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Neonicotinoide - ein Risiko für Bienen

Neonicotinoide sind hochwirksame und weit verbreitete Insektizide. Sie gefährden jedoch Bienen, sodass schon länger über Verbote diskutiert wird.

Biene im blühenden Raps
In Raps dürfen Neonicotinoide schon seit 2013 nicht mehr verwendet werden.
Quelle: andreaslehr - stock.adobe.com

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die Mehrzahl der Anwendungen von neonicotinoidhaltigen Pestiziden als Risiko für Honig- und Wildbienen ein. Das geht aus einer Ende Februar 2018 veröffentlichen Studie hervor, in der die EFSA das Risiko der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan für sogenannte Nichtzielorganismen neu bewertete.

Die EFSA aktualisierte und bestätigte damit weitestgehend ihre Ergebnisse von 2013. Schon damals hatte die Behörde Risiken für Bienen identifiziert, woraufhin die EU die Nutzung dieser drei Wirkstoffe stark einschränkte. Im Unterschied zu 2013 hatte die EFSA in der neu vorgelegten Bewertung neben Honigbienen nun auch Wildbienen in die Datenerhebung mit einbezogen. 

Die EU-Kommission hatte zunächst die Neubewertung der EFSA abgewartet und wird nun ab Ende März beraten, ob die bestehenden Beschränkungen für Neonicotinoide weiter verschärft werden. Nach den neuen Schlussfolgerungen sind weitreichendere Verbote sehr wahrscheinlich.

Neonicotinoide stehen schon länger in der Kritik

Neonicotinoide stehen schon seit Mitte der 2000er Jahre im Verdacht für das Bienensterben mitverantwortlich zu sein. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen über die negativen Auswirkungen dieser Wirkstoffgruppe bewogen die EU-Kommission daher bereits im April 2012 die EFSA mit einer Untersuchung der Zusammenhänge zu beauftragen.

In einer im Januar 2013 veröffentlichten Studie bestätigte die EFSA, dass insbesondere von den drei Neonicotinoiden Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxan eine Reihe von Risiken für Bienen ausgehe.

Auf Grundlage der Bewertung durch die EFSA schränkte die EU im Mai 2013 die Verwendung dieser drei Neonicotinoide ein. Seitdem dürfen diese Wirkstoffe im Haus- und Kleingartenbereich nicht mehr verwendet werden und auch beim gewerblichen Gebrauch in Landwirtschaft und Gartenbau gibt es weitreichende Einschränkungen. 

So dürfen Neonicotinoide in Raps, Mais und Sonnenblumen nicht mehr verwendet werden. Die als besonders kritisch angesehene Saatgutbehandlung von Mais mit Neonicotinoiden ist in Deutschland bereits seit 2008 nicht mehr zulässig. Damals kam es im Rheintal zum Massensterben von Bienen. Die Ursache dafür lag in einem Abrieb von Maissaatgut, das mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt worden war.

Für einige Kulturen und Anwendungsbereiche sieht die EU bislang jedoch Sonderregelungen vor: So dürfen zum Beispiel Zuckerrüben, Kartoffeln oder Kulturen in Gewächshäusern weiterhin mit Neonicotinoiden behandelt werden.

Was sind Neonicotinoide?

Als Neonicotinoide bezeichnet man eine Gruppe von Wirkstoffen, die hochwirksam bei der Bekämpfung von pflanzenschädigenden Insekten eingesetzt wird. Sie können gegen eine Vielzahl bohrender (z. B. Blattläuse, Mottenschildläuse, Zwergzikaden) und beißender Schädlinge (z. B. Kleinschmetterlinge und Käfer) verwendet werden. 

Der erste neonicotinoide Wirkstoff, Imidacloprid, kam Anfang der 1990er Jahren auf den Markt und wurde schnell zum weltweit beliebtesten Insektizidwirkstoff. In den folgenden Jahren wurden weitere Neonicotinoide entwickelt und auf den Pflanzenschutzmarkt gebracht.

Wegen ihrer guten Wirksamkeit und ihrem breiten Einsatzspektrum sind Neonicotinoide sehr bliebt. Sie stellten 2008 etwa ein Viertel aller insektiziden Wirkstoffe weltweit. Eine noch größere Bedeutung haben Neonicotinoide auf dem Markt für Beizmittel: Etwa 80 Prozent des weltweiten Umsatzes wurden 2008 mit diesen Wirkstoffen gemacht.

Wie wirken Neonicotinoide auf Schädlinge?

Neonicotinoide zählen zu den sogenannten systemischen Insektiziden. Das heißt, sie werden über die Pflanzenwurzeln oder die Blätter aufgenommen und verteilen sich dann über die ganze Pflanze. Das heißt, wo auch immer saugende oder beißende Insekten die Pflanze schädigen, nehmen sie die giftigen Substanzen auf. Einmal aufgenommen, greift der Wirkstoff schnell in das Nervensystem der Tiere ein und verursacht dort einen Dauerreiz an den Nervenzellen, der zu Krämpfen und schließlich zum Tod der Insekten führt. 

Wegen der systemischen Wirkung werden Neonicotinoide häufig als Saatgutbeizmittel verwendet. Das heißt, das Saatgut wird mit dem Wirkstoff umhüllt. Das hat zum Ziel, dass der Wirkstoff bereits von der jungen Pflanze aufgenommen werden kann. Darüber hinaus werden Neonicotinoide aber auch als Spray, Granulat oder Zusatz zum Bewässerungswasser eingesetzt. Da Neonicotinoide in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält ihre Wirkung lange an.

Wie schädigen Neonicotinoide Bienen und andere Insekten?

Wie schon beschrieben, handelt es sich bei Neonicotinoiden um systemische Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe, die über die Wurzeln und Blätter aufgenommen und dann über die Pflanze verteilt werden. Wenn die Pflanzen blühen, finden die Wirkstoffe ihren Weg somit auch in den Pollen und Nektar. Dort werden sie dann von Bienen und anderen pollen- und nektarsammelnden Insekten, wie Hummeln, Schmetterlingen oder Schwebfliegen aufgenommen. 

Auch über die Stäube, die bei der Aussaat von gebeiztem Saatgut auftreten, können Nutzinsekten in Kontakt mit dem Wirkstoff kommen. Eine weitere Kontaktquelle ist das Wasser, das Bienen von den Pflanzen oder vom Boden aufnehmen: Denn der verabreichte Wirkstoff geht nicht komplett in die Pflanze über. Ein Teil davon löst sich im Niederschlagswasser, geht in die Bodenlösung über und wird von dort wachsenden Pflanzen – auch Unkrautpflanzen – wieder aufgenommen. 

Verschiedene Studien belegen, dass auch kleine Mengen, also solche, die die Tiere nicht direkt töten, den Bienen schaden: Neonicotinoide können zu einer Beeinträchtigung der Gehirnprozesse der Bienen führen und damit ihre Kommunikation und Orientierungsfähigkeit einschränken. Mit dem Resultat, dass die Tiere weniger Pollen sammeln und länger für die Rückkehr zum Bienenstock benötigen. 

Seit 2014 stehen Neonicotinoide außerdem im Verdacht, Vögel zu schädigen. Forscher in den Niederlanden stellten einen indirekten Effekt zwischen der Pestizidkonzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest.

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Wie geht es weiter?

Die am 28. Februar veröffentlichte EFSA-Bewertung ist an die zuständigen Stellen der EU-Kommission und an die Mitgliedsstaaten weitergeleitet worden. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht nun vor, die Anwendung der Neonicotinoide auf Gewächshäuser zu beschränken. Am 27. April sollen die 28 EU-Staaten darüber abstimmen. Die Bundesregierung will dem von der EU geplanten Freilandverbot für Neonicotinoid-Insektengifte zustimmen.


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