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Falsches Saatbett: Unkraut ade

Die bewährte Methode reduziert nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Gemüsegarten den Besatz mit Unkrautsamen.

Gemüsebeete sind ein Paradies für Unkräuter.
Quelle: Vera Kuttelvaserova - stock.adobe.com

Unkraut ist im Garten ein Dauerthema. Dabei handelt es sich um Wildkräuter, die sich aus gärtnerischer Sicht am falschen Platz ansiedeln. Während diese Form der Spontanvegetation in Staudenrabatten und im Rasen aber vor allem optisch als störend empfunden wird, stehen im Gemüsegarten praktische Belange im Vordergrund.

Sonderfall Gemüsebeet

Wildkräuter konkurrieren grundsätzlich mit den gezielt angebauten Gartenpflanzen um Wurzelraum, Wasser, Nährstoffe und Licht. Im Gemüsegarten ist das jedoch von besonderer Bedeutung. Anders als in der Staudenrabatte, wo die mehrjährigen Pflanzen die Flächen nach und nach schließen, findet sich auf Gemüsebeeten stets ein hoher Anteil nackter Erde.

Die Gründe:

  • Es wird nicht nur gepflanzt, sondern auch viel gesät, und die Saat braucht Zeit zum Aufgehen.
  • Für hohe Erträge müssen Mindestabstände zwischen den Pflanzen eingehalten werden.
  • Wo geerntet wurde, tun sich zumindest vorübergehend Lücken auf – umso länger, wenn nach und nach geerntet wird wie etwa bei Kopfsalat.
  • Nach der letzten Ernte der Saison bleibt der Boden oft offen liegen.

Für Wildkräuter bieten sich damit viele Gelegenheiten, den freien Raum zu erobern.

Schnell, stark, vermehrungsfreudig

Der beeindruckenden Keimgeschwindigkeit und Wuchskraft vieler Wildkräuter haben konkurrenzschwache einjährige Gemüse wie Zwiebeln, Salate, Mangold, Spinat oder Kräuter wenig entgegenzusetzen. Sie bleiben in der Entwicklung zurück oder werden komplett verdrängt.

Unkräuter konkurrieren mit den Gemüsepflanzen um Wurzelraum, Wasser, Nährstoffe und Licht.
Quelle: Galina Mikhalishina - stock.adobe.com

Hinzu kommt die zahlenmäßige Überlegenheit der unerwünschten Beetnachbarn. Je nach Art produziert jede Pflanze zwischen mehreren Hundert und Zehntausenden von Samen – eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere, aber auch ein schier unerschöpfliches Reservoir gärtnerischen Ärgernisses, denn einmal im Boden, können die Samen teils Jahrzehnte unbeschadet überdauern.

Was tun?

Der Einsatz von Herbiziden ist im Gemüsebeet stark eingeschränkt und widerspricht zudem einem Hauptziel vieler Hobbygärtnerinnen und -gärtner, nämlich unbehandeltes Gemüse zu ernten.  Am erfolgversprechendsten ist es, verschiedene physikalische Maßnahmen zu kombinieren, um Unkraut erst gar nicht aufkommen zu lassen, beziehungsweise es zu bekämpfen.

Recht bekannt und verbreitet sind das Abdecken mit Mulchmaterialien oder das Einsäen einer Gründüngung, um offene Bodenflächen weitgehend zu vermeiden. Außerdem natürlich das regelmäßige Jäten und Hacken. Etwas in Vergessenheit geraten ist hingegen die Methode des "falschen Saatbetts". Sie wiederzuentdecken, lohnt sich.

Mit List gegen Vogelmiere und Co.

Weil Unkrautsamen mitunter jahrelang im Boden liegen, ohne ihre Keimfähigkeit einzubüßen, gibt es nur zwei Möglichkeiten, um den Samenbesatz mittelfristig zu verringern: neue Einträge so gut wie möglich verhindern und schon vorhandene Samen keimen lassen. Neueinträge reduziert man, indem vorhandene Unkräuter vor der Blüte entfernt werden. Der Trick des falschen Saatbetts wiederum ist es, einen Teil der vorhandenen Unkrautsamen gezielt keimen zu lassen und dann zu beseitigen.

Falsches Saatbett – so geht's

Der optimale Zeitpunkt liegt zwei bis vier Wochen vor der eigentlichen Gemüseaussaat oder -pflanzung. Das Beet ebenso gründlich vorbereiten wie bei der normalen Beetbestellung – Wurzelunkräuter herausziehen oder mit einem Unkrautstecher entfernen, dann den Boden gründlich durchhacken und rechen – es danach aber brach liegen lassen.

In der feinkrümeligen Erde beginnen die weit oben liegenden Unkrautsamen rasch zu keimen und können kurz vor dem eigentlichen Anbaubeginn leicht eentfernt werden. Allerdings nun nicht im Grobdurchlauf, sondern mit Fingerspitzengefühl: Es sollen keine neuen Samen aus tieferen Schichten empor befördert werden.

Mit einer Schuffel (drittes Gartengerät von links) lassen sich Unkrautkeimlinge leicht beseitigen.
Quelle: Pixelot - stock.adobe.com

Die Bodenbearbeitung erfolgt idealerweise an einem sonnigen, gerne leicht windigen Tag. Der Boden sollte zumindest oberflächlich abgetrocknet sein. Als Werkzeug eignet sich am besten eine Pendelhacke oder eine Schuffel. Beide Geräte gleiten lediglich oberflächlich durch die Erde und kappen dabei das aufgekeimte Unkraut beziehungsweise brechen die Keimlinge soweit um, dass sie durch Luft und Sonne vertrocknen.

Bei Bohnen, Möhren Spinat und Erbsen, deren Samen mit einer Saattiefe von drei beziehungsweise fünf Zentimetern recht tief in den Boden kommen, können Pendelhacke oder Schuffel sogar nach der Aussaat noch einmal zum Einsatz kommen. Ein Beispiel: Erbsen benötigen je nach Bodentemperatur zwischen einer Woche (bei etwa 20 °C) und vier Wochen (bei etwa 5 °C), um zu keimen. Ist es noch nicht allzu warm, könnte man daher zwei Wochen nach der Aussaat noch einmal mit der Pendelhacke über die Fläche gehen und zwar nicht nur zwischen den Reihen, sondern vorsichtig auch direkt über den tief im Boden ruhenden Samen.

Mit einer Gartenhacke ist all das natürlich prinzipiell auch möglich, es erfordert aber deutlich mehr Konzentration sowie kontrolliertere und damit anstrengendere Bewegungen.

Weitere Tipps

Jäten und Hacken – aber richtig

Wurzelunkräuter wie Disteln oder Quecke treiben auch aus Teilstücken wieder aus, daher gilt bei der mechanischen Unkrautbekämpfung: erst die Wurzelunkräuter samt Wurzeln herausziehen, dann hacken, um die Samenunkräuter zu dezimieren! Unkrautstecher und Grabegabel können beim Jäten der Wurzelunkräuter wertvolle Dienste leisten.

Keine Angst: Solange sie noch im Keimlingsstadium sind, können auch Wurzelunkräuter bedenkenlos mit Pendelhacke, Schuffel oder normaler Hacke entfernt werden.

Es bietet sich an, das Beet im Ganzen als falsches Saatbett vorzubereiten, also beispielsweise vor der Frühjahrsaussaat oder vor der Aussaat von Spinat oder Feldsalat im Spätsommer/Herbst. Das Prinzip lässt sich aber auch auf einzelne Beetbereiche anwenden – wenn etwa im Frühjahr erst ein Teilbereich bestellt wurde oder im Spätsommer abgeerntete Reihen nicht gleich wieder bepflanzt werden sollen.

Unterschiedliche Anwendungszeiträume beziehungsweise wiederholte Anwendungen haben zudem noch einen weiteren Vorteil: Welche Unkrautsamen aktiv werden, hängt von der bevorzugten Keimtemperatur der verschiedenen Unkrautarten ab. Während Vogelmiere, Vogelknöterich, Ackerwinde und Gänsefuß bereits bei Bodentemperaturen von 2-5 °C keimen, erwischt man beispielsweise die Hühnerhirse erst ab etwa 15 °C.

Im Hinblick auf die optimale Keimtemperatur vieler Unkräuter wären die Monate April und Mai besonders geeignet, um möglichst vielen Exemplaren auf einmal den Garaus zu machen. Doch selbst eine sehr frühe Behandlung im Februar lohnt sich.

Regelmäßig durchgeführt, bei gleichzeitig konsequentem Entfernen größerer Unkräuter noch vor der Blüte, sinkt der Unkrautbesatz mit jedem Jahr.Nicht vergessen: Auch Unkrautsamen brauchen zum Keimen ausreichend Feuchtigkeit – im Frühjahr und Herbst in der Regel kein Problem, doch in trockenen Jahren kann es sich lohnen, den vorbereiteten Boden zu wässern, damit der Unkrautsamen zuverlässig aufläuft.


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