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Wie wird Merinowolle gewonnen?

Letzte Aktualisierung: 17. Oktober 2026

Merinowolle zeichnet sich durch sehr feine Fasern und besondere Eigenschaften aus, sie wird vor allem für Funktionsbekleidung zunehmend beliebter. Sie stammt von bestimmten Schafrassen, die vor allem in Australien gehalten werden.

Zwei Hände vor einem Vlies aus Merinowolle prüfen die Fasern.
Merinowolle hat besonders feine Fasern.
Quelle: Penny Tweedie via Getty Images

In Kürze


Was ist Merinowolle?

Merinowolle stammt vom Fell des Merinoschafes, einer Feinwollrasse, deren Ursprung vermutlich in Nordafrika liegt und die sich historisch über Spanien verbreitete. Aus dem Fell werden durch mehrere Verarbeitungsschritte Wollfäden gewonnen, die dann zu Textilien verarbeitet werden.

Wie unterscheidet sich Merinowolle von anderer Wolle?

Der Hauptunterschied zu anderer Wolle liegt in der Feinheit der Fasern: Die Faserstärke von Merinowolle liegt etwa bei 20 Mikrometern, das entspricht 0,02 Millimetern. Gute Qualitäten sind oft noch feiner. Zum Vergleich: Gewöhnliche Schafwolle liegt bei 20 bis 50 Mikrometern, menschliche Haare bei 70 bis 90. Diese Feinheit sorgt dafür, dass Merinowolle auf der Haut weicher wirkt als gröbere Wollarten. Deshalb wird sie neben anderer feiner Schurwolle vor allem für Kleidung genutzt. Wolle mit gröberer Faserstärke wird eher zu Teppichen, Filz oder Dämmmaterial verarbeitet.

Die Fasern der Merinowolle sind im Vergleich zu anderer Wolle nicht nur feiner, sondern auch stärker gekräuselt. Dadurch entstehen in Kleidung aus Merinowolle viele kleine Lufteinschlüsse, die isolierend und temperaturausgleichend wirken.

Ein Sportler in blauem Merino-T-Shirt.
Merinowolle wird für Funktionskleidung eingesetzt.
Quelle: Cavan Images via Getty Images

Wofür wird Merinowolle eingesetzt?

Neben Alltagskleidung wie Pullovern, Mützen und T-Shirts wird Merinowolle zunehmend für funktionelle Sportbekleidung verwendet. Ein entscheidender Vorteil ist, dass sich Kleidung aus Wolle, selbst wenn sie nass wird, trocken anfühlt: Die Fasern können im Inneren bis zu einem Drittel ihres Gewichtes an Wasser aufnehmen, während ihre Oberfläche wasserabweisend ist. Außerdem nimmt Wolle weniger Gerüche an als andere Textilfasern, sie kann Schweiß chemisch binden und daher lange neutralisieren.

Wegen ihrer Feinheit und der temperaturausgleichenden Eigenschaften wird sie auch für Babybekleidung verwendet. Vor allem bei Neugeborenen, die ihre Körpertemperatur noch nicht gut selbst regulieren können, bietet das Vorteile.

Wie werden Merinoschafe gehalten?

erinoschafe werden vor allem in Australien, aber auch in Südafrika, Neuseeland und weiteren Ländern gehalten. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Schafhaltung oft als Wanderschäferei stattfindet, leben die Schafe in Australien und Neuseeland meist auf sehr großen Farmen, wo sie viel Auslauf auf weitläufigen Weideflächen haben. Beide Arten der Haltung gelten als extensiv, mit großen Flächen und natürlicher Futtergrundlage.

Merinoschafe werden auf weitläufigen Weiden gehalten.
Quelle: tracielouise via Getty Images

Merinoschafe in Deutschland

Auch in Deutschland werden neben anderen Rassen Merinoschafe gehalten. Ihre Wolle wird jedoch kaum genutzt, weil sich das wirtschaftlich nicht rentiert. Durch den zunehmenden globalen Konkurrenzdruck und einen niedrigen Wollpreis von 30 bis 40 Cent pro Kilogramm lässt sich Wolle in Deutschland nicht kostendeckend produzieren. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Fleischproduktion und dem Einsatz der Schafe zur Landschaftspflege. Es gibt jedoch Projekte, die anfallende Wolle zum Beispiel als Dünger zu nutzen.

Die Wolle der deutschen Merinoschafe ist mit rund 25 bis 30 Mikrometern etwas gröber als die der australischen Tiere (20 Mikrometer und weniger).

Wie wird das Schaffell zur Wolle?

Schafe werden mindestens einmal jährlich geschoren. Das dient nicht nur der Gewinnung der Wolle, sondern nutzt auch den Tieren. Abgesehen von wenigen Rassen wechseln Schafe ihr Fell nicht. Werden sie nicht geschoren, wächst es ständig weiter und wird so dicht und schwer, dass die Tiere leiden. Durch die Schur erhält man das Vlies – ein zusammenhängendes Stück ineinander verflochtener Wollfasern. Ein ausgewachsenes Merinoschaf liefert je nach Rasse, Alter, Geschlecht und Haltung jährlich mehrere Kilogramm Rohwolle.

Das Vlies ist recht uneinheitlich, je nachdem, von welchem Körperteil es stammt, daher wird es zunächst nach Qualitäten sortiert, minderwertige Teile des Vlieses werden entfernt. Danach wird es gewaschen und gezupft, um Schmutz und Fremdkörper zu entfernen. Beim Waschen wird auch ein Großteil des Wollfettes Lanolin entfernt.

Schafwollvliese liegen nach Qualitäten sortiert in drei verschiedenen Lagern.
Schafwollvliese liegen nach Qualitäten sortiert in drei verschiedenen Lagern.
Quelle: Jason Edwards via Getty Images

Die Rohwolle wird dann gekämmt, um weiteren Schmutz und zu kurze Fasern zu entfernen. Dabei werden die einzelnen Fasern parallel ausgerichtet. Die daraus entstehenden Wollstränge können anschließend zu Fäden und Garnen versponnen werden.

Wo wird Merinowolle verarbeitet?

China ist das Land, in dem weltweit die meiste Merinowolle verarbeitet wird. Australien ist zwar der wichtigste Produzent und Exporteur der Rohwolle, verarbeitet sie aber überwiegend nicht selbst. Rund 80 Prozent der australischen Wolle werden zur Verarbeitung nach China exportiert. 

Dort erfolgen unter anderem das Waschen, Kämmen, Kardieren und teilweise die weitere Garn- und Textilproduktion. Historisch spielten niedrigere Arbeitskosten eine wichtige Rolle bei der Verlagerung der Verarbeitung nach China. Heute kommen Automatisierung, spezialisierte Fachbetriebe und etablierte Lieferketten als ebenso wichtige Wettbewerbsvorteile hinzu.

Mulesing

Die Merinoschafhaltung, insbesondere in Australien, steht wegen des Mulesings in der Kritik. Dabei werden Hautstücke am Hinterteil der Lämmer entfernt, um Fliegenbefall vorzubeugen. Die Gefahr einer Fliegenmadenkrankheit, auch “Flystrike” oder “Myiasis” genannt, besteht besonders in feucht-warmen Regionen. Dabei legen Fliegen ihre Eier in feuchtes oder verschmutztes Fell. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven ernähren sich vom Gewebe des Schafes und können für die Tiere lebensbedrohlich sein. Da Merinoschafe durch die Zucht auf hohen Wollertrag viele Hautfalten besitzen, sind sie besonders anfällig für Fliegenbefall.

Befürwortende des Mulesings argumentieren, dass der Eingriff das Risiko schwerer Erkrankungen reduziert. Tierschutzorganisationen kritisieren dagegen Schmerzen und fehlende Betäubung bei traditionellen Verfahren. Und selbst wenn die Tiere für die Dauer des Eingriffs betäubt werden, verhindert das nicht, dass sie danach noch unter Schmerzen leiden. Langfristig könnte die Züchtung von Schafen mit weniger Hautfalten Abhilfe schaffen.

In Australien verzichten viele Schaffarmen inzwischen auf Mulesing, in Neuseeland und einigen anderen Ländern ist es gänzlich verboten.

Schwanzkupieren bei Schafen in Deutschland

Ein ähnliches Problem wie die australischen Lämmer haben auch deutsche Schafe. Auch bei ihnen kann ein Fliegenbefall auftreten, denn alle bedeutenden Wirtschaftsrassen haben lange und stark bewollte Schwänze, die leicht verschmutzen. Daher werden vielen Lämmern zwar keine Hautfalten entfernt, aber mit einem Gummiring ohne Betäubung die Schwänze kupiert. Auch in Australien und anderen Ländern ist dieser Eingriff üblich.

Erfahren Sie mehr zum Schwanzkupieren auf nutztierhaltung.de:

Rechtliche Aspekte des Schwanzkupierens

Herkunftsetikett in einem Wollkleidungsstück
Wer mulesingfreie Wolle kaufen möchte, sollte nicht nur auf die Herkunft, sondern auch auf seriöse Label achten.
Quelle: alacatr via Getty Images

Wie kann ich mulesingfreie Wolle kaufen?

Ein erster Hinweis darauf, ob Wolle aus mulesingfreier Schafhaltung stammt, bietet das Herkunftsland: Im Gegensatz zu Australien ist Mulesing in Neuseeland und Südafrika verboten, in Argentinien ist es nicht üblich. Da Wolle im Handel aber oft aus verschiedenen Chargen gemischt wird, ist es nicht leicht, für das Endprodukt eine mulesingfreie Herkunft zu garantieren. 

Wichtig ist deshalb, dass Systeme zur Rückverfolgbarkeit der Wollherkunft etabliert werden. Label wie Responsible Wool Standard (RWS), ZQ Merino, NATIVA und New Merino zeichnen Wolle aus, die frei von Mulesing ist, wie eine Untersuchung der Tierschutzorganisation “Vier Pfoten” zeigt. Auch das GOTS-Siegel schließt inzwischen Mulesingwolle aus. Bei australischer Wolle reicht ein Bio-Siegel nicht aus, denn dieses verbietet Mulesing nicht.


Weitere Informationen

Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände e.V.

Internationaler Verband der Textilindustrie

Die größten Wolle produzierenden Länder

Schafbestand in Deutschland

Schwänze kupieren

Schmerzen trotz Betäubung nach Mulesing

Haarschafe ohne Schur (PDF)

Schafwolle als Dünger

Deutsche Wolle ist unrentabel

Traditionelle Wollverarbeitung

Rote Liste Nutztiere


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