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Umgraben – ja oder nein?

Das jährliche Umgraben war lange fester Bestandteil der Herbst- oder Frühjahrsarbeiten im Garten. Heute weiß man, dass weniger oft mehr ist.

Umgraben ist anstrengend – nicht nur für Gärtnerinnen und Gärtner, sondern auch für Bodenlebewesen.
Quelle: cjp via Getty Images

Es ist zeitaufwändig. Es ist anstrengend. Und es ist oft schlicht überflüssig. Die Rede ist vom jährlichen Umgraben im Garten.

Lange galt es als absolutes Muss, nicht bestellte Beete im Herbst oder Frühjahr gründlich umzustechen, am besten mindestens zwei Spaten tief, und auf diese Weise zu lockern. Heute weiß man es besser: Tiefes Umgraben sorgt in erster Linie für eines, nämlich für absolutes Chaos im Mikrokosmos Boden.

Beim Umwenden der Erde geraten Lebewesen aus tiefen, relativ gleichmäßig temperierten und meist deutlich feuchteren Erdschichten plötzlich in die wechselhafteren, luftig-trockenen oberen Etagen. Sauerstoffliebende Erdbewohner der Streuschicht hingegen finden sich nach Luft ringend im Kellergeschoss wieder.

Hätten Sie's gewusst?

In einem Liter Erde können sich um die zehn Milliarden Lebewesen tummeln – von Bakterien, Pilzen, Algen und anderen Mikroorganismen bis zu Springschwänzen, Asseln, Regenwürmern und kleinen Wirbeltieren wie Spitzmaus oder Maulwurf. Die Gesamtheit der Bodenlebewesen nennt man Edaphon.

Dass ein solches Durcheinander keinem der Beteiligten gut bekommt, liegt eigentlich auf der Hand. Unzählige der hochspezialisierten Bodenlebewesen sterben nach dem Umgraben aufgrund der nun für sie ungünstigen Bedingungen. Im Boden wurzelnde Pflanzen gehen zwar nicht ein, müssen aber mitunter hungern, denn die Umwandlung organischer Abfälle in wertvollen Humus stoppt und es werden zeitweise weniger der bereits im Boden gespeicherten Nährstoffe freigesetzt.

Darüber hinaus gelangen beim Auf-den-Kopf-stellen der Bodenschichten unzählige Unkrautsamen, die in der Tiefe schlummerten, an die Erdoberfläche, wo ein Teil rasch keimt. Umgraben zieht also unweigerlich die nächste Bodenbearbeitungseinheit nach sich – sehr unpraktisch, und noch ein Grund mehr, um guten Gewissens auf den jährlichen Spateneinsatz zu verzichten.

Boden lockern mit dem Sauzahn

Um den Boden im Frühjahr zu lockern, braucht es keine tiefgehenden Eingriffe. Mit einem Sauzahn, im Abstand von etwa 20 Zentimetern kreuz und quer durch die Erde gezogen, lassen sich Gemüsebeete oder frisch zu bepflanzende Zierpflanzenbeete schnell und kraftsparend lockern. Dabei dringt das einzinkige Gartengerät beinahe ebenso tief in den Boden ein wie ein Spaten, jedoch ohne dabei die Bodenschichten durcheinanderzuwirbeln.

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Ausnahme: Neuanlagen und schwere Böden

Kartoffeln lockern schwere Böden

Wer schwere Böden zum ersten Mal bestellen möchte, sollte sich für Kartoffeln entscheiden: Die tollen Knollen eignen sich sehr gut, um den Boden zu lockern. Auch Feldsalat verbessert die Krümelstruktur des Bodens, gleichzeitig schützt das Wintergemüse den Boden während der kalten Jahreszeit vor dem Verschlämmen.

In zwei Situationen ist tatsächlich der Spaten dem Sauzahn vorzuziehen: bei einem neu anzulegenden Beet und auf sehr schweren Böden.

Wo ein neues Beet entstehen soll, kommt man am Umgraben nicht vorbei. Selbst hier genügt jedoch eine Spatentiefe, dafür wird der Grund der ausgehobenen Fläche anschließend mit einer Grabegabel intensiv gelockert – einfach mehrfach einstechen und vor- und zurückbewegen. Der richtige Zeitpunkt ist der Spätherbst, möglichst kurz vor dem ersten angekündigten Bodenfrost.

Das gleiche Prozedere gilt für sehr schwere Böden. Auch sie profitieren beim Umgraben im Spätherbst von der sogenannten Frostgare: Wenn der Frost in die Böden dringt, sprengen die sich bildenden Eiskristalle selbst dicke Erdklumpen. Zurück bleibt eine vergleichsweise lockere, feinkrümelige Erde, die im Frühjahr nur noch einmal mit dem Rechen geglättet wird.

Böden nachhaltig lockern

Durch Kompostgaben kann man den Humusanteil schwerer Böden kontinuierlich erhöhen und sich auch hier langfristig das Umgraben sparen.
Quelle: nixoncreative via Getty Images

Selbst auf schweren Böden kann man sich das jährliche Umgraben nach einiger Zeit sparen, wenn man den Humusanteil kontinuierlich erhöht. Dazu wird jedes Frühjahr reichlich Kompost in die Beete eingearbeitet – im Ziergarten zwei Liter je Quadratmeter, bei Rosen und im Gemüsegarten drei Liter je Quadratmeter.

Auch zwei bis fünf Liter gewaschener Sand (also Sand ohne Feinanteile) je Quadratmeter tragen dazu bei, das Porenvolumen des Bodens zu verbessern, und ihn durchlässiger zu machen. Je nach Bodenbeschaffenheit muss auch dieses Prozedere bei Bedarf mehrfach wiederholt werden.

Darüber hinaus sollte man vermeiden, dass der Boden längere Zeit offen liegt, da er sonst bei Niederschlägen schneller verschlämmt und obendrein der Unkrautbesatz steigt. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, wer auf brachliegenden Flächen eine Gründüngung einsät. Gründüngungspflanzen haben je nach Art verschiedene und oft gleich mehrere positive Effekte auf die Bodenqualität.

Sonnenblumen und Lupinen beispielsweise wurzeln sehr tief und lockern dadurch aktiv den Boden. Bienenfreund (Phacelia) wächst rasch, ist nicht nur für Insekten sehr attraktiv und obendrein mit keinem Gemüse verwandt – das ist günstig im Hinblick auf die Fruchtfolge.

Ebenfalls "gemüseneutral", bodenlockernd und auch noch für späte Herbsteinsaaten geeignet ist Winter-Roggen. Er kann selbst im Oktober noch ausgebracht werden und reduziert die Stickstoffauswaschung. Im Frühling arbeitet man das Pflanzenmaterial vier Wochen vor der Aussaat einfach in die Erde ein, wo es das Bodenleben schon einmal richtig auf Touren bringt.


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