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Phosphor – Was tun, wenn ein Pflanzennährstoff knapp wird?

Letzte Aktualisierung: 8. Januar 2026

Phosphor ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, doch die weltweiten Vorräte schwinden. Eine Alternative ist Phosphor-Recycling aus Klärschlamm.

Luftbild einer Phosphatmine
Phosphor ist ein schwindender Rohstoff, der nicht ersetzt werden kann.
Quelle: BrianBrownImages via Getty Images

In Kürze


Phosphor ist nach Stickstoff der mengenmäßig wichtigste Nährstoff im Acker- und Gartenbau. Das heißt, ohne Phosphor kein Pflanzenwachstum. Phosphor übernimmt wichtige Funktionen in der Energieversorgung der Pflanze und ist unverzichtbarer Baustein für Zellwände, Erbgut und verschiedene Eiweiße. Damit unseren Kulturpflanzen dieser Nährstoff nicht ausgeht, müssen Landwirtinnen und Landwirte regelmäßig düngen.

Natürliche Phosphorlieferanten sind tierische Dünger wie Gülle oder Mist. Vor allem Schweinegülle enthält viel Phosphor. Tierhaltende Betriebe können einen Teil des Phosphors, den ihre Kulturpflanzen benötigen, über die Ausbringung von Gülle und Mist wieder auf die Felder bringen. In geringen Mengen ist Phosphor auch in Kompost enthalten. In aller Regel reicht der darin enthaltene Phosphor aber nicht aus, um den Bedarf der Pflanzen zu decken.

Konventionelle viehlose Betriebe greifen daher meist zu synthetisch hergestellten Phosphor- oder Mehrnährstoffdüngern. In letzteren sind neben Phosphor auch andere Pflanzennährstoffe enthalten.

Phosphorquelle Rohphosphat

Der Phosphor in diesen Kunstdüngern liegt meist in gebundener Form als Phosphat – chemisch P2O5 – vor. Phosphat stammt aus Lagerstätten, die im Tagebau abgebaut werden. Weil das dort gewonnene Rohphosphat schlecht in Wasser lösbar ist, wird es meist noch mit Hilfe von Säuren aufbereitet. Auf diese Weise wird das Phosphat für die Pflanzen besser verfügbar.

Im Öko-Landbau ist der Einsatz von solchen synthetisch hergestellten Phosphatdüngern verboten. Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte verwenden daher das unbehandelte Rohphosphat.

Phosphat ist ein endlicher Rohstoff

Woher kommt Phosphat?

Weltweit verfügen gerade sechs Länder über 84 Prozent der bekannten Phosphatreserven: Marokko, China, Ägypten, Algerien, Südafrika und Brasilien. Mit Abstand die größten Bestände hat Marokko. Mehr als zwei Drittel der Weltvorräte liegen dort.

Das grundsätzliche Problem mit natürlichen Rohstoffen ist: Sie sind nicht unendlich lang verfügbar. Das gilt auch für Phosphat. Bauen wir weiterhin so viel Phosphat ab wie heute, reichen die weltweiten Phosphatreserven verschiedenen Schätzungen zufolge noch etwa 300 Jahre. Unter Reserven versteht man diejenigen Rohstoffvorkommen, die nach heutigem Stand der Technik wirtschaftlich sinnvoll gewonnen werden können.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Phosphatressourcen. Diese Vorkommen sind bekannt und theoretisch geeignet, um eine Verlängerung des Nutzungszeitraums zu ermöglichen. Wie viele dieser Ressourcen allerdings tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden können, ist heute noch unklar.

Phosphor ist nicht ersetzbar

Das Problem der Rohstoffverknappung kennt man bereits von anderen Rohstoffen wie zum Beispiel Erdöl. Beim Öl sucht man deswegen schon seit Jahren nach alternativen Energiequellen, um diesen fossilen Rohstoff mittel- bis langfristig komplett ersetzen zu können.

Das, was bei Erdöl machbar ist, wird beim Phosphor jedoch nicht funktionieren. Aus einem einfachen Grund: Phosphor ist als Nährstoff für das Pflanzenwachstum essenziell und damit unersetzbar.
Das heißt, die zunehmende Verknappung der Phosphatreserven führt dazu, dass die noch vorhandenen Vorkommen mit der Zeit immer gefragter und damit auch immer teurer werden. Schon jetzt können sich viele Landwirtinnen und Landwirt in ärmeren Ländern dieser Welt kaum noch Phosphordünger leisten.

Dieses Problem wird sich in Zukunft verschärfen und wahrscheinlich auch auf Europa übertragen, wenn sich nichts ändert. Seit 2014 steht Phosphor auf der EU-Liste für kritische Rohstoffe.

Grünalgen schwimmen an der Wasseroberfläche
Zu hohe Phosphoreinträge führen häufig zu verstärktem Algenwachstum und schaden dem ökologischen Gleichgewicht von Seen und Flüssen.
Quelle: prill via Getty Images

Negative Umweltwirkung von Phosphatabbau und -düngung

Um die landwirtschaftliche Erzeugung auch zukünftig in dem Maße aufrecht erhalten zu können wie wir sie heute betreiben, müssten wir sehr viel sparsamer mit dem Rohstoff Phosphor umgehen. Der sparsame Umgang ist jedoch nicht nur aus Knappheitsgründen angesagt. Auch der Umwelt ginge es besser, wenn Phosphor verantwortungsvoller eingesetzt würde.

Die noch vorhandenen Phosphatvorräte sind immer schwerer zu erschließen und ihr Abbau und Transport erfordert immer größere Mengen an Energie. Hinzu kommt: Die Qualität der gewonnenen Rohphosphate nimmt stetig ab. Vor allem Rohphosphate sedimentären Ursprungs weisen heute immer höhere Gehalte an Cadmium, Uran und anderen unerwünschten Stoffen auf, die über die Düngung bei uns in den Boden gelangen.

Gewässerbelastung durch zu viel Phosphor

Laut Umweltbundesamt sind hierzulande die Phosphorkonzentrationen in fast zwei Drittel aller offenen Gewässer zu hoch. Zu viel Phosphor bringt die Gewässerökosysteme aus dem Gleichgewicht und führt zu ihrer Überdüngung (Eutrophierung). Die Folge sind übermäßiges Wachstum von Algen und Wasserpflanzen, Abnahme der Biodiversität, Sauerstoffmangel, bis hin zu Fischsterben.

Die größten Eintragsquellen für Phosphor in Flüsse und Bäche sind kommunale Kläranlagen und die Landwirtschaft. In manchen Regionen sind die Böden durch den übermäßigen Einsatz von mineralischen Phosphordüngern und Gülle derart überversorgt, dass unerwünscht große Mengen Phosphor durch Bodenerosion in die Flüsse und Seen gelangen.

Unter anderem aus diesem Grund wurden die Regeln für die Phosphordüngung vor einiger Zeit verschärft. Landwirtinnen und Landwirt müssen nun genauestens darüber buchführen, wie viel Phosphor ihre Pflanzen brauchen und wie viel sie ausbringen. Werden die Grenzwerte überschritten, drohen Bußgelder. Aber auch Kläranlagen sind aufgefordert mit entsprechender Technik die Phosphorausträge zu minimieren.

Nahaufnahme eines Düngerstreuers
Über die Düngung werden Jahr für Jahr große Menge an Phosphor auf die Felder und Wiesen ausgebracht. Nur einen Teil davon brauchen die Pflanzen tatsächlich für ihr Wachstum.
Quelle: mikedabell via Getty Images

Wie sich das Phosphor-Dilemma lösen lässt

Um die Versorgung mit Phosphor dauerhaft zu sichern, wird es nicht ausreichen, wenn wir sparsamer mit den Phosphorreserven umgehen. Lösen können wir das Phosphor-Dilemma langfristig nur, wenn wir beginnen, die Nährstoffkreisläufe wieder zu schließen. Was bedeutet das?

Hier kommt der Landwirtschaft eine besondere Rolle zu. Denn ein Großteil des nach Deutschland importierten Phosphors wird in Landwirtschaft und Gartenbau verwendet. In anderen Ländern sieht das ähnlich aus. Der Phosphor landet mit Gemüse und Getreide, mit Eiern, Milch und Fleisch auf unserem Teller. Die vom Menschen nicht verwerteten Nährstoffe gelangen dann mitsamt dem enthaltenen Phosphor weiter über das Abwasser in die Kläranlage.

Eine Rückführung der in den Kläranlagen anfallenden Klärschlämme auf die Felder und Beete wäre daher eine naheliegende Lösung, den Kreislauf zu schließen.

Dies wurde in der Vergangenheit auch schon gemacht. Das Problem mit Klärschlamm ist allerdings: Er enthält nicht nur die vielen wertvollen Nährstoffe, die unsere Pflanzen brauchen, sondern auch alles andere, was wir in die Toilette oder den Gully spülen: Arzneimittel und Haushaltschemikalien, Industrieabwässer oder den von der Straße gewaschenen Reifenabrieb.

Neue Regeln für Klärschlamm und Phosphor

Aufgrund der genannten Probleme wurde die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen in Deutschland stark eingeschränkt und soll in der bisherigen Form mittelfristig ganz beendet werden. Für große Kläranlagen gelten dabei feste Fristen: Ab 2029 dürfen Anlagen mit mehr als 100.000 Einwohnerwerten Klärschlamm nicht mehr unbehandelt auf die Felder bringen. Spätestens ab 2032 gilt dieses Verbot auch für Kläranlagen mit mehr als 50.000 Einwohnerwerten.

Zugleich schreibt der Gesetzgeber vor, dass alle Kläranlagen binnen einer Frist bestimmte Teile des im Klärschlamm gebundenen Phosphors wieder zurückgewinnen müssen. Ziel ist es, wertvolle Nährstoffe im Kreislauf zu halten und gleichzeitig den Eintrag von Schadstoffen in Böden zu vermindern.

Luftbild einer Kläranlage
Die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm in Kläranlagen soll zukünftig Pflicht werden.
Quelle: ollo via Getty Images

Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm

In Deutschland wird derzeit an vielen Kläranlagen daran gearbeitet, Phosphor aus Abwasser zurückzugewinnen. Dafür gibt es unterschiedliche technische Ansätze. Manche Verfahren holen den Phosphor bereits während der Abwasserbehandlung aus dem Klärschlamm, andere setzen erst später an – nämlich dann, wenn der Klärschlamm verbrannt wurde und nur noch Asche übrig ist.

Ein Verfahren, das bereits in der Praxis eingesetzt wird, gewinnt Phosphor direkt aus dem Abwasser in Form von sogenanntem Struvit. Dabei handelt es sich um einen vergleichsweise schadstoffarmen Phosphordünger, der auch für den Ökolandbau zulässig ist.

Als besonders vielversprechend gilt außerdem die Verbrennung von Klärschlamm mit anschließender Rückgewinnung des Phosphors aus der Asche. Auf diesem Weg lassen sich große Teile des enthaltenen Phosphors zurückholen, während unerwünschte Schadstoffe weitgehend entfernt werden. Viele dieser Ascheverfahren befinden sich allerdings erst am Anfang ihrer Markteinführung.

Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes wird es künftig keine einheitliche Lösung geben, die überall gleichermaßen passt. Dafür sind die Klärschlämme je nach Region zu unterschiedlich zusammengesetzt. Außerdem ist noch offen, wie schnell genügend Anlagen zur Verfügung stehen und wie gut sich die zurückgewonnenen Phosphordünger am Markt etablieren.

Was das für die Abwassergebühren heißt

Die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm ist mit zusätzlichen technischen und organisatorischen Aufwendungen verbunden und verursacht entsprechende Kosten. Laut Umweltbundesamt dürfen diese Mehrkosten grundsätzlich über die Abwassergebühren an die Nutzerinnen und Nutzer weitergegeben werden. Entsprechende Gutachten befassen sich derzeit damit, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form eine solche Umlage möglich ist.

Wie stark sich die Abwassergebühren dadurch erhöhen, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der Größe der Kläranlage, dem eingesetzten Verfahren und den regionalen Gegebenheiten. Fachleute gehen davon aus, dass sich die zusätzlichen Kosten für private Haushalte in der Regel im überschaubaren Rahmen halten.


Weitere Informationen

Umweltbundesamt (UBA): Recyclingdünger als Alternative zu konventionellen Düngemitteln

UBA: Umwelt-Indikatoren – Eutrophierung von Flüssen durch Phosphor

UBA: Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm auf Abwassergebühr umlegbar

UBA: Evaluierung verfügbarer Kapazitäten thermischer Klärschlammbehandlung sowie zur Phosphorrückgewinnung

Ökolandbau.de: Phosphor zurück in den Kreislauf – Struvit als Chance für den Ökolandbau


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