Acht Nützlinge im Garten
Letzte Aktualisierung: 20. August 2026
Ohne Nützlinge wäre Gärtnern kaum möglich. Wir zeigen, was sie für uns tun und wie man sie in den Garten locken kann.
In Kürze
- Nützlinge helfen im Garten, indem sie Schädlinge bekämpfen, Blüten bestäuben oder zur Bodenfruchtbarkeit beitragen.
- Ob ein Tier nützlich oder schädlich ist, lässt sich oft erst bei genauerer Bestimmung erkennen.
- In einem Naturgarten siedeln sich viele Nützlinge von alleine an.
- Wir stellen acht häufige Nützlinge im Garten vor: Regenwürmer, Ohrwürmer, Kellerasseln, Rosenkäfer, Schlupfwespen, Marienkäfer, Grüne Florfliegen und Tigerschnegel.
Was sind Nützlinge?
“Nützling” ist kein biologischer Begriff, sondern eine Sammelbezeichnung für tausende unterschiedliche wildlebende Tiere, die dem Menschen nützlich sind: Sie vertilgen zum Beispiel Schädlinge wie etwa Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Humusbildung und damit zur Bodenfruchtbarkeit bei. Meistens werden so Wirbellose wie Insekten, Spinnen und Würmer bezeichnet, manchmal werden auch Wirbeltiere wie Meisen, Igel oder Kröten dazugezählt.
Schädlinge sind dagegen Tiere, die dem Menschen beziehungsweise seinen Pflanzen schaden, zum Beispiel indem sie an Gemüsepflanzen fressen.
Die Unterteilung in Schädlinge und Nützlinge steht bei vielen unter Kritik: Lebewesen haben ihren eigenen Wert, ob sie nun dem Menschen nützen oder nicht. Die Bestände der Insekten sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, was als Insektensterben bekannt ist. Deshalb sollten – solange sie sich nicht massenhaft vermehren und größere Schäden verursachen – auch Schädlinge im Garten geduldet werden. Im Fall der Fälle sollte der Pflanzenschutz möglichst umweltschonend erfolgen.
Quelle: Makrowilli
Nützlinge erkennen
Ob ein Tier ein Schädling oder ein Nützling ist, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick nicht immer erkennen. Ein massenhaftes Vorkommen von Krabbeltieren ist zwar für viele Menschen eklig, muss aber nicht schädlich für die Gartenpflanzen sein - es hängt vielmehr von der jeweiligen Tierart ab. Insektenfressende Tiere wie Spinnen und Schlupfwespen sowie Bienen und Schwebfliegen gehören fast immer zu den Nützlingen. Käfer, Wanzen und viele andere Insekten können jedoch schädlich oder nützlich sein – je nach Art. Bevor über Gegenmaßnahmen nachgedacht wird, sollte daher Klarheit darüber herrschen, um wen genau es sich bei den verdächtigen Gartenbesuchern eigentlich handelt.
Am einfachsten lässt sich das mit einer Bestimmungs-App herausfinden. Für iOS und Android gibt es zum Beispiel “ObsIdentify”, “BUND Insekten Kosmos” und “Seek”, “NABU Insektensommer” ist für die Webanwendung geeignet. Einige der Apps bestimmen neben Insekten auch andere Tiere und sogar Pflanzen. Auch Bestimmungsbücher helfen oft weiter.
Wer den Rat von Expertinnen und Experten sucht, sollte sich an die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer, die Gartenakademien, die es in vielen Bundesländern gibt, oder die Pflanzenschutzberatung der örtlichen Kleingartenvereine wenden. Sie können am besten helfen, wenn man ihnen scharfe Fotos oder Videos von den Tieren oder den beschädigten Pflanzen zukommen lässt.
Nützlinge im Garten fördern
In einem naturnahen Garten finden viele Nützlinge selbstständig Nahrung, Verstecke und geeignete Plätze für die Fortpflanzung und Überwinterung. Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner können ihnen dabei helfen, indem sie den Garten möglichst vielfältig gestalten und nicht zu gründlich aufräumen.
Etwa 80 Prozent aller Pflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen, deshalb sollten Sie im Garten Wildbienen wie beispielsweise Hummeln, Schwebfliegen und andere wichtige Pflanzenbestäuber fördern. Beliebte Futterpflanzen sind blühende Kräuter und Blütenstauden wie Margeriten, Schafgarbe und Kugellauch. Auch blühendes Obst, Gemüse und Kräuter bieten vielen Insekten Nahrung.
Damit sich die nützlichen Insekten im Garten wohlfühlen, sollten Sie Ihnen in den Gartenecken kleine Laub-, Reisig- oder Steinhaufen anbieten, die ihnen Schutz gewähren und als Eiablageplatz dienen. Ohrwürmer mögen beispielsweise mit Heu oder Holzwolle gefüllte Tontöpfe, die man mit der Öffnung nach unten in die Bäume hängt.
Im gewerblichen Gartenbau, insbesondere in Gewächshäusern, werden häufig künstlich vermehrte Nützlinge freigelassen. Im Hobbygarten ist das meist nicht nötig. Viel einfacher und umweltfreundlicher ist es, die natürlich vorkommenden Nützlinge zu stärken.
Mehr Tipps finden Sie in unserem Beitrag zum bienenfreundlichen Gärtnern.
Quelle: James Andrews via Getty Images
Acht Nützlinge im Porträt
Im Folgenden stellen wir acht häufige Nützlinge im Garten vor. und erklären, welchen Beitrag sie leisten und worauf Sie bei ihnen achten sollten.
Zu den Portraits springen:
Regenwürmer
Ohrwürmer
Kellerasseln
Rosenkäfer
Schlupfwespen
Marienkäfer
Grüne Florfliegen
Tigerschnegel
Regenwürmer
Regenwürmer, die vielleicht bekanntesten Nützlinge, machen unseren Gartenboden fruchtbar. Sie nehmen kleine Erdpartikel, tierische und pflanzliche Abfallstoffe, Humusstoffe, Bakterien, Algen und Pilze auf, verdauen sie und scheiden sie schließlich als Wurmkot aus, der den wertvollen Humus liefert. Sie machen Pflanzennährstoffe im Boden verfügbar, verbessern seine Wasserhaltekapazität und geben ihm eine feinkrümelige Struktur.
Regenwürmer graben Gänge, die mehrere Meter in die Tiefe reichen können. Das durchlüftet den Boden und erleichtert es den Wurzeln, in die Tiefe zu wachsen. Dabei transportieren die Würmer außerdem Mineralien aus dem Untergrund in den Wurzelbereich der Pflanzen. Das wirkt neutralisierend auf den pH-Wert des Bodens und macht den Pflanzen die Nährstoffe verfügbar.
Regenwürmer fühlen sich bei Ihnen wohl, wenn Sie den Boden mit Kompost versorgen und mulchen. Statt tief mit dem Spaten umzugraben und die Bodenstruktur auf den Kopf zu stellen, benutzt man besser eine Grabegabel oder einen sogenannten Sauzahn zum Lockern und Belüften des Bodens.
Ohrwürmer
Der Gemeine Ohrwurm (Forficula auricularia) unterstützt Gärtnerinnen und Gärtner im Kampf gegen zahlreiche Blattlausarten. Menschen hingegen haben von dem Insekt mit den auffälligen Hinterleibszangen nichts zu befürchten: Ohrwürmer kneifen nicht und krabbeln auch nicht ins Ohr. Vielmehr wurden sie früher in pulverisierter Form zur Behandlung von Ohrenkrankheiten eingesetzt – daher der Name.
Wenn sie überhaupt einmal negativ auffallen, dann nur, wenn sie in geringem Umfang weichschaliges Obst wie Kirschen oder Weintrauben anknabbern. In der Regel überwiegt ihr Nutzen als Blattlausvertilger jedoch deutlich, weshalb viele Menschen Ohrwürmer gezielt in den Garten locken. Tipp: Ein mit Holzwolle gefüllter Tonblumentopf kopfüber in den Baum gehängt ist als Ohrwurm-Wohnung bestens geeignet.
Kellerasseln
Kellerasseln (Porcellio scaber) sind in jedem Garten anzutreffen – und das ist auch gut so, denn sie tragen dazu bei, abgestorbene Pflanzenteile und anderes organisches Material in wertvollen Humus umzuwandeln. Während sie in Kellerräumen zum Vorratsschädling an gelagertem Obst und Gemüse werden können, fressen sie im Garten nur sehr selten an lebenden Pflanzen oder Früchten. Ihr Nutzen für die Bodengesundheit überwiegt deutlich.
Im Keller können Kellerasseln mithilfe von Nützlingen umweltfreundlich bekämpft werden. Hierzu werden Köderfallen aufgestellt, in deren Inneren sie (die für Menschen und Haustiere völlig harmlosen) Nematoden der Art Steinernema carpocapsae aufnehmen.
Im Garten können Sie als störend empfundene Kellerasseln einfach umsiedeln, indem Sie ein (am besten schon morsches) Brett auslegen oder einen auf der Seite liegenden Eimer mit etwas feuchtem Zeitungspapier sowie einigen Kartoffel- oder Apfelschalen füllen. Da sich die kleinen Krebstiere gerne an dunklen, feuchten Plätzen verstecken, können Sie am nächsten Tag den Eimer samt Asseln aufnehmen und sie auf den Kompost schütten. Dort können die Asseln sich wieder von ihrer nützlichen Seite zeigen.
Rosenkäfer
Der Goldglänzende Rosenkäfer (Cetonia aurata) ist häufig auf Rosensträuchern anzutreffen, doch ihrer Schönheit tut er keinen Abbruch. Er ernährt sich vorwiegend von Nektar und Blütenpollen und obwohl er gelegentlich auch mal in ein Blütenblatt beißt und reifes Obst nicht verschmäht, richtet er keinen nennenswerten Schaden an. Vor allem tastet auch sein Nachwuchs weder das Laub noch die Wurzeln lebender Pflanzen an – ganz im Gegensatz zu den Engerlingen von Mai- und Junikäfer.
Stattdessen haben sich die Rosenkäferlarven auf die Verdauung von Holz spezialisiert. Das macht sie besonders wertvoll und erklärt, weshalb diese Engerlinge im Garten vorwiegend im Komposthaufen anzutreffen sind. Als geschützte Art dürfen der Rosenkäfer und seine Larven nicht bekämpft werden. Wer beim Umgraben auf Engerlinge stößt und unsicher ist, kann die des Rosenkäfers leicht an der typischen Fortbewegungsweise erkennen: raupenartig in Rückenlage.
Die wurzelfressenden Engerlinge des Maikäfers und des Junikäfers schlängeln sich in Seitenlage beziehungsweise bewegen sich bäuchlings kriechend vorwärts. Die des ebenfalls geschützten Nashornkäfers lassen sich schon anhand ihrer Größe von bis zu zehn Zentimetern gut unterscheiden. Rosenkäfer- und Nashornkäfer-Engerlinge können Sie einfach auf den Komposthaufen setzen und zum Schutz vor Vögeln mit etwas Pflanzenmaterial abdecken, sie graben sich dann rasch ein.
Schlupfwespen
Quelle: Nikk / Wikipedia
Es fliegt und es hat oft einen gut sichtbaren Stachel, diese Kombination sorgt ziemlich sicher für helle Aufregung. Wer Schlupfwespen kennt, gerät bei ihrem Anblick aber höchstens vor Freude aus dem Häuschen. Die zierlichen Insekten nutzen ihren Stachel nämlich lediglich, um andere Insekten anzustechen – darunter viele bei Pflanzenfans unbeliebte Arten wie Blattläuse, Mottenschildläuse ("Weiße Fliege") und Lebensmittelmotten. Die Schlupfwespen legen dabei ihre Eier in das Insekt, von dem die Larven sich anschließend ernähren.
Schlupfwespen werden daher schon seit Jahren standardmäßig im Profi-Gartenbau zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt – etwa die in Europa heimischen Arten Aphidius ervi, Coccophagus lycimnia, Dacnusa sibirica und Diglyphus isaea. Im Hobbygarten ist das allerdings nicht nötig. In abwechslungsreich bepflanzten Gärten, in denen auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, fühlen sie sich wohl und tragen dazu bei, dass Blattläuse und Co. nicht überhandnehmen.
Marienkäfer
Quelle: Anterovium - stock.adobe.com
Die Geschichte vom hässlichen Entlein, sie könnte auch vom Marienkäfer erzählt werden. Er selbst ist bekannt und beliebt wie wohl kein zweiter Käfer, seinen Nachwuchs aber kennen viele nicht und halten ihn vielleicht sogar für einen Schädling. Zugegeben, optisch haben die Larven mit ihren schmucken Eltern wenig gemein, sie erinnern eher an bizarre Miniaturmonster.
Dafür verfügen sie aber auch über einen monstermäßigen Appetit und zwar auf Blattläuse. Mehrere hundert Stück vertilgen allein die Larven, die Käfer kommen im Laufe ihres Lebens auf mehrere tausend Blattläuse. Wer ein Minimonster entdeckt, kann sich also freuen.
Grüne Florfliegen
Die Grüne Florfliege selbst wird mittlerweile immer häufiger als Nützling erkannt, der Nachwuchs der "Goldaugen" hingegen hat es ungleich schwerer. Dabei tragen die Larven von Chrysoperla carnea nicht umsonst den Spitznamen "Blattlauslöwen". Sie spüren Blattläuse, aber auch andere häufige Schädlinge wie Schmierläuse (Wollläuse), Spinnmilben und Thripse zielsicher auf. Auch Florfliegenlarven werden als Nützlinge zur Schädlingsbekämpfung gezüchtet und eingesetzt.
Tigerschnegel
Ganz schön chic, dieser Tigerschnegel (Limax maximus) – aber führt er Gutes oder Böses im Schilde? Nacktschnecken stehen bei vielen Pflanzenfans unter Generalverdacht, doch vom Tigerschnegel droht Salat und anderen Leckereien keine Gefahr. Er frisst sogar die Eier zahlreicher anderer Schneckenarten sowie die frisch geschlüpften Nachkommen und dezimiert somit auch den Schadschneckenbestand im Garten.
Ohnehin sind für Fraßschäden im Garten in erster Linie drei Nacktschneckenarten verantwortlich: die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus), die Gartenwegschnecke (Arion distinctus/A. hortensis) und die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum). Das sollte man sich bewusst machen, ehe man an die Schneckenbekämpfung herangeht, da die meisten Maßnahmen auch harmlose und nützliche Nackt- und Gehäuseschneckenarten treffen – und die sind deutlich in der Mehrheit.
Weitere Informationen
Amtliche Auskunftsstellen für Pflanzenschutz der Länder (Pflanzenschutzdienste)
