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Warum benötigt die Landwirtschaft so viele ausländische Saisonarbeitskräfte?

Die Obst- und Gemüseernte von Hand ist schwere körperliche Arbeit, die hierzulande kaum noch jemand machen möchte.

Viele landwirtschaftliche Kulturen wie Radieschen werden per Hand geerntet. Diese schwere körperliche Arbeit wird überwiegend von ausländischen Saisonarbeitskräften erledigt.
Quelle: landpixel.de

Die Corona-Krise hat einmal mehr gezeigt, wie stark Teile der deutschen Landwirtschaft auf Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sind. Bis zuletzt bangten viele Obst- und Gemüsebetriebe darum, ob Deutschland die Einreise-Beschränkungen für die dringend benötigten Erntehelferinnen und -helfer lockert. Zur Erleichterung aller hat die Bundesregierung schließlich einer begrenzten Einreise zugestimmt.

Ohne die Hilfe der vielen Tausend Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland wäre vieles an Obst und Gemüse ungeerntet auf den Feldern verblieben und verrottet. Doch warum ist die hochmoderne deutsche Landwirtschaft überhaupt so stark auf Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeiter aus dem Ausland angewiesen?

Nicht alles lässt sich technisieren

Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Fortschritte auf allen Ebenen haben dazu geführt, dass heute ein einziger Landwirt im Schnitt 140 Menschen ernähren kann – 1960 waren es gerade einmal 17. Vor allem der Einsatz moderner Erntetechnik hat zu dieser Entwicklung beigetragen: So erntet ein Mähdrescher einen Hektar (10.000 Quadratmeter) Getreide heute in weniger als zwei Stunden. 1950 waren dafür noch 30 Stunden und 1910 sogar 150 Stunden nötig.

Aber auch heute gibt es noch Kulturen, die viel Handarbeit erfordern. Dazu zählen zum Beispiel Erdbeeren, Äpfel, Tomaten oder Spargel. Zwar konnte auch hier ein Großteil der Arbeiten wie Pflanzung, Unkrautbeseitigung, Pflanzenschutz und Düngung mechanisiert werden. Geerntet werden müssen die Früchte aber noch per Hand, weil Maschinen bei den empfindlichen Früchten zu viel Schaden anrichten würden.

Nur wenige Deutsche wollen diese Arbeit machen

Apfelernte im rheinischen Meckenheim
Äpfel zählen zu den Obstsorten, die von Hand geerntet werden.
Quelle: Thomas Stephan - BLE

Solch eine Ernte per Hand ist meist schwere körperliche Arbeit. So arbeiten beispielsweise Erdbeerpflückerinnen und -pflücker Tag für Tag mehrere Stunden in gebückter Haltung auf dem Feld – teils bei großer Hitze. Der Verdienst fällt bei solchen Tätigkeiten jedoch meist sehr gering aus – selten gibt es mehr als den gesetzlichen Mindestlohn.

In Deutschland gibt es nur noch sehr wenige Menschen, die solche Arbeit machen wollen. Viele Obst- und Gemüsebaubetriebe sind daher auf Erntehelferinnen und -helfer aus dem Ausland angewiesen. Den Daten der letzten Agrarstrukturerhebung zufolge arbeiteten 2016 rund 286.300 Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft. Nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) kommen rund 95 Prozent davon aus dem Ausland  – überwiegend aus Polen und Rumänien.

Schon seit Jahren Engpässe

Engpässe bei Saisonarbeitskräften gibt es nicht erst seit der Coronakrise. Bereits seit Jahre beklagen viele Betriebe in Deutschland einen Mangel an Erntehelferinnen und -helfern. Laut GLFA gibt es dafür verschiedene Gründe. Zum einem haben die positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in Polen und Rumänien dazu geführt, dass das Interesse an Saisontätigkeiten in der deutschen Landwirtschaft abgenommen hat.

Hinzu kommt: Die landwirtschaftlichen Betriebe stehen in direktem Wettbewerb um Saisonarbeitskräfte mit anderen Wirtschaftszweigen – zum Beispiel Baugewerbe, Tourismus oder Gastronomie –, die je nach Konjunkturlage besser bezahlen.

Auf Saisonarbeitskräfte aus Ländern wie Ukraine oder Georgien, für die eine Tätigkeit in der deutschen Landwirtschaft noch lukrativ wäre, dürfen deutsche Sonderkulturbetriebe bislang nicht zugreifen. Denn die Beschäftigung von Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten (nicht EU-Staaten) ist in Deutschland bislang nicht zulässig. Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeitet allerdings daran, diese Bestimmungen zu lockern.


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Beschäftigung und Mindestlohn


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