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Neonicotinoide - ein Risiko für Bienen

Neonicotinoide sind hochwirksame und weit verbreitete Insektizide. Sie gefährden jedoch Bienen und sollen jetzt im Freiland verboten werden.

Biene im blühenden Raps
In Raps dürfen Neonicotinoide schon seit 2013 nicht mehr verwendet werden.
Quelle: andreaslehr - stock.adobe.com

Der zuständige EU-Ausschuss sprach sich am 27. April 2018 für den Vorschlag der Eurpäischen Kommission aus, den Einsatz von Neonicotinoiden auf Äckern zu verbieten und auf Gewächshäuser zu beschränken. Konkret geht es um die Wirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte zuvor die Schädlichkeit der Stoffe für Wild- und Honigbienen bestätigt. Die aktuelle Entscheidung soll bis Ende 2018 in Kraft treten.

Neonicotinoide stehen schon länger in der Kritik

Neonicotinoide stehen schon seit Mitte der 2000er Jahre im Verdacht für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein. Die EFSA aktualisierte und bestätigte nun weitestgehend ihre Ergebnisse von 2013. Schon damals hatte die Behörde Risiken für Bienen identifiziert, woraufhin die EU die Nutzung dieser drei Wirkstoffe stark einschränkte.

Seitdem dürfen diese Wirkstoffe im Haus- und Kleingartenbereich nicht mehr verwendet werden und auch beim gewerblichen Gebrauch in Landwirtschaft und Gartenbau gibt es weitreichende Einschränkungen. 

So dürfen Neonicotinoide in Raps, Mais und Sonnenblumen nicht mehr verwendet werden. Die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden ist in Deutschland bereits seit 2008 nicht mehr zulässig. Damals kam es im Rheintal zum Massensterben von Bienen. Die Ursache dafür lag in einem Abrieb von Maissaatgut, das mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt worden war.

Für einige Kulturen und Anwendungsbereiche sah die EU bislang jedoch Sonderregelungen vor: So dürfen derzeit neben Kulturen in Gewächshäusern zum Beispiel auch Zuckerrüben und Kartoffeln noch mit Neonicotinoiden behandelt werden.

Was sind Neonicotinoide?

Als Neonicotinoide bezeichnet man eine Gruppe von Wirkstoffen, die hochwirksam bei der Bekämpfung von pflanzenschädigenden Insekten eingesetzt wird. Sie können gegen eine Vielzahl bohrender (z. B. Blattläuse, Mottenschildläuse, Zwergzikaden) und beißender Schädlinge (z. B. Kleinschmetterlinge und Käfer) verwendet werden. 

Der erste neonicotinoide Wirkstoff, Imidacloprid, kam Anfang der 1990er Jahren auf den Markt und wurde schnell zum weltweit beliebtesten Insektizidwirkstoff. In den folgenden Jahren wurden weitere Neonicotinoide entwickelt und auf den Pflanzenschutzmarkt gebracht.

Wegen ihrer guten Wirksamkeit und ihrem breiten Einsatzspektrum sind Neonicotinoide sehr bliebt. Sie stellten 2008 etwa ein Viertel aller insektiziden Wirkstoffe weltweit. Eine noch größere Bedeutung haben Neonicotinoide auf dem Markt für Beizmittel: Etwa 80 Prozent des weltweiten Umsatzes wurden 2008 mit diesen Wirkstoffen gemacht.

Wie wirken Neonicotinoide auf Schädlinge?

Neonicotinoide zählen zu den sogenannten systemischen Insektiziden. Das heißt, sie werden über die Pflanzenwurzeln oder die Blätter aufgenommen und verteilen sich dann über die ganze Pflanze. Das heißt, wo auch immer saugende oder beißende Insekten die Pflanze schädigen, nehmen sie die giftigen Substanzen auf. Einmal aufgenommen, greift der Wirkstoff schnell in das Nervensystem der Tiere ein und verursacht dort einen Dauerreiz an den Nervenzellen, der zu Krämpfen und schließlich zum Tod der Insekten führt. 

Wegen der systemischen Wirkung werden Neonicotinoide häufig als Saatgutbeizmittel verwendet. Das heißt, das Saatgut wird mit dem Wirkstoff umhüllt. Das hat zum Ziel, dass der Wirkstoff bereits von der jungen Pflanze aufgenommen werden kann. Darüber hinaus werden Neonicotinoide aber auch als Spray, Granulat oder Zusatz zum Bewässerungswasser eingesetzt. Da Neonicotinoide in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält ihre Wirkung lange an.

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Wie schädigen Neonicotinoide Bienen und andere Insekten?

Wie schon beschrieben, handelt es sich bei Neonicotinoiden um systemische Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die über die Wurzeln und Blätter aufgenommen und dann über die Pflanze verteilt werden. Wenn die Pflanzen blühen, finden die Wirkstoffe ihren Weg somit auch in den Pollen und Nektar. Dort werden sie dann von Bienen und anderen pollen- und nektarsammelnden Insekten, wie Hummeln, Schmetterlingen oder Schwebfliegen aufgenommen. 

Auch über die Stäube, die bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut auftreten, können Nutzinsekten in Kontakt mit dem Wirkstoff kommen. Eine weitere Kontaktquelle ist das Wasser, das Bienen von den Pflanzen oder vom Boden aufnehmen: Denn der verabreichte Wirkstoff geht nicht komplett in die Pflanze über. Ein Teil davon löst sich im Niederschlagswasser, geht in die Bodenlösung über und wird von dort wachsenden Pflanzen – auch Unkrautpflanzen – wieder aufgenommen. 

Verschiedene Studien belegen, dass auch kleine Mengen, also solche, die die Tiere nicht direkt töten, den Bienen schaden: Neonicotinoide können zu einer Beeinträchtigung der Gehirnprozesse der Bienen führen und damit ihre Kommunikation und Orientierungsfähigkeit einschränken. Mit dem Resultat, dass die Tiere weniger Pollen sammeln und länger für die Rückkehr zum Bienenstock benötigen. 

Seit 2014 stehen Neonicotinoide außerdem im Verdacht, Vögel zu schädigen. Forscher in den Niederlanden stellten einen indirekten Effekt zwischen der Pestizidkonzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest.


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