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Bambussprossen selber ernten

Ein Curry mit Bambussprossen aus dem eigenen Garten? Warum nicht, die Triebspitzen vieler Bambusarten sind gekocht eine echte Köstlichkeit.

Bambus ist als gärtnerisches Strukturelement und Sichtschutz sehr beliebt.
Quelle: Delphotostock - stock.adobe.com

Bambus ist ein ganz besonderes Gras. Nicht nur die in der Natur vorkommenden Bambushaine und -wälder besitzen eine ganz eigene, mystisch-beruhigende Atmosphäre. Auch im heimischen Garten oder als Sichtschutzpflanze für Kästen und Kübel schwärmen viele Menschen für das Süßgras mit den biegsamen Halmen.

Der je nach Art teils niedrig bleibende, teils viele Meter hohe Bambus hat aber nicht nur im Garten viele Fans, sondern auch in der Küche. Bambussprossen sind Bestandteil zahlreicher asiatischer Gerichte und werden vor allem aufgrund ihrer knackigen Konsistenz geschätzt. Wobei "Sprossen" nicht etwa gekeimte Bambussamen meint, sondern die zarten jungen Triebspitzen der sich aus dem Boden schiebenden Halme.

Wer sie hierzulande einem Curry oder anderen Speisen hinzufügen möchte, greift meist auf küchenfertige, in Dosen konservierte oder eingeschweißte Ware zurück. Frische Bambussprossen aufzutreiben, ist schon etwas schwieriger. Am ehesten wird man in einem asiatischen Lebensmittelladen oder einem Feinkostgeschäft fündig. Oder aber im eigenen Garten.

Die meisten Bambusarten sind essbar

Tatsächlich sind die jungen Schösslinge nahezu aller Bambusarten essbar, davon allerdings nicht alle roh: Viele Bambusarten produzieren das Glykosid Taxiphyllin, von dem sich im Magen die giftige Blausäure abspaltet. Die Höhe des Taxiphyllingehalts ist von Art zu Art sehr unterschiedlich und zudem wie bei allen pflanzlichen Inhaltsstoffen von den Standortbedingungen abhängig.

Da das Glykosid beim Kochen abgebaut wird, ist der Verzehr gegarter, blanchierter oder gut durchgebratener Bambussprossen unbedenklich, sofern sie von geeigneten Arten stammen. Hierzu zählt beispielsweise Phyllostachys edulis, der den Hinweis auf die Essbarkeit bereits im Namen trägt (edulis = essbar), oder Fargesia murieliae, deren Sprossen sogar roh essbar sind.

Ernte der Bambussprossen

In unseren Breiten werden Bambussprossen vor allem als Konserven angeboten.
Quelle: Yvonne Bogdanski - stock.adobe.com

Nach dem Pflanzen sollte man dem Bambus zunächst Zeit geben, sich zu etablieren – und natürlich auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten, sofern man den Bambus beernten möchte. Ist der Bestand groß genug, um eine Ernte zu vertragen, heißt es vor allem im Frühjahr "Augen auf", denn die Frühjahrstriebe sind in der Regel besonders dick.

Sobald die ersten Triebspitzen aus dem Boden lugen, werden die Sprossen gestochen, am besten wie Spargel unter der Erde. Sind die harten Hüllblätter entfernt, garen die Sprossen in Salzwasser, ehe sie zerteilt und weiterverwendet werden.

Geschmacklich haben frische Sprossen weit mehr zu bieten als die Konservenware. Der Eigengeschmack ist – ebenfalls dem Spargel vergleichbar – nicht übermäßig stark, aber charakteristisch: mild, ein wenig nussig und von Art zu Art unterschiedlich.

Arten- und Sortenwahl

Bambus wird hierzulande überwiegend als Zierpflanze verwendet, insofern zählt in der Regel nicht nur die Frage nach dem Sprossenertrag. Weit wichtigere Punkte sind zumeist der Platzbedarf und der Ausbreitungsdrang der Pflanzen, ihre Sichtschutzqualitäten und der Winteraspekt.

Am weitesten verbreitet sind bei uns die beiden Bambusgattungen Fargesia (Schirmbambus) und Phyllostachys (Flachrohrbambus). Von beiden Gattungen gibt es zahlreiche Sorten, die sich in der Wuchshöhe sowie in der Dicke, Farbe und Zeichnung der Halme teils stark unterscheiden.

Schirmbambus – auch für Kübel und kleine Gärten

Sobald sich die Triebspitzen zeigen, kann geerntet werden.
Quelle: sanjurou - stock.adobe.com

Die 150 bis 600 Zentimeter hohen Fargesien werden im Handel oft auch als Gartenbambus bezeichnet, da sie eher langsam wachsen und keine Ausläufer bilden, sondern horstig-kompakt bleiben – Eigenschaften, mit denen im Garten nicht viel schiefgehen kann. Ihr Nutzen als Sichtschutz bleibt im Winter erhalten, auch wenn sie deutlich mehr Blätter abwerfen als die Gattung Phyllostachys. Der Platzbedarf ist überschaubar, die meisten Sorten eignen sich auch für große Kästen und Kübel.

Der Schirmbambus bildet vergleichsweise dünne Halme – mit bis zu drei Zentimetern Durchmesser liegt die auch roh essbare Sorte Fargesia robusta 'Campbell' bereits weit vorne. Ob eine Ernte hier mehr als einmaliger Gag erfolgt oder doch immer wieder einmal: Gerade bei Fargesien gilt die Faustregel, nicht mehr als ein Drittel aller Triebspitzen zu ernten, sonst läuft man Gefahr die Pflanze "totzustechen".

Flachrohrbambus – ergiebig in jeder Hinsicht

Quelle: pixarno - stock.adobe.com

Bambus-Arten für den Garten

Beispiele für winterharte Arten mit essbaren Sprossen – je nach Lage mit Winterschutz:

- Fargesia murieliae
- Fargesia robusta
- Phyllostachys angusta
- Phyllostachys aurea
- Phyllostachys bissetii
- Phyllostachys dulcis
- Phyllostachys edulis
- Phyllostachys nigra
- Phyllostachys vivax

Die auch optisch äußerst ansprechenden Vertreter der Gattung Phyllostachys lohnen sich im Hinblick auf eine Ernte schon deutlich mehr. Phyllostachys bisseti (roh essbare Sprossen) und Phyllostachys dulcis beispielsweise erreichen Halmdurchmesser von rund 5 Zentimetern, Phyllostachys edulis hingegen bis stolze 15 Zentimeter.

Wie bereits der Halmdurchmesser vermuten lässt, benötigt der Flachrohrbambus allerdings auch wesentlich mehr Platz – und passt man nicht auf, nimmt er sich zuviel davon! Die Wuchskraft der meist mehrere Meter hohen Phyllostachys-Arten ist geradezu legendär; haben sie mit ihren Ausläufern erst einmal eine Fläche in Beschlag genommen, braucht es schweres Gerät oder gar den Bagger, um sie wieder loszuwerden.

Um die Kraftpakete in ihre Schranken zu weisen, sollte man zum einen von Anfang an genug Platz einplanen (ab 10 Quadratmeter für mittelhohe Arten bis 5 Meter) und sie zum anderen niemals ohne eine speziell für diesen Zweck konzipierte Rhizomsperre aus extrastarkem Kunststoff pflanzen. Teichfolie oder Unkrautvlies genügt auch in mehreren Lagen nicht!

Die Rhizomsperre (je nach gewünschtem Bambus 70-120 Zentimeter breit und so lang wie die zu umschließende Pflanzfläche) muss mindestens 10 Zentimeter aus dem Boden herausschauen, damit keine Ausläufer darüber hinauswachsen können. Gleichzeitig muss sie tief in den Boden hineinreichen, damit sie nicht unterwandert wird.

Ein ebenfalls 10 Zentimeter über die Erde hinausragendes Betonbett kann eine Alternative sein, im Zweifelsfall sollte man aber schlicht zu den leichter zu handhabenden Fargesien greifen.


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