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Dem Imker über die Schulter geschaut

Bienen produzieren nicht nur Honig und Wachs, sie bestäuben auch Obstbäume und zahlreiche andere Pflanzen. Imkerinnen und Imker sorgen dafür, dass die fleißigen Insekten gesund durchs Jahr kommen. 

Imker zeigt eine Mittelwand eines Bienenstocks.
Imker zeigt eine Mittelwand eines Bienenstocks.
Quelle: Dominic Menzler - BLE

Die Biene gilt als das kleinste, aber wichtigste Nutztier. Sie ist sehr leistungsfähig und ein echter Teamplayer. In einem Bienenvolk arbeiten alle Bienen zusammen und jedes Tier übernimmt bestimmte Aufgaben. Sie sind auf Futterquellen angewiesen, die ausreichend Nektar und Pollen bringen. Die Erntemenge je Volk und Jahr beträgt im Durchschnitt 20 bis 30 Kilogramm. Produziert wird ein Vielfaches davon, das die Bienen jedoch im Laufe des Jahres selbst verbrauchen. Außerdem sammeln die Insekten mindestens 25 bis 30 Kilogramm Pollen.

In Deutschland gibt es rund 900.000 Bienenvölker, die von Imkerinnen und Imkern betreut werden. Das Interesse an der Bienenhaltung in Deutschland wächst. Inzwischen haben auch viele Stadtbewohner ihre Liebe zu den sanftmütigen Insekten entdeckt und halten Bienenvölker in den Städten. "Urban beekeeping" ist ein trendiges Hobby geworden, das auch viele junge Leute begeistert. Im Jahr 2018 gab es nach Angaben des Deutschen Imkerbundes in Deutschland etwa 135.000 Imkerinnen und Imker, die Tendenz ist steigend.

Bienen verlangen Zeit und Sachkenntnis

Die Arbeit des Imkers besteht nicht nur darin, den Honig, den die Bienen sammeln, zu ernten. Es verlangt sehr viel Zeit, die Honigbienen sachgerecht zu betreuen und zu führen, wie es in der Fachsprache heißt. Ein wichtiger Job, denn in Zeiten, da hohle Baumstämme immer seltener werden, der Befallsdruck durch die eingeschleppte Varroamilbe aber umso höher ist, würde ein Honigbienenvolk in der freien Natur nicht lange überleben.

Thomas Hans, Imker aus Herxheim in der Nähe von Landau in der Pfalz, bildet seit vielen Jahren Jungimkerinnen und -imker aus und freut sich, dass immer mehr Menschen Interesse an den Bienen haben. Der überwiegende Teil betreibt die Imkerei als Hobby, nur ein Prozent der Imker in Deutschland arbeiten im Haupterwerb. "Man braucht 150 bis 250 Völker, um davon leben zu können", sagt Hans.

Wenn im Frühjahr die ersten Obstbäume blühen, beginnt in der Regel auch der Flug der Bienen. "Ab Temperaturen von 12 Grad Celsius fliegen die ersten Bienen", so Imker Hans. Im April blühen die ersten Kirschbäume, und auch die Saalweide trägt Blüten, die die Bienen gerne anfliegen. Die anderen Obstbäume folgen, und auf den Äckern zeigt sich das erste Gelb der Rapsblüte.

Dann beginnt auch für die Imkerinnen und Imker die arbeitsreiche Zeit. "Das Bienenvolk vermehrt sich, wenn ausreichend Futter da ist. Wichtig ist, dass der Imker nachschaut, ob es der Königin nach dem Winter und dem Überwintern gut geht", erklärt Hans. Denn die Königin hat eine wichtige Aufgabe im Bienenstaat: sie legt bis zu 2.000 Eier am Tag und steuert mit ihren Duftstoffen viele Vorgänge der Gemeinschaft.

Denn auch, wenn es für den Betrachter so aussieht, als würde ein einziges Durcheinander herrschen, geht es im Bienenstock sehr geordnet zu. Jede Biene hat ihre Aufgabe, und sie arbeiten Hand in Hand. Die Arbeitsbienen kümmern sich um die Nahrungssuche, bauen Waben und pflegen die Brut. Die männlichen Bienen, die Drohnen, dienen einzig zur Fortpflanzung und sind auf das Futter der Arbeitsbienen angewiesen.

Variabler Wohnraum im Bienenstock

Bienen werden heute überwiegend in Kästen aus Holz oder Styropor gehalten. Ab Mai vermehren sich die Bienen sehr schnell, so dass der Imker immer wieder durch Einhängen neuer Mittelwände und Ausbau des Honigraumes Platz schaffen muss. "Mindestens einmal in der Woche sollte der Imker jetzt nach seinen Bienen schauen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist", erklärt Thomas Hans. Da die Bienen zu Schwarmbildung neigen, kann es auch einmal passieren, dass ein Schwarm abgeht.

Auch Krankheiten können vorkommen, beispielsweise die anzeigepflichtige Amerikanische Faulbrut. Eine ernste Bedrohung für die heimischen Bienen ist die Varroamilbe, die nach Europa eingeschleppt wurde. Gegen die Varroamilbe setzen die meisten Imkerinnen und Imker mindestens zweimal im Jahr nach der Honigernte organische Säuren wie Ameisen- oder Milchsäure ein, einmal im August und dann noch einmal im Winter.

Bienen leisten wertvolle Bestäubungsarbeit

Die Königin legt bis zu 2.000 Eier pro Tag, je nach Trachtangebot. Der eingetragene Pollen und Nektar werden für die Aufzucht der Bienenlarven und zur Selbstversorgung gebraucht. Was sie selber nicht brauchen, kann als Honig für den menschlichen Verzehr verwendet werden. Nahrung finden die Honigbienen überall dort, wo Pflanzen blühen: Obstbäume, Laubbäume wie Linden und Akazien, Rapsfelder, Heideflächen und auch ungefüllt bldie Blumen in den Gärten bieten einen reich gedeckten Tisch.

Doch durch den Wandel in der Landwirtschaft und in der Gesellschaft werden diese Nahrungsquellen immer weniger. Auf den Äckern und an den Ackerrändern wachsen weniger Wildblumen, in den Kulturen werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die die Bienen schädigen können, und viele Gärten werden heute ohne Blumen angelegt.

"Die Landwirtschaft ist Gefahr und Lösung zugleich", sagt Imker Thomas Hans. Durch persönliche Absprachen zwischen Landwirt und Imker sei es sehr wohl möglich, die Bienen auch in intensiv geführten Obst- und Rapsbeständen fliegen zu lassen. "Wichtig ist, sie vor dem Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen aus dem Bestand zu nehmen." Wenn die Bienen in der Nähe des Bestandes bleiben, wird der Landwirt erst bei Dunkelheit die Maßnahmen durchführen, dann ist der Bienenflug beendet.

Außerdem können Wasserangebote in der Nähe der Bienenstände verhindern, dass Bienen bei heißen Temperaturen die mit Pflanzenschutzmitteln versetzten Wassertropfen auf den Kulturpflanzen aufnehmen. Die Anstrengungen lohnen sich, denn letztendlich profitieren beide Seiten vom Einsatz der Biene: Der Imker bekommt Honig, und die Biene bestäubt die Pflanzen und sorgt so für einen höheren Fruchtansatz.

Eine Biene fliegt ungefähr drei Kilometer weit, um Tracht zu sammeln. Viele Wildbienen hingegen haben nur einen Flugradius von etwa 150 Metern. Durch gezielt angelegte Blühstreifen oder mit entsprechenden Blühmischungen angelegte Brachflächen sowie durch bienenfreundliche Zwischenfrüchte wie Phacelia lässt sich das Nahrungsangebot für die Bienen deutlich erweitern und verlängern.

Cover der Broschüre "Ohne Bienen keine Früchte"

BZL-Broschüre

Ohne Bienen keine Früchte

Bienen liefern nicht nur Wachs und Honig, sie bestäuben auch fast 80 Prozent der Nutzpflanzen. Die Broschüre vermittelt einen Einblick in die faszinierende Welt der Bienen.

Zur Broschüre

Sortenreine Honige sind gefragt

"Wir setzen die Bienen mindestens viermal um, einerseits, um den Bienen immer ausreichend Futter zu geben, aber auch, um sortenreine Honige zu gewinnen", berichtet Thomas Hans. Der Honigverkauf macht etwa 80 Prozent der Einnahmen aus, die anderen 20 Prozent erwirtschaftet er aus dem Verkauf von Nebenprodukten der Honiggewinnung, wie Blütenpollen, Bienenbrot, Propolis, Gelée royale oder Bienenwachs. 

In Deutschland müssen bei der Verarbeitung und Vermarktung viele Vorschriften und Qualitätsrichtlinien eingehalten werden. Aber nur rund 30 Prozent der in Deutschland verbrauchten Honigmenge, 2018 immerhin gut 90.000 Tonnen, werden direkt in Deutschland erzeugt. Der überwiegende Teil des Honigs wird also importiert. "Es ist zu beobachten, dass immer mehr Verbraucher Honig direkt beim Imker kaufen. Die Käufer können sicher sein, ein hochwertiges, reines und gesundes Produkt zu kaufen", so Hans.

Die Honigernte

Der Honig wird etwa von Mai bis August geerntet. Nach dem letzten Schleudern im Jahr wird zudem aufgefüttert, beispielsweise mit Zuckerteig oder Stärkesirup. Es werden nur die Honigwaben entnommen, die die Bienen nicht für die eigene Ernährung benötigen. Der richtige Zeitpunkt für die Honigernte ist etwa drei bis sieben Tage nach Ende einer Tracht gekommen, also dann, wenn die Blühzeit am Standort der Bienen beendet ist. Dann ist der Honig "reif", der Gehalt an Wasser im Honig liegt in der Regel zwischen 18 und 20 Prozent. Zu erkennen ist dieser Zustand daran, dass die Bienen mindestens zwei Drittel der Zellen auf einer Honigwabe mit Wachs verdeckelt haben. Dann ist der Honig aus Sicht der Bienen lagerfähig. 

Der Imker entnimmt die Honigwaben früh morgens, bevor die Bienen ausfliegen und frischen Nektar einlagern, der die Honigqualität beeinträchtigen kann. Damit ihn die Bienen nicht stechen, trägt der Imker einen Schutzanzug.

Die hiesigen Honigbienen sind in der Regel sehr friedfertig, da darauf bei der Königinnenzucht großer Wert gelegt wird. Um sie zusätzlich zu beruhigen, kann mithilfe einer Pfeife oder eines Rauchgeräts ein Waldbrand simuliert werden. Die Bienen füllen in der Folge ihre Honigblase – der Vorrat für eine möglicherweise notwendige Flucht – und ein voller Magen beruhigt bekanntlich.

Die Honigwaben werden dem Honigraum entnommen. Sitzen Bienen darauf, werden sie mit einer Art Handfeger abgefegt. Oder der Imker hat am Tag zuvor eine Bienenflucht in den Kasten eingesetzt, der verhindert, dass die Bienen in den Honigraum gelangen. Die Honigwaben werden in ein bienendichtes Transportbehältnis gehängt und zur weiteren Verarbeitung mit nach Hause genommen. 

Imker und Honig unterliegen bei der Ernte der Lebensmittelhygiene-Verordnung. Deshalb achten Imkerinnen und Imker bei der Verarbeitung streng auf Sauberkeit. Die Wabendeckel aus Wachs müssen entfernt werden, bevor der Honig in einer Schleuder aus den Waben mittels Zentrifugalkraft gelöst wird.

Nach dem Schleudern wird der flüssige Honig von Verunreinigungen getrennt, die sich oben absetzen. Der Honig fängt nach dem Ausschleudern an auszukristallisieren – manche Sortenhonige sehr schnell, andere erst nach vielen Monaten. Damit die sich dabei bildenden Zuckerkristalle möglichst klein sind und der Honig cremig wird und später streichfähig bleibt, muss der Honig gerührt werden. Dann ist der cremige Honig fertig und wird abgefüllt.

Winterruhe im Bienenstock

Auch nach dem letzten Schleudern, fällt noch einmal Honig an.  "Die Bienen brauchen für den Winter Honig für die Brut und für sich selbst", erklärt Imker Hans. Deshalb lässt er ihnen einen Teil der Waben im Stock. Wenn das Futterangebot im Herbst nicht ausreicht, gibt er ihnen eine Zuckerlösung, damit sie ihre Wintervorräte anlegen können. "Denn im Winter nehmen sie kein anders Futter auf", weiß er. Für den Notfall hält er immer mindestens zwei Honigwaben pro Bienenvolk vor, um sie in den Bienenstock zu hängen. 

Die Winterbienen leben fünf bis sechs Monate lang und haben die Aufgabe, die Königin in den Wintermonaten warm zu halten. Sie bilden eine dichte Traube um die Königin herum. "Die Bienen bleiben mindestens vier Monate im Stock, bevor sie im Frühjahr wieder fliegen." Während die Bienen im Bienenstand Winterruhe halten, macht der Imker die Arbeitsgeräte für das neue Bienenjahr einsatzbereit, streicht und repariert die Bienenkästen, drahtet Rähmchen und zieht Mittelwände ein. Damit ist er bestens auf das neue Bienenjahr vorbereitet. 


Weitere Informationen

Praxis-agrar.de: Bienenhaltung


Honig

1,1 Kilogramm Honig essen die Deutschen im Schnitt pro Jahr – für Nachschub sorgen 135.000 Imkerinnen und Imker mit etwa 900.000 Bienenvölkern.

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