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Besuch bei der Legehennenhalterin

Hühner füttern und Eier sammeln – damit ist es bei weitem nicht getan. Die Aufgaben einer Legehennenhalterin sind äußerst vielfältig.

Hühner picken Futter
Quelle: monticelllo - stock.adobe.com

Etwa 235 Eier verzehrt jeder Bundesbürger jährlich, mit leicht steigender Tendenz. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf stets frische Ware vorfinden, stehen Hühnerhalter sehr früh auf. In der Beelitzer Frischei GmbH, einem Legebetrieb aus Brandenburg, rollen morgens zuerst die Kraftfahrer auf den Hof. Zwischen fünf und sieben Uhr in der Früh verladen sie die Eier und machen sich auf den Weg in die Großstädte Berlin und Potsdam sowie in das Kerngebiet der Mark Brandenburg.

Die Beelitzer Frischei GmbH ist ein Familienbetrieb mit zwei Gesellschaftern. Das Unternehmen verfügt derzeit über ca. 70.000 Legehennenplätze und vermarktet 30 Millionen Eier im Jahr. Es beschäftigt 22 Vollarbeitskräfte, dazu kommen Saisonkräfte und Praktikanten. Damit ist die Beelitzer Frischei GmbH in Deutschland eher ein mittelständisches Unternehmen. Größere Eiererzeuger halten mehrere hunderttausend Legehennen, die größten sogar mehrere Millionen.

Alternative Haltungsformen setzen sich mehr und mehr durch

Als Haltungsform für Legehenne dominiert in Deutschland die Bodenhaltung. Ungefähr  25,5 Millionen der in Deutschland gehaltenen 40 Millionen Legehennen sind in Bodenhaltungen eingestallt. Weitere 7,4 Millionen Tiere leben in Freilandhaltungen. Zunehmend mehr Legehennen werden in Ökobetrieben gehalten (4,2 Millionen). Die Zahl der Tiere in Kleingruppenhaltungen und ausgestalteten Käfigen sinkt dagegen stetig. Sie liegt derzeit bei ungefähr 3,4 Millionen Tieren. Die konventionelle Käfighaltung von Legehennen ist übrigens seit dem 1. Januar 2012 europaweit verboten. Und auch Kleingruppenhaltungen sollen nur noch bis Ende 2025 erlaubt sein.

Auch Sabine Kimmel stellte, als sie vor vielen Jahren das Zepter im Beelitzer Betrieb übernahm, zunächst die Haltungsform um. Statt in Käfigen lebten die Hühner bald in Volieren, einer Variante der so genannten Bodenhaltung. Sie konnten sich nun auf mehreren Ebenen frei im Stall bewegen. Bei der Bodenhaltung dürfen bis zu vier Ebenen übereinander angeordnet sein, die aus Sitzstangen und höher gelegenen Laufflächen bestehen. Maximal 9 Hennen dürfen auf einem Quadratmeter nutzbarer Stallfläche gehalten werden. Bei der Nutzung mehrerer Ebenen sind höchstens 18 Hennen pro Quadratmeter Stallgrundfläche erlaubt. Die Legehennenzahl in einer Gruppe ist auf 6.000 Tiere begrenzt.

"Hier im Speckgürtel von Berlin hatten wir für Eier aus alternativen Haltungsformen von Anfang an gute Vermarktungschancen, auch aufgrund des engen Kontaktes zu unseren Kunden", sagt die Geflügelhalterin. Als die Nachfrage nach Freilandeiern stieg, rüstete Sabine Kimmel die Ställe zunehmend auf Freilandhaltung um. Den Tieren steht hier neben dem Stall tagsüber ein uneingeschränkter Zugang zu einem bewachsenen Auslauf zur Verfügung. Der Auslauf muss 4 Quadratmeter pro Henne betragen, die Auslauffläche darf einen maximalen Radius von 350 Metern haben.

Tägliche Kontrollgänge im Stall

Nicht nur die Kraftfahrer, auch die Tierpfleger starten in Beelitz früh mit ihrer Arbeit. In den Ställen sammeln sie zunächst die verlegten Eier ab. Sie schauen, ob die Tiere vital sind und kontrollieren den Futter- und Wasserverbrauch. Ist beispielsweise der Wasserverbrauch erhöht, kann dies ein Hinweis auf zu hohe Temperaturen im Stall (vor allem in den Sommermonaten) oder auf Gesundheitsprobleme in der Herde sein.

Futter und Wasser erhalten Legehennen in der Regel über automatische Fütterungs- und Tränkesysteme, die sich über die ganze Länge eines Stalles ziehen und für die Tiere frei zugänglich sind. Gefüttert werden die Tiere mit einem speziellen Futter, dass sich in seiner Zusammensetzung konsequent am Nährstoffbedarf der Tiere orientiert. Da sich der Nährstoffbedarf während der Legezeit kontinuierlich verändert, variiert auch die Zusammensetzung des Futters. So sind die Tiere immer gut versorgt.

Der Beelitzer Betrieb bezieht sein Futter von einem Mischfutterproduzenten aus Niedersachsen, der sich auf die Herstellung von Geflügelfutter spezialisiert hat. Das Unternehmen verzichtet, wie viele andere Betriebe auch, auf gentechnisch verändertes Futter. Je nach Haltungsform machen die Futterkosten in der Legehennenhaltung übrigens rund zwei Drittel der Produktionskosten je Ei aus.

Haltungsbedingungen optimieren

Wenn das Stallpersonal seine Runden dreht, nimmt es auch das Gefieder der Legehennen in Augenschein. Ideal ist ein intaktes Federkleid, das möglichst über die gesamte Legeperiode hinweg erhalten bleibt. Ein solches Federkleid schützt die Hennen vor Wärmeverlusten und vermeidet einen erhöhten Futterverzehr. Ein schlechtes Gefieder kann Hinweis auf das unerwünschte Federpicken sein, eine Verhaltensanomalie bei Legehennen. 

Hühnerhalterinnen und -halter sind deshalb stets bestrebt, die Haltungsbedingungen zu optimieren, um Stress bei den Tieren zu vermeiden. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die richtige Ernährung der Hennen eine sehr große Rolle spielt", sagt Sabine Kimmel. Das Unternehmen variierte deshalb mit verschiedenen Futterkomponenten, um die Hennen in jeder Leistungsphase optimal versorgen zu können. "Wir arbeiten auch mit Kräutern wie Oregano. Dieser macht die Tiere unter anderem widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten."

Die gute Be- und Entlüftung der Ställe sei ein weiterer wichtiger Punkt, wenn es um die Vermeidung von Stress bei den Tieren geht. Zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten wie das Aufhängen von Säcken mit natürlichen Saftfuttermitteln (Futtermöhren) oder das Ausstreuen von Getreidekörnern in die Einstreu sind nach Ansicht der Fachfrau nur das I-Tüpfelchen im Management einer Legehennenherde.

Gute Qualität bei den Junghennen

Großen Einfluss auf die Gesundheit und Vitalität der Legehennen hat die Qualität der Junghennen. Legehennenhalter kaufen diese Tiere von spezialisierten Betrieben zu, denn in der Geflügelwirtschaft herrscht Arbeitsteilung. Wenn die Tiere beispielsweise in die Beelitzer Ställe einziehen, sind sie zwischen 16 und 18 Wochen alt. Im Alter von 20 bis 22 Wochen beginnen sie mit dem Eierlegen. "Wir brauchen ruhige, robuste Tiere mit einem guten Ausgangsgewicht", erklärt Kimmel. "Sie müssen gesund sein und über ein entsprechendes Futteraufnahmevermögen verfügen."

Junghennen sollten ungefähr 2 Kilogramm wiegen, wenn sie mit dem Legen beginnen. Wenn alle Voraussetzungen stimmen, können Hennen der so genannten Legerassen heute 310 bis 330 Eier in einem Jahr legen. Im Alter von zwei Jahren lässt ihre Leistung deutlich nach. Nach ihrer Legeperiode werden die Tiere vorwiegend für die Lebensmittelindustrie geschlachtet und als Suppenhühner vermarktet. Im Supermarkt angebotene Suppenhühner sind meist 12 bis 15 Monate alt.

Ausläufe pflegen

Nicht nur im Stall, sondern auch in den Ausläufen der Freilandhaltungen müssen Hühnerhalter regelmäßig Hand anlegen. Das Augenmerk gilt hier vor allen Dingen den nassen Stellen rund um die Tränken oder den Pfützen im Auslauf. Diese müssen trockengelegt werden, um zu verhindern, dass sich Parasiten (zum Beispiel Würmer) oder andere Infektionserreger anreichern, die in der Folge zu Erkrankungen führen könnten. Weil Hennen sich gern in der Nähe des Stalles aufhalten und diesen Bereich mit Kot und Nährstoffen anreichern und auch die Grasnarbe zerstören, müssen Legehennenhalter den Boden im stallnahen Bereich regelmäßig austauschen. Auch das gehört zu den Arbeiten auf einem Legebetrieb.

Das Ziel aller dieser Maßnahmen sind gesunde und vitale Legehennen. Denn bei einem im Krankheitsfall notwendigen Einsatz von Medikamenten könnten die Eier aufgrund von gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten nur noch sehr eingeschränkt vermarktet werden. Für den Betrieb wäre das mit großen finanziellen Einbußen verbunden.

"Hennen zu halten erfordert spezielles Wissen", sagt Sabine Kimmel. In ihrem Betrieb legt sie deshalb viel Wert auf qualifiziertes Personal. "Viele unserer Mitarbeiter sind ausgebildete Geflügelzüchter oder haben einen landwirtschaftlichen Beruf erlernt. Darüber hinaus schulen wir unsere Angestellten ständig und ermöglichen ihnen den Erfahrungsaustausch mit Kollegen."

Umfangreiche Kontrollen für qualitätsgesicherte Eier

Um Frische und gute Qualität gewährleisten zu können, verwenden Eiererzeuger einen enormen technischen und zeitlichen Aufwand darauf, ihre Eier tiergerecht und sicher zu produzieren. Der Beelitzer Betrieb etwa arbeitet nach den Vorgaben des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) und des International Featured Standards (IFS), die beide strenger als die staatlichen Richtlinien sind. "Es geht uns um die Qualität und um die Sicherheit unserer Produkte und aller Herstellungsprozesse", unterstreicht Sabine Kimmel.

Um nach den Standards des KAT und des IFS zertifiziert zu werden, muss der Betrieb seine gesamte Herstellungspraxis transparent machen. Das beginnt bereits beim Sortieren der Eier. Diese werden in ihrer Stückzahl und Herkunft exakt erfasst, um zu vermeiden, dass Haltungsformen vermischt werden. So wird geprüft, ob die Eier richtig geprintet wurden und ob das deklarierte Mindesthaltbarkeitsdatum stimmt.

Darüber hinaus werden alle Handlungs- und Arbeitsabläufe dokumentiert, kritische Punkte benannt und Mechanismen zu deren Abstellung eingerichtet. Dazu zählt beispielsweise das Eichen der Waage in der Eiersortieranlage. Auch Hygiene- und Betriebsmittel werden auf ihre Lebensmitteltauglichkeit hin kontrolliert.

Alle Vorgänge im Betrieb müssen lückenlos rückverfolgbar sein. "Wir müssen in der Lage sein, die Herkunft eines x-beliebigen Eies aus unserem Betrieb, das jemand im Supermarkt gekauft hat, innerhalb von vier Stunden zurückzuverfolgen, um es gegebenenfalls zurückrufen zu können", sagt die Betriebsleiterin.

Die Einhaltung der Standards werde einmal im Jahr von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft. "Die Prüfer stellen dann drei Tage lang alles im Betrieb auf den Kopf", so Sabine Kimmel. In der Beelitzer Frischei-GmbH kümmert sich daher eine Arbeitskraft allein um die Qualitätssicherung. Ungefähr 20 Dokumentationsblätter hat sie täglich zu führen. Viele Eiererzeuger in Deutschland praktizieren diese strenge Form der Qualitätssicherung.


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