Sind Nutztiere gentechnisch verändert?
Letzte Aktualisierung: 24. Juni 2026
Bis heute gibt es – mit wenigen Ausnahmen – keine gentechnisch veränderten Nutztiere. Neue Verfahren könnten dies aber bald ändern.
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In Kürze
- Gentechnisch veränderte Nutztiere sind bislang äußerst selten, weil die herkömmlichen Verfahren kompliziert, teuer und wenig effizient sind.
- Neue Genomische Techniken machen Eingriffe ins Erbgut präziser, günstiger und schneller als klassische Gentechnik.
- Forschende arbeiten an Tieren, die widerstandsfähiger, produktiver oder tierfreundlicher gezüchtet werden können.
- In der EU wurde im Juni 2026 eine Reform des Gentechnikrechts beschlossen – während Pflanzen ab Mitte 2028 leichter zugelassen werden können, bleibt der Weg für Tiere unklar.
In der Nutztierhaltung gibt es bislang fast keine gentechnisch veränderten Tiere. Einzige Ausnahme bilden mit Methoden der klassischen Gentechnik gezüchtete Lachse und Schweine, die in Kanada und den USA zu kaufen sind, in der EU jedoch nicht gehandelt werden dürfen.
Dass es kaum gentechnisch veränderte Nutztiere gibt, liegt vor allem daran, dass die klassischen gentechnischen Verfahren sehr anspruchsvoll, fehleranfällig und teuer sind. Die Gewinnung der benötigten Eizellen ist aufwendig und die Erfolgsquote nach dem Einpflanzen ins Muttertier sehr gering. Hinzu kommt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher gentechnisch erzeugten Lebensmitteln generell kritisch gegenüberstehen.
Neue Genomische Techniken könnten Veränderung bringen
Mit den sogenannten Neuen Genomischen Techniken (NGT) haben inzwischen neue molekulargenetische Verfahren in der Tier- und Pflanzenzucht Einzug erhalten. Sie ermöglichen es, einzelne DNA-Bausteine im Erbgut umzuschreiben, abzuschalten oder gegen neue auszutauschen, ohne dass dafür neue Gene eingeführt werden müssen. Diese Methoden sind exakter und wesentlich einfacher und schneller als die klassischen Verfahren, außerdem kosten sie weniger. Sie eröffnen damit neue Perspektiven für die Zucht von Nutztieren. Mittlerweile arbeiten zahlreiche Forschende an der Weiterentwicklung solcher Methoden.
Bei den wissenschaftlichen Projekten geht es meist darum, dass Nutztiere schneller und mehr Fleisch ansetzen oder ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Seuchen zu erhöhen. Aber auch das Tierwohl steht zunehmend im Fokus. So haben amerikanische Forschende zum Beispiel Schweine gezüchtet, die in einem vorpubertären Stadium bleiben, sodass auf die (meist schmerzhafte) Kastration verzichtet werden kann. Ein anderes Beispiel kommt aus Israel: Dort hat ein Startup ein Verfahren entwickelt, mit dem männliche Embryonen in Hühnereiern von Legerassen durch einen Biomarker schnell und einfach sichtbar gemacht werden können.
Ob, und – falls ja – wann NGT-Nutztiere in Europa überhaupt auf den Markt kommen, bleibt die Frage. Derzeit fallen mit NGT erzeugte Organismen – Pflanzen und Tiere – noch unter die geltenden Gentechnikgesetze und müssen damit wie alle gentechnisch veränderten Organismen ein aufwändiges Zulassungsverfahren durchlaufen.
Das wird sich für Pflanzen ab Mitte 2028 jedoch ändern. Im Juni 2026 hat das EU-Parlament neue Regeln für sogenannte Neue Genomische Techniken (NGT) beschlossen. Damit fallen bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen – vor allem solche mit einer begrenzten Anzahl und Art von Veränderungen im Erbgut – künftig nicht mehr unter die strengen Kennzeichnungspflichten und werden herkömmlichen Sorten weitgehend gleichgestellt.
Diese – auch als NGT-1 bezeichneten Pflanzen – machen einer Analyse der EU-Kommission zufolge rund 94 Prozent der derzeit bekannten und diskutierten NGT-Pflanzen aus. Nur Pflanzen mit komplexeren Eingriffen (NGT2) oder fremdem Genmaterial bleiben kennzeichnungspflichtig. Die neue Regelung soll 2028 in Kraft treten.
Weitere Informationen
Transgen.de: Nutztieren: Gentechnik ist passé, aber neuer Schub durch Genome Editing
