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Neonicotinoide - ein Risiko für Bienen

Neonicotinoide sind hochwirksame, weit verbreitete Insektizide. Weil sie als bienengefährlich gelten, wurden drei bedeutende Neonicotinoide verboten.

Biene im blühenden Raps
In Raps dürfen Neonicotinoide schon seit 2013 nicht mehr verwendet werden.
Quelle: andreaslehr - stock.adobe.com

Seit 2018 ist der Einsatz der drei Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid auf Äckern EU-weit verboten. Sie dürfen seitdem nur noch in Gewächshäusern angewendet werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte zuvor die Schädlichkeit der Stoffe für Wild- und Honigbienen bestätigt.

Was sind Neonicotinoide?

Als Neonicotinoide bezeichnet man eine Gruppe von Wirkstoffen, die hochwirksam bei der Bekämpfung von pflanzenschädigenden Insekten eingesetzt wird. Sie können gegen eine Vielzahl bohrender (z. B. Blattläuse, Mottenschildläuse, Zwergzikaden) und beißender Schädlinge (z. B. Kleinschmetterlinge und Käfer) verwendet werden. 

Der erste neonicotinoide Wirkstoff, Imidacloprid, kam Anfang der 1990er Jahren auf den Markt und wurde schnell zum weltweit beliebtesten Insektizidwirkstoff. In den folgenden Jahren wurden weitere Neonicotinoide entwickelt und auf den Pflanzenschutzmarkt gebracht.

Wegen ihrer guten Wirksamkeit und ihrem breiten Einsatzspektrum sind Neonicotinoide sehr bliebt. Sie stellten 2008 etwa ein Viertel aller insektiziden Wirkstoffe weltweit. Eine noch größere Bedeutung haben Neonicotinoide auf dem Markt für Beizmittel: Etwa 80 Prozent des weltweiten Umsatzes wurden 2008 mit diesen Wirkstoffen gemacht.

Wie wirken Neonicotinoide auf Schädlinge?

Neonicotinoide zählen zu den sogenannten systemischen Insektiziden. Das heißt, sie werden über die Pflanzenwurzeln oder die Blätter aufgenommen und verteilen sich dann über die ganze Pflanze. Das heißt, wo auch immer saugende oder beißende Insekten die Pflanze schädigen, nehmen sie die giftigen Substanzen auf. Einmal aufgenommen, greift der Wirkstoff schnell in das Nervensystem der Tiere ein und verursacht dort einen Dauerreiz an den Nervenzellen, der zu Krämpfen und schließlich zum Tod der Insekten führt. 

Wegen der systemischen Wirkung werden Neonicotinoide häufig als Saatgutbeizmittel verwendet. Das heißt, das Saatgut wird mit dem Wirkstoff umhüllt. Das hat zum Ziel, dass der Wirkstoff bereits von der jungen Pflanze aufgenommen werden kann. Darüber hinaus werden Neonicotinoide aber auch als Spray, Granulat oder Zusatz zum Bewässerungswasser eingesetzt. Da Neonicotinoide in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält ihre Wirkung lange an.

Cover der Broschüre "Ohne Bienen keine Früchte"

BZL-Broschüre

Ohne Bienen keine Früchte

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Zur Broschüre

Wie schädigen Neonicotinoide Bienen und andere Insekten?

Wie schon beschrieben, handelt es sich bei Neonicotinoiden um systemische Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die über die Wurzeln und Blätter aufgenommen und dann über die Pflanze verteilt werden. Wenn die Pflanzen blühen, finden die Wirkstoffe ihren Weg somit auch in den Pollen und Nektar. Dort werden sie dann von Bienen und anderen pollen- und nektarsammelnden Insekten, wie Hummeln, Schmetterlingen oder Schwebfliegen aufgenommen. 

Auch über die Stäube, die bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut auftreten, können Nutzinsekten in Kontakt mit dem Wirkstoff kommen. Eine weitere Kontaktquelle ist das Wasser, das Bienen von den Pflanzen oder vom Boden aufnehmen: Denn der verabreichte Wirkstoff geht nicht komplett in die Pflanze über. Ein Teil davon löst sich im Niederschlagswasser, geht in die Bodenlösung über und wird von dort wachsenden Pflanzen – auch Unkrautpflanzen – wieder aufgenommen. 

Verschiedene Studien belegen, dass auch kleine Mengen, also solche, die die Tiere nicht direkt töten, den Bienen schaden: Neonicotinoide können zu einer Beeinträchtigung der Gehirnprozesse der Bienen führen und damit ihre Kommunikation und Orientierungsfähigkeit einschränken. Mit dem Resultat, dass die Tiere weniger Pollen sammeln und länger für die Rückkehr zum Bienenstock benötigen. 

Seit 2014 stehen Neonicotinoide außerdem im Verdacht, Vögel zu schädigen. Forscher in den Niederlanden stellten einen indirekten Effekt zwischen der Pestizidkonzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest.


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