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Gentechnik in Futtermitteln

Die meisten Nutztiere in Deutschland bekommen Futter, das mit Gentechnik in Kontakt gekommen ist. Das liegt vor allem am importierten Sojafutter.

Soja ist ein wertvolles Eiweißfuttermittel, das häufig Bestandteil von Futtermischungen für Schweine, Rinder und Geflügel ist.
Quelle: landpixel.de

Der Großteil des Futters, das hierzulande an Nutztiere verfüttert wird, ist gentechnikfrei. Es stammt von deutschen Feldern, wo seit 2012 keine gentechnisch veränderten Pflanzen mehr angebaut werden. Dennoch erhalten die meisten Kühe, Schweine und Hühner in Deutschland Futter, das zumindest teilweise aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen wurde.

Das hat folgenden Grund: Deutschland, bzw. die EU, produziert zu wenig eiweißreiche Futterpflanzen und ist deswegen auf die Einfuhr großer Mengen Eiweißfutter angewiesen.

Quelle: aki - stock.adobe.com

Sojaanbau in Deutschland

Deutschlands Abhängigkeit von Sojaimporten stößt hierzulande zunehmend auf Kritik. Weil auf diese Weise große Mengen an gentechnisch veränderten Sojabohnen ins Land kommen und weil die Anbaubedingungen in den Herkunfts-ländern meist wenig nachhaltig sind und häufig mit Waldrodung, Monokulturen und hohem Chemikalieneinsatz einhergehen.

Um diese Abhängigkeiten zu verringern und den Ackerbau vielfältiger zu gestalten, fördert die Bundesregierung im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie seit einigen Jahren den Anbau heimischer Eiweißpflanzen – darunter auch der Sojaanbau. Mit Erfolg: In Deutschland hat sich die Sojaanbaufläche von 1.000 Hektar im Jahr 2008 auf 30.000 Hektar im Jahr 2019 vervielfacht. Gemessen am enormen Futterverbrauch fällt das jedoch kaum ins Gewicht: die rund 62.000 Tonnen Sojabohnen, die 2018 in Deutschland geerntet wurden, entsprechen lediglich einem Prozent der importierten Menge von 6,2 Millionen Tonnen.

Den bei weitem größten Anteil am importierten Eiweißfutter in die EU hat Soja. Es ist in den meisten Mischfuttermitteln enthalten und deckt etwa zwei Drittel des Gesamtverbrauchs an proteinhaltigen Futtermitteln ab.

Importiertes Soja ist beinahe immer gentechnisch verändert, da in den Haupterzeugerländern Nord- und Südamerikas fast nur noch gentechnisch veränderte Sorten angebaut werden. Weltweit liegt der Gentechnikanteil bei Soja bei knapp 80 Prozent.

Außer Soja gibt es noch andere gentechnisch verändert Pflanzen, die als importiertes Futter in den Trögen unserer Nutztiere landen können. Dies sind Mais, Raps- und Baumwollsaat sowie Zuckerrübenschnitzel.

Verglichen mit Soja, wird davon aber weit weniger importiert: Mais und Raps stammen meist aus heimischer Erzeugung, wo nur gentechnikfreie Sorten angebaut werden.

Auch Zusatzstoffe in Futtermitteln sind häufig gentechnisch verändert

Futtermittel – wie im übrigen auch Lebensmittel für den menschlichen Verzehr – kommen aber auch auf andere Weise in Berührung mit Gentechnik. Sie enthalten häufig Zusatzstoffe wie Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme, die mit Hilfe Weißer Gentechnik hergestellt werden.

Darunter versteht man biotechnologische Verfahren, bei denen durch gentechnisch veränderte Mikroorganismen – etwa Pilze oder Bakterien – organische Chemikalien hergestellt werden.

Haben gentechnisch veränderte Futtermittel einen Einfluss auf Milch, Fleisch und Eier?

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wirken sich gentechnisch veränderte Lebensmittel nach heutigem Stand der Forschung nicht auf Milch, Fleisch oder Eier der Tiere aus. Die gentechnisch veränderten Nahrungsbestandteile werden – genau wie nicht gentechnisch veränderte – bereits im Verdauungstrakt in kleine Bruchstücke zerlegt.

Deshalb wird es, so das BMEL, als äußerst unwahrscheinlich eingeschätzt, dass die gentechnisch veränderten Futterbestandteile, wie DNA oder Proteine, die in den Körper der Tiere übergehen, dazu führen, dass Resistenzen übertragen oder Allergien ausgelöst werden können.

Futtermittel müssen gekennzeichnet sein, die damit erzeugten Lebensmittel nicht

Mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugte tierische Lebensmittel müssen nicht entsprechend gekennzeichnet werden.
Quelle: kzenon via Getty Images

In Deutschland bieten die Futtermittelhersteller ein breites Spektrum an Futtermitteln mit und ohne gentechnisch veränderte Bestandteile an. GVO-Futtermittel oder deren Verarbeitungsprodukte müssen ausdrücklich gekennzeichnet werden. Das gilt für Mischfutter und für Futtermittelbestandteile.

Anders als die Futtermittel selbst müssen die damit erzeugten Lebensmittel jedoch nach dem europäischen Lebensmittelrecht nicht gekennzeichnet werden. Verbraucherinnen und Verbraucher können also nicht erkennen, ob tierische Produkte wie Milch, Joghurt, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden.

Es spielt auch keine Rolle, ob die Futtermittel, mit denen die Tiere gefüttert wurden, Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme enthalten, die mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt wurden. Der Gesetzgeber setzt hier allerdings voraus, dass die hergestellten Lebensmittel, Zutaten und Zusatzstoffe keine Bestandteile der eingesetzten gentechnisch veränderten (Mikro-)Organismen mehr enthalten.

Das "Ohne Gentechnik"-Siegel zeigt an, dass keine gentechnisch veränderten und kennzeichnungspflichtigen Futtermittel eingesetzt wurden.

Tierische Lebensmittel ohne Gentechnik

Wenn keine gentechnisch veränderten und kennzeichnungspflichtigen Futtermittel eingesetzt worden sind, können Hersteller dies jedoch auf freiwilliger Basis durch die Verwendung der "Ohne Gentechnik"-Kennzeichnung für Verbraucherinnen und Verbraucher sichtbar machen.

Wer so weit wie möglich ausschließen möchte, dass die eingekauften Lebensmittel mit Gentechnik in Kontakt gekommen sind, sollte also auf Lebensmittel mit diesem Logo achten oder auf Biolebensmittel zurückgreifen.


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