Reform des Gentechnikrechts gestritten – während Pflanzen bald erleichtert zugelassen werden könnten, bleibt der Weg für Tiere unklar.
In der Nutztierhaltung gibt es bislang fast keine gentechnisch veränderten Tiere. Einzige Ausnahme bilden mit Methoden der klassischen Gentechnik gezüchtete Lachse und Schweine, die in Kanada und den USA zu kaufen sind, in der EU jedoch nicht gehandelt werden dürfen.
Dass es kaum gentechnisch veränderte Nutztiere gibt, liegt vor allem daran, dass die klassischen gentechnischen Verfahren sehr anspruchsvoll, fehleranfällig und teuer sind. Die Gewinnung der benötigten Eizellen ist aufwendig und die Erfolgsquote nach dem Einpflanzen ins Muttertier sehr gering. Hinzu kommt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gentechnisch erzeugten Lebensmitteln generell kritisch gegenüberstehen.
Neue Verfahren könnten Veränderung bringen
Mit dem sogenannten Genome Editing haben inzwischen neue molekulargenetische Verfahren in der Tier- und Pflanzenzucht Einzug erhalten. Sie ermöglichen es, einzelne DNA-Bausteine im Erbgut umzuschreiben, abzuschalten oder gegen neue auszutauschen, ohne dass dafür neue Gene eingeführt werden müssen. Diese Methoden sind exakter und wesentlich einfacher und schneller als die klassischen Verfahren, außerdem kosten sie sehr viel weniger. Sie eröffnen damit neue Perspektiven für die Zucht von Nutztieren. Mittlerweile arbeiten zahlreiche Forschende an der Weiterentwicklung solcher Methoden.
Bei den wissenschaftlichen Projekten geht es meist darum, dass Nutztiere schneller und mehr Fleisch ansetzen oder ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Seuchen zu erhöhen. Aber auch das Tierwohl steht zunehmend im Fokus. So haben amerikanische Forschende zum Beispiel Schweine gezüchtet, die in einem vorpubertären Stadium bleiben, sodass auf die (meist schmerzhafte) Kastration verzichtet werden kann. Ein anderes Beispiel kommt aus Israel: Dort hat ein Startup ein Verfahren entwickelt, mit dem männliche Embryonen in Hühnereiern von Legerassen durch einen Biomarker schnell und einfach sichtbar gemacht werden können.
Ob, und – falls ja – wann genom-editierte Nutztiere in Europa überhaupt auf den Markt kommen, bleibt die Frage. Bislang fallen durch Genome Editing erzeugte Organismen – also Pflanzen und Tiere – noch unter die geltenden Gentechnikgesetze und müssen damit wie alle gentechnisch veränderten Organismen ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen.
Seit einigen Jahren wird in Wissenschaft und Gesellschaft jedoch intensiv darüber diskutiert, ob Genome Editing-Verfahren den klassischen Gentechnik-Verfahren gleichzusetzen sind. Kritisiert wird außerdem, dass das 30 Jahre alte Gentechnik-Gesetz, auf Basis dessen der EuGH die Entscheidung getroffen habe, nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspreche und daher dringend reformiert werden müsse.
Daraufhin hatte die EU-Kommission die europäischen Gentechnik-Gesetze überprüft und dafür in einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie weltweit Daten und Erfahrungen mit den neuen Züchtungstechnologien ausgewertet und Expertinnen und Experten befragt.
Im Juli 2023 stellte die EU-Kommission ihren Vorschlag für eine Reform der Gentechnik-Gesetze dann der breiten Öffentlichkeit vor. Danach sollen die Auflagen für Pflanzen, die mit den neuen GE-Verfahren gezüchtet wurden, deutlich gelockert werden. Das EU-Parlament hat dem Kommissionsvorschlag 2024 im Kern bereits zugestimmt. Allerdings muss auch noch der EU-Ministerrat darüber entscheiden. Und dort ist eine Einigung nach wie vor nicht in Sicht.
Weitere Informationen
Transgen.de: Gentechnik bei Tieren: Neuer Schub durch Genome Editing
