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Woher kommen die Mineraldünger für unsere Landwirtschaft?

Letzte Aktualisierung: 26. März 2026

Mineraldünger sichern hohe Erträge. Doch ihre Herstellung braucht viel Energie, die Rohstoffvorkommen sind ungleich verteilt und die Abhängigkeit vom Weltmarkt ist groß.

Frachtschiff beim Entladen von Düngemitteln im Hafen
Mineraldünger wird weltweit gehandelt und meist mit dem Schiff über große Entfernungen transportiert.
Quelle: Elena Perova via Getty Images

In Kürze


Mineraldünger liefern Nährstoffe in konzentrierter Form und lassen sich gezielt an den Bedarf der Pflanzen anpassen. Dadurch sind heute hohe landwirtschaftliche Erträge möglich. Sie sind eine wichtige Grundlage dafür, dass viele Menschen zuverlässig mit Lebensmitteln versorgt werden können. Vor allem drei Nährstoffe stehen dabei im Mittelpunkt: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Stickstoff spielt dabei die größte Rolle.

Behandschuhte Hand hält weißen Mineraldünger in körniger Form
Mineraldünger werden oft in fester, granulierter Form ausgebracht. Es gibt sie aber auch als flüssige Dünger.
Quelle: Liudmila Chernetska via Getty Images

Auch organische Dünger wie Mist, Gülle oder Kompost sind wichtig. Sie stehen jedoch nicht immer und überall in ausreichender Menge zur Verfügung. Außerdem ist der Nährstoffgehalt in organischen Düngern in der Regel niedriger als bei Mineraldüngern und schwankt sehr häufig. Deshalb lassen sie sich oft weniger genau nach dem Bedarf der Pflanzen planen und dosieren.

Woraus Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumdünger bestehen und wie sie hergestellt werden

Mineralische Stickstoffdünger und andere stickstoffhaltige Chemikalien werden heute meist über das sogenannte Haber-Bosch-Verfahren hergestellt.

Warum wird gedüngt?

Warum Pflanzen gedüngt werden müssen und welche Rolle Nährstoffe spielen, erklärt der Artikel “Warum düngen Bäuerinnen und Bauern?”

Entwickelt wurde es zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Chemiker Fritz Haber. Carl Bosch brachte es später in die industrielle Produktion. Bei diesem Verfahren wird Stickstoff aus der Luft mit Wasserstoff verbunden, der heute meist aus Erdgas gewonnen wird.  Der auf diese Weise entstehende Ammoniak dient als Grundstoff für eine Vielzahl von mineralischen Stickstoffdüngern. Daraus werden zum Beispiel Harnstoff oder Ammoniumnitrat hergestellt. Für das Haber-Bosch-Verfahren sind hohe Temperaturen und hoher Druck nötig. Das macht die Herstellung von Stickstoffdüngern sehr energieaufwendig.

Große Chemieanlage mit Rohrleitungen und Türmen zur Herstellung von Ammoniak
Stickstoffdünger sowie Vorprodukte wie Ammoniak werden in großen Industrieanlagen hergestellt.
Quelle: Aliaksandr Yarmashchuk via Getty Images

Phosphatdünger entstehen auf eine andere Weise: Sie werden aus Phosphatgestein gewonnen, dass in Bergwerken oder im Tagebau abgebaut und anschließend mit Säuren aufgeschlossen wird. So wird der im Gestein enthaltene Phosphor in eine Form gebracht, die Pflanzen leichter aufnehmen können.

Kaliumdünger, in der Landwirtschaft Kalidünger genannt, stammen aus Kalisalzen. Diese lagern tief unter der Erde und werden ebenfalls bergmännisch gewonnen. Nach dem Abbau werden die Salze gereinigt und zu Düngemitteln aufbereitet.

Woher die Rohstoffe kommen – und wo Dünger hergestellt wird

Wo Mineraldünger herkommen, ist je nach Nährstoff sehr verschieden. Denn Rohstoffe, Förderung und Herstellung konzentrieren sich jeweils auf andere Regionen der Welt.

Bei Stickstoffdüngern steht weniger ein Rohstoffvorkommen im Mittelpunkt als vielmehr Energie und Industrie. Entscheidend ist hier oft, wo ausreichend und vergleichsweise günstig verfügbares Erdgas vorhanden ist. Häufig werden Produktionsanlagen deshalb in Regionen gebaut, in denen viel Erdgas gefördert wird. Dort entstehen Stickstoffdünger oder gut transportfähige Vorstufen wie Ammoniak. Die weltweit wichtigsten Produktionsländer sind China, Russland, die USA und mehrere Staaten im Nahen Osten wie Saudi-Arabien, Iran oder Katar.

Bei Phosphor ist die Lage sehr viel konzentrierter. Phosphatgestein kommt nur in sehr wenigen Regionen der Welt in größeren Mengen vor. Eine zentrale Rolle spielt hier Marokko, das über den mit Abstand größten Teil der bekannten Reserven verfügt. Weitere wichtige Förderländer sind China, Ägypten, Algerien, Südafrika und Brasilien. Meist werden auch die Phosphatdünger in diesen Ländern produziert. Viele Länder weltweit, darunter Deutschland, sind auf Importe aus diesen Regionen angewiesen.

Kali stammt ebenfalls aus Lagerstätten, die weltweit ungleich verteilt sind. Zu den wichtigsten Förderländern zählen Kanada, Russland, China und Belarus. Aber auch Deutschland verfügt über nennenswerte Kalireserven. Die Produktion von Kalidüngern erfolgt oft nahe an den Lagerstätten, weil der Abbau und Transport aufwendig sind.

Welche Faktoren die Versorgung beeinflussen

Die ungleiche Verteilung der Rohstoffvorkommen und Produktion macht den Düngemittelmarkt zu einem globalen System. Dementsprechend haben politische Krisen, Handelskonflikte oder Störungen im Transport großen Einfluss auf die Versorgungslage. Wie anfällig die Versorgung ist, hängt stark davon ab, um welchen Nährstoff es geht.

Bei Stickstoff ist nicht der Rohstoff selbst das Problem. Denn Stickstoff ist in der Luft reichlich vorhanden. Engpässe entstehen hier vor allem, wenn Erdgas knapp oder teuer wird. Das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, zuletzt etwa nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und aktuell durch den Krieg mit Iran und die dadurch verursachten Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus (siehe auch Infokasten).

Luftbild einer Phosphatmine
Phosphatgestein kommt nur in wenigen Regionen der Welt in größeren Mengen vor.
Quelle: BrianBrownImages via Getty Images

Bei Phosphor liegt das Risiko anders. Hier geht es nicht in erster Linie um Energie, sondern um die Verfügbarkeit eines endlichen Rohstoffs. Phosphatgestein kommt nur in wenigen Ländern in großen Mengen vor. Das macht den Markt anfällig für politische Spannungen, Handelskonflikte oder Exportbeschränkungen. Hinzu kommt, dass die Vorräte begrenzt und die noch verfügbaren Lagerstätten zunehmend schwerer zu erschließen sind. Das treibt schon heute die Kosten für Phosphordünger in die Höhe. Für viele Landwirtinnen und Landwirte in ärmeren Teilen dieser Welt werden sie dadurch immer schwerer bezahlbar.

Bei Kali ist die Lage etwas weniger angespannt, aber ebenfalls nicht frei von Risiken. Die weltweiten Vorräte gelten insgesamt als vergleichsweise groß. Doch auch hier konzentrieren sich Förderung und Export auf wenige Länder. Wenn wichtige Anbieter ausfallen, etwa durch Sanktionen, politische Krisen oder Probleme im Transport, kann das schnell Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit haben.

Infokasten: Warum die Straße von Hormus für Dünger wichtig ist

Satellitenaufnahme der Straße von Hormus zwischen Persischem Golf und Indischem Ozean
Die Straße von Hormus ist ein wichtiger Transportweg für Energie und Vorprodukte der Düngemittelherstellung.
Quelle: NASA

Wie Krisen den Düngemittelmarkt gleich mehrfach treffen können, zeigt aktuell besonders deutlich der Krieg mit Iran und die massiven Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Nach Angaben der internationalen Nachrichtenagentur Reuters laufen durch diese Meerenge rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls sowie große Mengen Flüssiggas (LNG). Das ist für Stickstoffdünger besonders wichtig, weil ihre Herstellung viel Energie braucht.

Reuters berichtet außerdem, dass rund ein Drittel des weltweiten Handels mit Düngemitteln und wichtigen Vorprodukten durch die Straße von Hormus verläuft. Dazu zählen unter anderem Ammoniak und Schwefel. Schwefel wird für die Herstellung von Schwefelsäure benötigt, die bei vielen Phosphatdüngern eine wichtige Rolle spielt.

Wie abhängig ist Deutschland in Sachen Dünger vom Ausland?

Wie stark Deutschland vom Ausland abhängt, ist je nach Düngerstoff sehr unterschiedlich. Bei Phosphor ist die Lage eindeutig: Deutschland hat keine eigenen Phosphatvorkommen und ist deshalb auf Importe angewiesen.

Bei Kali ist Deutschland deutlich besser aufgestellt. Das Land verfügt über eigene Lagerstätten und produziert selbst große Mengen. Nach Zahlen des Industrieverbandes Agrar (IVA) lag die Kaliproduktion in Deutschland 2024 bei rund 2,6 Millionen Tonnen. An die heimische Landwirtschaft wurden im Düngejahr 2024/25 dagegen nur rund 340.000 Tonnen geliefert. Das zeigt: Deutschland produziert bei Kali deutlich mehr, als die eigene Landwirtschaft direkt benötigt.

Auch Stickstoffdünger werden in Deutschland in größerem Stil hergestellt. Nach Informationen des IVA können deutschen Hersteller etwa 75 Prozent des Bedarfs an Stickstoffdünger hierzulande decken. Zugleich ist Deutschland hier aber stark in internationale Energie- und Handelsströme eingebunden. Denn für die Herstellung werden große Mengen Erdgas benötigt.

Luftaufnahme einer großen Abraumhalde aus dem Kalibergbau
Deutschland verfügt über eigene Lagerstätten für Kalisalze, einen wichtigen Grundstoff für Mineraldünger.
Quelle: Westend61 via Getty Images

Was helfen könnte, um unabhängiger zu werden

Ganz ohne Mineraldünger wird die Landwirtschaft auf absehbare Zeit kaum auskommen. Dennoch gibt es mehrere Ansatzpunkte, um die Abhängigkeit vom Weltmarkt zu verringern und das System insgesamt robuster zu machen.

Ein wichtiger Hebel ist, Dünger noch effizienter einzusetzen. Moderne Technik kann dabei helfen: GPS-gesteuerte Maschinen, Sensoren und digitale Auswertungen tragen heute schon dazu dabei, den Düngebedarf einzelner Teilflächen genauer zu erfassen. So können Düngerstreuer die Nährstoffe oft zentimetergenau und nur dort ausbringen, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Das spart Betriebsmittel, senkt Verluste und kann die Abhängigkeit von knappen oder teuren Düngemitteln verringern.

Ebenso entscheidend ist es, die Nährstoffkreisläufe besser zu schließen. Denn viele Nährstoffe gehen entlang der Lebensmittelkette verloren. Das beste Beispiel dafür ist Phosphor: Ein großer Teil des importierten Phosphors gelangt über Lebensmittel in den Abwasserkreislauf und landet schließlich in der Kläranlage. Dort steckt er weiter im Klärschlamm, wurde bislang aber nur unvollständig in den Kreislauf zurückgeführt. Durch neue Verfahren kann Phosphor aus Klärschlamm zurückgewonnen und wieder als Dünger genutzt werden.

Auch über eine alternative Bewirtschaftung der Flächen lässt sich der Bedarf an Mineraldünger senken. Durch Leguminosen wie Klee, Erbsen oder Bohnen in der Fruchtfolge könnte beispielsweise mehr Stickstoff aus der Luft gebunden und so einen Teil des Mineraldüngers ersetzen werden. Auch Zwischenfrüchte und humusfördernde Anbaumethoden können helfen, Nährstoffe besser im System zu halten und Verluste zu verringern.

Ein weiterer Ansatz ist die Diversifizierung von Lieferketten. Wenn Dünger und Rohstoffe aus mehreren Regionen bezogen werden, sinkt das Risiko, dass Ausfälle einzelner Länder große Auswirkungen haben.

Mittel- bis langfristig spielt auch die Energiefrage eine wichtige Rolle. Neue Verfahren zur Herstellung von Stickstoffdüngern, etwa auf Basis von erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff, könnten die Abhängigkeit von Erdgas verringern.


Weitere Informationen

Industrieverband Agrar: Mineraldünger als Welternährer


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