Wie wirkt sich der Klimawandel auf die landwirtschaftliche Anbaufläche aus?
Letzte Aktualisierung: 31. August 2026
Extremwetter und veränderte Anbaubedingungen machen Flächen für den Ackerbau zunehmend ungeeignet. Welche Kulturen und Regionen betroffen sind und wie sich die Landwirtschaft anpasst.
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In Kürze
- Für viele Nutzpflanzen steht in Zukunft weniger geeignete Anbaufläche zur Verfügung.
- Flächenverluste entstehen auch durch den Klimawandel.
- Der Klimawandel ändert Witterung und Anbaubedingungen und lässt Böden an Fruchtbarkeit verlieren.
- Besonders betroffen sind subtropische und tropische Regionen, aber auch in gemäßigten Breiten gehen geeignete Anbauflächen verloren.
- Die Folgen zeigen sich bereits heute in sinkenden Erträgen und steigenden Anbaurisiken.
- Mit verschiedenen technischen und ackerbaulichen Maßnahmen kann die Landwirtschaft den Flächenverlusten entgegenwirken.
Landwirtschaftliche Flächen stehen weltweit unter Druck. Nicht nur die Konkurrenz mit Siedlungs- und Gewerbeflächen schränkt das Angebot von Ackerland ein. Auch der Klimawandel verändert die landwirtschaftlichen Anbauflächen: Flächen, die heute noch gut für den Anbau von Nutzpflanzen geeignet sind, könnten künftig deutlich an Produktivität verlieren oder für bestimmte Kulturen sogar ganz wegfallen.
Weltweit wird rund ein Drittel der Landfläche landwirtschaftlich genutzt – als Acker- oder Weideland. Das entspricht insgesamt circa 4,8 Milliarden Hektar (Stand 2023). Doch nicht jede dieser Flächen wird künftig noch in gleichem Umfang nutzbar sein. Nach einer Analyse der FAO (Food and Agriculture Organization) könnten bis zum Jahr 2100 viele wichtige Nutzpflanzen wie Weizen, Kaffee und Bohnen bis zur Hälfte der heute optimal geeigneten Anbauflächen verlieren. Als wichtige Ursache gelten die Folgen des Klimawandels.
Wie wirkt der Klimawandel auf landwirtschaftliche Böden?
Der Klimawandel verändert die Eigenschaften landwirtschaftlicher Böden und kann ihre Fruchtbarkeit langfristig verringern. Dadurch verlieren bisher gut geeignete Ackerflächen an Ertragsfähigkeit oder lassen sich nur noch mit größerem Aufwand bewirtschaften:
Langanhaltende Hitzeperioden und Trockenheit führen dazu, dass viele Böden zunehmend austrocknen. Durch die erhöhten Temperaturen kommt es zudem zu einer verstärkten Mineralisation – also zur Umwandlung von organischer Substanz in anorganische – und damit einem Abbau von Humus. Das wiederum schwächt die Fähigkeit des Bodens, Wasser und Nährstoffe zu halten und verringert seine Struktur und Stabilität. Der Boden kann dann leichter durch Wind und Wasser abgetragen werden und erodiert. Damit sinkt auch die Bodenfruchtbarkeit.
Gleichzeitig nehmen mit dem Klimawandel Starkregenereignisse zu. Gerade bei ausgetrockneten Böden steigt dann die Gefahr von Bodenerosion noch weiter an: In den ausgetrockneten Böden kann das Wasser nicht versickern, es fließt oberflächlich ab und nimmt dabei große Mengen fruchtbarer Erde mit sich.
Auch langanhaltende Regenphasen können Böden schädigen: Wenn der Boden in feuchtem Zustand mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen befahren wird, hält seine Struktur der Belastung nicht stand und er verdichtet sich. Das führt zu Staunässe, Luftmangel und in der Folge zu Ertragseinbußen.
Nach Angaben der Welthungerhilfe lässt sich beobachten, dass Böden im globalen Norden vor allem durch Verdichtung geschädigt sind, im globalen Süden durch Erosion.
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Steigende Anbaurisiken machen Flächen ungeeignet
Der Klimawandel verändert nicht nur die Böden, sondern auch weitere Anbaubedingungen vieler Kulturpflanzen. In vielen Regionen steht während der üblichen Anbauzeiten nicht mehr genug Wasser zur Verfügung und die Pflanzen vertrocknen, bevor sie geerntet werden können. Wenn sich Niederschlagsmuster ändern und Regenzeiten nicht mehr zuverlässig vorhergesagt werden können, kann auch der richtige Zeitpunkt für die Aussaat nicht bestimmt werden. Dadurch wird die Planung für landwirtschaftliche Betriebe schwieriger.
Hinzu kommt, dass sich mit den veränderten Temperaturen Schädlinge und Krankheiten ausbreiten. Das erhöht das Risiko von Ernteausfällen zusätzlich.
Insgesamt nimmt die Unsicherheit zu, ob sich bestimmte Kulturen an einem Standort langfristig noch wirtschaftlich anbauen lassen.
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Welche Regionen verlieren landwirtschaftliche Anbauflächen?
Mit dem Klimawandel verschieben sich die Klimazonen - trockene aride Klimazonen dehnen sich aus, während polare Klimazonen schrumpfen. Dadurch verändern sich auch die Gebiete, in denen Nutzpflanzen erfolgreich angebaut werden können.
Nach Angaben des Weltagrarberichtes, werden Afrika, Südasien und Lateinamerika besonders unter dem Klimawandel leiden. Auch wichtige Exportregionen wie der Mittlere Westen der USA, Australien sowie große Teile Chinas und Indiens müssen mittelfristig mit Ernteverlusten rechnen. Betroffen sind damit bedeutende Anbaugebiete für Mais, Soja, Weizen und Reis.
Besonders hart trifft der Klimawandel Regionen in den Anden und im Himalaya, die derzeit durch Schmelzwasser von Gletschern bewässert werden. Während zunächst Überflutungen durch zunehmendes Schmelzwasser drohen, könnte langfristig Wassermangel die Bewässerung vieler Anbauflächen erschweren. Aus den peruanischen Anden werden vor allem frische Früchte wie Blaubeeren und Avocados, aber auch Kaffee exportiert, aus dem Himalaya zum Beispiel Tee und Kaffee. Zudem ist zu befürchten, dass sich der Regengürtel in den Tropen verschiebt, was zu Anbaurisiken und Wassermangel in dicht besiedelten Gebieten führen würde.
In einigen nördlichen Regionen Europas, Asiens und Nordamerikas könnten sich dagegen vorübergehend neue Anbaumöglichkeiten ergeben. Mit fortschreitender Erwärmung dürften jedoch auch dort Extremwetterereignisse und Wasserknappheit zunehmen, sodass dieser Vorteil nach heutigem Kenntnisstand nicht dauerhaft sein wird.
Welche Nutzpflanzen verlieren Anbauflächen?
Nach Angaben der FAO (Food and Agriculture Organization) könnten mehrere für die weltweite Ernährung bedeutsame Kulturen bis zum Jahr 2100 deutlich an Anbaufläche verlieren. Grundlage ist eine Studie, die für neun ausgewählte Nutzpflanzen die zukünftige Eignung ihrer Anbaugebiete unter unterschiedlichen Klimaszenarien simuliert hat.
Besonders betroffen wären demnach Weizen, Bohnen, Maniok, Kaffee und Kochbananen. Für sie könnte sich die geeignetste Anbaufläche bis zum Ende dieses Jahrhunderts halbieren. In den Tropen und Subtropen wären alle neun untersuchten Kulturen von einem Rückgang der Flächen betroffen, darunter auch Reis, Hirse und Zuckerrohr. Aber auch in gemäßigten Breiten würden die geeigneten Anbauflächen für Weizen, Mais und Bohnen zurückgehen. Nach Angaben des Weltagrarberichts hat zudem die Produktivität der Vieh- und Weidewirtschaft in afrikanischen Gebieten klimabedingt bereits nachgelassen.
Zwar könnten sich in anderen Gebieten neue Anbauflächen erschließen, die zuvor klimatisch ungeeignet waren. Nach der FAO-Analyse sei dies aber nur für Mais und Reis zu erwarten und nur über einen begrenzten Zeitraum. Diese beiden Kulturen können auch in für sie neuen Gebieten gut wachsen, wenn ausreichend hohe Temperaturen herrschen und die Wasserversorgung gewährleistet ist. Andere Kulturen wie Kaffee oder Maniok stellen deutlich höhere Ansprüche an Klima, Boden und Luftfeuchtigkeit und lassen sich nicht ohne Weiteres in andere Regionen verlagern.
Auch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) geht davon aus, dass eine höhere CO2-Konzentration in der Atmosphäre und höhere Temperaturen in nördlichen Regionen zeitweise zu besseren Erträgen führen, beispielsweise für Weizen und Reis in Skandinavien. Dieser Effekt ist aber laut der Prognose der FAO-Studie nur vorübergehend, wenn der Klimawandel fortschreitet.
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Wirkt sich der Klimawandel bereits heute auf die Flächenerträge aus?
Der Klimawandel führt nicht nur dazu, dass geeignete Anbauflächen verloren gehen. Auch auf weiterhin nutzbaren Flächen können die Erträge sinken. Eine Studie der Universität Minnesota kommt zu dem Ergebnis, dass die Erträge von zehn wichtigen Nahrungspflanzen heute bereits durch den Klimawandel beeinflusst werden Die Forschenden simulierten, wie die Erträge vergangener Jahre unter den heutigen klimatischen Bedingungen ausgefallen wären.
Demnach fallen die Erträge dieser Kulturen weltweit im Durchschnitt bereits jetzt um etwa ein Prozent geringer aus, als das ohne den Einfluss des Klimawandels der Fall gewesen wäre. Je nach Pflanzenart liegt der Wert zwischen einem Rückgang um 13,4 Prozent und einem Zuwachs von 3,5 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang in Regionen, in denen die Ernährungssicherheit ohnehin schon gefährdet ist.
Je nachdem, wie sich die Erderwärmung in der Zukunft entwickelt, ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend verstärkt. Eine Studie der Universität Arizona geht davon aus, dass ein Grad Erderwärmung mit einer Abnahme der globalen Erträge der untersuchten Hauptnahrungspflanzen um drei bis sieben Prozent einhergeht.
Wie lassen sich landwirtschaftliche Anbauflächen erhalten?
Um landwirtschaftliche Flächen auch dort weiter nutzen zu können, wo der Klimawandel und damit einhergehende veränderte klimatische Bedingungen den Anbau erschweren, setzt die Landwirtschaft auf unterschiedliche Anpassungsstrategien. Sie reichen von einem besseren Bodenschutz über ein angepasstes Wassermanagement bis hin zu neuen Kulturarten und klimaresilienten Sorten.
Bewässerung und Wassermanagement
Die Autorinnen und Autoren der FAO-Studie empfehlen in erster Linie Bewässerung, um die Flächeneignung trotz zunehmender Trockenheit aufrechtzuerhalten. Sie gehen davon aus, dass die nutzbare Anbaufläche dadurch erheblich gesteigert werden kann. Tatsächlich hat auch in Deutschland schon die bewässerte Fläche in der Landwirtschaft zugenommen. Je nach Kultur können auch Drainagen oder Schattierung sinnvoll sein. Für Kaffee könnte sich die geeignete Anbaufläche durch Schattierung um bis zu 20 Prozent vergrößern.
Es bieten sich jedoch auch weitere Maßnahmen an, um sich an Klimaveränderungen anzupassen und landwirtschaftliche Flächen weiterhin nutzen zu können:
Humusaufbau
Um die Böden widerstandsfähig gegen die zunehmende Erwärmung zu machen und sie vor Erosion zu schützen bietet es sich an, ihren Humusgehalt zu erhöhen. Der Humus stabilisiert das Bodengefüge und erhöht die Fähigkeit, Wasser- und Nährstoffe zu speichern. Ein dauerhafter Humusaufbau ist langwierig, verbessert den Boden aber nachhaltig und hat viele weitere positive Wirkungen, wie eine Förderung des Bodenlebens und Verbesserung des Mikroklimas.
Agroforst
Auf Agroforstflächen werden niedrigwachsende Nutzpflanzen mit Bäumen und Sträuchern kombiniert. Die Gehölze schützen den Boden vor Wind- und Wassererosion und verbessern das Mikroklima durch die Beschattung und Verdunstung. Der Boden wird tiefer durchwurzelt. Dadurch können auch Nährstoffe aus tieferen Bodenschichten aufgenommen werden.
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Durch die zunehmende Erwärmung lassen sich in einigen Regionen auch Pflanzen kultivieren, denen es dort bisher zu kalt war. So gewinnen inzwischen auch in gemäßigten Zonen Sojabohnen, Hirse oder Erdnüsse an Bedeutung.
Gleichzeitig entwickelt die Pflanzenzüchtung Sorten, die Trockenheit und Hitze besser vertragen und widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge sind. Sie können dazu beitragen, landwirtschaftliche Flächen auch unter veränderten Klimabedingungen langfristig zu erhalten.
Weitere Informationen
Weltagrarbericht: Anpassung an den Klimawandel
Welthungerhilfe: Degradation: Wie Böden, ihr Humusgehalt, Übernutzung und Klima zusammenhängen
praxis-agrar.de: Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft
