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Zucker

Jeder Deutsche nimmt im Schnitt etwa 34 Kilogramm Zucker pro Jahr zu sich. Um diese Menge herzustellen, braucht man über 300 Zuckerrüben.

Eine Zuckerrübe speichert etwa 15 bis 20 Prozent ihres Gewichts als Zucker ein.
Quelle: Thomas Stephan - BLE

Mehr als drei Viertel des weltweit erzeugten Zuckers ist Rohrzucker. Während außerhalb Europas fast ausschließlich Zuckerrohr geerntet wird, werden in der EU nur Zuckerrüben angebaut. Hauptanbauländer sind seit Jahren Frankreich, Deutschland und Polen.

Der Wegfall der EU-Zuckerquote im Oktober 2017 führte in Deutschland zu erheblichen Zuwächsen bei der Anbaufläche und der Zuckererzeugung. Mit dem Wegfall der Zuckerquote war es für viele Landwirtinnen und Landwirte im Jahr 2017 ein Anreiz, den Anbau von Zuckerrüben auszudehnen.

Die EU-Zuckerquote

Bis Oktober 2017 regelte die europäische Zuckermarktordnung in einer festgelegten Quote, wie viel Zucker in Deutschland erzeugt werden durfte. Ziel war es, die Versorgung der heimischen Märkte zu sichern und die Hersteller in der EU vor den Mengen- und Preisschwankungen am Weltmarkt zu schützen und damit die Rentabilität des Rübenanbaus in der EU zu sichern. Durch die Abschaffung der Zuckerquote erhalten Landwirtinnen und Landwirte keine Mindestpreise mehr für ihre Rüben, haben aber durch die ebenfalls weggefallenen Exportbeschränkungen für EU-Zucker freien Zugang zum Weltmarkt.

Da die Zuckerrübenfabriken lukrative Vertragskonditionen anboten, um die Produktionskapazitäten maximal auszulasten, bauten viele Landwirtinnen und Landwirte ihre Anbauflächen aus. Zudem stiegen teilweise auch Betriebe neu in den Zuckerrübenanbau ein, was zuvor aufgrund der Quotenregelung nicht möglich war.

Die Anbaufläche für Zuckerrüben stieg daher zwischen 2016 und 2018 um 24 Prozent auf 413.300 Hektar. Damit wurden auf gut 3,5 Prozent der Ackerfläche Zuckerrüben angebaut.
Die Zuckererzeugung stieg im Wirtschaftsjahr 2017/18 gegenüber dem Vorjahr gar um rund 37 Prozent auf 5,197 Millionen Tonnen. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker liegt in Deutschland bei knapp 34 Kilogramm pro Jahr.

Für die Herstellung von einem Kilogramm reinem Zucker braucht man etwa neun bis zehn Zuckerrüben. Für diese Menge Rüben wird eine Anbaufläche von circa einem Quadratmeter benötigt. Während der gesamten Wachstumsphase speichert die Rübe 15 bis 20 Prozent ihres Gewichts als Zucker ein.

Anbau von Zuckerrüben und Herstellung von Zucker daraus in Deutschland 2010-2017
Quelle: BLE

Anbau

Zuckerrüben wachsen am besten im warmen, gemäßigten Klima und mögen tiefgründige sandig-lehmigen Böden. Weniger geeignet sind sehr schwere, nasse und kalte Böden. Zuckerrüben sind sehr effektive Pflanzen, sie nutzen die Sonneneinstrahlung bis in den späten Herbst und wandeln die Sonnenenergie unter anderem in Zucker um.

Auch mit Wasser gehen Zuckerrüben im Vergleich zu anderen Kulturen sehr sparsam um. Nichtsdestotrotz sind sie auf eine ausreichende Wasserversorgung angewiesen, um genügend Zucker in ihren Zellen einzulagern. Deshalb werden Zuckerrüben in vielen Regionen beregnet, um den Ertrag abzusichern.

Was ist eine Fruchtfolge?

Als Fruchtfolge bezeichnet man den wechselweisen Anbau von landwirtschaftlichen Hauptkulturen wie Zuckerrüben, Getreide, Mais oder Kartoffeln über mehrere Jahre. Dabei ist die Vorfrucht jeweils die Kultur vor der im Augenblick angebauten Hauptfrucht. Aufgelockert wird die Fruchtfolge durch Zwischenfrüchte zwischen den Hauptkulturen, die aus Gründen der Bodenfruchtbarkeit oder der besseren Nährstoffausnutzung angebaut werden.

Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist der Zuckerrübenanbau ein wichtiges Glied in der Fruchtfolge. Sie sind eine gute Vorfrucht für Getreide wie Winterweizen, der noch im Herbst gesät wird oder für Sommergetreide, das im Frühjahr gesät wird. Mit sich selbst verträglich sind Zuckerrüben dagegen aufgrund einiger Krankheiten und Schädlingsübertragung weniger. Sie brauchen deshalb eine mehrjährige Anbaupause innerhalb der Fruchtfolge.

Über das Winterhalbjahr werden oft Zwischenfrüchte angebaut, die sozusagen als Nährstoffspeicher dienen. Sie sorgen dafür, dass die Nährstoffe über den Winter nicht aus dem Boden ausgewaschen werden, sondern auch im Frühjahr noch zur Verfügung stehen.

Ab Ende März bis Mitte April werden dann die Zuckerrüben gesät. Immer häufiger wird dabei das pfluglose Mulchsaatverfahren angewandt, bei dem das Stroh und die Pflanzenreste der Vorfrucht und der Zwischenfrüchte an der Bodenoberfläche bleiben und so die Bodenoberfläche vor Austrocknung und Erosion schützen. Der Rübensamen wird nicht wie das Weizenkorn nackt ausgesät, sondern mit mehreren Schichten mit schützenden Substanzen gegen Fraßschädlinge und Krankheiten umhüllt. So entsteht eine Saatgutpille wie wir sie etwa bei Gemüsesaatgut für den heimischen Garten auch kennen.

Für eine gute Jugendentwicklung brauchen die Zuckerrüben ausreichend Wärme zum Keimen, Frost mögen sie dagegen gar nicht. Nach der Aussaat wird das Zuckerrübenfeld mit einer Hacke mechanisch oder mit chemischem Pflanzenschutz behandelt, damit die ebenfalls auflaufenden Beikräuter nicht die Überhand gewinnen und die jungen Rübenpflänzchen in ihrem Wachstum ausbremsen. Auf einem Hektar wachsen zwischen 80.000 und 100.000 Rübenpflanzen.

Ernte

Geerntet werden sie in der Regel ab Mitte September bis Ende Dezember mit einem Zuckerrübenvollernter. Diese mehrreihige Erntemaschine köpft die Blätter vom Wurzelkörper und rodet die Rüben. Danach werden sie am Feldrand kontrolliert zu einem Haufen aufgeschüttet – der sogenannten Zuckerrübenmiete.

Von dort aus werden sie zu festgelegten Zeitpunkten mit einem Überladeband in Transportfahrzeuge geladen und in die Zuckerrübenfabrik transportiert. Das Zudecken der Rübenmiete ab November mit einem Vlies vermindert die Zuckerverluste während der Lagerung.

Gewinnung

In der Zuckerfabrik werden die Rüben gewaschen und in kleine Rübenschnitzel geschnitten. Danach wird mithilfe von heißem Wasser der Zucker aus den Schnitzeln extrahiert. Der auf diesem Wege gewonnene Saft enthält etwa 16 Prozent Zucker und wird weiter gereinigt, um die verbliebenen Nichtzuckerstoffe zu entfernen.

Durch Verdampfungskristallisation wird schließlich der Saft nach und nach eingedickt und solange gesiedet, bis ein zähflüssiger Sirup entsteht. In Kristallisatoren wird der Sirup vom Zucker getrennt. Der Zucker wird in einer Zentrifuge mit heißem Wasser gespült und dann getrocknet. 

Verwendung

Von dem in Deutschland erzeugten Zucker wird der größte Teil (56 Prozent im Jahr 2016/17) von Verarbeitungsbetrieben genutzt, vor allem in der Erfrischungsgetränke-, Süß- und Backwarenindustrie. Nur etwa ein Siebtel wird in haushaltsüblichen Gebinden (meistens 1 Kilogramm-Packungen) als Raffinadezucker oder Weißzucker vermarktet - überwiegend über den Einzelhandel, aber auch über den Großhandel oder direkt an Endverbraucher. Auch werden nicht alle Zuckerrüben tatsächlich zu Zucker weiterverarbeitet.

So wurde im Wirtschaftsjahr 2016/17 rund 7 Prozent der Rübenerntemenge zur Bioethanolproduktion verwendet. Für die Verwertung in der Biogasanlage werden ebenfalls Zuckerrüben angebaut, da Zucker hier schnelle Energie für die methanbildenden Bakterien liefert.


Weitere Informationen

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Lebensmittelkunde - Zucker

BR alpha (Video): Die Zuckerrübe


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