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Außenhandel: Welche Bedeutung haben Agrarexporte für Deutschland?

Letzte Aktualisierung: 18. August 2026

Deutschland ist einer der größten Agrarexporteure der Welt. Doch was wird wohin exportiert und welche Bedeutung hat das für die Landwirtschaft?

Aus der Vogelperspektive stehen mehrere LKWs parallel nebeneinander vor einer Lagerhalle.
Deutschland ist weltweit der viertgrößte Exporteur von Agrar- und Ernährungsgütern.
Quelle: Bim via Getty Images

In Kürze


Warum werden Nahrungsmittel international gehandelt?

Kein Land kann alle Lebensmittel, die seine Bevölkerung nachfragt, selbst produzieren. Denn was wo wächst und erzeugt werden kann, hängt von Klima, Böden und anderen Standortfaktoren ab. Bananen oder Kaffee zum Beispiel gedeihen nicht unter mitteleuropäischen Bedingungen. Andere Lebensmittel ließen sich zwar auch in Deutschland erzeugen, jedoch nur mit hohem technischem und energetischem Aufwand – etwa im Gewächshaus – oder mit deutlich geringeren Erträgen.

Was wird unter Agraraußenhandel gefasst?

Agrar- und Ernährungsgüter werden über Grenzen hinweg verkauft und gekauft. Dazu zählen landwirtschaftliche Rohstoffe wie Getreide, Kartoffeln, Milch oder Fleisch, aber auch verarbeitete Lebensmittel wie Käse, Wurst, Backwaren, Schokolade oder Bier.
In Agrarstatistiken werden teils auch andere Waren wie Fischprodukte, Futtermittel, Saatgut, Düngemittel, Forstprodukte oder Landtechnik erfasst. In diesem Artikel stehen jedoch landwirtschaftliche Rohstoffe und Lebensmittel im Vordergrund.

Wie günstig Lebensmittel erzeugt werden können, hängt aber nicht nur von Klima und Böden ab. Auch Lohnkosten, Energiepreise sowie Umweltauflagen beeinflussen die Produktionskosten. Deshalb lassen sich manche Lebensmittel in anderen Ländern günstiger erzeugen. Besonders bei Obst und Gemüse können niedrigere Lohnkosten ins Gewicht fallen, weil ihre Erzeugung viel Handarbeit erfordert.

Wie profitiert Deutschland von Agrarexporten?

Der Agraraußenhandel schafft in Deutschland an vielen Stellen Einkommen und Arbeitsplätze. Wenn Milchprodukte, Backwaren oder Fleischwaren ins Ausland verkauft werden, verdienen daran nicht nur landwirtschaftliche Betriebe. Auch Molkereien, Mühlen, Bäckereien, Schlachtereien, Verpackungsfirmen, Speditionen und Händler sind beteiligt.

Wertschöpfung entsteht auch durch die Verarbeitung eingeführter Rohstoffe. Kakao, Kaffee oder Fisch werden in Deutschland weiterverarbeitet, verpackt und zum Teil wieder exportiert – zum Beispiel als Schokolade, Röstkaffee oder Fischkonserven. So entsteht ein Teil der Wertschöpfung in Deutschland, obwohl der ursprüngliche Rohstoff aus einem anderen Land stammt. 
 

Schweinehälften hängen dicht nebeneinander in einem Kühlhaus.
Mehr als die Hälfte des Fleischs, das Deutschland exportiert, ist Schweinefleisch.
Quelle: marina_karkalicheva via Getty Images

Außenhandel kann zudem dazu beitragen, landwirtschaftliche Erzeugnisse besser zu verwerten. Das zeigt sich zum Beispiel bei Schweinefleisch: Teilstücke und Innereien, die in Deutschland wenig nachgefragt werden, finden in anderen Weltregionen eher Abnehmer. Solche Exporte können zusätzliche Erlöse bringen und die Wertschöpfung entlang der Verarbeitungskette erhöhen.

Exporte sind ein wichtiges Standbein für Agrar- und Ernährungswirtschaft

Nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erzielt die deutsche Landwirtschaft nahezu jeden vierten Euro im Ausland, die Ernährungswirtschaft sogar mehr als jeden dritten Euro.

Ein Mitarbeiter einer Käserei steht an einem großen Bottich mit Rührwerk.
Milchprodukte sind Deutschlands Agrarexportgut Nummer eins – darunter insbesondere Käse und Quark.
Quelle: Jesper Mattias via Getty Images

Deutschland exportierte 2024 Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von rund 98 Milliarden Euro. Damit ist dieser Bereich deutlich kleiner als die großen deutschen Exportbranchen wie die Autoindustrie oder der Maschinenbau. Zum Vergleich: Die Autoindustrie kam 2024 auf Ausfuhren im Wert von 262 Milliarden Euro, der Maschinenbau auf 216,5 Milliarden Euro.

Dennoch ist die Agrar- und Ernährungswirtschaft ein wichtiger Teil des deutschen Außenhandels: Nach Angaben des BMLEH entfielen 2024 6,4 Prozent des deutschen Gesamtexports auf diese Branche. Oder anders ausgedrückt: Etwa jeder sechszehnte Euro, den Deutschland mit Warenexporten erlöste, stammte aus diesem Bereich.

Wo steht Deutschland im Weltagrarhandel?

Nach Daten der Welthandelsorganisation WTO entfielen auf Deutschland 2024 rund fünf Prozent des weltweiten Agrarexportwerts. Damit lag Deutschland im weltweiten Ranking der Agrarexporteure hinter den USA, Brasilien und den Niederlanden auf Platz vier. Etwa ein Viertel der weltweiten Ausfuhren von Agrarerzeugnissen entfiel auf diese vier Länder.

Welche Produkte sind besonders umsatzstark?

Deutschland exportiert nicht nur landwirtschaftliche Rohstoffe, sondern vor allem auch verarbeitete Lebensmittel. Mengenmäßig dominieren pflanzliche Erzeugnisse die Ausfuhren, wertmäßig haben dagegen Waren tierischen Ursprungs einen größeren Anteil.

Besonders umsatzstark sind vier Produktgruppen:

  1. Milch und Milcherzeugnisse: Etwa jeder zweite Liter Milch geht ins Ausland. Der Exportwert dieser Produktgruppe liegt bei knapp 13,8 Milliarden Euro. Besonders wichtig sind Käse und Quark mit 6,2 Milliarden Euro. Auch Milcherzeugnisse wie Butter, Sahne, Milchpulver oder Molkenprodukte gehören dazu.
  2. Getreideerzeugnisse und Backwaren: Diese Gruppe erreicht einen Exportwert von 10,6 Milliarden Euro. Einen großen Anteil daran haben Brot und Backwaren mit 5,4 Milliarden Euro. Zur Gruppe gehören aber auch unverarbeitetes Getreide, Mehl oder Malz.
  3. Fleisch und Fleischerzeugnisse: Der Exportwert liegt hier bei 10,2 Milliarden Euro. Den größten Anteil hat Schweinefleisch mit 56 Prozent, gefolgt von Geflügelfleisch mit 22 Prozent und Rindfleisch mit 21 Prozent. Neben frischem oder gefrorenem Fleisch zählen dazu auch verarbeitete Produkte wie Wurstwaren.
  4. Kakao und Kakaoerzeugnisse: Diese Gruppe erreicht einen Exportwert von 9,6 Milliarden Euro. Das mag zunächst überraschen, denn der Rohstoff Kakao stammt aus tropischen Anbauländern. Er wird nach Deutschland importiert und hier vor allem zu Schokolade und Pralinen verarbeitet, die anschließend in großem Umfang exportiert werden.

Wie hat sich der deutsche Agrarexport entwickelt?

Der Exportwert ist seit 2010 deutlich gestiegen. Damals exportierte Deutschland Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von rund 53 Milliarden Euro, 2024 waren es rund 98 Milliarden Euro. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass entsprechend mehr Ware ausgeführt wurde. Denn Exportwerte steigen auch dann, wenn sich Waren verteuern – etwa weil höhere Kosten für Rohstoffe, Energie, Verarbeitung, Verpackung oder Transport in die Preise einfließen.

Die Statistik zeigt: Zwischen 2010 und 2024 hat sich die Menge der exportierten Agrar- und Ernährungsgüter kaum verändert. Sie lag 2010 bei 60,1 Millionen Tonnen und 2024 bei rund 61,3 Millionen Tonnen.

Neue Strategie für mehr Agrarexporte

Mit der Agrarexportstrategie will das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat den Export deutscher Agrar- und Ernährungsgüter gezielter unterstützen. Ziel ist es, bestehende Auslandsmärkte zu sichern, neue Märkte zu erschließen und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft zu stärken.

Mehr dazu: Agrarexportstrategie des BMLEH

Wohin gehen deutsche Agrarexporte?

Die wichtigsten Abnehmerländer deutscher Agrar- und Ernährungsgüter liegen in Europa. 2024 gingen rund drei Viertel der ernährungswirtschaftlichen Ausfuhren in andere EU-Staaten. Die Niederlande waren der wichtigste Zielmarkt. Dahinter folgten Frankreich, Polen, Italien und Österreich.

Dass viele deutsche Agrarexporte in EU-Nachbarländer gehen, lässt sich vor allem mit dem EU-Binnenmarkt erklären. Gemeinsame Regeln, Zollfreiheit und kurze Transportwege erleichtern den Handel – besonders bei frischen, gekühlten oder weiterverarbeiteten Lebensmitteln.

Rund ein Viertel der deutschen Agrarexporte geht in Länder außerhalb der EU. Nach Angaben des BMLEH verteilten sich diese Agrarausfuhren 2024 auf mehr als 180 Drittländer. Besonders wichtig sind dabei das Vereinigte Königreich, die Schweiz, die USA und China. Auf diese vier Märkte entfiel 2024 zusammen knapp die Hälfte der deutschen Agrarexporte in Drittländer. Das Vereinigte Königreich ist dabei der wichtigste Drittlandsmarkt und zugleich der größte Abnehmer deutscher Milchprodukte außerhalb der EU.

Ein Containerschiff liegt in einem Hafen.
Etwa ein Viertel der deutschen Agrarexporte geht in Länder außerhalb der EU.
Quelle: alptraum via Getty Images

Welche Risiken bringt der Export mit sich?

Ein starker Export kann Betrieben und Unternehmen zusätzliche Absatzmöglichkeiten eröffnen. Er macht sie aber auch abhängiger von Entwicklungen auf internationalen Märkten. Das zeigt sich zum Beispiel beim Schweinefleisch. Seit dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im Jahr 2020 darf kein deutsches Schweinefleisch mehr nach China exportiert werden. Für die Schweinebranche war und ist das besonders einschneidend, weil China zuvor ein wichtiger Drittlandsmarkt war.

Auch politische Entscheidungen, neue Zölle oder andere Handelshemmnisse können den Zugang zu Exportmärkten erschweren. Solche Risiken betreffen nicht alle Produkte gleichermaßen. Besonders anfällig sind Bereiche, die stark auf wenige Absatzmärkte ausgerichtet sind oder bei denen veterinärrechtliche, pflanzengesundheitliche oder zollrechtliche Vorgaben eine große Rolle spielen.

Welche Bedeutung haben deutsche Agrarexporte für die Ernährungssicherheit in anderen Ländern?

Für die Ernährungssicherung anderer Länder spielen deutsche Agrarexporte insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Anders als große Anbieter von Grundnahrungsmitteln exportiert Deutschland vor allem viele verarbeitete Agrar- und Ernährungsgüter.

Bei Grundnahrungsmitteln sind international andere Länder entscheidender – etwa Russland bei Weizen, die USA und Brasilien bei Mais oder Indien, Thailand und Vietnam bei Reis.

Zudem gehen die deutschen Ausfuhren überwiegend in EU-Staaten und andere kaufkräftige Märkte. Die deutsche Exportförderung richtet sich daher weniger auf Länder mit besonders niedriger Kaufkraft, sondern vor allem auf Märkte, in denen die Nachfrage nach hochwertigen und verarbeiteten Lebensmitteln wächst.


Weitere Informationen

bmel-statistik.de: Versorgungsbilanzen

bmel-statistik.de: Außenhandel

Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH): Agrarexportstrategie


Eine Gruppe afrikanischer Mädchen arbeitet auf einem Kohlfeld.

Wie wirken sich Agrarexporte in Entwicklungsländer aus?

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