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Woher kommen unsere Weihnachtsbäume?

Jedes Jahr stellen Millionen von Deutschen einen Weihnachtsbaum in ihr Wohnzimmer. Doch wo und wie wächst der eigentlich?

Bis sie ihren Weg in unsere Wohnzimmer antreten, wachsen die meisten Weihnachtsbäume 12 bis 14 Jahre in einer Weihnachtsbaumplantage heran.
Quelle: Animaflora via Getty Images

Ein Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist für die meisten undenkbar: Mehr als jeder zweite deutsche Haushalt stellt sich zum Fest einen Baum ins Wohnzimmer – das sind jedes Jahr 20 bis 21 Millionen Weihnachtsbäume.

Mit 80 Prozent aller verkauften Weihnachtsbäume ist die Nordmanntanne hierzulande die mit Abstand beliebteste Baumart. Sie hat alles, was man von einem Weihnachtsbaum erwartet: Eine gleichmäßige Wuchsform, weiche, sattgrüne Nadeln und einen angenehmen Duft. Weiterer Pluspunkt: Die Nordmanntanne nadelt nur wenig.

Neben der Nordmanntanne hat nur noch die Blaufichte größere Bedeutung in Deutschland. Ihr Marktanteil liegt bei etwa 15 Prozent. Eher selten zu finden sind dagegen Rot- und Weißtanne, Nobilistanne oder Koreatanne.

Die wenigsten Weihnachtsbäume kommen aus dem Wald

Der allergrößte Teil unserer Weihnachtsbäume stammt aus speziell dafür angelegten Plantagen.
Quelle: landpixel.de

Nur sehr wenige Weihnachtsbäume, meist Fichten oder Weißtannen, stammen aus Forstbetrieben. Meist kommen aber auch diese Bäume nicht direkt aus dem Wald, sondern werden auf Sonderflächen im Wald, meist unter Strom- oder auf Leitungstrassen, angebaut. Nur sehr wenige Bäume werden im Rahmen von Waldpflegemaßnahmen direkt aus dem Wald entnommen.

Weihnachtsbäume aus Plantagen sind der Standard

Die allermeisten Weihnachtsbäume stammen aus speziell dafür angelegten Weihnachtsbaumkulturen – auch Plantagen genannt. Doch bevor die Bäume in solchen Plantagen zur Verkaufsreife gebracht werden, durchlaufen sie verschiedene Stationen: Die ersten zwei Jahre verbringen sie als Sämlinge im Saatbeet einer Baumschule.

Anschließend werden sie umgepflanzt und stehen für ein oder zwei weitere Jahre im sogenannten Verschulbeet, bevor sie dann als drei- oder vierjährige Bäume in das endgültige Weihnachtsbaum-Quartier verpflanzt werden. Hier braucht der Baum dann noch einmal neun bis zehn Jahre, ehe er als vermarktungsfähiger Baum verkauft werden kann.

Pflege und Ernte

Zu Beginn wachsen die Bäume eher langsam. In dieser Zeit konzentriert sich die Pflege vor allem auf die Unkrautregulierung, die Düngung und den Pflanzenschutz.

Der Unkrautbeseitigung kommt im Weihnachtsbaumanbau eine besondere Bedeutung zu. Denn Unkräuter, meist Gräser, konkurrieren mit den Bäumen – insbesondere mit den kleinen – um Wasser, Licht und Nährstoffe. Zwischen den Bäumen wachsendes Unkraut muss daher regelmäßig beseitigt werden. In den meisten Weihnachtsbaumplantagen setzt man dafür Herbizide ein. Einige Betriebe, insbesondere Biobetriebe, mähen das Unkraut aber auch mit der Sense oder lassen Shropshire-Schafe auf den Flächen weiden. Schafe dieser Rasse fressen das Gras rund um die Bäume sauber ab, ohne die Tannentriebe anzuknabbern. Ganz nebenbei düngen sie mit ihren Ausscheidungen dabei auch noch den Boden.

Ab dem sechsten Standjahr werden die Bäume dann durch verschiedene Maßnahmen in Form gebracht. In der Regel sind das Schnittmaßnahmen. Wichtig ist aber auch die sogenannte Terminalverkürzung. Dabei wird auf mechanische Weise mithilfe von Spezialzangen der Saftstrom im Baum gehemmt. Dies sorgt dafür, dass das Spitzenwachstum verlangsamt und der Abstand zwischen den Astreihen gleichmäßig gehalten wird.

Geerntet werden Nordmanntannen in der Regel mit einer Größe von zwei Metern. Da seit einigen Jahren aber auch zunehmend kleinere Bäume mit Größen zwischen 1,50 und 1,75 Metern nachgefragt werden, findet die Ernte teilweise auch schon früher statt.

Wann ist ein Weihnachtsbaum besonders umweltfreundlich?

Wo kommt mein Baum her?

Laut Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger (BWS) stammen 90 Prozent aller hierzulande verkauften Weihnachtsbäume aus heimischem Anbau – Tendenz steigend. Denn die Nachfrage nach heimischen, regional erzeugten Weihnachtsbäumen nimmt von Jahr zu Jahr zu, so der BWS. Die Bäume, die importiert werden, stammen zu etwa 90 Prozent aus Dänemark. Weitere Einfuhrländer sind Frankreich, Polen und Belgien.

Wer Umwelt und Klima möglichst wenig belasten will, sollte beim Kauf in erster Linie darauf achten, dass der Baum aus der Region stammt. Denn je kürzer die Transportwege, desto umwelt- und klimafreundlicher ist der Baum. Falls Sie unsicher sind, fragen Sie vor dem Kauf, woher der Baum stammt. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie den Baum beim Erzeuger gleich selber schlagen. Wenn Sie dafür allerdings erst viele Kilometer mit dem Auto fahren müssen, ist es mit der Klimafreundlichkeit auch schnell wieder dahin.

Eine Übersichtskarte, wo man in Deutschland Weihnachtsbäume selber schlagen kann, gibt es bei Proplanta: Karte - Weihnachtsbäume selber schlagen

Diese Karte deckt jedoch bei weitem nicht alle Verkaufsstellen ab. Viele Städte und Gemeinden stellen Listen mit Anbietern zum Selberschlagen ins Netz. Diese sind mit Suchbegriffen wie "Weihnachtsbaum selber schlagen" und der Eingabe des Wohnortes meist schnell zu finden. 

Öko-Weihnachtsbäume

Um die Unkrautbekämpfung kümmern sich in Öko-Weihnachtsbaumplantagen häufig Shropshire-Schafe.
Quelle: Weihnachtsbaumhof Schulte-Göbel

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, sollte Ausschau nach einem ökologisch erzeugten Weihnachtsbaum halten. Anbauer solcher Weihnachtsbäume müssen sich – wie alle ökologischen Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe – an die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung oder die noch strengeren Richtlinien der deutschen Öko-Anbauverbände halten. Erkennbar sind ökologisch erzeugte Weihnachtsbäume am deutschen oder EU-Biosiegel und den Siegeln der Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland.

Ökologische Weihnachtsbäume werden unter Verzicht auf die Anwendung von Mineraldüngern sowie chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmitteln angebaut. Das Unkraut wird entweder mechanisch mit der Sense oder durch Schafbeweidung klein gehalten.

Wo kann ich einen Öko-Weihnachtsbaum kaufen?

Eine Liste mit Anbietern von Öko-Weihnachtsbäumen gibt es auf der Seite des Umweltverbands Robin Wood oder bei der Initiative Bioweihnachtsbaum.

Derzeit sind Öko-Weihnachtsbäume noch sehr selten zu finden. Durch das wachsende Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher an solchen Bäumen nimmt das Angebot aber seit einigen Jahren kontinuierlich zu. Laut Umweltverband Robin Wood, gibt es deutschlandweit rund 500 Verkaufsstellen. Weihnachtsbäume aus ökologischer Land- oder Waldwirtschaft sind in der Regel nicht oder nicht viel teurer als konventionell erzeugte. Achten Sie aber auch beim Kauf eines Ökobaums darauf, dass er aus der Region stammt.

Fair Trees

Gelegentlich findet man Nordmanntannen, die mit dem "Fair Trees"-Label ausgezeichnet sind. Dahinter steckt eine dänische Initiative, die sich dafür einsetzt, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen der Zapfenpflücker und ihrer Familien in Georgien verbessert werden. Das hat folgenden Hintergrund: Das Saatgut, aus dem die Sämlinge der Nordmanntanne gezogen werden, stammt zum größten Teil aus georgischen Wäldern. Die Zapfen, in denen die Samen stecken, befinden sich in den Spitzen der bis zu 30 Meter hohen Bäume, wo sie von den meist schlecht bezahlten Zapfenpflückern ohne ausreichende Sicherung geerntet werden.

Wer einen "Fair Trees"-Baum kauft, sorgt über den Mehrpreis dafür, dass die Zapfenpflücker einen angemessenen Lohn und Kletterausrüstung nach EU-Standard erhalten. Das Fair-Trees Label ist kein Öko-Zeichen. Fair Trees-Samen stammen zwar von ökologisch zertifizierten Bäumen, werden aber auch an konventionelle Weihnachtsbaum-Anbauer verkauft. Nur dann, wenn Fair Trees-Samen unter ökologischen Bedingungen weiterkultiviert werden, entstehen daraus später auch Bio-Weihnachtsbäume.


Weitere Informationen

Oekolandbau.de: Warum sollten Weihnachtsbäume Bio sein?

Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland: Baumkunde

Fair Trees


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