Warum haben manche Weintrauben keine Kerne?
Letzte Aktualisierung: 5. Februar 2026
Trauben sind beliebt bei Jung und Alt - besonders dann, wenn sie kernlos sind. Doch wie geht das?
In der Natur kommen immer wieder Trauben vor, die kernlos sind. Biologen und Biologinnen sprechen von Parthenokarpie oder Jungfernfrüchtigkeit, wenn Pflanzen Früchte entwickeln, ohne dass vorher eine Befruchtung zwischen männlichen und weiblichen Pflanzenteilen stattgefunden hat. Es gibt einige Rebsorten, die einen höheren Anteil solcher kernlosen Weinbeeren haben als andere. Durch züchterische Bearbeitung wurde die Eigenschaft "Kernlosigkeit" dann immer weiter verbessert.
Aber wie werden kernlose Trauben vermehrt?
Kernlose Trauben bilden natürlich keine Samen, die wieder ausgesät werden können. Das ist aber kein Problem, da Wein ohnehin über sogennante Edelreiser vermehrt wird. Dafür werden im Winter Zweige von einer Rebe geschnitten, die wie bei Obstbäumen auf Unterlagen aufgepfropft und anschließend ausgepflanzt werden. Diese Pflanzen sind mit der Mutterpflanze genetisch identisch, tragen also auch kernlose Weinbeeren.
Sultaninen und Korinthen
Bekannte kernlose Rebsorten sind zum Beispiel "Sultana" (auch als "Thompson Seedless" bekannt) und "Korinthiaki". Aus ihnen werden die als "Sultaninen" beziehungsweise "Korinthen" bezeichneten getrockneten Weinbeeren hergestellt. “Rosinen” ist der Sammelbegriff für beide Trockenfrüchte. Die Sorte "Thompson Seedless" ist eine weltweit beliebte kernlose Tafeltraube für den Frischverzehr.
Beinahe kernlos geht auch...
Neben den vollkommen kernlosen Beeren gibt es aber auch solche, die nur ganz kleine und weiche Samen bilden, die man beim Essen kaum spürt. Hier spricht die Biologie von Scheinparthenokarpie. Im Handel werden auch solche Trauben meist als "kernlos" angeboten.
Kernlos und groß wird schwieriger
Die meisten kernlosen oder kernarmen Traubensorten haben die Eigenschaft, dass sie ohne spezielle Behandlung durch den Anbauer meist nur relativ kleine Beeren ausbilden. Das liegt daran, dass ihnen ein für das Beerenwachstum benötigtes Pflanzenhormon fehlt, welches in den Kernen gebildet wird.
Durch das Besprühen mit künstlich hergestellten Pflanzenhormonen in der Wachstumsphase, in der Regel mit Gibberellinen, kann erreicht werden, dass auch kleinbeerige kernlose Rebsorten große Beeren ausbilden. Diese Pflanzenhormone kommen auch natürlicherweise in der Pflanze vor und sind für die pflanzenphysiologischen Vorgänge essenziell. Für die menschliche Gesundheit sind sie nicht gefährlich. Ein zusätzlicher Effekt der Hormonbehandlung von Tafeltrauben ist, dass die Stiele stärker wachsen. Dadurch hängen die Beeren nicht so eng aufeinander und werden weniger schnell von Pilzkrankheiten befallen.
Es gibt inzwischen aber auch einige kernlose Züchtungen, die ohne Hormonbehandlung große Beeren ausbilden. "Centennial seedless" ist zum Beispiel eine, die in Deutschland angebaut wird. Eine weitere kernarme, großbeerige rote Tafeltraubensorte ist "Venus".
Weitere Informationen
Bayrischer Rundfunk (BR): Rosinen, Sultaninen, Korinthen - was ist der Unterschied?
