Klimaziele: Wo steht die Landwirtschaft?
Letzte Aktualisierung: 17. September 2026
Seit 1990 sind die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft um 29 Prozent gesunken. Wo steht der Sektor heute – und was ist noch möglich?
In Kürze
- 2025 verursachte die Landwirtschaft 60,8 Millionen Tonnen Treibhausgase – 9,4 Prozent der deutschen Gesamtemissionen.
- Seit 1990 sind die landwirtschaftlichen Emissionen um 29 Prozent und damit langsamer als die Gesamtemissionen gesunken.
- Methan und Lachgas entstehen in der Landwirtschaft überwiegend durch biologische Prozesse und lassen sich nicht vollständig vermeiden.
- Bis 2030 gilt die Landwirtschaft bei den Klimazielen nach der derzeitigen Berechnung als auf Kurs.
- Für größere Emissionsminderungen wären kleinere Tierbestände nötig; zugleich müssten Moore, Wälder und Böden mehr Treibhausgase binden.
Klimaneutral heißt nicht emissionsfrei
Klimaneutralität bedeutet nicht, dass dann überhaupt keine Treibhausgase mehr entstehen dürfen. Sie ist erreicht, wenn schwer oder nicht vollständig vermeidbare Restemissionen – etwa Methan und Lachgas aus Tierhaltung und Düngung oder prozessbedingtes Kohlendioxid aus der Kalk- und Zementherstellung – durch natürliche oder technische Senken ausgeglichen werden.
Natürliche Senken sind beispielsweise Wälder und Böden, sofern sie mehr Kohlendioxid aufnehmen als abgeben. Darüber hinaus können technische Verfahren CO2 aus Abgasen oder direkt aus der Luft abscheiden und dauerhaft speichern.
Deutschland will seine Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 senken und bis 2045 klimaneutral werden (siehe Infokasten). Dazu müssen alle Sektoren beitragen – von der Energiewirtschaft über Verkehr und Gebäude bis zur Landwirtschaft.
Laut der offiziellen Emissionsberichterstattung des Umweltbundesamtes nach Klimaschutzgesetz (KSG) verursachte die Landwirtschaft im Jahr 2025 rund 60,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Das entspricht 9,4 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen 2025.
Anders als in den meisten anderen Sektoren entsteht der größte Teil der landwirtschaftlichen Emissionen nicht durch die Verbrennung von Kohle, Öl oder Gas, sondern durch biologische Prozesse. Besonders ins Gewicht fallen Methan aus der Verdauung von Rindern und Lachgas, das vor allem freigesetzt wird, wenn Mikroorganismen Stickstoffverbindungen im Boden umwandeln, die zum Beispiel aus Mineraldünger, Gülle, Mist oder Pflanzenresten stammen.
Hinzu kommen Emissionen aus der Lagerung von Gülle und Mist sowie aus der Verbrennung von Kraftstoffen in landwirtschaftlichen Maschinen und von Brennstoffen zum Beheizen von Ställen und Gewächshäusern. Weitere relevante Quellen sind CO2-Emissionen aus der Kalkung und der Düngung mit Harnstoff und anderen kohlenstoffhaltigen synthetischen Düngern, zum Beispiel Kalkammonsalpeter.
Welche Emissionen werden trotz ihres Landwirtschaftsbezugs nicht dem Landwirtschaftssektor zugerechnet?
In der amtlichen Emissionsbilanz werden Treibhausgasemissionen grundsätzlich dem Sektor zugerechnet, in dem sie unmittelbar entstehen. Deshalb erfasst der Landwirtschaftssektor nicht alle Emissionen, die mit der landwirtschaftlichen Produktion zusammenhängen.
Die CO₂-Emissionen entwässerter landwirtschaftlich genutzter Moorböden werden beispielsweise im sogenannten LULUCF (Land Use, Land Use-Change and Forestry)-Sektor bilanziert, der die Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft umfasst.
Die Emissionen aus der Erzeugung des von landwirtschaftlichen Betrieben verbrauchten Stroms werden der Energiewirtschaft zugerechnet. Bei der Herstellung zugekaufter Betriebsmittel wie Mineraldünger oder Pflanzenschutzmittel entstehen Emissionen vor allem in der Industrie und in der Energiewirtschaft. Werden Strom oder Betriebsmittel im Ausland erzeugt beziehungsweise hergestellt, erscheinen die dabei entstehenden Emissionen in der Bilanz des jeweiligen Landes.
Die Emissionsbilanz des Landwirtschaftssektors bildet daher nicht die gesamte Klimawirkung der landwirtschaftlichen Produktion ab.
Seit 1990 sind die Emissionen der Landwirtschaft um 29 Prozent gesunken
Quelle: Umweltbundesamt
Im Jahr 1990 verursachte der Landwirtschaftssektor noch rund 85,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Seitdem sind die Emissionen um etwa 29 Prozent zurückgegangen.
Besonders stark sanken die Emissionen Anfang der 1990er-Jahre, unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung. Hauptgrund war der deutliche Rückgang der Tierbestände in den ostdeutschen Bundesländern. Danach gingen die landwirtschaftlichen Emissionen über längere Zeit nur noch langsam zurück.
Seit Mitte der 2010er-Jahre hat sich der Rückgang wieder verstärkt. Dazu trugen vor allem sinkende Rinder- und Schweinebestände sowie der geringere Einsatz von mineralischem Stickstoffdünger bei. Das Umweltbundesamt (UBA) führt die Abnahme der Tierbestände unter anderem auf den beschleunigten Strukturwandel in der Landwirtschaft, ungünstige wirtschaftliche Bedingungen und steigende Anforderungen an Umwelt- und Tierschutz zurück. Zum rückläufigen Mineraldüngereinsatz trugen unter anderem strengere Vorgaben des Düngerechts, die Ausweitung des Ökolandbaus und zeitweise stark gestiegene Düngemittelpreise bei.
Warum sinken die Emissionen der Landwirtschaft langsamer als die Gesamtemissionen?
Während die gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands zwischen 1990 und 2025 um rund 48 Prozent zurückgingen, fiel der Rückgang in der Landwirtschaft mit 29 Prozent deutlich geringer aus. Dadurch stieg der Anteil der Landwirtschaft am deutschen Treibhausgasausstoß von knapp sieben Prozent im Jahr 1990 auf 9,4 Prozent im Jahr 2025.
Wie unterschiedlich sich die einzelnen Sektoren entwickelten, zeigt der Vergleich mit der Abfall- und Energiewirtschaft: Dort sanken die Emissionen seit 1990 um rund 88 beziehungsweise 60 Prozent. Aber auch in der Industrie und im Gebäudesektor gingen sie stärker zurück als in der Landwirtschaft. Nur die Minderung im Verkehr fiel deutlich geringer aus.
Dass die Emissionen in der Landwirtschaft langsamer sinken als in vielen anderen Sektoren, hängt vor allem mit ihrer Entstehung zusammen. Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Heizöl oder Benzin lassen sich grundsätzlich vermeiden, indem fossile Energieträger durch erneuerbare Energie ersetzt werden. In der Landwirtschaft entsteht dagegen ein großer Teil der Emissionen durch biologische Prozesse: Wiederkäuer bilden bei der Verdauung Methan, bei Stickstoffumsetzungen in Böden entsteht Lachgas. Diese Emissionen lassen sich durch kleinere Tierbestände, angepasste Fütterung oder effizientere Düngung zwar verringern, aber nicht vollständig vermeiden, solange Tiere gehalten und Böden bewirtschaftet werden.
Quelle: Faba Photography via Getty Images
Welche Klimaziele gelten für die deutsche Landwirtschaft?
Deutschland hat seine Klimaziele in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst. Mit dem ersten Bundes-Klimaschutzgesetz von 2019 sollten die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken. Für die Landwirtschaft war damals für 2030 eine Emissionsmenge von höchstens 58 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten vorgesehen.
Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts wurden die Ziele 2021 dann noch einmal verschärft. Seitdem gilt: Deutschland soll seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent und bis 2040 um mindestens 88 Prozent gegenüber 1990 senken. Bis 2045 soll Deutschland netto-treibhausgasneutral sein. Der für die Landwirtschaft vorgesehene Wert für 2030 wurde dabei von 58 auf 56 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente abgesenkt.
Bleibt die Landwirtschaft bis 2030 auf Kurs?
Nach den aktuellen Projektionen des UBA wird die Landwirtschaft im Jahr 2030 voraussichtlich 58,2 Millionen Tonnen Treibhausgase verursachen. Damit lägen ihre Emissionen über den 2021 für das Jahr 2030 festgelegten 56 Millionen Tonnen.
Trotzdem gilt die Landwirtschaft nach der derzeit verwendeten Berechnung als auf Kurs. Der Grund: In den Jahren 2021 bis 2025 lagen ihre Emissionen jeweils unter den gesetzlich festgelegten Jahreswerten. Diese Unterschreitungen werden auf die verbleibenden Jahre bis 2030 angerechnet. Dadurch steigt der rechnerische Vergleichswert für 2030 von 56 auf 60,1 Millionen Tonnen. Die erwarteten 58,2 Millionen Tonnen lägen somit darunter.
Wichtig ist: Das Klimaziel wurde nicht politisch von 56 auf 60,1 Millionen Tonnen angehoben. Die 60,1 Millionen Tonnen ergeben sich lediglich aus der gesetzlich vorgesehenen Anrechnung früherer Unterschreitungen.
Warum wurden die Jahreswerte zuletzt so deutlich unterschritten?
Die Landwirtschaft hat ihre Jahreswerte nicht allein durch tatsächliche Emissionsminderungen unterschritten. Ein Teil des rechnerischen Vorsprungs ist auf verbesserte Methoden und Datengrundlagen bei der Emissionsberechnung zurückzuführen. Dadurch werden die Emissionen – auch der vergangenen Jahre – heute teilweise anders ausgewiesen. Vor allem die landwirtschaftlichen Lachgasemissionen fallen nach der neuen Berechnung niedriger aus als zuvor.
Das bedeutet: Die heute ausgewiesenen Werte entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Der rechnerische Rückgang beruht aber nur teilweise auf tatsächlichen Veränderungen in der Landwirtschaft – etwa auf kleineren Tierbeständen oder einem geringeren Düngereinsatz.
Quelle: Umweltbundesamt, Thünen-Institut
Wie geht es mit den landwirtschaftlichen Emissionen weiter?
Die amtliche Projektion geht bis 2030 von einem weiteren Rückgang der landwirtschaftlichen Emissionen aus. Auf welchen Annahmen dieser Rückgang beruht, welche zusätzlichen Minderungspotenziale darüber hinaus bestehen – vor allem mit Blick auf die Zeit nach 2030 – und welche Emissionen sich langfristig kaum vermeiden lassen, hat Dr. Roland Fuß vom Thünen-Institut für landwirtschaft.de eingeordnet. Er arbeitet unter anderem an den nationalen Treibhausgasinventaren und Projektionen für die Landwirtschaft mit.
Was den weiteren Rückgang bis 2030 antreibt
Als einen wesentlichen Treiber nennt Fuß “einen sich fortsetzenden, aber abgeschwächten Rückgang der Tierzahlen”. Zurückzuführen sei dieser vor allem auf ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Tierhaltung in Deutschland sowie auf steigende Anforderungen an Umwelt- und Tierschutz.
Zudem wird in der Projektion angenommen, dass der Einsatz synthetischer Stickstoffdünger aufgrund hoher Preise auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau bleibt. Weitere Minderungen werden durch eine bessere Energieeffizienz von Landmaschinen, Stallheizungen, Trocknungsanlagen und Gewächshäusern sowie durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien erwartet.
Welche zusätzlichen Minderungen sind möglich?
Mit dem bis 2030 erwarteten Rückgang sind die Möglichkeiten zur Emissionsminderung jedoch noch nicht ausgeschöpft. Als realistische Ansatzpunkte für weitere Emissionsminderungen nennt Fuß vor allem Effizienzsteigerungen und technische Maßnahmen innerhalb der landwirtschaftlichen Produktion.
Bei der Düngung sieht er trotz der bereits erzielten Fortschritte noch weitere Möglichkeiten. Mithilfe von Präzisionslandwirtschaft und digitaler Unterstützung lässt sich Stickstoff noch genauer an den Bedarf der Pflanzen anpassen. Dadurch sinken die Stickstoffüberschüsse und damit auch die Lachgasemissionen. Auch sogenannte Nitrifikationshemmer – Zusatzstoffe für Düngemittel oder Gülle, die im Boden die Umwandlung von Ammonium in Nitrat verlangsamen – können die Entstehung von Lachgas im Boden verringern.
Eine Ausweitung des Ökolandbaus würde die durch Düngung verursachten Emissionen ebenfalls senken. Laut Fuß sei aber derzeit nicht davon auszugehen, dass das Ausbauziel der Bundesregierung für den Ökolandbau – 30 Prozent Flächenanteil bis 2030 – erreicht wird.
Quelle: Kinwun via Getty Images
Auch über die Fütterung lassen sich die Emissionen noch weiter verringern. In der Rinderhaltung können optimierte Futterrationen und bestimmte Futtermittelzusatzstoffe die bei der Verdauung entstehenden Methanemissionen senken. Auch die Züchtung auf geringere Methanemissionen wird wissenschaftlich untersucht. Ein weiterer Ansatz ist, den Proteingehalt des Futters genauer an den Bedarf der Tiere anzupassen. Dadurch scheiden sie weniger Stickstoff aus, sodass auch die daraus entstehenden Lachgasemissionen sinken können. Bei Schweinen und Geflügel wird dieses Potenzial bereits genutzt; in der Rinderhaltung bestehen laut Fuß noch größere Verbesserungsmöglichkeiten.
Auch bei der Lagerung von Gülle und anderen Wirtschaftsdüngern lassen sich Methanemissionen verringern. Werden sie konsequent in Biogasanlagen vergoren, kann das entstehende Methan aufgefangen und energetisch genutzt werden. Voraussetzung sind gasdichte Anlagen und Gärrestlager.
Beim Einsatz von Kraft- und Brennstoffen hält Fuß langfristig einen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien für erforderlich. Dazu gehören Wärmepumpen für die Heizung und Kühlung sowie elektrisch betriebene Landmaschinen, soweit dies technisch möglich ist. Wo eine Elektrifizierung nicht infrage kommt, könnten Biokraftstoffe fossilen Diesel ersetzen.
Wie groß das gesamte Potenzial dieser Maßnahmen ist, lässt sich nicht exakt beziffern, da sie sich teilweise überschneiden oder gegenseitig beeinflussen. “Man kann jedoch davon ausgehen, dass bei unveränderter landwirtschaftlicher Produktionsmenge eine Emissionsminderung in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent möglich wäre”, so Fuß.
Für größere Minderungen müssten Tierbestände sinken
Um die Emissionen über die technischen Maßnahmen hinaus zu senken, müssten nach Einschätzung von Fuß weniger tierische Lebensmittel konsumiert und erzeugt werden. Er formuliert es deutlich: “Die Klimaneutralität Deutschlands ist mit den jetzigen Tierzahlen, insbesondere Rinderzahlen, nicht oder nur zu sehr hohen Kosten erreichbar.”
Wie groß die Wirkung solcher Veränderungen sein könnte, zeigen verschiedene wissenschaftliche Szenarien. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Prognosen, sondern um Berechnungen dazu, was unter bestimmten Voraussetzungen möglich wäre.
Die Studie “Die Zukunft von Landnutzung und Ernährung in Deutschland” von Agora Agrar nimmt an, dass der Verzehr tierischer Lebensmittel zwischen 2020 und 2045 um etwa die Hälfte sinkt. In Verbindung mit technischen Maßnahmen könnten die Emissionen aus Tierhaltung und Wirtschaftsdüngern dadurch bis 2045 um rund 68 Prozent zurückgehen. Etwa zwei Drittel dieser Minderung führt die Studie auf kleinere Tierbestände und ein Drittel auf Emissionsminderungstechnologien in der Fütterung und in der Lagerung von Wirtschaftsdüngern zurück.
Noch weiter geht das im Auftrag des Umweltbundesamtes entwickelte CARESupreme-Szenario. Es kommt für 2045 auf landwirtschaftliche Emissionen von 23,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Dabei wurde unter anderem angenommen, dass 75 Prozent weniger Fleisch und Milchprodukte konsumiert werden und sich die landwirtschaftliche Produktion entsprechend verändert, ohne dass stattdessen mehr Lebensmittel exportiert werden. Zusätzlich werden der Ökolandbau und der Anbau von Hülsenfrüchten stark ausgeweitet.
Fuß bezeichnet CARESupreme jedoch als eine idealisierte Potenzialstudie. Aus heutiger Sicht sei es sehr unwahrscheinlich, dass derart tiefgreifende Veränderungen erreicht werden.
Können Wälder, Moore und Böden die verbleibenden Emissionen ausgleichen?
Quelle: traumlichtfabrik / Moment via Getty Images
Selbst wenn Verbraucherinnen und Verbraucher künftig deutlich weniger Fleisch und Milchprodukte konsumierten als heute, hält Fuß es für sehr unwahrscheinlich, dass die landwirtschaftlichen Emissionen unter 30 bis 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sinken. Eine solche Entwicklung wäre zudem mit einem weitreichenden Umbruch für tierhaltende Betriebe verbunden, auf den die Politik derzeit nicht zusteuere.
Ein Teil der verbleibenden Emissionen könnte theoretisch durch den sogenannten Landnutzungssektor ausgeglichen werden. In der Klimabilanz wird dieser als Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft – kurz LULUCF – bezeichnet. Dazu gehören Wälder, landwirtschaftlich genutzte Moorflächen, Grünland und Ackerböden. Damit dieser Sektor Emissionen aus anderen Bereichen ausgleichen kann, müsste er unterm Strich mehr Treibhausgase aufnehmen als freisetzen.
Den größten Hebel sieht Fuß in der Wiedervernässung entwässerter Moorböden. Durch die Entwässerung zersetzt sich der Torf und setzt Kohlendioxid frei. Landwirtschaftlich genutzte organische Böden verursachen dadurch gegenwärtig mehr als 30 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr. Werden die Wasserstände wieder angehoben, lassen sich diese Emissionen stark verringern. Die Umsetzung benötigt allerdings viel Zeit und dürfte – selbst wenn wir jetzt aktiv würden – ihre volle Wirkung erst nach 2030 entfalten. Daneben gilt es, die Kohlenstoffvorräte in Dauergrünland und Ackerböden zu erhalten.
Nach Einschätzung von Fuß ist derzeit jedoch nicht absehbar, dass der LULUCF-Sektor zu einer ausreichend großen Senke wird. Die Wälder leiden unter den Folgen des Klimawandels, wodurch ihre Senkenleistung geschwächt ist, und die Wiedervernässung der Moore kommt bislang nur langsam voran. Während der Kohlenstoffvorrat des bestehenden Grünlands im bundesweiten Durchschnitt derzeit nicht weiter zunimmt, verlieren Ackerböden im Mittel sogar Kohlenstoff. Laut Fuß müssen wir also realistisch zunächst alles daransetzen, dass der LULUCF-Sektor nicht umgekehrt als weitere Quelle von Treibhausgasemissionen fungiert.
Weitere Informationen
Umweltbundesamt (UBA): Klimaschutz in der Landwirtschaft
UBA: Treibhausgas-Emissionen in Deutschland
UBA: Aktuelle Treibhausgas-Projektionen
