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Für mehr Tierwohl: Haltungskriterien im Überblick

Landwirtschaftliche Nutztiere sollten so gehalten werden, dass sie gesund sind und ihr natürliches Verhalten ausleben können.

Legehennen in Freilandhaltung
Legehennen in Freilandhaltung
Quelle: landpixel.de

Immer mehr Verbraucher lehnen eine intensive Nutztierhaltung mit nicht tiergerechten Haltungsbedingungen ab. Wenn es nach ihren Wünschen ginge hätten Rinder, Schweine & Co. frische Luft, Licht und ausreichend Platz zur Verfügung. Sie fordern daher grundsätzlich ein höheres Maß an Tierwohl in der Landwirtschaft. Doch die Begriffe Tierwohl, Tierschutz und Tiergerechtheit werden oft als Synonyme verwendet.

Trotz Überschneidungen bedeuten sie nicht dasselbe: Der Begriff Tiergerechtheit bezieht sich auf Management und Haltungsverfahren und beschreibt, inwiefern ein Haltungssystem Wohlbefinden ermöglicht. Während sich Tierschutz auf die Aktivitäten des Menschen bezieht, Tiere zu schützen, wie etwa durch Gesetze, steht bei Tierwohl die Perspektive des Tieres im Vordergrund. Der Begriff Tierwohl umfasst die Bereiche Haltung, Gesundheit und Wohlbefinden. Die Tiere müssen also gesund sein, sollen sich artgemäß verhalten können und möglichst wenig Stress ausgesetzt sein. Haltungssysteme, die ein hohes Tierwohlniveau erreichen, können als tiergerecht bezeichnet werden.

Wer prüft wie es den Tieren geht?

Auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen wurden Instrumente entwickelt, die Landwirte anwenden können, um den Zustand ihrer Tiere zu überprüfen. Denn seit der Änderung des Tierschutzgesetzes 2014 sind Tierhalter aufgefordert, im Rahmen einer betrieblichen Eigenkontrolle Tierschutzindikatoren in ihrem Bestand zu erheben und zu bewerten. Hierfür prüfen sie bei Geflügel beispielsweise unter anderem der Zustand der Fußballen, des Gefieders oder der Haut. Der Landwirt kann dann abschätzen, ob durch Managementmaßnahmen Einschränkungen beim Tierwohl entgegengesteuert werden muss. Seit 2016 gibt es stalltaugliche Leitfäden für die Tierarten Rind, Schwein und Geflügel, die vom Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) herausgegeben werden.

Im Biolandbau gibt es eigenständige Entwicklungen: Die EU-Ökoverordnung enthält zwar konkrete Vorgaben etwa zu Weidegang, Einstreu oder der Liegeboxengröße, der tatsächliche Zustand der Tiere, also Gesundheit und Verhalten, bleibt aber unberücksichtigt. Daher hat die Arbeitsgemeinschaft Tierwohl der deutschen Bioanbauverbände Bioland, Gäa, Naturland und Biokreis 2014 ein Prüfsystem entwickelt, das im Rahmen der Öko-Kontrolle auf tierhaltenden Betrieben dieser Verbände angewendet wird. Bei dem sogenannten Tierwohl-Check überprüfen Kontrolleure anhand von Schlüssel-Indikatoren z.B. den Zustand des Gefieders bei Geflügel, die Verschmutzung von Rindern oder Verlustraten in der Ferkelaufzucht.

Kennzeichnung von Produkten mit einem höheren Maß an Tierwohl

Die gesetzliche Grundlage für die Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere ist die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Doch sie gibt keine verbindlichen Standards in Sachen Tierwohl vor. Daher wird seit einigen Jahren ein staatliches Label gefordert, mit dem tierische Produkte gekennzeichnet werden können, die nach höheren Tierwohlstandards erzeugt wurden, als das gesetzliche Mindestmaß, das aus Tierschutzsicht unzureichend ist.

1. Stufe: Einstiegsstufe

Der Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel ist bei allen Tierarten verboten. Außerdem muss den Tieren mehr Platz zur Verfügung gestellt werden: Für Schweine müssen die Funktionsbereiche für Liegen, Fressen und Koten sichtbar getrennt sein, pro Kuh muss eine komfortable Liegebox und ein Fressplatz vorhanden sein, bei Mastgeflügel sind ein Außenklimabereich sowie Strukturelemente wie Sitzstangen verpflichtend und Legehennen bekommen ein zusätzliches Sandbad. Eingriffe an Tieren, wie das betäubungslose Kastrieren der Eber oder das Kupieren der Schnäbel bei Legehennen, sind nicht zulässig. Das betäubungslose Veröden der Hornanlage der Kälber ist verboten. Vor einem geplanten Transport zur Schlachtung muss der Landwirt sicherstellen und dokumentieren, dass die Kuh nicht trächtig ist.

2. Stufe: Premiumstufe

In der zweiten Labelstufe kommen zusätzlich unter anderem Außenklimabereiche, Zugang zu Auslauf oder Freilandhaltung sowie bei den Schweinen Stroheinstreu hinzu.

Alle NEULAND-Tiere werden nach strengen Richtlinien artgerecht gehalten. Sie haben ganzjährig Auslauf ins Freie, liegen auf Stroh, bekommen nur heimische, gentechnisch nicht veränderte Futtermittel zu fressen, tierische Futtermittel wie Fisch- oder Tiermehl sind ebenso verboten wie Antibiotika oder andere Leistungsförderer in der Fütterung. Neben diesen allgemeingültigen Richtlinien gelten für die verschiedenen Tierarten weitere, spezielle Anforderungen.

Verglichen mit dem Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" erfüllt NEULAND mit seinen Vorgaben die Anforderungen der Premiumstufe des Labels problemlos, in einigen Bereichen liegen die NEULAND-Standards sogar darüber.

Grundlage für die Bio-Tierhaltung ist die EU-Verordnung Ökologischer Landbau. Sie schreibt eine flächengebundene Tierhaltung vor. Das bedeutet, dass der zulässige Tierbesatz von der vorhandenen Fläche abhängt. Außerdem hat die Tierhaltung artgerecht zu erfolgen, das bedeutet beispielsweise Auslauf oder Weidegang, ein Verbot ausschließlicher Haltung auf Spaltenböden oder die präventive Antibiotika-Gabe. Je nach Tierart gibt es detaillierte Vorgaben wie beispielsweise bestimmte Einstreu, Sitzstangen, Staubbäder, Wasserbecken, Wühlflächen usw. Die Richtlinien der deutschen Öko-Anbauverbände Bioland, Naturland, Demeter, Biopark, Gäa, Biokreis und Ecoland gehen teilweise über diese Mindestvorgaben hinaus:

Laut EU-Verordnung soll das Futter für die Tiere überwiegend im eigenen oder einem anderen Bio-Betrieb in der Region erzeugt werden. Ist nicht genügend Futter in Öko-Qualität verfügbar, können auch konventionelle Futtermittel verwendet werden. Bioland und Naturland schreiben beispielsweise vor, dass mindestens 50 Prozent des Gesamtfutters aus dem eigenen Betrieb oder einer regionalen Kooperation mit einem anderen Verbands-Erzeuger stammen muss. Nur wenn kein Bioland-Futter verfügbar ist, kann anderes Öko-Futter zugekauft werden. Zum Platzbedarf der einzelnen Tiere machen die Verbände detaillierte Angaben, die teilweise über die EU-Vorgaben hinausgehen. Für den (Schlacht-)Transport von Nutztieren verbietet die EU-Bio-Verordnung den Einsatz von Elektroschockern und herkömmlichen Beruhigungsmitteln. Den Verbänden zufolge dürfen die Tiere maximal vier Stunden lang bzw. 200 km weit transportiert werden.

Als erster Anbauverband hat Naturland eine ausführliche Richtlinie für Transport und Schlachtung von Tieren erlassen. Sie soll sicherstellen, dass vom Verladen bis zur Schlachtung auf das Wohl der Tiere geachtet wird. Insbesondere sind Stress, Schmerz und Angst der Tiere nach Möglichkeit zu vermeiden.

Die Tierhaltungsstandards der Bioprodukte entsprechen ungefähr denen der Premiumstufe des Tierschutzlabels des Deutschen Tierschutzbundes.

Haltungskriterien im Überblick

Masthühner

MasthühnerGesetzliche BestimmungenFür mehr Tierschutz EinstiegsstufeFür mehr Tierschutz Premiumstufe NeulandEU-ÖkoverordnungBioland Naturland Demeter
Gruppengrößek.A.max. 4800max. 4800max. 4800max. 4800max. 4800
Besatzdichtemax. 39kg/m2 und 25 Tiere/m2max. 25 kg/m2 und 15 Tiere/m2max. 21 kg/m2 und 10 Tiere/m2max. 21 kg/m2 und 10 Tiere/m2max. 21 kg/m2 und 10 Tiere/m2max. 21 kg/m2 und 10 Tiere/m2
AuslaufNicht vorgeschriebenKaltscharrraumGrünauslauf mit 4m2/TierGrünauslauf mit 4m2/TierjaGrünauslauf mit 4m2/Tier
Einstreu-flächendeckendflächendeckendflächendeckendmind. 1/3 der Flächemind. 1/3 der Fläche
Mastdauer32-46 Tagek.A.mind. 56 Tagemind. 56 Tagemind. 81 Tagemind. 81 Tage
Transportdauerk.A.max. 4 hmax. 4 hk.A.k.A.max. 200 km und 4h


Legehennen

LegehennenGesetzliche BestimmungenFür mehr Tierschutz EinstiegsstufeFür mehr Tierschutz PremiumstufeNeulandEU-ÖkoverordnungBioland Naturland Demeter
Gruppengrößemax. 6000 Tieremax. 3000 Tieremax. 3000 Tieremax. 1500 Tieremax.3000 Tiere max. 3000 Tiere
Besatzdichtemax. 9 Tiere/m2max. 7 Tiere/m2max. 7 Tiere/m2max. 6 Tiere/m2max. 6 Tiere/m2max. 6 Tiere/m2
AuslaufKaltscharraumKaltscharraumFreilandauslauf mit 4m2/Tierganzjähriger Freilandauslauf mit 4m2/TierFreilandauslauf mit 4m2/TierFreilandauslauf mit 4m2/Tier


Mastschweine

MastschweineGesetzliche BestimmungenFür mehr Tierschutz EinstiegsstufeFür mehr Tierschutz PremiumstufeNeulandEU-ÖkoverordnungBioland Naturland Demeter
Flächenbedarf (Gewichtsabhängig)mind. 0,5-1m2/Tiermind. 0,55-1,60m2/Tiermind. 0,5-1,50m2/Tiermind.0,5-1,60m2/Tiermind.0,8-1,50m2/Tiermind. 0,8-1,50m2/Tier
Einstreunicht vorgeschriebenim Liegebereichim Liegebereichflächendeckendim Ruhebereichim Ruhebereich
Auslaufnicht vorgeschriebenk.Amin. 0,3-0,8m2/Tiermind. 0,3-0,8m2/Tiermind. 0,6-1,2m2/Tiermind. 0,6-1,2m2/Tier
Schwanzkupierenerlaubtverbotenverbotenverbotenverbotenverboten
Betäubungslose Kastrationerlaubtverbotenverbotenverbotenverbotenverboten
Transportdauermax. 24hmax. 200 km und 4 hmax. 200 km und 4 hmax. 4 hk.A.max. 200 km und 4 h


Mastrinder

MastrinderGesetzliche BestimmungenFür mehr Tierschutz Einstiegsstufe Für mehr Tierschutz Premiumstufe NEULAND EU-Ökoverordnung Bioland Naturland Demeter
Platzangebotk.A.--mind. 1-5m2/Tiermind. 1,5-5m2/Tiermind. 1,5-5m2/Tier
Auslaufnicht vorgeschrieben--mind. 0,75m2/je 100kgmind. 1,1-3,7m2/Tiermind. 1,1-3,7m2/Tier
Anbindehaltungerlaubt--verbotenGenehmigung erforderlichverboten
Kälber enthornen ohne Schmerzausschaltungerlaubt--verbotenk.A.verboten
Transportmax. 29h--max. 200km und 4hk.A.max. 200km und 4h


Milchkühe

MilchküheGesetzliche BestimmungenFür mehr Tierschutz Einstiegsstufe Für mehr Tierschutz PremiumstufeNeulandEU-ÖkoverordnungBioland Naturland Demeter
Platzangebotmind. 6m2/Tier

mind. 6m2/Tiermind. 6m2/Tier-mind. 6m2/Tiermind. 6m2/Tier
Auslaufnicht vorgeschriebenk.A.ganzjährig der Zugang zum Außenklima-Freilandauslauf mit mind. 4,5m2/TierFreilandauslauf mit mind. 4,5m2/Tier
Anbindehaltungerlaubtverbotenverboten-Genehmigung erforderlichGenehmigung erforderllich
Lebensleistungk.A.k.A. mind. 3,3 Laktationen-k.A.k.A.
Kälber enthornen ohne Schmerzausschaltungerlaubtverbotenverboten-k.A.verboten
Transportmax. 29hk.A.k.A.-k.A.max. 200 km und 4 h