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Warum wird Ackerland immer teurer?

Seit dem Jahr 2008 haben sich Pacht und Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen mehr als verdoppelt. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Traktor legt auf dem Acker eine Dammkultur an.
Die Preise für hochwertiges Ackerland haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Quelle: Jürgen Beckhoff

Ackerland ist kostbar. Und es wird immer kostbarer. In einigen Regionen Bayerns zahlt man für einen einziger Hektar inzwischen über 100.000 Euro. Zwischen 2008 und 2018 sind die Preise für Ackerflächen in Bayern und Niedersachsen um 156 Prozent gestiegen. Im bundesdeutschen Durchschnitt lag der Anstieg bei 120 Prozent. In Ostdeutschland war der Preiszuwachs im gleichen Zeitraum mit 216 Prozent sogar noch höher, allerdings bei deutlich niedrigeren Ausgangspreisen.

Auch bei der Pacht landwirtschaftlicher Nutzflächen müssen Betriebe deutlich tiefer in die Tasche greifen. Allein zwischen 2013 und 2016 zogen die Pachtpreise im bundesweiten Durchschnitt um 23 Prozent an. In Nordrhein-Westfalen werden mit durchschnittlich 700 Euro pro Hektar die höchsten Preise gezahlt. In einigen Regionen sind sogar Pachten von über 1.000 Euro pro Hektar üblich.

Ackerland wird immer knapper

Für den großflächigen Anbau von Energiepflanzen benötigten viele Betriebe zusätzliche Flächen.
Quelle: Jan-Otto via Getty Images

Auch wenn es zwischen den Bundesländern zum Teil erhebliche Unterschiede gibt, zeigt der Trend bei den Preisen für Acker- und Grünland überall in Deutschland deutlich nach oben. Für diese Entwicklung gibt es unterschiedliche Gründe. Der wichtigste ist, dass Ackerfläche nicht vermehrbar ist. Das heißt, bei steigender Nachfrage steigen automatisch auch die Preise. Gleichzeitig wird das Angebot immer knapper. Allein von 2004 bis 2019 gingen in Deutschland über 650.000 Hektar Agrarfläche für den Bau von Siedlungen, Gewerbegebieten und Straßen verloren, bei einer Gesamtfläche von etwa 16,6 Millionen Hektar.

Ein weiterer Grund für den Preisanstieg ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das den Betrieben 20 Jahre lang feste Abnahmepreise für nachhaltig erzeugten Strom aus Biogasanlagen, Solar- und Windkraftanlagen garantiert. Ab dem Jahr 2007 investierten deshalb viele Betriebe in den Bau einer Biogasanlage. Neben Gülle entwickelte sich Mais zum wichtigsten Substrat für die Stromerzeugung aus Biogas.

Um ausreichende Mengen bereitstellen zu können, dehnten die meisten Betriebe ihren Maisanbau aus. Dafür benötigten sie häufig zusätzliche Flächen, für die sie aufgrund der sicheren Einnahmen aus der Stromerzeugung höhere Preise zahlen konnten.

Tierhaltende Betriebe brauchen Flächen

Wenn sie ihren Tierbestand erhöhen, benötigen tierhaltende Betriebe zusätzliche Flächen für die Gülleausbringung oder müssen die überschüssige Gülle an andere Betriebe abgeben.
Quelle: Countrypixel - stock.adobe.com

Auch die zunehmend strengeren gesetzlichen Vorgaben für die Ausbringung von Gülle steigerten die Nachfrage nach Flächen. Denn tierhaltende Betriebe müssen je nach Größe des Tierbestandes eine gewisse Fläche nachweisen. Im Zuge des Strukturwandels vergrößerten die meisten Betriebe ihre Tierbestände. Mit jedem Wachstumsschritt wächst aber auch ihr Flächenbedarf. Gerade bei der Pacht konkurrieren diese Betriebe häufig untereinander um die verfügbaren Flächen. Deshalb liegen die Pachtpreise vor allem in Regionen mit intensiver Nutztierhaltung, etwa in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, besonders hoch.

Beim Kauf landwirtschaftlicher Flächen trägt noch ein weiterer Faktor zum Preisanstieg bei: die Spekulation. Denn im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 gingen die Zinsen stark zurück, weshalb viele Investoren aus anderen Wirtschaftsbereichen Agrarland als Kapitalanlage entdeckten. So wurden im Jahr 2015 in Niedersachsen etwa 30 Prozent der gehandelten Flächen von Nichtlandwirten gekauft. Eine Studie des Thünen-Instituts in zehn ostdeutschen Landkreisen zeigte für das Jahr 2017, dass mehr als ein Drittel der Flächen in diesen Regionen überregional aktiven Investoren gehören.

In den letzten Jahren hat sich der Preisanstieg verlangsamt. Allerdings ist die Nachfrage nach Bauland und Gewerbeflächen ungebrochen hoch, genauso wie der Flächenbedarf wachstumswilliger Betriebe. Auch das Zinsniveau wird auf absehbare Zeit niedrig bleiben, was Agrarflächen weiterhin als Renditeobjekt für Investoren interessant macht. Mit einer Trendumkehr und fallenden Flächenpreisen ist deshalb vorerst nicht zu rechnen. Vor allem Familienbetriebe werden deshalb weiterhin Schwierigkeiten haben, ihren Hof weiterzuentwickeln, weil sie sich zusätzliche Flächen schlicht nicht leisten können.

Letzte Aktualisierung: 2. Januar 2021


Weitere Informationen

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL): Der landwirtschaftliche Bodenmarkt in Deutschland

Umweltbundesamt (UBA): Struktur der Flächennutzung

Deutscher Bauernverband (DBV): Situationsbericht 2020/21 – Boden- und Pachtmarkt

Thünen-Institut: Der landwirtschaftliche Bodenmarkt – Entwicklung, Ursachen, Problemfelder (PDF)


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