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Wie steht es um die Vielfalt von Nutztieren und Nutzpflanzen?

Die früher große regionale Vielfalt an Nutztierrassen sowie Nutzpflanzenarten und -sorten in der Landwirtschaft ist stark zurückgegangen.

Weltweit gibt es über 5.000 Kartoffelsorten. In Deutschland sind rund 200 Speisekartoffelsorten zugelassen. Im Lebensmitteleinzelhandel beschränkt sich die Vielfalt jedoch meist auf etwa zehn Sorten.
Quelle: goldhafen / Getty Images

Im Mai 2019 hat der Bericht des UN-Weltbiodiversitätsrates (IPBES) über den Zustand der weltweiten Artenvielfalt für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Laut IPBES sind von den geschätzten acht Millionen Tier- und Pflanzenarten rund eine Million vom Aussterben bedroht, viele davon bereits in den nächsten Jahrzehnten. Das sind mehr als je zuvor in der gesamten Geschichte der Menschheit.

Der Weltbiodiversitätsrat zeichnet in dem Bericht ein Bild des Zustands der Artenvielfalt insgesamt. Doch wie steht es um die Vielfalt von landwirtschaftlichen Nutztieren und Nutzpflanzen?

Auch dort sieht es nicht viel besser aus, wie in einer Anfang 2019 veröffentlichten Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu lesen ist. So wird von den rund 7.745 bekannten lokale Nutztierrassen und etwa 6.000 Nutzpflanzenarten (mit unzählbar vielen Sorten) heute leider nur noch ein Bruchteil genutzt.

Mehr als ein Viertel aller Nutztierrassen weltweit bedroht

Das Blonde Wollschwein ist die "Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2019"
Quelle: Repin (GEH)

Die FAO gibt in ihrer Studie zur Biodiversität in der Landwirtschaft an, dass 26 Prozent der weltweit erfassten lokalen Nutztierrassen vom Aussterben bedroht sind. Es darf angenommen werden, dass der Anteil noch höher liegt, denn von 67 Prozent aller Nutztierrassen ist der Risikostatus nicht einmal bekannt.

In Deutschland liegt der Anteil gefährdeter einheimischer Nutztierrassen bei den für die Landwirtschaft bedeutenden Arten Rind, Pferd, Schwein, Schaf und Ziege seit Jahren bei etwa 70 Prozent. Im Jahr 2017 waren es 54 von 77 Rassen, die teilweise akut gefährdet waren.

Drei Pflanzenarten stellen über 50 Prozent der weltweiten Nahrungsenergie

Die FAO-Studie gibt auch Auskunft über den Zustand der Nutzpflanzenvielfalt: Von den weltweit rund 6.000 Nutzpflanzenarten haben aktuell nur etwa 200 eine ernstzunehmende Relevanz für die Nahrungsmittelerzeugung.

Mit nur neun Kulturen werden derzeit 66 Prozent der weltweiten Ernte bestritten: das sind Zuckerrohr, Mais, Reis, Weizen, Kartoffeln, Sojabohnen, Ölpalmen, Zuckerrüben und Maniok.

Über 50 Prozent der für die menschliche Ernährung weltweit benötigten Nahrungsenergie wird sogar nur aus drei Pflanzenarten erzeugt: Mais, Reis und Weizen.

Auch in Deutschland wird von den potentiell anbaubaren Kulturpflanzenarten nur noch ein Bruchteil genutzt. Die verstärkte Spezialisierung und Intensivierung in Landwirtschaft und Gartenbau nach dem zweiten Weltkrieg hat dazu geführt, dass immer weniger Kulturpflanzenarten und -sorten angebaut wurden.

Laut Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) sind hierzulande in den vergangenen 150 Jahren rund 75 Prozent der insgesamt 7.000 heimischen Gemüsearten und -sorten verloren gegangen, Weitere 16 Prozent gelten als gefährdet ("Rote-Liste-Sorten"), das heißt, sie sind nur noch als Saatgut in Genbanken oder bei verschiedenen Saatgutinitiativen zu finden.

Vielfalt erhalten

Um diese Entwicklung aufzuhalten und ein möglichst hohes Maß an Vielfalt zu bewahren, gibt es auf internationaler wie auf nationaler Ebene intensive Bemühungen - von der Förderung von Projekten zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung in der Landwirtschgaft über den Aufbau von Erhaltungsgärten und Genbanken bis hin zum globalen Saatguttresor auf Spitzbergen, der über 800.000 Ntzpflanzen-Muster beherbergt.

Aber auch im Kleinen kann man etwas für den Erhalt der Vielfalt tun. Sei es durch den Einkauf bei Landwirtinnen und Landwirten, die gezielt auf alte Sorten und Rassen setzen oder sei es im heimischen Garten bei der Auswahl des Saatguts.


Weitere Informationen

FAO: The State of the World’s Biodiversity for Food and Agriculture (engl.)

Praxis-agrar.de: IPBES-Bericht -Extremer Artenverlust hat gravierende Folgen

GENRES - Informationssystem Genetische Ressourcen


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