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Die Folgen des Klimawandels für den Weinbau

Spätfröste, Hitzeperioden, extreme Trockenheit und Starkregen – vermehrt auftretende Extremwetterlagen gefährden die empfindlichen Weinreben.

Aufgrund des wärmeren Klimas blühen die Reben früher.
Quelle: Thomas Stephan - BLE

Verlängerte Vegetationsperioden

Mit dem im Zuge des Klimawandels bereits zu beobachtenden Temperaturanstieg verlängert sich die Vegetationsperiode der Pflanzen und der Austrieb der Reben und die Rebblüte verlagern sich tendenziell früher ins Jahr. Die längere Vegetationsperiode mit milden und im Durchschnitt höheren Temperaturen führt zu einer schnelleren Entwicklung der mehrjährigen Weinreben und bedeutet auch einen Vorteil bei Neupflanzungen. 

In den deutschen Weinbaugebieten beginnt die Rebblüte in der Regel ab Anfang bis Mitte Juni. In Ausnahmejahren kann sich der Beginn auch auf Mitte Mai verschieben, wie zuletzt 2014. Natürlicherweise früh blühende Rebsorten sind beispielsweise Siegerrebe, Müller-Thurgau oder Grauburgunder. 

Spätfröste und Hitzeperioden

Mit der früheren Rebblüte steigt jedoch auch die Gefahr einer Schädigung durch Spätfröste, die sich zeitlich kaum verschieben. Wirksame, traditionelle Maßnahmen gegen die nächtliche, eisige Kälte sind beispielsweise das Aufstellen von Heizkerzen aus Paraffin oder die Frostschutz-Beregnung der Blüten. Als großräumige Maßnahme zur Spätfrostbekämpfung und Schadensbegrenzung wird auch das Aufbrechen von Inversionslagen durch Windmaschinen erfolgreich praktiziert.

Später im Jahr bedrohen lang andauernde Hitzeperioden und kurzzeitige extreme Trockenereignisse die Reben. Zwar können sie als Pfahlwurzler mit einer senkrecht tief nach unten wachsenden Hauptwurzel auch über längere Zeiträume mit weniger Wasser auskommen. Dauern die Hitzeperioden länger an, kann jedoch nur Bewässerung im Weinberg Abhilfe schaffen.

Im Fall von Spätfrösten lassen sich Frostschäden an den Reben nur mit großem Aufwand vermeiden.
Quelle: Franco Nadalin - stock.adobe.com

Schutzmaßnahmen sind kostspielig

Sowohl die Bewässerung als auch Frostschutzmaßnahmen sind jedoch sehr kostenintensiv. Zudem sind Winzerinnen und Winzer bei der Bewässerung auf eine bestehende Infrastruktur angewiesen. Ist nicht genügend Wasser in der Nähe vorhanden, muss dieses aufwändig für die Bewässerung im Weinberg bereitgestellt und transportiert werden. Eine Entnahme von Grundwasser führt langfristig wiederum zur Versalzung der Standorte und Böden, insbesondere während der Sommerperiode.

Und Frost, Hitze und Trockenheit sind noch nicht die einzigen Bedrohungen, denen die Rebe ausgesetzt ist. Für Weinreben, die ein warm-gemäßigtes Klima mit einer geringen Anzahl von extremen Wetterlagen bevorzugen, stellen auch Starkwetterereignisse mit extremen Niederschlagsformen (Graupel, Hagel) und erhöhten Niederschlagsmengen eine Gefahr dar. 

Starkregen bringt Mehltau- und Pilzbefall mit sich

Sintflutartige Regenfälle in kurzer Zeit begünstigen den Mehltaubefall der Reben in den Sommermonaten und führen zu möglichen Ernteausfällen. Langanhaltender Sommerregen begünstigt den Pilzbefall und führt vermehrt zu Fehlaromen im Wein. Abhilfe können hier neu gezüchtete, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die sogenannten PiWis, schaffen, die weit weniger empfindlich gegenüber Pilzerkrankungen sind als die traditionellen Rebsorten. 

Sortenspektrum verschiebt sich

Ohnehin wird sich das Sortenspektrum im Weinbau mittelfristig verschieben. In den nächsten Jahren werden in Deutschland voraussichtlich vermehrt Rotweine wie beispielsweise Merlot oder Pinot angebaut, während sich die Produktion von Rieslingen in weiter nördlich gelegene Breiten verlagern wird. Schon heute gelingt in Großbritannien die Sektproduktion aus heimischen Trauben. 

Anpassungsstrategien

Eine wichtige Rolle bei der Anpassung an Klimaveränderungen spielen Früherkennungssysteme, die Winzerinnen und Winzern – auf der Grundlage von Daten aus langfristigem Klimadatenmonitoring – einen intelligenten Pflanzenschutz ermöglichen und helfen, Risiken im Vorfeld zu minimieren. Die enge Verknüpfung von Wetterdaten aus langfristigen Monitoringsystemen verbunden mit Prognose-Apps erleichtert die Vorhersage über zukünftige Schädlingsentwicklungen im Bereich des integrierten Pflanzenschutzes.


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