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Wie groß ist der Einfluss der Landwirtschaft auf den Klimawandel?

Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2026

Methan, Lachgas und CO2 – wie die Landwirtschaft zum Klimawandel beiträgt und welche Maßnahmen Emissionen senken können.

Vogelperspektive eines Mähdreschers auf dem Feld
9,4 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft.
Quelle: ollo via Getty Images

In Kürze


Einfluss der Landwirtschaft auf den Klimawandel: Zahlen und Fakten

Nach der vorläufigen Emissionsberechnung des Umweltbundesamtes verursachte der Sektor Landwirtschaft 2025 rund 60,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Das entsprach 9,4 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen.

Seit 1990 sanken die Emissionen des Landwirtschaftssektors von 85,8 auf 60,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente, also um 29 Prozent. Die deutschen Gesamtemissionen gingen im selben Zeitraum um 48,2 Prozent zurück. Deshalb ist der relative Anteil der Landwirtschaft an den Gesamtemissionen gestiegen.

Was zählt zum Sektor Landwirtschaft?

Welche Emissionen der Landwirtschaft zugerechnet werden, hängt vom verwendeten Berichtssystem ab. Zum Sektor Landwirtschaft nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz gehören vor allem die Emissionen aus der Tierhaltung, aus landwirtschaftlich genutzten Böden und aus der Vergärung von Energiepflanzen. Hinzu kommen die Emissionen aus dem Brennstoffverbrauch landwirtschaftlicher Fahrzeuge sowie aus der Wärmeerzeugung in Ställen und Gewächshäusern. Weitere relevante Quellen sind CO2-Emissionen aus der Kalkung und der Düngung mit Harnstoff und anderen kohlenstoffhaltigen synthetischen Düngern (z. B. Kalkammonsalpeter).

In der internationalen Klimaberichterstattung werden diese energiebedingten Emissionen dagegen dem Energiesektor zugerechnet. Deshalb nennt das Umweltbundesamt für 2025 sowohl 53,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ohne diese Energieemissionen als auch 60,8 Millionen Tonnen einschließlich dieser Emissionen. Für die Klimaziele nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz ist der Wert von 60,8 Millionen Tonnen maßgeblich.

Nicht zum Sektor Landwirtschaft zählen dagegen Emissionen, die aus der Nutzung oder Veränderung von Flächen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Emissionen, die freigesetzt werden, wenn Grünland in Ackerland umgewandelt wird. Auch für die Landwirtschaft entwässerte Moorböden setzen große Mengen Kohlendioxid frei. Diese Emissionen werden überwiegend nicht dem Landwirtschaftssektor, sondern dem Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) zugerechnet.

Auch Emissionen aus der Herstellung von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln erscheinen vor allem beim Sektor Industrie. Die bei der Anwendung von Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Böden entstehenden Emissionen gehören dagegen zum Landwirtschaftssektor.

Der Anteil von 9,4 Prozent beschreibt daher nicht sämtliche Emissionen, die mit Landwirtschaft und Ernährung zusammenhängen.

Treibhausgasemissionen aus Mooren

Nicht berücksichtigt ist in den 60,8 Millionen Tonnen des Sektors Landwirtschaft die folgenschwere Wirkung der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden (siehe Infokasten). Rund 92 Prozent aller Moore in Deutschland sind entwässert. Viele dieser Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

Das ist ein Problem. Denn Moore speichern riesige Mengen an Kohlenstoff. Werden die Flächen trockengelegt, reagiert der Kohlenstoff im Torf mit der Luft, sodass sehr viel CO2 entsteht. Allein in Deutschland machte dies 2025 rund 7,2 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen aus.

Trockengelegte Moorflächen
Trockengelegte Moore geben große Mengen CO2 an die Atmosphäre ab.
Quelle: format35 via Getty Images

Treibhausgasemissionen aus Ackerbau und Tierhaltung

Die wichtigsten Treibhausgase im Landwirtschaftssektor sind Lachgas und Methan. Beide sind um ein Vielfaches klimawirksamer als CO2. Methan entsteht vor allem bei der Verdauung von Wiederkäuern wie Rindern und Schafen sowie bei der Lagerung von Gülle und Mist. 2025 stammten rund 76 Prozent der gesamten Methan-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft.

Lachgas als Problemgas der Landwirtschaft

Lachgas ist – bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren – rund 265-mal so klimawirksam wie Kohlendioxid. 2025 stammten rund 76 Prozent der deutschen Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft. Das Gas entsteht vor allem, wenn Mikroorganismen Stickstoffverbindungen in landwirtschaftlich genutzten Böden umsetzen. Dazu tragen mineralische und organische Dünger, Weidegang und Erntereste bei.

Praxis und Politik in Deutschland und der Europäischen Union fördern verschiedene Maßnahmen, um die Erzeugung von Lebensmitteln zukünftig klimafreundlicher zu gestalten. Dazu gehören Vorgaben und Förderangebote für eine effizientere Düngung, den Umgang mit Wirtschaftsdüngern, den Ökolandbau und den Schutz kohlenstoffreicher Böden.

Parallel müssen sich die landwirtschaftlichen Betriebe auf neue Gegebenheiten einstellen: Der Klimawandel hat bereits jetzt mit Hitze, Dürre oder Starkregenereignissen Auswirkungen auf Ackerbau und Tierhaltung. Hier muss die Landwirtschaft Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln.

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Moorschutz ist Klimaschutz

Die Wiedervernässung entwässerter Moorböden zählt zu den Maßnahmen mit dem größten Klimaschutzpotenzial im Landnutzungssektor. Rund 70 Prozent der Moorböden in Deutschland werden landwirtschaftlich genutzt. Wie stark sich ihre Emissionen durch eine Wiedervernässung verringern lassen, hängt unter anderem davon ab, wie die Flächen zuvor genutzt wurden und welcher Wasserstand nach der Wiedervernässung erreicht wird.

Mit einer Wiedervernässung muss die landwirtschaftliche Bewirtschaftung nicht zwangsläufig enden. Die bisherige, auf Entwässerung angewiesene Nutzung lässt sich jedoch meist nicht unverändert fortsetzen. Eine mögliche Alternative sind Paludikulturen, bei denen beispielsweise Schilf, Rohrkolben oder Torfmoose auf nassen Moorböden angebaut werden.

Verbraucherinnen und Verbraucher können aktiv zum Moorschutz beitragen, indem sie zum Beispiel Blumenerde mit Torf verzichten.

Mineraldüngerstreuer auf dem Feld
Mineraldünger auf Äckern verursachen Lachgas – eines der klimawirksamsten Treibhausgase.
Quelle: landpixel.de

Stickstoff effizienter nutzen

Eine effizientere Nutzung von Stickstoffdüngern kann die Lachgasemissionen verringern. Dazu sollte sich die Düngung möglichst genau am Nährstoffbedarf der Pflanzen, an den verfügbaren Stickstoffmengen im Boden und an den unter den jeweiligen Bedingungen zu erwartenden Erträgen orientieren.

Weitere Klimaschutzpotenziale bietet eine Bodenbewirtschaftung, die den Humusaufbau im Blick hat.

Humusaufbau und Bodenbewirtschaftung

Humusfördernd wirkt sich unter anderem der Anbau sogenannter Zwischenfrüchte im Winter und mehrjähriger Kulturen wie Kleegras aus. Auch das Einbringen von organischer Substanz wie Mist oder Kompost trägt zum Humusaufbau bei. Besonders vorteilhaft für den Humusaufbau ist der Erhalt von Dauergrünland. Messungen zeigen, dass die Humusgehalte unter Grünland im Schnitt etwa zweimal höher sind als auf reinen Ackerflächen.

Eine humusfördernde Bewirtschaftung gilt vor allem im Ökolandbau als ein wichtiges Ziel. Für den Ökolandbau spricht in Bezug auf den Klimaschutz zudem der vollständige Verzicht auf synthetisch hergestellte Düngemittel, ein geringerer Stickstoffeinsatz und eine dadurch bedingte bessere Verwertung des Stickstoffs im Pflanzenbau. Deshalb entstehen hier auch deutlich weniger Lachgas-Emissionen.

Ein Nachteil des Ökolandbaus sind dagegen die im Vergleich zum konventionellen Anbau deutlich geringeren Erträge, die einen höheren Flächenbedarf erfordern.

Luftbild einer Biogasanlage
Biogasanlagen können Methanemissionen aus Gülle verringern und zugleich erneuerbare Energie liefern.
Quelle: landpixel.de

Tierhaltung und Methanreduktion

Ein weiterer Baustein für den Klimaschutz sind Verbesserungen in der Tierhaltung. Hier zielen die Maßnahmen vor allem darauf ab, die Methanbildung durch die anfallende Gülle zu verringern. Deshalb sollen zum Beispiel verstärkt gasdichte Anlagen für die Lagerung und die energetische Nutzung von Gülle in Biogasanlagen gefördert werden.

Beitrag der Verbraucherinnen und Verbraucher zum Klimaschutz

Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Klimabilanz im Bereich der Lebensmittelerzeugung zu verbessern. Ganz einfach, indem sie weniger Lebensmittel wegwerfen. Denn zurzeit landen jedes Jahr noch etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall. Würden diese Abfälle bis 2030 halbiert, könnten nach Berechnungen des Umweltbundesamtes rund 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente vermieden werden.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH): Landwirtschaft und Klimaschutz

BMLEH: Dem Wandel begegnen (PDF)

Umweltbundesamt (UBA): Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen

Bundesamt für Naturschutz (BfN): Ökosystemleistungen der Moore

Umweltbundesamt (UBA): Lebensmittelabfälle

Umweltbundesamt (UBA): Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen


Zwei Rinder stehen unter einem Baum im Schatten.

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