Abwassernutzung in der Landwirtschaft
Letzte Aktualisierung: 19. März 2026
Die Sommer werden trockener und Wasser knapper. Doch die Landwirtschaft braucht eine verlässliche Versorgung. Kann die Nutzung von Abwasser helfen?
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In Kürze
- Durch häufigere Trockenperioden wird Wasser für die Landwirtschaft knapper.
- Aufbereitetes kommunales Abwasser kann eine zusätzliche Wasserquelle für die landwirtschaftliche Bewässerung sein.
- Die Nutzung ist seit 2023 durch die EU-Verordnung 2020/741 zur Wasserwiederverwendung grundsätzlich erlaubt.
- Um gesundheitliche und ökologische Risiken zu vermeiden, muss das Wasser zusätzlich aufbereitet und kontrolliert werden.
- In Deutschland wird die Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser bisher vor allem in Pilotprojekten erprobt.
Durch den Klimawandel kommt es im Frühjahr und Sommer vermehrt zu längeren Trockenperioden. Dadurch fehlt den Obst-, Gemüse- und Ackerkulturen während der Hauptwachstumsphase immer häufiger Wasser. Gemüsefelder müssen dann bewässert werden, um einen ausreichenden Ertrag sicherzustellen. Und auch Kartoffeln, Getreide und Mais sind zunehmend von Trockenheit betroffen. Zwar werden derzeit nur etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland bewässert, dieser Anteil wird sich aber aufgrund des Klimawandels voraussichtlich erhöhen.
Die Landwirtschaft konkurriert nicht nur mit Industrie und Gewerbe um die Wasserressourcen. Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser hat Vorrang vor dem Einsatz in der Landwirtschaft. Dadurch kann Wasser zum Beispiel in Dürre- oder Hitzephasen für die Landwirtschaft knapp werden. Zudem lassen sich steigende Wasserbedarfe langfristig nicht überall allein aus dem Grundwasser decken.
Neben einem sparsamen Umgang mit Wasser wird es zukünftig für landwirtschaftliche Betriebe immer wichtiger, Wasser aus alternativen Herkünften für die Bewässerung zu nutzen. Hier kann die Nutzung von kommunalem Abwasser helfen. Das ist Wasser, das aus privaten Haushalten, dem Gewerbe sowie als Regenwasser in das Kanalsystem gelangt und in einer Kläranlage gereinigt wird. Was gibt es hierbei zu beachten?
Ist die Nutzung von Abwasser in der Landwirtschaft erlaubt?
Seit 2023 ist die Nutzung von kommunalem Abwasser in der Landwirtschaft durch die EU-Verordnung 2020/741 zur Wasserwiederverwendung in allen Mitgliedstaaten grundsätzlich erlaubt.
Viele europäische Länder mit ausgeprägter Wasserknappheit, etwa Spanien, Italien oder Griechenland, nutzen gereinigtes Abwasser bereits seit Jahren. In Deutschland ist die Nutzung möglich, die nationalen Regelungen und die praktische Umsetzung befinden sich jedoch noch im Aufbau.
Um welches Abwasser geht es – und was passiert sonst damit?
In Deutschland fallen jährlich durchschnittlich mehr als acht Milliarden Kubikmeter kommunales Abwasser an. In kommunalen Kläranlagen wird es in mehreren Reinigungsstufen behandelt. Zunächst erfolgt eine mechanische Reinigung, bei der grobe Bestandteile entfernt werden. Anschließend folgt eine biologische Reinigung, bei der organische Stoffe und Nährstoffe abgebaut werden. Weitere Behandlungen reduzieren Viren, Bakterien und Mikroschadstoffe.
Moderne Kläranlagen erreichen dabei eine hohe Reinigungsleistung. Dennoch lassen sich schwer abbaubare Stoffe, Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor sowie Krankheitserreger nicht vollständig entfernen. In der Regel wird das Abwasser anschließend in Flüsse, Bäche oder Seen eingeleitet. Dort wird es durch natürliche Prozesse weiter verdünnt und mikrobiologisch gereinigt.
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Welche Vorteile hat die Nutzung von Abwasser für die Landwirtschaft?
Das Wasser für die landwirtschaftliche Bewässerung stammt in Deutschland derzeit primär aus dem Grundwasser, seltener auch aus Flüssen, Bächen oder Seen. Die alternative Nutzung von aufbereiteten Abwässern entlastet diese Gewässer.
Zugleich erhalten Landwirtinnen und Landwirte eine relativ stabile, planbare Wasserquelle. Denn: Kläranlagen liefern ganzjährig Abwasser, auch in Trockenzeiten.
Ein weiterer Vorteil der Abwassernutzung ist, dass das aufbereitete Wasser geringe Mengen an Pflanzennährstoffen wie Stickstoff und Phosphat enthält. Diese Mengen werden bei der Düngung berücksichtigt und können dazu beitragen, Düngemittel einzusparen. Die Pflanzennährstoffe, vor allem Phosphate und Nitrate, gelangen in erster Linie durch menschliche Fäkalien in das Abwasser, Restkonzentrationen sind auch nach der mechanischen und biologischen Reinigung noch vorhanden.
Damit kann die Wasserwiederverwendung in der Landwirtschaft langfristig zu einer nachhaltigeren Bewässerung beitragen.
Welche Risiken und Herausforderungen hat die Abwassernutzung in der Landwirtschaft?
Trotz intensiver Reinigung können mit dem Abwasser unerwünschte Stoffe in die Umwelt gelangen. Problematisch ist, wenn durch die Bewässerung mit diesem Wasser Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten auf Gemüse, Obst und Kräuter übertragen werden und essbare Pflanzenteile direkt benetzt werden. Beim Verzehr – insbesondere von Rohkost – könnten diese Erreger beim Menschen Durchfallerkrankungen oder andere Infektionen auslösen.
Hinzu kommen chemische Rückstände, etwa aus Arzneimitteln oder Industriechemikalien. Sind solche Stoffe im Wasser enthalten, können sie sich in Böden und Pflanzen anreichern und gelten aus Sicht von Umwelt- und Gesundheitsbehörden als besondere Herausforderung.
Zur Minimierung dieser Risiken muss das gereinigte kommunale Abwasser vor der Nutzung in der landwirtschaftlichen Bewässerung speziell aufbereitet werden.
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Wie wird gereinigtes Abwasser für die Bewässerung sicher gemacht?
Um schädliche Reststoffe wie Krankheitserreger oder chemische Rückstände zu entfernen, ist eine zusätzliche Aufbereitung des gereinigten Abwassers notwendig. Beispielsweise wird das Abwasser in einem weiteren Aufbereitungsschritt in der Kläranlage gefiltert – zum Beispiel mit Sand- oder Mehrschichtfiltern – und desinfiziert. Zur Desinfektion kommen unter anderem UV-Bestrahlung und Ozonbehandlung zum Einsatz. Ozon kann zudem dazu beitragen, bestimmte organische Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände weiter abzubauen.
Zusätzlich sind Risikomanagementpläne vorgeschrieben und es muss eine Genehmigung eingeholt werden.
Auch die Art der Bewässerungstechnik spielt eine wichtige Rolle. Bei Verfahren wie Tropfbewässerung kommt das Wasser kaum mit den essbaren Pflanzenteilen in Berührung. Dadurch sinkt das Risiko zusätzlich.
Welche Infrastruktur ist für die Wasserwiederverwendung nötig?
Um kommunales Abwasser künftig breiter für die landwirtschaftliche Bewässerung nutzen zu können, müssen neben mikrobiologischen und hygienischen Aspekten vor allem auch technische und logistische Fragen geklärt werden. Investitionen sind unter anderem in Wasserspeicher sowie geeignete Leitungssysteme nötig, damit das aufbereitete Abwasser zuverlässig auf die Felder gelangt.
Auch die vorhandene Aufbereitungstechnik in kommunalen Kläranlagen muss teilweise an die neuen Anforderungen an die Wasserqualität angepasst werden.
Für jede einzelne Anwendung muss geprüft werden, ob die vorhandene Infrastruktur ausreicht oder ob zusätzliche Aufbereitungsstufen, Speicher und Leitungen gebaut beziehungsweise erweitert werden müssen.
Pilotprojekte in Deutschland
In Deutschland wird die Bewässerung mit aufbereitetem Abwasser bisher vor allem in Pilot- und Forschungsprojekten erprobt. Ziel ist es, Erfahrungen mit Technik, Hygiene, Risikomanagement und Akzeptanz zu sammeln. Die Projekte untersuchen unter Praxisbedingungen, wie zuverlässig die Aufbereitung funktioniert, wie sich Rückstände verhalten und wie die Nutzung sicher in bestehende Wassersysteme integriert werden kann.
Weitere Informationen
Umwelt Dialog UD: Klarwasser statt Regen: Pilotprojekt startet Bewässerung mit gereinigtem Abwasser
Umweltbundesamt: Umsetzung der EU-Verordnung zu Wasserwiederverwendung (PDF)
Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: Wasserwiederverwendung
