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Tierwohl – was heißt das konkret?

Die Lebensqualität und das Wohlergehen von Nutztieren zu verbessern, das beschreibt der Begriff Tierwohl.

Sauen ruhen sich aus
Quelle: BLE

Eine genaue, allgemein akzeptierte Definition gibt es aber nicht. Allgemein geht man von drei wesentlichen Punkten aus, die für das Tierwohl entscheidend sind: die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere sowie die Möglichkeit, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachzugehen. Grundlage vieler Bewertungssysteme für das Tierwohl ist das Konzept der "5 Freiheiten": Die Tiere sollen unter anderem frei von Hunger und Durst, von Schmerz, Verletzungen und Krankheiten sowie von Angst und Stress sein.

Gesundheit, Wohlbefinden und natürliches Verhalten

Für die Tiergesundheit ist zum Beispiel das Stallklima wichtig. Der Stall muss gut belüftet und temperiert sein. Und die Landwirtin oder der Landwirt muss darauf achten, dass es im Stall keine Zugluft gibt. Auch sollte es keine scharfen Ecken und Kanten geben, an denen sich die Tiere verletzen könnten.

Zum Ausleben der natürlichen Verhaltensweisen gehört, dass Hühner "scharren" oder Schweine "wühlen" können, dass sie sich hinlegen können, wenn sie sich ausruhen möchten, oder dass sie genügend Platz für Bewegung haben. Zunehmend ist daher bei Milchkühen die sogenannte Anbindehaltung in die Kritik geraten, da bei dieser Haltung die Kühe im Stall angebunden sind. Moderne Boxen-Laufställe bieten hingegen mehr Möglichkeiten für die Tiere, ihr natürliches Sozialverhalten auszuleben.

BZL-Broschüre

Tierwohl - Was hat das mit mir zu tun?

Der Unterrichtsbaustein für die 7. - 9. Jahrgangsstufe bereitet das komplexe Thema Tierwohl für die Fächer Sozialkunde, Politik, Wirtschaft und Verbraucherbildung auf und nimmt dabei vor allem die Milchviehhaltung in den Blick.

Zur Broschüre

Ob die Tiere sich wohl fühlen, können Landwirtinnen und Landwirte durch genaues Beobachten am Verhalten der Tiere sehen. Schweine beispielsweise legen sich hin, wenn sie zufrieden und satt sind, sie suhlen sich, wenn Wasser von oben auf sie herabrieselt.  Zum Wohlbefinden der Tiere trägt auch eine gute Ernährung und eine ausreichende Wasserversorgung bei. Wenn die Tiere stressfrei fressen können und kein Futterneid entsteht, sind sie zufrieden.

Für den Tierschutz gibt es noch einen weiteren Aspekt, der oft vernachlässigt wird, das ist die Genetik bzw. Zucht. So hat beispielsweise die Zucht auf eine möglichst hohe Anzahl an Ferkeln bei Sauen dazu geführt, dass es häufig mehr Ferkel gibt als die Sau Zitzen hat. Dadurch kann die Sau nicht alle Ferkel gleich gut versorgen.

Die Beispiele zeigen, dass Tierwohl von sehr vielen Faktoren abhängt. Seit Jahren forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits, anhand welcher Indikatoren sich Tierwohl messen und bewerten lässt. Inzwischen gibt es verschiedene Methoden, die Landwirtinnen und Landwirte bei der Ermittlung des Tierwohls in den Ställen unterstützen, aber auch weiterhin großen Forschungsbedarf.

Landwirt hält Henne in der Hand und prüft den Schnabel
Durch viel Beschäftigungsmaterial wird der Schnabel natürlich abgewetzt.
Quelle: BLE

Schwänze und Schnäbel sollen nicht mehr gekürzt werden

Wenn es um den Tierschutz geht, stehen die sogenannten "nicht-kurativen Eingriffe" im Fokus der Kritik. Damit ist beispielsweise das Kürzen der Schwänze bei Schweinen und das Schnabelkürzen bei Legehennen gemeint. Hintergrund für diese Eingriffe ist, dass Schweine, wenn sie unter Stress geraten, ihren Artgenossen die Schwänze abbeißen. Manches Geflügel pickt sich untereinander die Federn aus. Das Schnabelkürzen  bei Legehennen ist seit dem 1. Januar 2017 verboten. 

Wo werden Tierschutzbestimmungen geregelt?

In Deutschland werden grundsätzlich alle Tiere durch das Tierschutzgesetz geschützt. Darin geht es um das Leben und Wohlbefinden des Tieres. Es enthält unter anderem Aussagen zur Züchtung, Haltung und zum Handel von Tieren. Daneben werden die meisten landwirtschaftlichen Nutztiere, durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geschützt. Sie enthält Regelungen zu den Haltungseinrichtungen sowie zur Überwachung, Fütterung und Pflege der Tiere. Seit 2002 ist der Tierschutz sogar als Staatsziel im Grundgesetz verankert.

Damit sich die Tiere nicht gegenseitig angreifen und verletzen, müssen die auslösenden Ursachen gefunden werden. Die sind jedoch häufig äußerst vielschichtig. Um darüber mehr Erkenntnisse zu gewinnen, fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entsprechende Forschungsprojekte.

Innerhalb des Projekts "Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz" erhalten zum Beispiel Netzwerkbetriebe Fördermittel, um Erkenntnisse aus der Forschung auszuprobieren und in die Praxis zu übertragen. Daneben werden Landwirte und Landwirtinnen beraten, beim Erfahrungsaustausch unterstützt und bei der Umsetzung wissenschaftlich begleitet.

Mehr Tierwohl bedeutet höhere Kosten

Mehr Beschäftigung, optimales Klima und stressfreie Fütterung sowie mehr Platz pro Tier – das steigert das Tierwohl, es kostet Landwirtinnen und Landwirte aber auch Zeit und Geld. Investitionen in mehr Tierwohl führen zwar häufig zu sinkenden Kosten für Medikamente, da die Tiere sich wohler fühlen und sie leistungsfähiger und weniger krank sind.

Wirklich kompensieren können Sie die Kosten aber nur über höhere Preise und die Vermarktung über spezielle Labels oder die Direktvermarktung. Anhand der Labels können Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen, welche Standards in der Tierhaltung eingehalten werden. Die Kriterien der verschiedenen Labels sind jedoch sehr unterschiedlich, sodass es für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht so einfach ist, den Überblick zu behalten.

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