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Vom Landwirt zum Energiewirt

Um seinen Betrieb für die Zukunft zu rüsten, setzt Landwirt Dirk Peters auf die Erzeugung erneuerbarer Energien, insbesondere aus Biomasse.

Quelle: Agro-Farm Nauen GmbH

Angesichts schwankender beziehungsweise sinkender Erzeugerpreise, steigender Anforderungen an den Tier- und Umweltschutz, schärferer gesetzlicher Auflagen und höherer Kosten suchen viele Landwirtinnen und Landwirte nach Alternativen – um wirtschaftlich überleben zu können und ihren Betrieb auf die Zukunft auszurichten. Eine solche Alternative ist die Erzeugung erneuerbarer Energien.

Erneuerbare Energien als wichtiges Standbein

Dirk Peters, Landwirt aus dem Havelland, setzt auf seiner Agro-Farm GmbH Nauen seit dem Jahr 1991 auf die Erzeugung regenerativer Energien. Die Dächer seiner Betriebsgebäude hat er mit Sonnenkollektoren bestückt und auf einem Teil seiner Felder produziert er Raps für die Produktion von Biodiesel. Zudem betreibt er seit einiger Zeit gemeinsam mit anderen Gesellschaftern eine Biogasanlage.

Die erste Anlage wurde 2006 in Betrieb genommen, eine zweite folgte 2009. Auf circa 1.200 Hektar der insgesamt 2.300 Hektar Ackerfläche baut der Landwirt deshalb inzwischen Roggen, Mais und Zuckerrüben als Energiepflanzen für die Biogasproduktion an. Sie bilden nun neben den Marktfrüchten (Getreide und Raps) ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für den Betrieb.

Es seien damals vor allem ökonomische Zwänge gewesen, die den Antrieb für die Errichtung der Biogasanlagen gaben, erinnert sich Dirk Peters. "Weil der Getreidepreis – insbesondere der Preis für den Roggen – im Jahr 2004 sehr stark sank, musste ich mir Gedanken um die Zukunft meines Betriebes machen, auch um die Arbeitsplätze meiner 20 Mitarbeiter zu sichern."

Seine Investition in die erneuerbaren Energien hat er seitdem zu keiner Zeit bereut. Sie macht ihn unabhängiger vom spekulativen Weltmarkt.

Wie funktioniert die Biogaserzeugung?

Dirk Peters steht stellvertretend für eine große Zahl an Landwirtinnen und Landwirten, die inzwischen ihr Geld zumindest teilweise als Energiewirte verdienen. Mehr als 9.000 Biogasanlagen gibt es derzeit in Deutschland.

Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ausstattung und der eingesetzten Rohstoffe zum Teil deutlich voneinander. In einigen Anlagen wird das Biogas aus Energiepflanzen wie Mais, Roggen oder Zuckerrüben gewonnen, andere verwerten Abfall- und Reststoffe organischen Ursprungs – wie zum Beispiel Jauche, Mist und Gülle aus Tierhaltungen, Haushaltsabfälle oder Klärschlämme.

Wie entsteht Biogas?

Biogas entsteht durch den mikrobiologischen Abbau (Fäulung, Gärung) von organischen Stoffen in luftdichten, wärmeisolierten und beheizten Gärbehältern, so genannten Fermentern. Das dort vorherrschende anaerobe Milieu (anaerob = ohne Sauerstoff) fördert die Entwicklung von Fäulnisbakterien.

Diese erzeugen ein brennbares Gemisch, das aus Methan, Kohlendioxid sowie geringen Anteilen an Wasser, Schwefelwasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Ammoniak, Wasserstoff und weiteren Spurengasen besteht. 

Bei den mikrobiologischen Abbauprozessen bleibt ein Gärrest übrig, der aufgrund seines hohen Gehalts an Mineralien ein hervorragender Dünger für landwirtschaftliche Flächen ist.

Auch Dirk Peters betreibt zwei ganz unterschiedliche Anlagen, die sich sinnvoll ergänzen. Eine beruht auf dem Prinzip der Nassfermentation, die andere auf dem der Trockenfermentation.

In der Nassfermentationsanlage, werden Maissilage, Ganzpflanzensilage, Zuckerrübenschnitzel und Rindergülle vergoren. Die dafür benötigten Energiepflanzen stammen von den Äckern der Agro-Farm, die Rindergülle liefert ein benachbarter Milchviehbetrieb.

"Wir brauchen die Rindergülle als flüssige Komponente, damit die zu vergärende Masse pumpfähig bleibt, denn diese Eigenschaft benötigen wir für das Verfahren der Nassvergärung", erklärt Dirk Peters.

Das erzeugte Biogas wird dann mit Hilfe zweier Blockheizkraftwerke in Strom umgewandelt. Genauer gesagt werden mit dem Gas zwei Verbrennungsmotoren befeuert, die ihrerseits wiederum zwei stromproduzierende Generatoren antreiben. Auf diese Weise werden pro Jahr 8 Millionen Kilowattstunden an elektrischer Energie erzeugt – genug um circa 2.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Quasi als Nebenprodukt fällt bei Blockheizkraftwerken auch Wärme (thermische Energie) an. Ungefähr 4 Millionen Kilowattstunden sind es in Nauen: das entspricht circa 400.000 Liter Heizöl. Um diese Wärme effektiv nutzen zu können, entwickelten die Betreiber der Nauener Biogasanlage ein Wärmenutzungskonzept: Zum einen versorgen sie die nahen Havelland Kliniken Nauen mit Wärme, zum anderen trocknen sie damit Getreide und weitere landwirtschaftliche Güter.

Zudem nutzen sie die Wärme zur Versorgung der zweiten Biogasanlage. Denn zur Aufbereitung des in der Anlage erzeugten Gases wird Wärme benötigt. Diese Anlage arbeitet mit Trockenfermentation und dient zur Erzeugung reinen Gases. Aus den eingespeisten Rohstoffen (Maissilage, Ganzpflanzensilage und Zuckerrübenmus) erzeugt sie pro Jahr 65 Millionen Kilowattstunden Erdgas, womit etwa 4.000 Haushalte versorgt werden können.

Hoher Rohstoffbedarf: auch Biogasanlagen müssen gefüttert werden

Der Mais für die Biogasanlage wird im September bzw. Oktober geerntet.
Quelle: Agro-Farm Nauen GmbH

Damit beide Anlagen zuverlässig Strom, Erdgas und Wärme liefern, werden sie kontinuierlich gefüttert - so nennt man das Zuführen von Rohstoffen in den Gärbehälter. Ein Computersystem errechnet die Menge jedes einzelnen, täglich benötigten Rohstoffs. Speziell geschulte Mitarbeiter überwachen die Prozesse, kontrollieren die Maschinen und sorgen dafür, dass die Vorratsbehälter immer gut gefüllt sind.

Viereinhalb Mitarbeiter beschäftigt Dirk Peters auf seinem Betrieb allein mit diesen Aufgaben. Denn die Mengen, die täglich bewegt werden müssen, sind beachtlich. An Mais beispielsweise benötigen die Anlagen täglich 150 Tonnen. Dafür muss der Landwirt entsprechende Lagerkapazitäten vorhalten, unter anderem Siloanlagen für die Ganzpflanzensilage mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Tonnen, eine Siloplatte für die Maissilage mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen und drei Rübenlagerbecken, die insgesamt 10.000 Tonnen Rübenmus aufnehmen können.

Führt der Energiepflanzenanbau zur Ausbreitung von Monokulturen?

Viele Menschen haben Vorbehalte gegen die energetische Nutzung von Kulturpflanzen. Sie sehen darin eine Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungs- und Futtermitteln und befürchten negative Auswirkungen auf die Umwelt durch die Ausbreitung von Monokulturen.

Um ihnen einen direkten Einblick zu ermöglichen und ihnen auch seine Sicht der Dinge erklären zu können, empfängt Dirk Peters Interessierte gern auf seinem Betrieb – allein im letzten Jahr mehr als 1.000 Menschen.

"Wer an den Feldern der Agro-Farm Nauen vorbeifährt, dem erscheinen unsere Schläge schon gewaltig", sagt Dirk Peters. Denn nicht selten werden beim ihm 50 Hektar am Stück mit einer Fruchtart angebaut. "Doch mit Monokultur hat das nichts zu tun. Wir achten strikt darauf, dass die Fruchtfolgen vernünftig weiterlaufen."

Es wird also, vereinfacht gesagt, großflächig dasselbe angebaut; was jeweils angebaut wird, wechselt aber kontinuierlich, um die Böden nicht auszulaugen. Zu diesem Zweck legt Peters Anbaupläne mit vielen verschiedenen Fruchtfolgen an.

Auch die häufig geäußerte Befürchtung, dass Biogasanlagen stinken, kann Dirk Peters entkräften: "Biogasanlagen arbeiten unter Luftabschluss. Sonst überleben die Gas produzierenden Bakterien gar nicht. Deshalb können die Anlagen selbst überhaupt nicht riechen."

Mehr Artenvielfalt im Energiepflanzenfeld

Doch der Landwirt denkt auch darüber nach, wie er seinen Betrieb noch nachhaltiger gestalten kann. So testet er beispielsweise, inwiefern Wildpflanzenmischungen seine Biogasfruchtfolgen auflockern und ökologisch aufwerten könnten. Dirk Peters weiß, dass fast jede Pflanze in Biogasanlagen vergoren werden kann - auch Wildpflanzenmischungen. Diese Mischungen haben über ihre energetische Wirkung hinaus auch einen positiven Einfluss auf die biologische Diversität einheimischer Tier- und Pflanzenarten und auf die Bodengesundheit. 

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim will er nun herausfinden, welche Wildpflanzen-Blühmischungen auf seinen Böden besonders gut gedeihen. Im Fokus ist derzeit eine Mischung aus Ölrettich, Gelbsenf, Leindotter und Buchweizen. An einer weiteren Mischung aus Ölrettich, Senf, Leindotter, Perserklee, Buchweizen, Phazelia, Wicken und Sonnenblumen wird gearbeitet. 

"Nach ihrer Blütezeit, könnten wir die Mischungen ernten und dann als Substrat mit in die Biogasanlage einbringen", so der Plan des Landwirts. Die Zukunft im Energiepflanzenfeld soll bunt sein.


Weitere Informationen

Praxis-agrar.de: Energiepflanzen für die Biogaserzeugung

Umweltbundesamt (UBA): Erneuerbare Energien in Zahlen

Fachverband Biogas: So funktioniert eine Biogasanlage

Bundeswirtschaftsministerium (BMWi): Informationsportal Erneuerbare Energien


Bild mit Schafen und Schäfer am Hang

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